Freiheit
Als ich dieses Mal im Zug von der Praxis nach Hause sitze, ist alles anders.
Ich kann mich nicht wirklich erinnern, wann oder wie alles angefangen hat. Ich kann mich nur nicht wirklich bewusst erinnern, eine Jugend ohne diesen Schmerz gehabt zu haben. Aber ich muss so ungefähr 12 gewesen sein; damals wurde ich „eine Frau“, wie man ja so schön sagt. Euphemistische Umschreibung dafür, dass man ab diesem Tag an einmal im Monat schlechte Laune hat und Tampons benutzen muss. Die obligatorischen Bauchschmerzen sind mir zum Glück in der ersten Zeit erspart geblieben und mir war das ganze auch am Anfang einfach nur ein bisschen peinlich und ich bin nicht stolz zur Mama gerannt und habe mich feiern lassen. Ich glaube ohnehin nicht, dass es sie besonders interessiert hätte.
Also hab ich auch dann, als die Bauchschmerzen irgendwann doch gekommen sind, nicht wirklich gewusst, mit wem ich darüber reden sollte und außerdem bin ich eh davon ausgegangen, dass das schon alles normal ist. Allerdings fand ich es in jedem Fall komisch, dass die Schmerzen nicht so recht in den Zyklus gefallen sind, sondern sich lustig bunt drum rum drapiert und sich offensichtlich in meiner linken Bauchhälfte heimisch eingerichtet haben.
Als ich 14 war, wurde der Schmerz so unangenehm, dass ich angefangen hab, Schmerzmittel zu nehmen. Anfangs nur eine, wenn es mich genervt hat, aber bald schon war eine nicht mehr genug.
Der erste Arztbesuch in dieser Zeit war dann auch mehr oder weniger ernüchternd. Mein Hausarzt, in dessen Krankenakte mein erster Eintrag im Alter von 2 Monaten entstanden ist, hatte zwar durchaus Mitgefühl, aber das hilft einem in der Situation halt auch nur bedingt weiter. Eine definitive Diagnose stellen konnte er nicht, nachdem sämtliche Eventualitäten in meinem Bauch ausgeschlossen waren und meine Mutter verdrehte nur ein bisschen die Augen und schaute mich mit ihrem „Hab-ich’s-dir-nicht-gesagt-stell-dich-nicht-so-an“-Blick an. Ich hielt von da an wieder den Mund und trollte mich mit meinen höher dosierten Schmerzmitteln, mit denen ich dieser Einbildung zu Leibe rücken sollte.
Aber das Monster in mir wurde tückischer. Es hatte in meinem Bauch eine kleine Grube eingerichtet, in der es einmal im Monat für eine gute Woche arbeitete und stetig mit seinem kleinen Hammer den Raum um sich herum bearbeitete. Ich merkte, dass offensichtlich manchmal gröbere Brocken gesprengt werden mussten und diese kleinen Explosionen zitterten mein linkes Bein hinunter und den linken Arm hinauf. Dann war es wieder trügerisch still und legte sich schlafen. Aber es kam zuverlässig immer und immer wieder, mal länger, mal weniger lang. Aber es kam immer zurück.
Nach einiger Zeit, als ich gerade 15 war, nahm mich mein Vater zur Seite und erklärte, dass er sich diese Tabletten-Fresserei nicht mehr länger anschauen möchte und dass ich doch bitte mal zum Frauenarzt gehen sollte. Nur um auszuschließen, dass das Problem „in diesem Bereich da“ liegt – meinem Papa war die Gynäkologie auch ein bisschen peinlich.
Ich bin dann also hin, zur ersten Ärztin. Diagnose: Ah ja, man sieht da was auf dem Ultraschall, Durchmesser so 3cm. Sie hat mich dann ganz gütig angeschaut und gemeint, dass so ein bisschen Wassereinlagerung nicht schlimm sei und dass die Schmerzen nicht so schlimm sein könnten. Nicht mal ein Rezept für Schmerzmittel hab ich von der blöden Kuh bekommen.
Aber jetzt war klar: Da war was, was man sehen und mehr oder weniger greifen konnte. Mit diesem Wissen bin ich zur nächsten Ärztin. Diagnose: Ein Myom. Wassereinlagerung ist es wohl nicht, aber dieses Myom verschwindet auch bald wieder, ich solle doch bitte in ein paar Wochen noch mal nachschauen lassen, was daraus geworden ist. Schmerztabletten habe ich dieses Mal wenigstens bekommen und einen Namen für das, was mich da belästigte.
Brav bin ich dann ein paar Wochen später wieder in eine Praxis gelatscht. Diesmal war ich bei einer hochschwangeren Ärztin, Diagnose: Myom noch da, aber es ist gar kein Myom. Ach nein, was ist es denn dann? Kritischer, vorwurfsvoller Blick: kann es sein, dass Sie schwanger sind? Das hier sieht mir ganz nach einer Eileiterschwangerschaft aus. Ich war ein bisschen perplex. Nein, das kann nicht sein. Wissende, zweifelnde Falten auf der Stirn. Sind Sie sich da ganz sicher? Ja, verdammt! Ich bin nicht die Mutter Maria. Ich hab mir mein Rezept für Schmerzmittel abgeholt und bin beleidigt nach Hause.
Das Monster in mir kicherte sich ins kräftige Fäustchen und hatte offensichtlich immer mehr Vergnügen daran, mir mein Leben schwer zu machen. Inzwischen hatte es wohl Freunde in meinen Bauch eingeladen und während einer immer rhythmisch gegen den Raum drum rum hämmerte, hackten und stachen die Anderen munter um sich.
Mein guter alter Hausarzt sah mich bei meinem nächsten Besuch mit der Bitte um Schmerzmittel ratlos und langsam ein bisschen verzweifelt an. Ich hatte inzwischen alles mögliche ausprobiert und zwischendurch fast nichts mehr gegessen, weil ich mir einbildete, dass ohne Essen im Bauch auch kein Schmerz entsteht und unter anderem auch 4 Wochen zur Entgiftung ausschließlich Fencheltee zu mir genommen. Aber weder der noch mein Hausarzt konnten mir helfen, aber als letzte Option schickte er mich in eine Klinik zur Darmspiegelung. Wirklich eine Erfahrung, die ich meinem besten Feind nicht wünsche. Erst diesen widerwärtigen Rohrreiniger kippen und dann in dieser wirklich erniedrigenden Position damit kämpfen, dass die dumme Narkose nur halb gewirkt hat. Von zwei Schwestern grob auf die Pritsche gedrückt und fixiert und diesen emotionslosen Metzger als Arzt traktiert zu werden. Abgehakt als sehr unangenehme Erfahrung. Und abgehakt mit der Diagnose: Gesund.
Nach diesem „Ergebnis“ oder wahrscheinlich schon ein bisschen früher schickte mein Monster eine Delegation kleiner Dämonen in meinen Kopf und meine Seele. Und dort schlichen sie dann rum und verdunkelten alles und vergifteten jeden Gedanken und die Sonne um mich herum. Mit dem finalen Verdacht auf eine psychosomatische Erkrankung und der Ursache meiner Schmerzen in meinem Kopf landete ich schließlich mit 16 bei einer Psychologin. Ich hielt die Frau für völlig unfähig und war mitnichten davon überzeugt, dass das Problem hier zu finden war. Aber ich war inzwischen so lethargisch und dumpf geworden, dass es mir schlicht egal war.
Und so begann ich dann zu erzählen, von dem Monster in mir und den Monstern um mich herum. Von den Schmerzen, die mich mittlerweile oft über 2 Monate verfolgten und kaum unter Kontrolle zu bringen waren. Wie ich mit dem Volleyball-Spielen aufhören musste, weil ich zu oft einfach zitternd und gekrümmt am Spielfeldrand stand und nicht mehr stehen konnte. Davon, dass mir niemand glaubt, dass ich Schmerzen hab, sondern einfach nur wehleidig bin und meine Mutter mich das komplette erste Stockwerk von unserem Haus quasi im Alleingang hat streichen lassen und ich dabei fast von der Trittleiter gekippt wäre vor Schmerzen. Darüber, dass sie meinen Zustand auch nicht als Entschuldigung gelten ließ, wenn ich mich nicht fähig gefühlt habe, in die Schule zu gehen. Und dass die Sekretärinnen meiner Schule mich immer voller Mitleid angeschaut haben, wenn ich vor Schmerzen zitternd das Befreiungsformular nicht mehr selbst ausfüllen konnte und meine Mutter am anderen Ende der Leitung gemeckert hat, weil sie mich nicht „schon wieder“ abholen wollte. Wie mein Sozial-Leben eigentlich nicht existiert, weil ich zum einen viel zu sehr mit mir und meinen Problemen beschäftigt war und zum anderen damit, meine Geschwister groß zu ziehen, weil meine Mutter leider total unfähig ist. Und ihrerseits mit dem Scheidungskrieg mit meinem Vater und ihren Affairen gut zu tun hat. Nicht erzählt hab ich ihr, dass ich das eine oder andere Mal ein bisschen gedankenverloren vor unserem Karton mit Medikamenten saß und mir überlegt habe, wie viel davon dem Monster in mir, das mich inzwischen oft tagelang zusammengekauert ins Bett zwang, wohl ein für alle Mal den Garaus machen. Aber ich denke, dass sie das doch irgendwie gemerkt hat. Sie wollte mich zwei- bis dreimal die Woche sehen und attestierte mir eine quasi fast schon traumatische Kindheit und große Schwierigkeiten im Verhältnis zu meiner Mutter und zu viel Verantwortung und emotionale Lasten in unserer Familie. Eine sehr spitzfindige Frau, die da mir völlig unbekannte Sachverhalte aus meinem tiefsten Innersten zu Tage gefördert hat. Ich konnte sie nicht wirklich ernst nehmen und auch, wenn sie das vielleicht gern so gesehen hat, aber gegen das Monster kam sie so nicht an.
