Tora 30.11.-0001, 00:00 Uhr 184 8

Jeder hat seine Süchte

Im Nachtdienst sitzend, Augen auf halb acht an meinem Kaffä schlürfend, betrachte ich diesen nachdenklich..

Ob der allmorgendliche Coffee-to-go oder auch -to-drive mit dem Fahrrad, auf dem Weg zur Arbeit, die drei Tafeln Schokolade vor dem Fernseher, das Feierabendbier, die Zigarette zum »Durchatmen«, ständig online sein oder die völlige Verausgabung beim Leistungssport - jeder Mensch geht irgendwelchen Süchten im Alltag nach. Als Sucht im Umgangssprachlichem bezeichnen wir ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Wir machen uns abhängig von diesem.

Ich bin der Ansicht, dass wirklich auch jeder seine Abhängigkeiten im Leben braucht. Der eine mehr, der andere weniger. Menschen sind ja bekanntlich Gewohnheitstiere, mögen ihre festen Rituale und irgendwie auch Sicherheit. Vielleicht lassen uns diese Eigenschaften zu Abhängigkeiten tendieren. Denn schnell wird aus einer liebgewonnenen Sache, der wir in häufiger und regelmäßiger Abfolge nachgehen, eine Sucht. Positive Wahrnehmungen durch einen wohltuenden Geschmack, ein erlebtes Hochgefühl oder absolute Entspannung können uns berauscht fühlen lassen, durch eine erhöhte Dopamin-Ausschüttung im Gehirn und diese dadurch entstehenden Glücksmomente schaffen uns den nötigen Ausgleich zum tristen und vernünftigen Alltag. Doch wie weit sind unsere persönlichen Abhängigkeiten in unseren Alltag integrierbar und mit unserem Job vereinbar?

Raucher sprechen von einer Zigarettenpause, wenn sie zum Beispiel auf der Arbeit ihre Kollegen für zehn Minuten alleine lassen, um ihre Nikotin-Abhängigkeit zu befriedigen. Sie sehen es als eine Art Auszeit, entfliehen damit für ein paar Minuten dem Stress. Als Schon-immer-Nichtraucher kann ich es nicht nachvollziehen, warum man viel Geld in einen Stoff investiert, der die Lungen zumüllt und im schlimmsten Falle Krebs verursachen kann. Dem ein oder anderen kam vielleicht auch schon der Gedanke, wie unfair es nichtrauchenden Arbeitnehmern gegenüber ist, wenn diese keine stündlichen Zigarettenpausen außerhalb des Arbeitsplatzes machen. Eine Idee wäre, sich zu jeder Zigarettenpause genauso auf die faule Haut zu setzen. Eine andere, die Zigarettenpausen der Kollegen zu summieren und dementsprechend früher Feierabend zu machen. Leider sind diese Theorien nicht so leicht umsetzbar. Im Krankenhausalltag funktioniert das schon mal nicht. Während Raucher sich ihre regelmäßigen Pausen außerhalb von Station nehmen und die restlichen Kollegen auf Station - wenn auch im Pausenraum - verweilen, läuft der Betrieb weiter und sobald Arbeit anfällt, werden die Nichtraucher zum Ansprechpartner. Das wird sich wohl nie ändern, sofern kein Verbot für das Rauchen während der Arbeitszeit eigeführt wird.

Ein anderes typisches Beispiel für Alltagssüchte, das viele wahrscheinlich gar nicht als solches deuten, ist z.B der ständige Kaffeekonsum in unserer Gesellschaft. Wie abhängig wir wirklich sind, kann man ganz leicht testen, indem man als regelmäßiger Kaffeetrinker einfach mal wenige Tage versucht, ohne diesen auszukommen. Spätestens durch den nach zwei Tagen einsetzenden Entzugskopfschmerz weiß man, dass Kaffee auch nur eine Droge ist. Diese zügig einsetzenden Entzugssymptome sind auch der Grund, warum viele Bürohengste an den Wochenenden unter Kopfschmerzen leiden.. Ihre regelmäßige Kaffeedosis zur gewohnten Uhrzeit fehlt dann. Um keine Kaffeeabhängigkeit zu entwickeln, habe ich mir angewöhnt nur noch auf der Arbeit ein-zwei Tassen zu trinken. Das schaffe ich ganz einfach, indem ich mir zuhause keine Milch mehr kaufe. Denn die brauche ich nur für den Kaffee und Kaffee ohne Milch schmeckt mir nicht. Immer öfter kann man beobachten, dass Kaffee sogar zu den Mahlzeiten getrunken wird. Diese Leute wissen vermutlich nicht, dass er die Mineralstoff- und Vitaminzufuhr hemmt; zudem übersäuert es den Körper. Und nur ein entsäuerter Körper fühlt sich wohl und ist leistungsfähig.

