Orang 30.11.-0001, 00:00 Uhr 48 1

Generation Gras

Manche Menschen verkiffen ihr Leben.

Generation Gras

Warum Kiffen?

„Seuche Cannabis“ titelte jüngst der Spiegel und machte damit auf eine sonst eher in Abseits gedrängte Problematik aufmerksam. Denn manche Menschen verkiffen ihr Leben. Eigentlich ist nichts Schlimmes daran, wenn man einmal verschläft und zur spät in die Vorlesung kommt oder wieder mal den Zahnarzttermin verpennt. Wer das aber über Jahre hinweg tut, muss auf einmal feststellen, dass er nun schon im 14. Semester Politik studiert und das mit der Karriere wohl eh nichts mehr wird. Eigentlich hat man ja sowieso keinen Bock darauf. Die sozialen Kontakte sind auf das Nötigste reduziert und beschränken sich auf ein paar alte Freunde und den Dealer. Ein Klischee? Ja – und hier gleich das nächste:
Bongkiffer verbringen 90 Prozent ihrer Freizeit auf einer längst in die Tage gekommenen Couch und zocken auf der Playstation 2 bzw. X-Box. Sie studieren (im besten Fall) Informatik und tragen noch immer die selben Baggy-Pants, die sie sich vor zehn Jahren zugelegt haben. Das letzte Mal „clean“ waren sie, als sie eine Freundin hatten. Das ist inzwischen vier Jahre her. Sie sind Dauerjugendliche, die den Tag, an dem der „Ernst des Lebens“ endlich beginnen soll, bereits ein paar Mal aufgeschoben haben. Der nächste Termin ist das Ende des Studiums. Aber daran denkt man besser nicht. Ein Kumpel von ihnen war unlängst in der Psychatrie. Diagnose: drogeninduzierte Psychose.
Noch eines? Bitte schön: der Rasta. Natürlich hat er Dreadlocks. In seinem Zimmer hängt eine große Jamaica-Flagge mit dem Gesicht Bob Marleys drauf. Die Gesellschaft ist hier ist eigentlich scheiße und die Politiker alle korrupt. Er träumt vom Urlaub auf Jamaica und ist der Meinung, dass wenn alle kiffen würden, die Welt eine bessere wäre und überhaupt sollten alle ein bisschen mehr chillen.
Und dann ist da noch der Szene-Kiffer. Er arbeitet in der Medienbranche und verdient überdurchschnittlich. Er ist Ende Zwanzig, trägt eine modische Hornbrille und raucht bevorzugt auf einer Designer-Ledercouch seinen Dübel. Dazu lauscht er einer der unzähligen Chillout-Compilations. Dieser Typus hat einen Hang zur Hyperaktivität und zwingt sich mit Gras zum Entspannen. Ein paar Mal im Jahr kokst er zur Feier des Tages.
Das sind Klischees. Aber es gibt sie zuhauf.
Was ist eigentlich so toll am Kiffen? Die wenigsten werden auf Gras kreativ. Wer trotzdem der Meinung ist, das Kraut befähige ihn zu kreativen Höchstleistungen, sollte seine produktiven Ergüsse am nächsten Tag nüchtern betrachten. Kiffen macht unkommunikativ. Es hemmt und macht schüchtern. Kleine negative Gesten des Gesprächspartner können im Kopf eines Kiffers als Zeichen äußerster Verachtung interpretiert werden. Sprachliche Fähigkeiten werden beeinträchtigt, so dass Gespräche mit Bekifften sich auf die letzten notwendigen Verständigungslaute wie „hm, jaa“ oder „krass!“ beschränken. Kiffen macht faul. Wer einen Hang zur Phlegmatik besitzt, kommt in Teufels Küche, was lästige Termine betrifft. Kiffen macht vergesslich. Das Bisschen Entspannung wird am nächsten Tag mit einer Matschbirne bezahlt.
Warum also Kiffen? Cannabis ist eine Droge. Jede Droge ist schädlich. Doch darum geht es eigentlich nicht. Worum es eigentlich geht, ist, dass viele Menschen Probleme haben, mit Drogen umzugehen. Mit Kiffen an sich hat das erst sekundär zu tun. So abgedroschen das Argument auch sein mag – wer Cannabis pauschal verteufelt, sollte einen Blick auf Zahlen der Alkoholiker in diesem Land werfen. Die logische Konsequenz wäre ein striktes Alkoholverbot. Und ob eine Gesellschaft, die alles Schädliche einfach „wegverbietet“, erstrebenswert ist, sollte man sich an dieser Stelle dann auch noch Fragen. Denn zu Menschen, die regelmäßig Cannabis konsumieren, zählen auch der brave Familienvater, der im Garten seines Reihenhauses sein Kraut anbaut, der Aids-Kranke, der Gras raucht, um mehr Appetit zu haben und der Banker, der täglich seinen Feierabend-Joint genießt.

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48 Antworten

Kommentare

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    Ich hab es auch geschafft mein leben mit dem kiffen zu ruinieren.

    08.06.2005, 17:47 von ernstfriedrich
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    Also ich "rauche" auch... Jetzt schon 8Jahre und zugegeben ich merke schon das das ganze seine Spuren hinterlässt, aber ganz ehrlich gesagt könnt ich mir nicht vorstellen, wie es sei wenn ich nicht angefangen hätte zu kiffen... Da es mich doch zu sehr geprägt hat!!!
    Im Moment bin ich ganz ehrlich gesagt, nicht dazu bereit mit dem "Rauchen" aufzuhören... aber ich weiß das eines Tages soweit sein wird, solang liebe ich es einfach mich nach der Arbeit mit meinem Joint hinzusetzen und es zu geniessen...

    18.11.2004, 17:00 von BurnOneDown
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      @BurnOneDown einfach nur die unverblümte wahrheit, super gemacht, und so herlich einfach

      15.12.2004, 14:30 von raul_duke
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    Ich hab schon lange nicht mehr so gelacht. Wirklich sehr geiler und treffender Artikel. Danke

    24.09.2004, 11:19 von Approx
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    Ist schon richtig: der Mittelweg. Aber wenn dann richtig, ohne Mittelmäßigkeit.
    Mir ist aufgefallen dass manche Kiffer auch unbekifft eine Tendenz zu Ängstlichkeit entwickeln.

    23.09.2004, 11:11 von naj
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    als ich vor einer weile den artikel im spiegel über die "seuche cannabis" gelesen habe dachte ich dieses machwerk wäre an polemik, publizistischer effekthascherei und dem herumreiten auf klischees und stereotypen nicht mehr zu überbieten. ich gebe zu dass ich mich geirrt habe.

    19.08.2004, 18:12 von wasted
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    ich find kiffen is kein problem ,wenn es was besonderes bleibt...problematisch wirds nur ,wenn charakter anfängt sich zu verändern..(gleichgültigkeit etc.)aber wie gesagt ab und zu zu knispeln,.,,da bin ich auch nich so abgeneigt..lg Johanna

    18.08.2004, 21:25 von johana
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    was ist das, zum teufel!! warum ist der beitrag so... so verpeilt??

    29.07.2004, 11:52 von jayjoe
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      @jayjoe Generatio Grass
      @brucelee: man merkt das d u noch keine erfahrungen in diese richtung hast. und wenn man sich einen joint raucht ist es nicht wie in den ganzen schlechten filmen...da taucht man nicht in eine andere welt und dein bewusstseinszustand wird auch nicht stark veraendert... ausserdem ist alles eine droge selbst kaffee oder schokolade...man muss nur den mittelweg finden mal einmal im jahr pilze zu spac ken macht auch keinen zum junki und wenn du im monat 2 ma l kiffst ist das auch nicht viel ungesuender als jedes wochenende in eine verrauchte disco ... zu viel sport ist auch nicht gut... denkt dran... den mittelweg zu finden ist das wahre... warum heisst es auch sucht weil man es immer wieder tun will und die sucht beherrscht dein leben! aber wenn es nicht zur sucht kommt kann man auch nicht suechtig werden..is doch logisch!! also was man auch alles macht...in massen bitte :)

      29.07.2004, 11:59 von jayjoe
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      @jayjoe @jayjoe:
      in "massen"? *snigger*
      Aber dieser Nebenhinweis auf andere "Drogen" wie Kaffee, Nikotin, Adrenalin &c. ist nun wirklich nicht mehr notwendig.

      @brucelee
      Dass Du Dich nur nungern zu den sog. "Schwaecheren" zaehlen magst, wird ja schon durch Deinen Nickname klar:)

      Aber mal im Ernst: Um sagen zu koennen, was oder wer schwach ist, must Du erstmal eine Messlatte hinhalten - das ist aber bei derart vielen Individuen umnoeglich - und Deine Messlatte ist nicht die ultimative.

      Ich zaehle mich gern zu den "Schachen", wenn es schwach sein soll, etwas gegen meinen starken Tatendrang zu tun (ich muss IMMER etwas tun) und dagegen einen Joint rauche und ich mich endlich mal richtig entspannen kann.
      Du meinst, "Das gute Gefühl wird einem vorgegaukelt, obwohl es in Wahrheit nie da ist." Ich kann dazu sagen, dass meine so erreichte Entspannung sehr wohl da ist, auch wenn ich mir darueber im Klaren bin, dass ich sie mit dem Joint herbeigeraucht habe. Na und?

      Aber Du bist , wie ich gessehen habe, ja noch jung, sicherlich lernst Du mit der Zeit noch, Meinungen zu gewichten (nicht nur schwarz/weiss bzw. stark/schwach zu sehen) und vor allem nicht alle ueber einen Kamm zu scheren.

      29.07.2004, 15:32 von pacozaq
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      @pacozaq hau. der alte weißbaertige mann hat gesprochen :)

      31.07.2004, 16:41 von hirnschiss
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    %40brucelee%3A+man+merkt+das+du+noch+keine+erfahrungen+in+diese+richtung+hast%21+und+wenn+man+sich+einen+joint+raucht%2C+ist+es+nicht+wie+im+film...+da+taucht+man+nicht+in+eine+andere+welt+und+dein+bewusstseinszustand+wird+auch+nicht+stark+veraendert...+ausserdem+ist+alles+eine+droge%21+selbst+kaffee+oder+schokolade...+man+muss+nur+den+mittelweg+finden%21+mal+einmal+im+jahr+pilze+zu+spacken+macht+auch+keinen+zum+junki%21+und+wenn+du+im+monat+2+mal+kiffst%2C+ist+das+auch+nicht+viel+ungesuender+als+jedes+wochenende+in+eine+verrauchte+disco%21+zu+viel+sport+ist+auch+nicht+gut...++denkt+dran...+den+mittelweg+finden%21+warum+heisst+es+auch+sucht%3E+weil+man+es+immer+wieder+tun+will+und+die+sucht+beherrscht+dein+leben%21+aber+wenn+es+nicht+zur+sucht+kommt%2C+kann+man+auch+nicht+suechtig+werden..is+doch+logisch%21+also%2C+was+man+auch+alles+macht...+in+massen+bitte%3A%29%21

    29.07.2004, 11:49 von jayjoe
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