Ich vegetierte also weiter in meinem schmerzmittelvernebelten Dasein dahin. Die Dosis der Medikamente, die ich mittlerweile nahm, war für meinen Magen zu stark, also inhalierte ich fleißig Zäpfchen und verschlief den größten Teil meines Lebens als 16jährige.
Bis mein Vater mich in seiner Verzweiflung zu einem Freund in die Gynäkologie-Praxis stellte.
Auf einmal alles ganz schnell ging. Mit einem Verdacht dieses Mannes erkämpfte mir – als Kassenpatient! – mein Papa einen Termin für eine Kernspintomographie, ich verschwand in der Röhre und tauchte mit der bestätigten Diagnose wieder auf: Endometriose. Eine gutartige Versprengung von Gebärmutterschleimhautgewebe außerhalb der Gebärmutter, das im gleichen Rhythmus wächst und dabei Schmerzen verursacht. Als ich das so erklärt bekommen habe, musste ich ja schon fast ein bisschen zynisch lachen. Von wegen gutartig. Ein hinterlistiges Monster, das sich bei mir um den linken Eileiter gewickelt hat und fleißig seine Stollen in Richtung der Nerven, die durch den Beckenknochen laufen, gefressen hat. So lange und so viel gefressen, dass es bis dahin einen Durchmesser von 4,7cm erreicht hatte. Und das kleine Messer meine linken Nervenbahnen rauf und runter jagte. Aber es hatte einen Namen und jetzt kam ich dagegen an und wurde – hormonell gesehen – schwanger. Zu therapeutischen Zwecken.
Gelbkörperhormone legen alles im Körper lahm, was Hormone betrifft, die den natürlichen Zyklus einer Frau regeln. Na ja, und die eben auch die sonstigen Nebenwirkungen einer Schwangerschaft mit sich bringen. Nachdem ich in den Jahren davor durch meine zeitweilige Nahrungsverweigerung relativ viel Gewicht verloren hatte, nahm ich jetzt innerhalb kürzester Zeit enorm zu, hauptsächlich durch Wassereinlagerungen im Gewebe, die meine Haut überall mit Schwangerschaftsstreifen aufreißen ließ. Der Arzt nannte das eine bedauerliche Nebenerscheinung, die man in Kauf nehmen musste. Ich fand es auch durchaus bedauerlich, auszusehen wie ein Krapfen, aber ich hatte keine Schmerzen mehr. Es war fast magisch. Wenn man das nie erlebt hat, kann man sich nicht vorstellen, was es für ein Gefühl ist, morgens aufzuwachen und einfach nichts zu spüren. Und selbst, wenn man ganz aufmerksam in sich hinein horcht, ist da nichts. Das Monster lag im Koma und rührte sich nicht mehr, es schnarchte nicht einmal. Es sollte einfach nur schrumpfen. Aber dieses kleine Biest tat mir diesen Gefallen während dieser Behandlung nicht. Es ließ sich lediglich dazu herab, sich um 2mm kleiner zu machen, aber das war dann auch schon alles. Das Krapfen-Dasein leid, brach ich das ganze nach knapp 9 Monaten ab.
