Chrissydee 30.11.-0001, 00:00 Uhr 23 0

Meine Tochter ihr Leben mit einer krebskranken Mama

Ich bin krebskrank seit sie auf der Welt ist. Mittlerweile ist sie 3 Jahre alt und ich bin stolz wie gut sie mit ihrer kranken Mama umgeht.

Lea kam am 02.07.2002 kerngesund etwas zu früh auf die Welt.
2 Wochen später kam die Diagnose: Gehirntumor.
Eine Woche danach lag ich auf dem Op-Tisch und hatte wahnsinnige Angst mein Baby nie wieder zu sehen. Als ich auf der Intensivstation aufwachte wollte ich nur eins: Lea sehen. Während meiner Zeit im Krankenhaus hat ihr Vater sich um sie gekümmert und sie war täglich bei mir und lag zwischen meinen Schläuchen auf dem Bauch.
Ich hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen, dass ich mich nicht hinreichend um mein Kind kümmer. Trotzdem lag sie ruhig und friedlich bei mir und war auch sonst ein sehr pflegeleichtes Kind. Da ich aufgrund der Medikamente nicht stillen durfte war sie ein Flaschenkind. Bereits nach 2 Wochen schlief sie durch. Krank war sie nie und auch sonst schlief sie das erste halbe Jahr, abgesehen von Wachphasen in denen sie aß, badete oder kuschelte.
Nach der OP musste ich dann 1 Jahr eine Chemotherapie machen bei der ich abwechselnd im Klinikum und Zuhause war. Lea lernte Krabbeln und ich war häufig alleine mit ihr Zuhause. Sie spürte es, wenn ich zu schwach war um aufzustehen und spielte leise vor meinem Bett. Nie war sie ungeduldig oder forderte Aufmerksamkeit, die ich ihr nicht geben konnte.
Lea wurde älter, ich bekam immer neue Tumore und musste sowohl Operationen als auch Chemotherapien und eine Strahlentherapie über mich ergehen lassen. Lea war immer dabei. Das Krankenhaus war ihr zweites Zuhause und sie wurde teilweise zum Klinikmaskottchen, jeder freute sich sie zu sehen und sie fühlte sich wohl.
Als sie dann sprechen konnte nahm sie alles selbstverständlich hin. „Mama, nimm deinen Rollwagen mit“ sagte sie, wenn ich mit meiner Chemo und ihr zum Spielplatz ging. Sie streichelte und guckte meine Narben an, wie gut sie verheilen. Wenn ich müde war, legte sie mich ins Bett, las mir was vor, machte eine Kassette an und ging in ihr Zimmer um dort zu spielen. Zwischendurch guckte sie dann immer ob ich noch schlafe und es mir gut geht.
Weiterhin bin ich schwerhörig und höre das Telefon oft nicht. Sie hat es schon als Kleinkind hinter mir hergetragen. Heute rennt sie los „Mama Telefon“.
Heute ist sie 3 Jahre alt und erklärt jedem selbstbewusst, dass ihre Mama sie nicht tragen kann, das Telefon nicht hört und oft im Krankenhaus ist.
Ich weiß nicht, womit ich so ein tolles Kind verdient habe, aber ich denke, man sollte mit seinen Kindern immer ehrlich sein und es ihnen sagen, wenn es einem schlecht geht. Sie verstehen das. Trotzdem ist Lea ein normales Kind, spielt, hat Freunde, lernt jeden Tag neues, ist ein unglaublicher Klugscheißer und ist neugierig auf die Welt. Sie vertraut mir und nimmt jedes Problem wie es ist in dem Wissen, alles wird wieder gut.
Ich liebe sie über alles und bin froh, dass sie durch meine Krankheit nicht leidet sondern ein selbstbewusstes kleines Mädchen ist. Diese Hommage bin ich ihr schuldig.
Gleichzeitig möchte ich allen anderen Eltern Mut machen ihre Kinder mit einzubeziehen und auch schwierigen Situationen auszusetzen.

23 Antworten

Kommentare

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    wow...mehr kann ich dazu nicht sagen...
    ich wünsch euch alles liebe!

    21.06.2006, 21:00 von Chisu
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    wow!!!

    25.04.2006, 13:08 von klaehrchen
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    Sehr bemerkenswert die Geschichte und schön zu lesen neben den ganzen "Mein-Kind-steht-mir-und-meiner -Karriere-im-Weg-Geschichten", die man zu Zeit überall zu hören und zu lesen bekommt.
    Weiter so.

    19.04.2006, 08:22 von andiwersonst
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    Wunderbar . Ich wünsche Ech beiden weiterhin soviel Kraft und Lebenslust!

    ich bin auch Mama und mein Sohn ist auch 2002 geboren. Mir geht Dein Text sehr nahe und ich verneige mich voll Respekt vor so einer tollen Leistung.

    Alles Gute!

    04.04.2006, 16:36 von joli
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    es ist toll, dass es so mutige Menschen wie dich gibt, die einem zeigen, dass auch ernstere Probleme mit viel Liebe und Zuneigung durchstehbar sind.
    Ich drück euch beiden ganz doll die Daumen. Habt noch viel Spaß miteinander und eine tolle lange gemeinsame Zukunft.

    04.04.2006, 14:41 von NovaStar
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    ...und wie du so ein tolles kind verdient hast !!!!...bewundere dich und deine große kleine und wie ihr euern alltag meistert. an euch sollten sich alle eltern mal ein beispiel nehmen, die ihre kinder als "zu viel arbeit" empfinden, sie vor dem tv parken und später die supernanny holen. find ich derart klasse, wie ihr füreinander da seit und euch die krankheit noch mehr zusammenschweißt. wünsche dir und lea alles gute und hoffe für euch beide, dass du es packst.

    02.04.2006, 21:35 von schoenheitderchance
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