Welche Süchte beobachtet ihr in eurem Umfeld und an euch selbst? Glaubt ihr auch, dass sie doch irgendwie zum Leben dazugehören wie Essen, Trinken und Atmen oder fühlt ihr euch von ihnen eingeschränkt und versucht sie im Zaum zu halten, indem ihr euch selbst austrickst?



8

Diesen Text mochten auch

184 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Haben sie ein Probem mit Alkohol?
    Nö, eigentlich nur ohne...

    17.02.2016, 21:26 von sailor
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Sucht als dysfunktionale Strategie zur Emotionsregulation? Das beschreibt es vielleicht ganz gut. Und wie du richtig sagst, kann dabei dann wirklich alles (!) dienen. Drogen jeglicher Art, Hungern, Kaufen, Selbstverletzung, Sport.. Die Frage dabei ist dann: Was unterscheidet eine funktionale von einer dysfunktionalen Strategie zur Emotionsregulation? Laufen zu gehen, wenns einem schlecht geht, um Dampf abzulassen, ist doch voll okay! Aber jeden Tag laufen zu müssen, weil man sonst nicht mehr klarkommt vielleicht schon weniger. Selbstverletzung lässt sich da eher als dysfunktional abstempeln, Drogenkonsum auch?


    Letztendlich geht es bei allem immer darum irgendwie auf "Knopfdruck" seine Gefühle zu beeinflussen.. Sicherzugehen, dass man gut drauf ist auf der Party mit ner dicken Tüte oder ein paar Teilen vorher. Unsicherheit, Ängste, Sorgen wegdrücken. Frust durch neue Klamotten bekämpfen, Literweise Kaffee zu trinken um wach und aufmerksam zu sein obwohl einem eher grad nach dem Gegenteil zu Mute ist..

    Vielleicht ist es ein Gefühl in uns, dass es nicht ausreicht, sich so zu fühlen, wie man sich eben grade fühlt, sondern das man anders drauf sein müsste..

    Vielleicht ist es einfach ein Teil unseres Lebens.

    17.02.2016, 20:21 von Nesnaj
    • 0

      So denke ich auch. Direkte Selbstverletzung ist es allemal. Und ich denke Drogenkonsum in jeglicher Art auch. Drogenkonsum nennt man es ja ab dann, wo eine Menge an Stoff so groß ist, dass sie beginnt, zu schaden. Mit Schaden meine ich, den Körper aus dem Gleichgewicht zu bringen.

      Und warum sehnt sich jeder im Leben danach - in welchem Maße auch immer? Mir kommt es vor, als braucht der Mensch oder vielleicht sogar jedes Lebewesen, damit er/es sich "am leben" spürt, immer einen gewissen Reiz. Befindet man sich im Alltagstrott und es grüßt täglich das Murmeltier, wie man so schön sagt, muss man sich irgendeinen Reiz suchen. Einen Kick, der den Alltag durchbricht! Ist es das? Das erinnert mich auch an ein anderes auffälliges Verhalten des Menschen, was ich mir lange nicht erklären konnte: Schaulustigkeit. Dahinter steckt aber ne ganz einfache Erklärung. Die meisten Menschen leben heute in sicheren Umgebungen, in denen sich kaum Sensationen ereignen. Und genau das ist der Punkt. Der Mensch sehnt sich danach, regelmäßig was abgefahrenes zu erfahren..und darum gucken und staunen viele so an Unfallstellen. Vielleicht geht es wie bei Drogen einfach nur um ein spezielles neues Gefühl.

      Wenn ich mir vorstelle, wie unser gesamtes Leben auf kleinen und großen Süchten basiert, dann entsteht für mich ein wellenartiger Verlauf..Wir brauchen das Extreme und sehnen uns im nächsten Augenblick nach Ruhe. Dieser Wechsel durchzieht unser Leben - beim einen sind die Wellen höher, beim anderen flacher.

      17.02.2016, 20:50 von Tora
    • 0

      Ja das beschreibt es wirklich ganz gut, dieser wellenartige Verlauf. Wird alles gleichförmig, vorhersehbar empfinden wir es als eintönig und sind unzufrieden. Es muss etwas her, was kickt, was uns ein bisschen aus der Bahn wirft, Nervenkitzel, Abenteuer. Aber nach einiger Zeit ist es damit dann auch wieder genug und wir sehnen uns wieder nach der Sicherheit, dem Gewohnten. 

      Ist das vielleicht die "größte" Sucht, sich nach etwas zu sehnen, die uns tief innen antreibt? Die Sehnsucht nach dem was wir grade nicht haben?

      17.02.2016, 21:58 von Nesnaj
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Sucht ist eine Hungerkrankheit und die frage ist wonach der Mensch hungert und warum er nicht satt wird.wenn Genussmittel oder Suchtmittel pathologisch konsumiert werden,haben sie immer die Funktion ein emotionales Defizit in der Persönlichkeit zu kompensieren bzw erträglich(er) zu machen.Man kann das mit einem Loch welches in der frühen Phase der Persönlichkeitsentwicklung entstanden ist vergleichen.Mangelnde Zuneigung,Liebesentzug,Zurückweisung,emotionaler Missbrauch...usw... in der Eltern Kind Beziehung.die Konsumgesellschaft in der wir leben fördert die Vermeidung der Auseindersetzung mit den Ursachen von Sucht/Abhängigkeit/Missbrauch weil sie auf Konsum ausgerichtet ist.Aber egal was der Mensch konsumiert,seien es Autos,Reisen,Sex,Drogen,Genussmittel,Sport...das Loch wird nur scheinbar gefüllt und wird immer wieder aufreissen wenn keine Auseinandersetzung mit den Ursachen stattfindet.das ist teilweise schmerzhaft und kann nur durch Therapeutische Arbeit bewältigt werden.

    24.10.2015, 12:41 von Eugi
    • Kommentar schreiben
    • 0

      also das würd ich ja noch eher als "harmlos" ansehen, verglichen mit dem neuesten trend: digitale drogen.

      26.07.2015, 20:04 von Hattori-Hanzo
    • Kommentar schreiben
  • 1

    exzessiv von einer sache ist immer negativ, justieren und weiter verstehen. der mensch ist schwach und ganz schwach wenn er es nicht hinbekommt im alltag besser zu werden......normale auslese

    18.06.2015, 08:21 von Katho
    • Kommentar schreiben
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Weil das Leben ein andauerndes Suchen ist. Suchen nach Sinn, Erfüllung, Glück.

      17.06.2015, 22:28 von Tora
  • 10

    Ich mach vielleicht mal ein NUT über NUTer, die dauernd alles und jeden sperren, der ihnen quer kommt, weil sie Widerworte irgendwie nicht an sich ranlassen wollen.

    17.06.2015, 21:29 von frl_smilla
    • 2

      Bitte!

      Kontrafaktische Stabilisierung.

      Aber formatier nicht soviel. Danke.

      17.06.2015, 21:36 von Patroklos
    • 1

      Ich dann eins über verhaltensauffällige User, die sich durch ne Sperrung gekränkt fühlen..dem viel zu viel beimessen. Lächerlich!

      17.06.2015, 21:52 von Tora
    • 2

      Nö. Danke. Viel zu pädagogisch.

      17.06.2015, 21:55 von Patroklos
    • 1

      NUTs (über das immer gleiche Thema) raushauen kann ja auch eine Sucht sein.

      17.06.2015, 22:03 von frl_smilla
    • 3

      Und ihr macht wieder Helden daraus. Nacht.

      17.06.2015, 22:06 von Patroklos
    • 0

      Küsst euch. :)

      18.06.2015, 00:00 von Freyr
    • 0

      es heißt: und jets küst euch, freyr. ich bitte um meteoridische korrektheit.

      18.06.2015, 08:44 von Agmokti
    • 0

      wenn du magst kannst du noch ein "hehe" hinten dran hängen.

      18.06.2015, 08:44 von Agmokti
    • 1

      >Mimimi, da hat mich jemand gesperrt<


      JammerlappenNUT's braucht kein Mensch.

      18.06.2015, 09:07 von Hattori-Hanzo
    • 0

      Smilla hat ' Nutten' geascht, hihi.

