Eskaja 06.09.2007, 14:06 Uhr 9 0

Ich ess Blumen

Gesund durch Kirschen, Nudeln und Sojamlich? Ja, denn neuste wissenschaftliche Studien zeigen: Eine gut geplante vegane Ernährung hält fit und gesund.

„Veganer? Die sind doch alle bleich und unterernährt. Gesund kann das doch nicht sein.“ So die gängigen Vorurteile von breiten Teilen der Öffentlichkeit gegenüber hundertausenden Menschen in Deutschland, die sich rein pflanzlich ernähren. Von den vielen vegan lebenden OlmypiasiegerInnen (z.B. Carl Lewis), BodybuilderInnen oder TriathletInnen spricht dagegen kaum eineR. Und auch die die neusten wissenschaftlichen Studien zeigen, dass die vegane Ernährung bei richtiger Durchführung entscheidende Vorzüge gegenüber der konventionellen Mischkost bietet.

Vegan ist gesund

Dass eine ovo-lacto-vegetarische Ernährungsform aus medizinischer Sicht positiv bewertet werden kann, ist mittlerweile durch viele empirische Studien nachgewiesen. So weist der Expertenbericht der Eidgenössischen Ernährungskommission des Schweizer Gesundheitsamtes aus dem Jahr 2006 darauf hin, dass „Leute mit einer vegetarischen Ernährung gegenüber Omnivoren (Mischköstlern, Anm. des Autors) klare gesundheitliche Vorteile haben.“

Aber auch die vegane Ernährung kann gesund sein und muß nicht zu Mangelerscheinungen führen, wie es weitläufig immer wieder in den Medien verbreitetet wird. „Richtig praktiziert ist eine gesunde vegane Ernährung in jeder Altersphase möglich.“ erläutert der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Claus Leitzmann gegenüber mir im Interview. Leitzmann hat zusammen mit Prof. Dr. Andreas Hahn die „Deutsche Vegan Studie“ initiiert und durchgeführt, bei der erstmals in Deutschland repräsentativ die gesundheitlichen Auswirkungen des Ernährungsverhalten von über hundert VeganerInnen erfasst wurden, die sich jahrelang vegan ernährt hatten. „ Die vegane Ernährung bietet vor allem gesundheitliche Vorteile wegen des Vermeidens des Verzehrs von tierischen Fetten und der damit geringeren Gefahr an Adipositas (Fettleibigkeit, Anm. des Autors) und deren gefährlichen Folgen zu erkranken“, so Leitzmann weiter. Generell trete bei gut zubereiteter veganer Ernährung keine Mangelsituation auf. „Alle lebensnotwendigen Nährstoffe können mit pflanzlicher Kost aufgenommen werden. Die einzige Ausnahme bildet das Vitamin B12, wobei bei VeganerInnen erst nach Jahren nach Beginn der veganen Ernährung ein B12-Mangel auftreten kann, der jedoch problemlos durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln behoben werden kann.“ führt der Ernährungswissenschaftler aus.

Auch die mit rund 70.000 Mitgliedern größte US-amerikanische Vereinigung von Ernährungsexperten ADA (American Dietetic Association) stelle 2003 fest: "Eine gut geplante vegane oder andere Art der vegetarischen Ernährung ist für jede Lebensphase geeignet, inklusive während der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und in der Pubertät." Gut geplant heißt in dem Kontext natürlich nicht literweise Cola, Unmengen an Chips oder Pommes frites zu verschlingen. „Pudding-VeganerInnen“ leben nicht gesund. Die vegane Ernährung sollte wie jede andere Ernährungsform abwechselungsreich und vollwertig sein und besonders reichlich Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, aber auch Nüsse, Hülsenfrüchte (auch Soja), enthalten.

