Porcelana 04.07.2005, 21:19 Uhr 109 0

Kein Alkohol? Total uncool!

Ich trinke nicht. Bin ich uncool?

In einer Großstadt ist es ziemlich egal an welchem Tag gefeiert wird, Möglichkeiten hat man immer; selbst am heiligen Sonntag. In jeder Kneipe ist an jedem Wochentag was los. Es wird heiter getrunken; man wird ja auch so lustig dabei (so heißt es). Ist man nicht dabei beim "Mäxchen"-Spielen oder "Bond"-Saufen oder wie sie alle heißen, dann ist man uncool (so heißt es). Traurig, aber war.

Mit blankem Entsetzen und Ungläubigkeit wird man abgestempelt und zur ungewollten Randgruppe gemacht. Da muß ja irgendetwas im Argen sein, wenn man nicht trinkt... Ja, ist es denn so verwerflich, daß ich meine Leber in Ehren halte und mich nicht am nächsten Morgen in der Ausnüchterungszelle wiederfinde? Scheint so.
Eigentlich ist es ein ganz gutes Gefühl nicht die ganze Nacht über dem Klo verbracht zu haben, ohne Kater aufzuwachen und sich noch an alles erinnern zu können, was man am Abend vorher noch so von sich gegeben hat.

Offensichtlich scheint der Großteil unserer Gesellschaft mehr Gefallen daran zu finden, dem Gegenüber was ins Ohr zu lallen und dabei den Gleichgewichtssinn bei Laune zu halten anstatt mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen und sich gut zu unterhalten. Auch das Tanzen kann Spaß machen ohne Alkohol, es wird einem nämlich nicht immer schlecht, wenn man sich mal dreht. Und spätestens beim dritten pappsüßen Alkopop muß man sich ja auch schon nicht mehr drehen, damit der Magen selbiges tut.

Als Nichttrinker ist man die gute Seele der Clique, schließlich können sich alle anderen darauf verlassen, daß sie unversehrt wieder zuhause ankommen. Ohne Alkohol kann man nämlich noch sehr gut Autofahren. Zwischenzeitlich hat man nur Bedenken, was die Pflege der Innenaustattung des Autos angeht, und es bleibt nur zu hoffen, daß auch alle Fahrgäste ihre Wodka-Redbulls, Caipirinhas und Bacardi-Colas auch bei sich behalten.

Wo ist die Gerechtigkeit? Erst wird man also belächelt, als Memme hingestellt, weil man sich nicht dem kollektiven Besäufnis hingibt, und letztendlich wollen sie am nächsten Morgen noch bemitleidet werden, weil der Kopf ja ach so hämmert und er Magen noch keine Nahrungsaufnahme zuläßt. Ich finde das unfair.

Es wäre schön, wenn all ihr Party-Alkoholiker dieser Welt euch das mal durch den Kopf gehen laßt und euren Freunden und Bekannten, die sich unter Kontrolle haben, mal dankt für sämtliches Händchenhalten und Kopfstreicheln über der Kloschüssel, Aspirin kaufen, Hühnersuppe kochen und Bericht erstatten über die wirklichen Geschehnisse des letzten Abends. Und wenn ihr das getan habt, dann erklärt mir doch mal eins:

Warum eigentlich ist Nichttrinken so uncool?

109 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    totaler schwachsinn...
    wer sagt denn, dass wir party-alkoholiker alle nichttrinker oede finden?
    Der Artikel ueber die 10 heiligen Regeln des Alkohol Trinkens, der vor nem halben Jahr oder so in der neon veroeffentlicht wurde, hat das ganze Thema ganz gut getroffen. Niemand, aber wirklich Niemand kann mir erzaehlen, dass er ohne Alkohol auf ner Party genauso viel Spass haben kann wie ohne. Es ist einfach unmoeglich. Trotzdem wuerde ich nie sagen, dass man keinen Spass haben kann. Dieser Spass spielt sich einfach nur auf ner komplett anderen Ebene ab. Auf einer vernuenftigen Basis. Und daher betrinken wir uns alle auch jedes schoene Wochenende. Da duerfen wir einfach mal durchdrehen ohne, dass man gleich schief angegucvkt wird. Nicht gerade sitzen und sonst wem zuhoeren ... tolle Konversationen ueber ernste Themen hat man doch den Rest der Woche .. Es ist ein Ausgleich. Manche brauchens, manche nicht. Ich brauchs, und es macht Spass, immer wieder ... Und das Aua naechsten Morgen ist auch nicht mehr da, wenn man ordentlich im Training ist.

    11.06.2006, 01:36 von cab
    • Kommentar schreiben
  • 0

    find den text sehr gut, kann mich gut mit identifizieren, bin seit jahren nicht mehr betrunken gewesen. da fehlen nur noch die leute/freunde, die einem erst dann, wenn sie betrunken sind, ihre probleme mitteilen... zu oft hör ich mir das, was zum einen am nächsten tag vergessen und zum andern am abend zehntausendmal wiederholt wird, auch noch an. das ist mein fehler. aber ganz sicher nicht, dass ich nicht trinke. da kann ich gut drüber stehen, und das auf dem land. ich kann dir sagen, hier ists bei all dem karneval, schützenfest und wochenende seehr unnormal, nicht zu trinken. aber es klappt!

    07.06.2006, 01:24 von oern
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Also Alkohol ist für viele Leute ein Alibi, sich anders zu verhalten zu können als sie denken, dass es von ihnen erwartet wird. Besonders betrifft das die "Verstöße" gegen unsere ungesunde Sexualmoral... "Ich war ja so was von betrunken, als ich ihn geküsst habe" ... Alkohol hilft vergessen, vergessen, wie wir uns verhalten sollten... na klar, ist da noch der nebeneffekt, dass man anders ist als die anderen, wenn man nicht trinkt...

