lucky_uli 30.01.2005, 18:20 Uhr 6 1

Ich habe ein neues Hobby: ATMEN!!!

Die Nasen-OP zur Begradigung der Scheidewand – Ein Versuch, die Horrorstories, die darüber bestehen, zu entkräften

Ein kurzer Bericht über eine Nasenoperation – nicht im Sinne von „the swan“ oder ähnlichem Blödsinn, sondern eine Begradigung der Nasenscheidewand zu medizinischen Zwecken.
Meine Schilderung der letzten 10 Tage soll allen, denen dies noch bevorsteht bzw. die mit dem Gedanken spielen, das machen zu lassen, die Angst nehmen.

Letzte Woche war ich 4 Tage im Krankenhaus (St. Vincenz in Mainz – sehr nette Schwestern; gute Betreuung) und habe meine Nasenscheidewand richten lassen.
Seit Jahren – eigentlich seit meiner Geburt, habe ich Probleme, durch die Nase zu atmen. Früher wusste ich nur nicht, dass das auch anders gehen könnte. Irgendwann hat mir mal jemand erklärt, dass eine „kleine“ Operation dem Spuk ein Ende machen könnte – allerdings sei das sehr schmerzhaft; daher habe ich auch noch ein zwei Jahre gezögert.
So und nun ist es vollbracht; ich kann atmen wie ein junger Gott und habe sogar ein neues Hobby: Dasitzen, durch die Nase atmen und mich des Lebens freuen - wirklich! Ich wusste nicht, wie viel Luft man bekommen kann; ganz ohne euch zu veralbern!!!

Das Procedere:

Nach Voruntersuchung, bekommt man morgens eine Tablette, die einen etwas müde macht, dann im OP gibt’s irgendwelche Chemikalien in die Vene und man entschlummert sanft für die nächste halbe Stunde bis 45 min. (Zu mir sagte der Anästhesie Arzt dabei, „denken Sie an was Schönes – Schnelle Autos, Frauen, Sex“, hab ich getan, kann mich aber an keine derartigen Träume, während der OP erinnern.
Allerdings habe ich die darauffolgenden Nächte und Tage, wann immer ich geschlafen habe, ständig feuchte Träume gehabt – kein Witz das liegt am Narkosemittel, hat mir der Arzt erklärt – es gibt Schlimmeres ;-)

Als wieder wach war, haben sie mich in mein Zimmer gefahren, wo ich die nächsten Stunden halb wach, halb schlafend im Dämmerszustand verbracht habe.
Die OP samt Narkose ist für den Körper recht anstrengend, warum man die nächsten 4-5 Tage ca. 14 pro 24 Stunden schläft. Wann habt ihr das zum letzten Mal gemacht? Ich zumindest mit ca. 2 Jahren - dabei kann man sich gut erholen. Und da man laut meinem Doc in der Regel 14 Tage krankgeschrieben wird und sich in der zweiten Woche wieder vergleichsweise fit fühlt, hat die OP auch einen nicht zu unterschätzenden Erholungswert.

Vor ich das jetzt machen lies, hab ich mich wie gesagt, lange davor gedrückt, da ich die Mär von (fast) unerträglichen Schmerzen im Hinterkopf hatte. Diese kann ich mit gutem Gewissen ins Reich der Fabeln weisen.
Klar, ich hatte auch Schmerzen, die Nase tut die ersten Tage etwas weh, aber man bekommt Schmerztabletten und damit hat sich’s. Ich hatte leider auch noch kräftig Halsschmerzen, das lag aber daran, dass ich während der Operation einen Beatmungsschlauch im Hals hatte und der meine Schleimhaut etwas verletzt hat – aber auch dagegen helfen Schmerztabletten gut (Voltaren)!

Ich will euch nix vormachen, natürlich war das kein Zuckerschlecken, die ersten knapp zwei Tage nach der OP waren sehr unangenehm, weil man die berühmten Tamponagen in der Nase hat. Dadurch ist die Nase ca. doppelt so breit wie sonst und man bekommt absolut gar keine Luft durch. Mit der Folge, dass man ausschließlich durch den Mund atmet, einen sehr trockenen Hals bekommt und viel, viel trinken will/soll – soviel Tee (ca. 2-3 Liter pro Tag und noch mal fast die gleiche Menge Mineralwasser) hab ich wohl noch nie getrunken.
Aber wenn die Tamponagen dann am zweiten Tag danach rauskommen, fühlt es sich an, als seien einem die Augen geöffnet worden; man sei neugeboren (klingt sehr pathetisch – war aber wirklich so ähnlich).