      18.06.2015, 12:23 von MaasJan
    • 0

      edith edith edith 

      gesacht

      18.06.2015, 12:24 von MaasJan
    • 0

      Ohje, habsch alles vergessen.

      Nutten geascht, he he.

      19.06.2015, 00:22 von Freyr
    • 1

      "Die Nutten sind raffiniert – die nehmen die Kohle!"


      wusste ja auch schon der große Toni!

      19.06.2015, 10:50 von frl_smilla
    • 1

      bam, bam, bam


      19.06.2015, 11:16 von MaasJan
    • 1

      es heißt meteroidisch, mÖktal.

      19.06.2015, 16:58 von ga
    • 0

      vazeih! hast recht!

      21.06.2015, 17:47 von Agmokti
    • 1

      oide nasevase!

      22.06.2015, 11:08 von ga
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Ach und.... kann die kleine Nichtrauchende Krankenschwester ihre Pause und ihren Kaffä (sic!) nich auch draußen statt im Pausenraum genießen? Dann braucht sie auch nich bei Notfällen aufzuhüpfen und zurück an die Arbeit zu springen.....

    17.06.2015, 10:24 von Tanea
    • 1

      Raucherpausen sind sowieso immer ein doofes Beispiel, finde ich (mit der Missgunst in Blick auf deren Gehalt /Lohnfortzahlung in Pausen) Jeder sollte seine Pausen zu gleichen Bedingungen haben, unabhängig ob Raucher oder Nichtraucher.
      Allerdings gibt es einen Aspekt der Raucherpausen, der ein Ungleichgewicht schaffen kann unter den Kollegen. Nämlich dann, wenn irgendwelche Entscheidungsträger/Leute, die innerbetrieblich was zu sagen haben, Raucher sind, und entscheidende Dinge dann in den Raucherpausen geklärt werden. Die Nichtraucher schließen sich davon dann ja selber aus, wenn sie da nicht hingehen.
      Ein Phänomen, das ich vor vielen Jahren mal beobachten konnte. Natürlich lässt sich dem auch ein Riegel vorschieben, aber manchmal entwickelt sich auch eine Eigendynamik. Doch heutzutage, so scheint mir, sind die Raucher eindeutig in der Minderheit, und es werden zunehmend weniger.

      17.06.2015, 10:55 von Cyro
    • 0

      Die nichtrauchende Krankenschwester is nich klein. :)

      17.06.2015, 11:13 von Tora
    • Kommentar schreiben
  • 1

    Eine Sucht ist es auch bereits, wenn man seinen Konsum kontrolliert bzw. Konstrukte erfindet um seinen Konsum als Unsucht zu rechtfertigen....


    17.06.2015, 10:22 von Tanea
    • 0

      Ich so: Häh...?

      Und das kommt ja eher selten vor...

      17.06.2015, 10:33 von sailor
    • 0

      @Seemann

      ich versteh deinen Kommentar nicht. Verstehst du meinen nicht?

      Zweiter Satz ist Ironie?

      17.06.2015, 11:45 von Tanea
    • 0

      Ich versteh deinen nicht... Wo ich dich doch sonst immer verstehe...

      17.06.2015, 12:31 von sailor
    • 1

      Einfaches Beispiel:

      Man sagt sich... Alkohol erst ab 17 Uhr, weil man ist ja kein Alkoholiker.... und die Flasche ploppt Punkt 17 Uhr auf... ob man Lust hat oder nicht, man muß, aber... man hat ja eine "Regel" an die man sich hält. Gleiches gilt für "Man trinkt ja nur am Wochenende" aber wenn kein Wochenende ohne Alkohol rum geht, dann ist das eben auch ne Sucht.

      Die "Kippe" danach muß sein, sonst wird man unruhig.

      Die Kippe und der Kaffee am morgen müssen sein, sonst kann man nicht aufs Klo.


      17.06.2015, 15:01 von Tanea
    • 0

      Aso...

      Bei Punkt 2 (Ausreden) stimme ich zu, Punkt 1 nur bedingt.

      17.06.2015, 20:07 von sailor
    • 0

      Gerade heute zum Thema gelesen...

      17.06.2015, 20:09 von sailor
    • 0

      @ sailor
      den Artikel werd ich mir in der bib reinziehen.

      18.06.2015, 21:33 von Tanea
    • 0

      Der Mensch, der da Interviewt wird, ist mit mir einer Meinung...
      ^^

      19.06.2015, 07:52 von sailor
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2 3 4

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare