La vie en rose
Es kommt mir so närrisch vor, wenn ich mir meine alten Einträge aus meinen Büchern und Notizen durchlese.
Dieses ständige Zählen und die wahnhafte Fixierung auf einen Punkt, hat mich damals die Urteilsfähigkeit gekostet.
Und doch bin ich sicher, dass mir das in dem Moment geholfen hat, weiter zu machen. Zwar auf eine sehr traurige Weise und etwas in die falsche Richtung, aber ich hatte eine Aufgabe und vor allem die Gewissheit, dass es funktionieren kann - weil ich der einzige Problemfaktor war und es in der Hand hatte.
Alles um mich herum brach zusammen und funktionierte nicht mehr. Ich war hilflos und verängstigt, aber ich konnte beruhigt sein, dass, wenn ich nur zwei Toasts und eine Tomate essen und morgen nur Brühe trinken würde, würde ich mit Sicherheit weniger sein. Weniger von der Person, die ich nicht sein wollte.
Über die Sinnvolligkeit dieser Beschäftigung lässt sich gewiss Streiten.
Es gab mir nur ein letztes bisschen Halt und Kontrolle, was mich glauben ließ, dass dieses Leben nicht völlig zum Scheitern verurteil war.
Im Grunde war es sogar das, was mich davon abgehalten hat es gar gänzlich zu beenden - was paradox klingen mag, aber es stimmt. Ich war zwar äußerst depressiv und hatte jeglichen Lebensmut und die Motivation zu leben verloren, dennoch war ich zu beschäftigt mit der immensen Aufgabe zu rechnen, zu wiegen, abzuwägen, Sport zu machen und mich selber zu geißeln. Auf eine eigenartige Weise beflügelte mich mein Tun sogar. Ich sagte mir, wenn du das schaffst - wobei wir „das“ nicht ganz genau definiert werden können - dann schaffst du auch den Rest auf die Reihe zu bekommen in deinem jämmerlichen Leben.
Wenn ich mir jetzt ansehe, wie mein Leben momentan ist, sieht es gar nicht so schlecht aus. Ich habe einen guten Beruf, eine Freundin, die ich mir nicht besser wünschen könnte, ich fange an (mich mit) meine(r) Mutter zu verstehen, mache wunderbare Reisen, lerne jeden Tag etwas Neues hinzu und sehe, dass das Leben schön sein kann - auch, wenn es mal schlechte Zeiten gibt.
Und wenn ich zurückblicke, was mich an all diese Punkte gebracht hat, sehe ich , dass es nicht mein selbstauferlegtes Zwangsverhalten war. Es waren Menschen und Erkenntnisse, die den Stein ins Rollen gebracht haben; dass es mehr gibt als grenzenlose, innere Leere und Selbstmitleid.
Man hat mir den Blick für die Weite geöffnet, mir die Sterne am Himmel erklärt und gesagt, dass ich auch einer bin.
Und es ist wahr. Ich bin einer von diesen wundervollen Sternen. Mal funkel ich weniger, mal strahle ich um so mehr. Wie ein Tautropfen auf einer Rose am Morgen.
Das Leben ist schön.
Und ich sollte es genießen.
Für Emma.






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