Für den Rainman
Ein Schritt in die richtige Richtung, für Deutschland erst ein Anfang: 1. Welt-Autismus-Tag
Gestern, am 2. April 2008 fand der weltweit erste «World Autism Awareness Day« der Vereinten Nationen statt. Er wurde mit UN-Resolution Nr. 62/139 von Januar diesen Jahres ins Leben gerufen.
Autismus ist keine exotische "Minderheitenproblematik": Weltweit sind Millionen Menschen von Autismus betroffen, nach Schätzungen der VN eines von 150 Kindern weltweit, wobei diese Behinderung mehrheitlich bei Jungen diagnostiziert wird. Die Zuwachsrate ist enorm.
Die Ursache ist nach wie vor unbekannt, ein Heilmittel ist nicht existent. Die Symptomatik ist weitreichend, diffizil, vielschichtig, nicht einheitlich und nur schwer zu erkennen. Weswegen viele autistisch behinderte Menschen undiagnostiziert unter uns leben. Und von uns im besten Fall als "Sonderlinge" und "Eigenbrötler" oder als "Nerds" bezeichnet werden.
Der «World Autism Awareness Day« hat zum Ziel, weltweit in allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen das Bewußtsein für diese Art der Behinderung zu schärfen und frühzeitige Diagnosen und Hilfen zu ermöglichen.
Weitergehend ist das Ziel, von Autismus betroffene Menschen als gleichberechtigten und wertvollen Teil der Menschheit zu begreifen, Diskriminierung abzubauen, bzw. zu verhindern und ihnen eine Stimme zu verleihen.
Dies ist nur eine kurze inhaltliche Zusammenfassung dessen, was auf der unten genannten Page zum «World Autism Awareness Day« dargestellt wird. Auf CNN wurden gestern hierzu Sondersendungen ausgestrahlt.
In Deutschland erfahren autistisch Behinderte vergleichsweise wenig Unterstützung, in Berlin wird auf Kosten von autistisch behinderten Kinder gespart. Siehe Link.
Von Krankenkassen und Ämtern wird Autismus nicht als eine Behinderung mit eigener Symptomatik anerkannt, Autisten werden statt dessen mit geistig Behinderten gleichgestellt, was weder sachgerecht noch hilfreich oder angemessen ist.
Ich bin die Mutter eines autistisch behinderten Sohnes.
Es gibt mehr als nur den Rainman, und ich wünsche mir, dass in unserer Geselltschaft, in der ein enorm hoher Anpassungsdruck herrscht, mehr Raum ist für solche besonderen Menschen wie meinen Sohn.
Dass die Verhältnisse anders sind, dass wir zudem von Bürokratien und durch "Finanzierungsvorbehalte" immer wieder ausgebremst werden, was unmittelbar negative Auswirkungen auf das Leben meines Sohnes hat, macht mich wechselweise traurig und wütend. Und hilflos. Was das Schlimmste ist.
Ein Welt-Autismus-Tag der VN ist nur ein kleiner Schritt, der kaum Resonanz in der deutschen Öffentlichkeit hat, aber er geht in die richtige Richtung.
(Mehr zu lesen gibts auf Wikipedia zu dem Thema, wie ich finde umfassend und gut dargestellt)






Kommentare
Hallo Red Sonja,
04.01.2010, 00:30 von KokomikoMein Ältester leidet an ADHS. Das ist zwar auch eine Last, aber ein Kindergeburtstag im Vergleich zu seinen Klassenkameraden Martin und Nico. Die Jungs haben Asperger mitbekommen. Insbesondere Martin schafft regelmäßig den Lehrkörper auf der KB-Schule.
Dennoch, auch das habe ich immer zu praktizieren versucht, so man denn den Blick hat für das Besondere an und in diesen Buben (meinem eingeschlossen), erfährt man Stärken und Talente, die im "normalen" Biotop der Gesellschaft durch die Auffälligkeiten überdeckt werden, die stark sind. Möchte sagen, stärker als das "Normale".
So hörte ich, es gebe eine Firma, die für städtische Betriebe Kanalrohrleitungen plant. Diese stellen aufgrund der hierfür erforderlichen besonderen Wahrnehmungsfähigkeiten Asperger-Syndromis ein.
Untenstehenden Link zum Thema fand ich auch sehr hilfreich, weil Perspektive für betroffene Jugendliche und Eltern bietend. Vielleicht kennst Du die Site ja noch nicht.
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/wieder-was-geschafft/artikel/kollege-autist.html
Achso..hätt ich fast vergessen. Danke für Profilfreude
Stay tight and sleep well ma belle
oh :-D
12.05.2008, 16:33 von RedSonjadanke euch für die kommentare und empfehlungen..
mein kleener ist 11 und hat high-functioning-autismus richtung asperger.
ich werd mal versuchen noch was dazu zu schreiben.
noch mal danke!!
*freu*
sunny
schön, dass man auch darüber mal was hört. empfehlung.
10.04.2008, 16:07 von miralii
07.04.2008, 13:53 von mezzanineWichtiger Text/Hinweis! Danke :)
Auch wenn ich weder betroffen bin (obwohl ich ab und an Schicksalsberichten ein "hm, kenn ich zu gut" abgewinnen kann) noch diagnostizierte Autisten in meinem näheren Umfeld habe, interessiere ich mich sehr für diese durch verschiedenste Merkmale gekennzeichnete Krankheit/Behinderung.
Allerdings ist es schade, dass dieses Thema und damit die Menschen selbst meist in einer Art stillen Kiste verschwindet/verschwinden, die nur gelegentlich durch Betroffene oder Angehörige von Betroffenen abgestaubt wird - es geht um mehr Bewusstsein und alle von dir angesprochnen bürokratischen/politischen Hürden.
(meine derzeit liebsten Bücher zum Thema: Barry Neil Kaufman - "Ein neuer Tag", ein Vater, der zusammen mit seiner Frau den eigenen Sohn Mitte der 70er - als es um die Forschung noch eher mittelalterlich stand - zu "therapieren" versuchte.. und schaffte "Elf ist freundlich Fünf ist laut" von Tammet, der von seinem Leben als Autist berichtet)
Grüße.
Ja, so ist es. Man beklatscht Filme wie Rainman oder Philadelphia und aus die Maus. Aktuellere Beispiele wie Contergan oder die Filme von Fatih Akin sind für kurze Zeit hip - und berühren bitte nicht unseren Alltag. Nur, dass es unser Alltag ist, mehr oder eben weniger.
03.04.2008, 16:26 von PaminaMeine Empfehlung für eine tolle Piratenmama!