barbara_gaertner 30.11.-0001, 00:00 Uhr 138 0

Lebensgefühl Hunger

Die Anhänger von „Pro Ana“ hungern. Und erklären ihre Essstörung zum Lifestyle.

Das Büffet ist „super lecker“, wie schön, und eine „geile Zeit“ haben sie auch. Zumindest haben das die Modelanwärterinnen der Heidi-Klum-Show „Germany’s next Supermodel“ in ganzseitigen Anzeigen kürzlich treuherzig bekundet. Seitdem hat sich Aufregung ein wenig gelegt. Politikerinnen, die in der Fernsehsendung die Proklamation von Essstörungen befürchteten, geben nun auch keine Interviews mehr. Dass Bulimie und Magersucht nicht nur in der Glitzerwelt der Beinahe-Models vorkommt, sondern rund fünf Millionen Deutsche darunter leiden, gerät da ein wenig in Vergessenheit.

Für die März-Ausgabe hat Neon-Autorin Theresa Bäuerlein Julia und Tanja besucht. Die beiden haben sich auf einer Internet-Plattform für Pro-Ana-Anhänger kennen gelernt. „Pro Ana“ klingt nett, doch Ana kommt von „Anorexia nervosa“ und in den Foren und Blogs in denen sich die Magersüchtigen treffen, feuern sie gegenseitig zum Hungern an. Auch Julia und Tanja. Die beiden Mädchen sind so genannte Twins: Sparringspartner in der Nahrungsverweigerung. Beide haben allerhand Zahlen im Kopf, wissen sofort, wie viele Kalorien ein Cappuccino mit Keks enthält. Tanja kommt mit einem einzigen Brötchen pro Tag aus und Julia ist so dürr, dass sie in ihrer Kleidung fast verschwindet.

Wie die anderen Pro-Ana-Anhänger sehen sie ihre Essstörung nicht als Krankheit, sondern als Lebensgefühl. Dünn sein, so lautet eine der Pro-Ana-Regeln, ist wichtiger als gesund sein. Die User, die auf solchen Foren schreiben wollen werden penibel ausgewählt, mitmachen darf nur, wer eine Essstörung im fortgeschrittenen Stadium hat und gewillt ist, sie zu behalten.

Was haltet ihr von Pro Ana? Kennt ihr Betroffene oder seid ihr vielleicht sogar selbst betroffen?

138 Antworten

Kommentare

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    so, jetzt muss ich auch mal was dazu sagen:
    in den median (in diesem artikel auch) wird ana immer dargestellt als würde es nur darum gehen sich zu tode zu hungern.
    das stimmt definitiv nicht. klar, gibt es auch extremere foren wo leute mit normalgewicht nicht einmal aufgenommen werden, aber es gibt auch foren (wie meines) wo man nicht nur tipps & tricks austauscht sondern wo man auch unterstützt wird wenn man sich entschließt eine thera zu machen.
    und ich wüsste nicht was ich tun würde wenn ich dieses forum nicht hätte. es tut uns einfach gut mit jemanden zu reden der uns versteht, was jemand der keine essstörung hat sicher nicht kan.

    06.06.2006, 13:20 von destroyed_angel
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    ich würde solche Seiten nicht verbieten. eher würde ich versuchen, dass man dort eine virtuelle psychiatrische Präsenz schafft, denn das ist es, was die Anas neben Leidensgenossinnen wirklich brauchen. Jemand, der anders reagiert, wenn ein Hilferuf wie "Ich krieg gleich ne Frassattacke - was soll ich machen" kommt. Jemand, der dann nicht sagt: "Geh Inline-Skaten", sondern jemand, der die Wurzel des Hilferufs erkennt und sich den Problemen der Anas annimmt - den WIRKLICHEN Problemen. Das ist meistens nicht die Fressattacke, sondern die stecken viel tiefer. Es ist wohl kaum Zufall, dass gerade Missbrauchsopfer oder Menschen mit extremen Selbstwertproblemen häufig den Hunger wählen.

    13.04.2006, 21:29 von Kind_der_Freiheit
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    Erst vor ein einigen Tagen hörte ich ein Gespräch mehr oder weniger unfreiwillig mit an, worin sich zwei Jugendliche über eine Freundin unterhielten. Nach dem Motto: "Die und Magersucht? Die sah doch ganz okay aus." Nun frage ich mich natürlich, inwieweit ein Mädchen, was sich scheinbar in einer Klinik wegen Essstörungen behandeln lassen muss, normal aussieht. Scheinbar ist es der neue Trend, stolz zu sagen:"Du, ich habe wieder 5 Kilo abgenommen." Aber wenn auch die Idole sich solcher Sachen brüsten: "Ich habe schon seit 2 Tagen nichts mehr gegessen und nur Wasser getrunken"(Naomi Campbell) , was soll man da noch verändern können? Da können Pädagogen, Ärzte... auch auf eine Wand einreden.

    12.04.2006, 20:46 von bibliophile
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    Ich habe mich im Rahmen meines Studiums mit Essstörungen beschäftigt und finde es falsch, die Pro-Ana-Bewegung zu einem Lifestyle zu verklären. Die Betroffenen leiden unter ihrer Krankheit, egal auf welche Weise, und das ist auch spürbar. Die Verklärung zum "Lifestyle" spielt die Ernsthaftigkeit der Essstörungen herunter und macht die Betroffenen lächerlich. Eine Gesellschaft, die die Pro-Anas / Pro-Mias als gefährliches Randphänomen proklamiert, sollte sich einmal die Realität in den Medien anschauen, in denen es von offensichtlich magersüchtigen Model und VIPs nur so wimmelt. Frauen- und Jugendzeitschriften, die sich als selbstbewusstseinfördernd titulieren, setzen auf ihre Titelseite Diättipps und vermitteln den Mädchen das Gefühl, über Größe 38 nichts wert und undiszipliniert zu sein. Die Mode des Sommers wird von abgehungerten Knochengerüsten präsentiert. Selbst als normal schlanke Frau fühlt man sich dann fett. Die rigiden Aufnahmebedingungen der Pro-Anas kann ich gut verstehen, denn sie leiden durch ihre Krankheit verbunden schon genug unter sozialer Isolation und haben keine Lust, sich von Pseudoexperten in ihrem Schutzraum noch dumm kommen zu lassen.

    09.04.2006, 18:15 von Saphira
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    Pro Ana hat "tödliche Folgen" für die Leserinnen und Leser die sich an dieser Krankheit festhalten. Aber niemand darf sie verurteilen oder fallen lassen. Ihnen gehört mehr Liebe und Zuneigung als "normalen" Menschen. Ihnen gehört Aufmerksamkeit und Anerkennung. Ich habe persönlich viel Erfahrungen mit diesen Menschen, überwiegend junge Frauen, gemacht. Helfen wir Ihnen und lassen wir deren Freiraum in einem Forum. mfg Harald

    08.04.2006, 16:49 von haraldus
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    mir wäre das ständige gehunger und das kaloriengezähle zu stressig! ich esse gerne. trotzdem habe ich eine normale figur und bin kein bisschen übergewichtig. vor kurzem habe ich ein jugendbuch über ein magersüchtiges mädchen gelesen (eigendlich lese ich kaum aber das hat mich dann doch interessiert), es heißt "dann bin ich eben weg" und ist von jana frey.

    ich glaube, dass man magersüchtigen nur helfen kann, wenn sie ihre krankheit einsehen, zwingen kann man sie nicht!

    28.03.2006, 15:24 von grissel
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    mein problem mit sowas ist immer, dass es meinen drang zur selbstzerstörung schürt...wenn ich so etwas lese, will ich es ausprobieren...zum glück bin ich für sowas erstens zu faul, zweitens nicht selbstdiszilpiniert genug...ansonsten wäre ich wohl schon schon längst dabei...(weiß nicht wie ich das alles finden soll...natürlich ist es scheiße, aber es ist zunächst erstmal selbstdisziplin...die hätte ich gern....aber den rest[leider später nur zwang]...ich weiß nicht...manchmal gern...manchmal nicht...ich weiß nicht...kommt auch immer auf nüchtern oder betrunken an und überhaupt...ich weiß einfach nicht....ich könnte es einfach nicht....hätte nicht den mut und die diszilplin...irgendwie komisch)

    28.03.2006, 04:42 von Tandeka
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    ich finde "pro ana" ziemlich erschreckend,aber wenn man einmal in diesem denken drin ist,kommt man nur schwer wieder raus.
    die betroffenen verlieren ein riesen stück lebensqualität! das wollte ich nicht missen. ich hätte keine lust darauf, dass sich mein ganzer tagesablauf darum dreht, wieviel ich essen kann und die ganze kalorienzählerei würde mich auch nerven.
    schade ist auch, dass diese menschen zu schwach sind, um überhaupt noch sport zu machen oder auf ein konzert zu gehen. sie würden einen kreislaufkollaps kriegen.
    wie gesagt, die lebensqualität ist dahin!!
    viel spass noch weiterhin mit einem trockenen brötchen, aber bitte vollkorn, weisse haben zu viel kalorien;-)

    24.03.2006, 23:48 von kaati
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    ___________________

    ich keine keine einzige Ana, die ihre MS als lifestyle bezeichnet. und ich bin seit fast 3 jahren in den unterschiedlichsten Pro foren....
    ________________________

    24.03.2006, 20:10 von _Jule_
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