Und die alte Mär, die verklebten/eingewachsenen Tamponagen würden die Wunden wieder ganz aufreißen, ist schlicht nicht mehr aktuell (bis vor ein paar Jahren mag es so gewesen sein), denn damals bestanden diese Dinger einfach aus einer ca. 1 m langen Mullbinde, die dann eine Woche in der Nase blieb und auch all das bewirkte, was ich beschrieben habe.

Aber heutzutage ist das zum Glück alles anders:
Die Tamponagen sind mit Latex* beschichtet, kleben daher so gut wie nicht an der Wunde, und da die Nase von innen geschient wird, kommen die Tamponagen auch nach nicht ganz zwei Tagen wieder raus!
Die Schienen, die man allerdings kaum spürt, bleiben 5 Tage drin, was echt nicht stört, obwohl es bei der Entfernung derselben (zumindest für mich) eine riesige Überraschung gab – die Schienen sind nämlich nicht, wie ich dachte 1x1cm groß, sondern, haltet euch fest, 2x7cm. Ich hab mich gefragt, „HILFE, haben die in meinem Hirn gesteckt?“ Um so komischer, dass ich sie überhaupt nicht gespürt habe!

Am heutigen Sonntag, 11 Tage nach dem Eingriff, bin ich wieder fast fit, ab Donnerstag darf/muss ich wieder arbeiten, bin aber heute schon wieder „hergestellt“, vielleicht noch etwas KO, aber sonst putzmunter!

Ich wusste nicht, wie viel Luft man durch die Nase bekommen kann – es ist gigantisch! Ich sitze stundenlang da und atme einfach vor mich hin ohne den Mund auch nur einmal zu öffnen!

Hätte ich gewusst wie einfach und wirkungsvoll das ist, hätte ich mir den Spaß schon vor Jahren gegönnt; also Freunde, wenn ihr schlecht bei Puste durch die Nase seid, vertraut mir und geht zum HNO Doc – eurem Freund und Helfer!!!
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“…I take a deep breath then I get real high…” (4 Non Blondes / What’s up)
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* Ich weiß Latexallergie klingt sehr sehr machomäßig – vgl. „Zur Sonne zur Freiheit“ von Fischmob – aber so etwas gibt’s wirklich – der Typ im Nebenzimmer hatte das ohne es zu wissen und man hat ihn nachts mit sehr geschwollenem Gesicht von den Dingern befreien müssen – ist aber doch wohl eher die Ausnahme."Wichtige Links zu diesem Text"
St. Vincenz Hospital, Mainz

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6 Antworten

Kommentare

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    operationen können gemein sein ^^ bzw. die schmerzen danach,aber sie gehen ja bei sowas recht schnell vorbei,mir haben sie vor gut zwei monaten den kiefer aufgemeisselt gehabt

    23.07.2006, 11:47 von Nuscheltier
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    ich habs auch machen lassen und bin meine nasensprayabhängigkeit losgeworden. gleichzeitig mein schnarchen.
    aber schön ist es nicht. im nachhinein aber eine gute sache. bei mir ist es jetzt drei jahre her und ich bin immer noch in der lage durch beide nasenlöcher zu atmen.
    also mut mut und ab unters messer wer an selbigen Problemen leidet...

    08.06.2005, 19:13 von bastian
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    eigentlich komisch, wie unbewusst man doch durch die nase atmet...
    2x7... hoi. gut, ich denk nicht weiter drüber nach...

    ps: sei froh, dass du die narkose gut vertragen hast. ansonsten wäre das alles ein wenig unangenehmer gewesen.

    11.02.2005, 16:54 von Mystique
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      @Mystique ICH BIN AUCH SEHR FROH!!!

      11.02.2005, 22:40 von lucky_uli
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      @lucky_uli was mir erst neulich aufgefallen ist; es ist grandios, sich die Zähne zu putzen, ohne alle 10 - 20 Sekunden eine Atempause einzulegen! Beim küssen muss das erst mal toll sein, aber dazu hatte ich bisher keine Gelegenheit.

      19.02.2005, 22:55 von lucky_uli
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    schatzi es heisst 'susanne zur freiheit'. '*kicher*

    ansonsten: RESPEKT!
    (ich hab nur ein kind zur welt gebracht, aber die schmerzen gehen auch vorbei *lautlach*)

    06.02.2005, 00:40 von Sternentaenzer
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      @Sternentaenzer hoppla, da hab ich mich wohl vertan ;-) im vergleich zum kinderkriegen hat man ja al smann nichts, was da nah drankommt an - also 3x so viel respekt zurück! :-)
      dankesehr für das kompliment

      06.02.2005, 02:41 von lucky_uli
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