Fleisch macht krank

Die meisten Mischköstler (nicht alle!) in Deutschland ernähren sich jedoch nicht abwechselungsreich und essen zu viel Weißmehlprodukte, Zucker und vor allem Fleisch. Es ist wissenschaftlich in etlichen empirischen Studien nachgewiesen worden, dass der vor allem der übermäßige Fleischkonsum in den Industriestaaten ungesund ist und für viele der Zivilisationskrankheiten wie Herzkreislauferkrankungen, Krebs, Adipositas, oder Diabetes II mitverantwortlich ist. Aktuell hat z.B. dieses Jahr die EPIC-Studie, bei der in 10 europäischen Ländern über 519.000 Menschen teilnahmen, ergeben, dass das Risiko an Magen -und Darmkrebs zu erkranken mit dem Verzehr von rotem Fleisch deutlich ansteigt.

Ethisch essen

Ist aber Gesundheitsverträglichkeit die einzige entscheidende Frage bei der Wahl der Ernährungsform? Wenn das Optimum an Gesundheit das Ziel sein soll, müsste nicht auf Fleisch, sondern auch auf den Konsum von Alkohol, Kaffe, Zucker oder Schokoriegeln verzichtet werden. Aus libertärer Sicht sollte über eine gesunde Lebensweise aufgeklärt, sie jedoch nicht paternalistisch verordnet werden. Bei der Wahl der Ernährungsform sollten zwar gesundheitlichste Aspekte eine wichtige Rolle spielen, aber auch ökologische, soziale und ethische Konsequenzen müssen mitbedacht werden. So zeichnet sich gerade die vegane Ernährung durch eine geringe Umweltbelastung aus und vermeidet gleichzeitig die qualvolle Ausbeutung und Tötung von leidenden Tieren. Zur ethischen Dimension des Essens äußerten sich auch 1988 schon „Die Ärzte“. Seit 20 Jahren singen sie jetzt schon auf ihren Konzerten: „Ich ess Blumen, denn Tiere tun mir leid!“

Dieser Artikel wurde erstmalig im Original im SPUNK 51 veröffentlicht und steht unter Creative Commons Lizenz: Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0.

9 Antworten

Kommentare

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  • 1

    ich ess ebenfalls Blumen :) und die schmecken und reichen mir vollkommen.

    28.07.2008, 15:40 von zokareen
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  • 0

    ... und ich die Schafe, dass Dir mehr Blumen überbleiben.

    Ach ist die Welt nicht wunderbar eingerichtet?


    Und mal abgesehen davon, dass Herr Carl Lewis als EPO-Doper das vegane wohl doch noch nicht so verinnerlicht hatte - was soll uns dieser Text sagen? Seid nett und esst nur noch Gänseblümchen auf dass wir alle Lichtwesen werden?

    Zu jeder relevanten oder irrelevanten Ansicht - so absurd sie auch immer sein mag - gibt es offensichtlich inzwischen Forschungen, Langzeitstudien und 500seitige Expertisen von Prof. Dr. Hab-ich-nie-gehört aus einem zwielichtigen Institut in Was-weiss-ich-nichstan. Wenn man aber vielleicht mal das zielfixierte Hirnzermartern weglässt und sich fragt "Was könnte der Sinn des Status quo gewesen sein?", kommt man vielleicht an den Punkt zu sagen: "Passt schon so wie's ist.".

    Mir für meinen Teil ist die expertisenbestätigte Gesundheitsgefahr so was von schnurz. Ausserdem bin ich so erzkonservativ (da hänge ich selbst den Papst (Anm. der Redaktion: Oberhaupt der katholischen Kirche) locker ab) und habe Angst vor der Veränderung auch nur der kleinsten Routine, dass ich es im Traum nicht wagen würde, von den als richtig empfundenen Ritualen meiner Vorfahren auch nur einen Deut abzurücken. Schlussendlich bin ich - um dem ganzen die Krone aufzusetzen - süchtig nach der gefühlten, unsichtbaren Macht über Leben und Tod des Hühnchens im Supermarkt meines Vertrauens. Da bin ich ein Junkie. Irgendwie.