    20.05.2006, 16:16 von anonyposter
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Man kann auch ohne Alkohol Spaß haben. Es geht aber auch mit!

    Und nebenbei: Man kann auch ohne Großbuchstaben Spaß haben. Das geht aber AUCH mit! ;)

    19.05.2006, 10:22 von Mimi_Sister
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ich trinke alkohol, aber das ist doch jedem selbst überlassen. ich halte es manchmal sogar für ''cooler'' und interessanter, wenn jeder alle alkohol trinkt und eine person sich ein wasser oder was auch immer bestellt. ist ja mal eine attitüde. mach', was du du willst, solange es niemandem schadet...ist das nicht der sinn von allem..mach' dir mal keine sorgen...:)

    29.03.2006, 21:40 von NeonBlond
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Also ich finde auch, dass an dem Artikel schon einiges Wahres ist. Andereseits haben viele meiner Freunde gar nicht mitbekommen, dass ich meinen Alkoholkonsum DRASTISCH eingeschränkt habe. Das ist meines Erachtens auch die beste Methode: Nicht militant werden. Wenn man es nicht an die große glocke hängt ist es beinahe allen ziemlich wurscht was man trinkt oder isst.
    Mein Gründe sind auch nur nachvollziehbar: Main Vater bekam die Quittung aus seinen wilden Jugendzeiten vor einem Jahr: Diagnose: schwere leberzirrhose in Folge einer berauschenden Vergangenheit und darauf folgender "doch ich geh nicht zum Arzt"-Mentalität. Seit dem habe ich Angst, ihn zu kontaktieren.. Das Thema ist schwierig und ihm zu Liebe, möchte ich aus seinen fehlern lernen.
    Außerdem LIEBE ich es morgends früh, etwa acht Uhr im Morgennebel die Zeitungsverkäufer und Ladenbesitzer beim wiederbeleben der Stadt zu beobachten, ein Gemenge aus Menschen die zur Arbeit gehen, und eben solchen, die gerade nach Hause fallen, und mein klarer Kopf darf beobachten, ohne dass er glaubt, er liege rückwärts im Waschmaschienen Schleudergang..

    29.03.2006, 21:31 von Muriel
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Was an Nichttrinken so uncool ist? Man ist Außenseiter und die werden, wenn auf sie nicht gleich draufgehauen wird, als "uncool" angesehen. Davon abgesehen bin ich Nichttrinkerin (was nicht heißt, dass ich keinen Alkohol trinke, sondern eben nur sehr wenig und sehr selten), weil ich, als ich dreizehn war, meinen besten Freund wegen Alkoholismus in die Psychiatrie habe gehen sehen und das war alles andere als schön. Und jetzt bitte keine Kommentare à la wichtig machen, sich abheben oder Antiheldin spielen wollen. Prinzipiell schieße ich mir damit nämlich ein Eigentor nach dem Anderen, weil es, wenn man Saufabende einfach nicht mitmacht, verdammt schwer ist, in einer neuen Stadt Anschluss oder gar Freunde zu finden.

    22.02.2006, 23:18 von BrokedownAngel
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Null uncool!
    Eine Anekdote vom "world`s dirtiest old man": Irgendwann merkt man es, und das "Irgendwann" scheint verflixt noch mal mit der biologischen Alterung zu tun zuhaben: "Mann kann nix mehr ab", naja, zumindest was das Verzehren alkoholischer Getränke betrifft.
    Und dann? Beginnt die Reise in die körpereigenen Drogen, und wie interessant: Sich zu oft gelegentlich zu verlieben, öfters mal zwei Nächte hintereinander durchtanzen ist ja viel geiler als der olle Suff ... ooops?!?!?!?
    Nachts Spaß & morgens keinen Schädel sondern den jungen Alkoholleichen im Atelier genüsslich den Kaffee und die eben frisch geholten Brötchen vor die Nase halten .... das ist besser als jeder Sieg im Kampftrinken. Merkt man aber erst "in den Jahren", und das ist nicht klug gemeint und schon gar kein Aufruf zu Nüchternheit. Ich bekenne: Auch ich habe nichts ausgelassen!!!!

    10.02.2006, 21:50 von atomicmoog
    • Kommentar schreiben
  • 0

    ich finde, keiner hat das recht, einen anderen danach zu bewerten ob er alkohol konsumiert oder nicht. ich höre ständig alkoholtrinkende leute die sagen: ey was, du bistn anti-trinker ? laaaangweilig !!
    und dann hör ich die besagten anti-trinker wieder von vollgekotzten toiletten, rumgeknutsche mit nem ekeltypen oder verkatertem morgen reden. und dass sie NICHT trinken, um sich SOWAS zu ersparen. beides ist sehr krass dargestellt und ich glaube es ist jedem selbst überlassen was er tut und was nicht. ich meine, wir sagen doch auch nich: ey, du isst keine leberwurst ? wie uncool. oder : nee, mit kaffeetrinkern geb ich mich nicht ab. die sind mir zu wach durch das viele koffein.
    jeder sollte selber wissen was für ihn am besten ist. und das nicht laut rausposaunen, sondern einfach mitfeiern. ob nun mit alkohol im blut oder stocknüchtern - hauptsache derjenige hat spaß, oder ?

    30.01.2006, 17:02 von elchs
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4 5 ... 11

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare