Anna85 05.03.2006, 12:13 Uhr 4 0

Ich möchte doch nur Leben!

Einen Monat nach meinem 18tem Geburtstag riefen meine Eltern mich zu sich. Sie wollten etwas wichtiges mit mir besprechen.

Meine Mutter nahm meine Hand und sagte zu mir ich sollte keine Angst haben, es würde bestimmt wieder alles gut. Ich wusste zuerst nicht wovon sie spricht. Bis ich meinen Vater sah, der weinend in seinem Stuhl saß.Dann wurde mir leider alles klar.
Vor zwei Wochen bin ich beim Arzt gewesen, ich hatte seltsame Knoten am Hals. Meine Eltern erklärten mir was es war. Die Krankheit nennt sich Morbus Hodgin und das heißt nicht anderes als Krebs im Lymphensystem des Körpers.

Ich brauchte eine ganze Weile bis ich verstanden hatte was da jetzt passiert war. Man hatte mir gerade mein Todesurteil mitgeteilt und das, obwohl ich doch gerade erst 18 Jahre alt war.

Am nächsten Tag fand ich mich beim Arzt wieder und hörte mir die verschiedenen Formen der Behandlung an und die dazugehörigen Risiken an. Es wurde ein Plan erstellt wann ich wo zu welchen Untersuchungen sein musste. Von diesem Moment an, fing es erst an richtig schlimm zu werden. Ich musste von einer Untersuchung zur nächsten. Ich sprach immer weder mit den verschiedensten Ärzten und hörte mir an,was sie mit mir vorhaben.

Dann war es soweit, die Therapie begann. Ich musste alle zwei Wochen in die Klinik um meine Medikamente zu bekommen. Am Anfang ging es noch aber es wurde immer schlimmer. Nach drei Stunden konnte ich meist wieder nach Hause. Einige Zeit lang konnte ich noch selbst laufen aber dann musste ich getragen werden. Ich habe es am Anfang auch noch geschafft, mich erst zu Hause zu Übergeben aber zum Schluss habe ich mich schon in der Klinik übergeben, noch bevor ich überhaupt behandelt wurde. Einfach aus Angst vor dem was jetzt wieder auf mich zukommen sollte.

Leider waren das nicht die einzigen Nebenerscheinungen. Ich wurde immer blasser und schwächer. Mein Magen und meine Speiseröhre haben sehr gelitten und ich muss noch heute Aufpassen was ich esse. Dazu kam, dass ich in der Schule schlechter wurde, weil ich mich nicht mehr richtig konzentrieren konnte.

Diese Prozedur hat sich über eineinhalb Jahre hingezogen. Manchmal hatte ich die Hoffnung noch einigermaßen aus der Sache wieder heraus zu kommen aber an anderen Tagen wollte ich einfach nur sterben. Man hat auch in dieser Zeit gute und schlechte Tage.

Heute steht in meiner Krankenakte:,, vorläufig Geheilt''. Ich hab es also soweit geschafft.
Mein körperlicher Zustand ist soweit ganz gut. Natürlich sind einige Organe in Mitleidenschaft gezogen worden und ich kann nicht mehr alles so machen wie Vorher aber ich bin ganz zufrieden.

Ich mache gerade mein Abitur, möchte Studieren und habe seit über einem Jahr einen neuen Freund.

Vorerst habe ich alles überstanden und ich bete jeden Tag, dass sich nicht alles wiederholt.

Die Hoffnung stirbt zuletzt!!!

4 Antworten

Kommentare

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    Ich bete auch für Dich !

    26.03.2006, 20:39 von Anoriel
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    Hallo Anna,

    erst ein mal: Herzlichen Glückwunsch!
    Ich denke, das kann man in deiner Situation ruhig so sagen!

    Deine Einstellung finde ich äusserst Bewundernswert, du hast jede Menge Kraft und auch Lebensmut, denke ich!
    Ich wünsche dir alles gute!

    22.03.2006, 21:28 von catweasle
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    ... es ist für nicht betroffene schwer etwas sinnvolles zu sagen. glaube aber, dass diese erfahrung für vieles den blick schärft, man lernt ganz schnell, wichtiges von unwichtige zu unterscheiden, stärker auf vielen ebenen zu empfinden und für vieles und vor allem menschen ein größere sensibilität zu entwicklen.
    man weiß letztlich immer am besten, was einem gut tut.

    bleib stark aber verdränge nicht die schwachen momente, egal warum oder wann sie da sein mögen .....;
    lernen wir uns anzunehmen und vielleicht auch zunehmend die Kraft zu entwickeln, uns nie aufzugeben .

    15.03.2006, 11:55 von zarejewitsch
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