    Mahlzeit
    SeiShonagon

    06.09.2007, 17:23 von SeiShonagon
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      @SeiShonagon Das Beispiel mit den Schafen ist zwar wohl nicht ernst gemeint, aber auch eben nicht richtig ;) Für ein Kilogramm Fleisch benötigt mensch 10 Kg Pflanzen, vllt auch Blumen, meistens aber eher Getreide und Soja. Diese Lebensmittel fehlen in den Anbaugebieten des Südens, wo die Menschen hungern, weil die Tiere in den Industrieländern gefüttert werden. Das mal zur ökologischen und sozialen Bilanz des Tierproduktekonsums.

      Ansonsten ist die ADA eben die größte (!) ErnährungswissenschaftlerInnenorganisation in den USA und Kanada, also keine "zwielichtigen" unbekannten WissenschaftlerInnen, sondern eben DIE ernährunswissenschaftliche Organisation in Nordamerika! 70.000 ForscherInnen meinen: Ja, gut geplante vegetarische und vegane Ernährung ist in jeder Lebensphase (auch für Schwangere und Babys) gesund!

      Und zu den Vorfahren: Es gab Zeiten, da konnte gar nicht gejagt werden, da haben sich die Menschen nur von Pflanzen ernährt. Es gibt Völker in der Südsee, die sich seit Jahrtausenden vegan ernähren und heute noch existieren...

      Vielleicht könntest du mal überdenken, was hinter dem Wunsch nach Macht über Leben und Tod von Lebewesen steht ;)

      07.09.2007, 13:53 von Eskaja
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      @Eskaja Servus Eskaja

      Wie Du schon bemerkt hast, habe ich nicht mal für mich selber vorgehabt, da was Ernsthaftes zu zu schreiben. Wozu auch?

      Die Fakten sind bekannt und ich mag sie auch nicht bestreiten. Der Abschnitt zu den Expertisen etc. bezog sich auch nicht explitzit und ausschließlich auf die ADA oder so. Ganz allgemein ist es wohl so, dass man für jede Position irgendjemanden finden kann, der die eigene These wissenschaftlich (mehr oder weniger, aber mindestens auf beeindruckendem Briefpapier) untermauert/stützt. Mich persönlich ficht es nicht an, ob da 70.000 Wissenschaftler einer mir gegensätzlichen Meinung sind, oder 7.000.000 oder oder. Und wenn Du so weit zurückgehen willst in meinem Stammbaum, dass wir als Beleg für vegane Ernährung bei baumbewohnenden Primaten vor 40 Millionen Jahren landen, dann frage ich mich allerdings, warum wir nicht ganz zum Ursprung zurückgehen und uns Photosynthese oder einen Schwefelwasserstoff-Stoffwechsel zulegen und sagen, das funktioniert ja irgendwo auch irgendwie.

      Mir ging es übrigens um meinen Sozialisationsstammbaum und da geht schon seit sehr sehr langem nichts ohne tierische Produkte. Wenn auch das Fleisch sicherlich noch nicht so lang und schon gar nicht in diesen Mengen dazugehört. D'accord.

      Meine Tochter mit 2,5 Jahren übrigens würde am liebsten nur Fleisch essen - was sagen die 70.000 Wissenschaftler zu solch einem Fall? Hat die Evolution versagt?

      Und über den Urprung meines Machtwunsches möchte ich lieber nicht allzusehr reflektieren. Am Ende würde ich entweder über mich selbst erschrecken oder wahlweise ziemlich depressiv werden. Das wünsche ich meiner Umwelt weder in der einen noch in der anderen Variante.

      Schöne Grüße
      SeiShonagon

      11.09.2007, 12:36 von SeiShonagon
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    hab ich keene lust drauf..

    06.09.2007, 16:50 von RedSonja
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  • 0

    Das Schlüsselwort ist "richtig praktiziert". Richtig praktiziert kann man auch mit Fast Food gesund leben. Zu einer vielseitigen Ernährung gehört nun mal Fleisch, auch wenn es nicht dringend notwendig ist.

    Das Problem bei der veganischen Ernährung ist das es ziemlich kompliziert ist so zu ernähren und auswärts essen wird eine Qual ....

    06.09.2007, 15:47 von Composer
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      @Composer Ne, Fleisch muss nicht zu einer vielseitigen gesunden Ernährung gehören, aber du hast schon recht, Fleisch ist einfach nicht notwendig. Ich würde sagen überflüssig ;)

      Ist eigentlich nicht kompliziert. Kenne viele vegane Freunde von mir, die damit gut klar kommen. Auswärts ist auch für mich keine Qual: Salat, Obst, Pommes, Pizza (ohne Käse), Gemüse, Falafell etc. Gibt sehr viele Sachen, die du vegan essen und kaufen kannst.

      Bei richtig praktiziert und Fast Food hab ich meine Bedenken, ist eben einseitig, weil viel zu viel Fett, tierische Eiweiße, zu viel Zucker und kaum langkettige Kohlenhdyrate (Vollkorn!)

      07.09.2007, 13:45 von Eskaja
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    Lieber Arnie, erstmal musst du sowas ja nicht lesen, ich zwinge ja keinen ;)

    Und es geht in dem Artikel ja auch nicht jemanden was vorzuschreiben, steht ja auch wirklich explizit drin! Hier der Beweis: "Aus libertärer Sicht sollte über eine gesunde Lebensweise aufgeklärt, sie jedoch nicht paternalistisch verordnet werden. Bei der Wahl der Ernährungsform sollten zwar gesundheitlichste Aspekte eine wichtige Rolle spielen, aber auch ökologische, soziale und ethische Konsequenzen müssen mitbedacht werden."

    Es geht darum nur über die gesundheitlichen Aspekte der veganen und andere Ernährungsformen aufzuklären. Ob jemand sagt: Ist mir egal ob (zu viele) Tierprodukte ungesund sind, Fleisch schmeckt (Gemüse, Obst, Schoko übrigens auch), ist dann immer noch eine individuelle Entscheidung. Nur diese Personen müssen dann eben auch mit den Konsequenzen ( erhöhtes Risiko zu Fettleibigkeit, Akne, Krebsrisiko, Diabetis) leben.

    06.09.2007, 15:25 von Eskaja
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      @[Benutzer gelöscht] MÜSSEN - Sagen wir sollten, auch das kann mensch niemanden vorschreiben, jedenfalls bin ich da freiheitlich genug veranlagt, eine vegane Gesellschaft nicht mit der Waffe und Gewalt durchsetzen zu wollen. Wer Tiere befreien möchte, muss auch gleichzeitig die Menschen von den Herrschaftsmechanismen befreien!

      Zu veganen Bodybuildern und SpitzensportlerInnen: Beispiel sind u.a. Andreas Cahling ("Mr. International" Bodybuilder), Jutta Müller (mehrfache Weltcupsiegerin im Windsurfen), Car Lewis (mehrfacher Olympiasieger, Leichtathletik), Dennis Rodman (Basketball), Dave Scott (6-facher Ironman Triathlon Gewinner)

      Hier mal noch ein Link:
      "Der vegane Weltmeister im Bodybuilduing im Interview"

      http://www.umwelt.cc/contents/news-der_vegane_weltmeister-lifestyle-000318.html

      07.09.2007, 13:59 von Eskaja
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    ... und ich esse gerne Fleisch

    06.09.2007, 15:08 von Domarias
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    Och komm, ich lass Euch Vegetarier / Veganer doch auch in Ruhe. Warum muss ich immer sowas lesen?

    06.09.2007, 15:05 von ArnieQ
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