Als Alternative nahm ich jetzt die ganz ordinäre Anti-Baby-Pille, die ebenfalls den Effekt haben sollte, dass Eisprung und sonstige für mich unguten Funktionen abgeschaltet werden und ganz nebenbei musste/durfte ich die Einnahme über 3 Monate strecken, was auf jeden Fall sehr angenehm war.
Aber mein Monster ließ sich nicht verarschen.
Ich nahm meine Pillchen, ich ging regelmäßig zu meinen Untersuchungen und mit 18 Jahren fing mein Leben an. Ich war so hungrig nach Leben, dass ich sehr schnell neue Freunde fand, auf Parties ging, Männer kennen lernte, mich verliebte und auf Reisen ging. Ich hatte eine tolle Zeit, ich genoss die Möglichkeiten, die mir so lang einfach verwehrt waren und vergaß allmählich, dass in mir immer noch etwas lauerte und heimlich Pläne schmiedete, mich zurück zu erobern, mich wieder für sich allein zu haben und mein Leben wirklich einfach wieder zu verdunkeln.
Ich kann mich erinnern, dass ich im September 2006 bei meiner Routine-Untersuchung war und die stets unveränderte Größe 4,7cm auf dem Bildschirm bewundern durfte. Mit Glückwünschen meines Arztes, dass das ja alles hervorragend läuft und wir alle sehr froh sein können, dass sich das so gut hält. Jaja, die Aussage wirkte tief und kam da an, wo sie nie hätte landen dürfen. Das Monster fühlte sich wohl in seinem Stolz verletzt und machte sich langsam wieder bemerkbar und begann wieder zu wühlen und zu rumoren und lachte höhnisch, wenn ich nachts von den Schmerzen wieder wach wurde. Und wieder begann das Tabletten-Schlucken und innerhalb rasant kurzer Zeit wurden die Zäpfchen wieder ausgepackt. So tief es auch in den letzten Monaten geschlafen hatte, so wild randalierte es plötzlich von einem Tag auf den anderen.
Silvester verbrachte ich dann im Delirium zwischen Schmerzmitteln und Vodka und die Party passierte um mich herum ohne mich. Ich saß nur da und wollte das nicht wahrhaben.
Am 2. Januar nötigte ich meine Mutter, mich in die Praxis zu fahren, weil ich endgültig nicht mehr stehen konnte, den Krankenschein bei der Sprechstundenhilfe musste die dann auch selber ausfüllen, weil ich es nicht mehr geschafft hab. Statt neuen Schmerzmitteln gab es eine neue Diagnose: Geschwür explosionsartig auf 5,3cm angewachsen, muss sofort entfernt werden. Ich werd nie das Gesicht von meiner Mutter vergessen, als sie das gehört hat. Der wären fast die Ohren vom Kopf gefallen. Ich war also tatsächlich krank. Schau einer an. Das konnte ja keiner ahnen. Ein bisschen Genugtuung war mir vergönnt.
Am 5. Januar 2007 um 8:00 wurde ich operiert. Man wusste nicht, ob man mir meinen Eierstock lassen kann, was dann ging, aber man konnte das schlechte Gewebe nicht zur Gänze entfernen. Der Schnitt verläuft über eine Länge von 15cm knapp unter der „Höschen-Grenze“. Ich hab mich auf die Narkose fürchterlich übergeben und fand das Essen im Krankenhaus generell zum kotzen. Meine Mutter hätte mich fast meine Tasche selber zum Auto tragen lassen und hat sich dafür einen bitterbösen Blick der Krankenschwester eingefangen. Meine Schwester hat sich am Tag meiner OP beide Handgelenke beim Snowboarden gebrochen und so sind wir dann beide total invalide im Wohnzimmer gesessen. Meine OP-Narbe hat sich zu Hause fürchterlich entzündet und der Bauchraum unter der Wunde hat sich mit Eiter gefüllt, das ich mir dann jeden Tag mit einer Kanüle entfernen musste. Mein Hausarzt hat mich in der Zeit behandelt und seinen Kollegen, der die OP gemacht und die Klammern entfernt hat, telefonisch durch das halbe Krankenhaus verfolgt und zur Sau gemacht. Zu Hause lag ich in meinem Bett und konnte ohne diese Triangel-Konstruktion überm Bett eigentlich kaum allein aufstehen. Und ich war so glücklich und das alles war mir so egal.
Das ist jetzt fast auf den Tag genau 4 Jahre her. Nach meiner letzten Nachsorge-Untersuchung ein paar Wochen nach der OP bin ich nicht wieder in die Praxis gegangen. Meine Angst, der Arzt könnte mir sagen, dass das Gewebe, das er nicht entfernen konnte, wieder angewachsen ist und alles wieder von vorne beginnt, war einfach zu groß. Lieber, ich weiß es nicht und kann mir einbilden, dass ich gesund bin, als zu wissen, dass das Monster wieder wächst und gedeiht. Außerdem hat mir meine Suche nach einer Antwort auf meine Schmerzen, die sich über fast 5 Jahre gezogen hat, mich zu insgesamt mehr als 10 verschiedenen Ärzten und den abstrusesten Diagnosen geführt hat, mir eine Schmerzmittel-Abhängigkeit beschert hat und der ich meine halbe Jugend unterordnen musste, das Vertrauen in die Medizin und Ärzte ganz schön vermiest. Ich hasse alles, was mit Praxen, Diagnosen und Untersuchungen zu tun hat.
Deswegen bin ich nicht hin gegangen. Bis heute.
Als ich dieses Mal im Zug von der Praxis nach Hause sitze, ist alles anders. Doch erst zu Hause kann ich so wirklich verstehen, was ich gerade erfahren habe. Ich bin frei.
Es ist alles weg, hat er gesagt. Hat sich restlos aufgelöst und schmort in der Hölle.
Mir ist bewusst, dass es viele Menschen gibt, deren Krankheitsgeschichte weitaus tragischer ist, als meine. Deren Leben bedroht ist, die einen großen Teil ihres Lebens im Krankenhaus an Maschinen verbringen und darauf warten, dass es zu Ende geht.
Wenn man es aus dieser Perspektive betrachtet, hatte ich Glück. Aber ein pausenloser Schmerz, der dich überall begleitet, der keine Rücksicht auf deine Pläne oder Wünsche nimmt, ist die Hölle. Er nimmt dir deine Kraft, deine Visionen und in meinem Fall irgendwann den Lebenswillen. Endometriose ist eine Krankheit, von der viele betroffen sind, oft ohne, dass sie es wissen. Erst später habe ich erfahren, dass in meiner Familie mütterlicherseits fast alle Frauen davon betroffen sind oder waren. Viele Patienten und leider auch Ärzte erkennen das Problem lange nicht und manche Frauen leiden wirklich schreckliche Qualen und die Schmerze können bisweilen so stark sein, dass sie zur Bewusstlosigkeit führen.
Das schlimmste an meinem Fall waren jedoch nicht die Schmerzen, sondern die Ignoranz im Umgang mit meinem Problem. Dass meine Mutter mir nicht glauben wollte, wie schlimm dieses Monster tatsächlich in meinem Bauch wütet. Ich werde nie die Gesichter der Ärzte vergessen, die mir schlichtweg einfach Einbildung und Aufmerksamkeits-Heischerei unterstellt haben, deren Unfähigkeit und Desinteresse. Die Gleichgültigkeit und der Unglauben in meinem Freundeskreis und in der Familie, wenn ich Verabredungen und Termine wegen „banalen Bauchschmerzen“ absagen musste.
Vielleicht hat sich wirklich jemand durch diesen Geschichte gelesen und findet sich darin wieder. Gebt nicht auf, wenn jemand euer Leiden als Banalität abtut! Ihr habt den Respekt verdient, dass man eure Geschichte glaubt und dass man alles tut, um euch zu helfen.
Ich hatte das Glück, dass ich irgendwann jemanden gefunden habe, der mir wirklich helfen konnte. Gebt nicht auf, bevor ihr das geschafft habt!
PS: Bei meinem ersten Besuch bei meinem Hausarzt war sein erster Verdacht Endometriose. Er hat das aber sofort wieder verworfen, mit der Begründung, dass diese Erkrankung normalerweise nur bei Frauen ab Mitte 30 auftritt."Wichtige Links zu diesem Text"
http://de.wikipedia.org/wiki/Endometriose






Kommentare
Ohaaa!
31.01.2011, 13:08 von thadeuspunktWünsche Dir für Die Zukunft viel Gesundheit und das die Schmerzen nicht wiederkommen.
Vielleicht kannst Du wirklich jemandem mit Deiner Geschichte helfen, dann waren die Schmerzen wenigsten zu etwas nütze.