Phpz 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 1

Konzentrationsproblem

Es gibt ein Hilfsmittel.

Wer glaubt, möglicherweise an Konzentrationsstörungen zu leiden, sollte es mal mit Ritalin probieren. Einfach zwei Kapseln vor sich auf den Tisch legen und angucken. Wer sich nicht länger als 20 Sekunden darauf fokussieren kann, hat ganz tatsächlich ein Problem.

Aber wie vieles in der modernen Hobby-Medizin ist auch der 20-Sekunden-Test eher umstritten. Zu recht. Für weiterreichende empirische Untersuchungen fand bisher niemand die nötige Geduld. Erahnen lässt sich jedoch, und das mutmaßt man auch ohne lange Aufmerksamkeitsspanne, dass die Dosierung des Wirkstoffs irgendwie mit der vorliegenden Tischgröße zusammenhängen muss. Wer sich am Nachttischchen selbst also noch eine gefestigte Persönlichkeit bescheinigt, könnte am Konferenztisch im Büro durchaus als zerstreutes Häufchen-Elend enden …. wobei man spätestens seit den in „Wolf of Wall Street“ dargestellten Drogenexzessen ja weiß, dass Tabletten und alles was nach Arzneimitteln aussieht und auf Konferenztischen liegen, sofort aufgesogen werden. So schnell könnte man gar nicht gucken, geschweige denn, sich drauf konzentrieren.

Doch natürlich ist es nicht gleich ein Zeichen von Konzentrationsproblemen, dass man einen Konferenztisch als Häufchen Elend verlässt. Ganz im Gegenteil. Man hat sich in dem Fall vielleicht einfach zu sehr auf etwas konzentriert. Nämlich auf seinen Job. Auf seine Aufgabe. Auf seine Bestimmung. Aufs falsche? Vielleicht. Jobs mit Konferenztischen spielen sich häufig in Büros ab. Da sind Hierarchien nicht fern, auch wenn die in ihnen enthaltenen Aufstiegs-Chancen es auf jeden Fall sind. Und auf letzteres konzentriert man sich ja irgendwie, während man sich auf seine Aufgaben konzentriert.

Oder: man ist am Konferenztisch bereits als Häufchen Elend erschienen. Dann redet man eher von psychischer Bestandswahrung und man lässt Hierarchien auch gar nicht an sich ran, guckt sie sich höchstens von weit unten aus an ……

….. ähm, wo war …… ach, ja da steht es ja: „Wer glaubt, möglicherweise an Konzentrationsstörungen zu leiden, sollte es mal mit Ritalin probieren. Einfach zwei Kapseln vor sich auf den Tisch legen und angucken. Wer sich nicht länger als 20 Sekunden darauf fokussieren kann, hat ganz tatsächlich ein Problem.“

So ein Problem hatte ich mal in groß. Seitdem ich mich aber darauf eingelassen habe und bekomme ich es immer besser in den Griff.

Am Anfang ist das mit dem Fokussieren allerdings nicht so leicht. Nach so sechs Sekunden schlief mir zum Beispiel gerne mal die linke Gesichtshälfte völlig nervös ein. Einflüsse durch körperliche Ausfallerscheinungen störten mich früher noch erheblich in meinen Konzentrationsversuchen. Doch inzwischen schaffe ich locker die halbe Minute. Und manchmal fangen die Kapseln sogar an zu schweben.

Demnächst werde ich versuchen, mich um einen neuen Job zu bemühen. Hoffentlich kriege ich sowas ohne Ritalin überhaupt noch.


Tags: abkapseln, Angestellte, konzentrierte Büromöbel
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Kommentare

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    Wie oft rätst du den Betroffenen, am Tag zu "Fokussieren"? 3x täglich, häufiger oder je nach Schweregrad individuell angepasst?

    06.02.2014, 13:47 von Tora
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