Pinkcat 30.11.-0001, 00:00 Uhr 46 6

Eyes wide shut - vom Laser geküsst

Von 5 auf 125 Prozent - wie in zehn Minuten die Dioptrien purzeln.

Die Augen fest mit Klammern verdrahtet, so dass jedes Blinzeln unmöglich wird. Verschwommen. Dann plötzlich vollkommene Dunkelheit. Rotes Licht. Meine Hand drückt die der Schwester. Es riecht nach verbranntem Fingernagel. Zwei Handgriffe später blicke ich mich um – klare Sicht. Mein neues Leben beginnt.

12 Monate vorher. Urlaub in der Türkei. Eine Affenhitze. Ich habe mich allein ins erfrischende Meer gewagt – der Rückweg wird allerdings zum Gang über heiße Kohlen. Oder vielmehr heißen Sand. Denn mit meinen -4 Dioptrien rechts und -2 Dioptrien links erkenne ich keinen Anhaltspunkt, der mich schnurstracks an meinen Liegeplatz führt. Das Schlimmste: Meine FlipFlops sind ohne Brille leider auch „verschwunden“. Fünf Minuten und ein paar angesengte Fußsohlen später bin ich endlich an meinem Platz angekommen. Jetzt werde ich wieder zu Mrs Vierauge, wie mich der Typ an der Hotelbar freundlicherweise nennt. Ein Griff – ich kann wieder sehen.

Brille – Fielmann. Schön und gut. Doch wenn man plötzlich keine Kontaktlinsen mehr verträgt ist man nicht nur aufgeschmissen, sondern auch von manchen Dingen ausgeschlossen. Nicht nur das Baden im Meer ist ein Hindernis. Nein: Tauchen, Sauna, Sport und auch Turnübungen auf der heimatlichen Spielwiese erfordern Einfallsreichtum – oder man muss hinnehmen, dass man eben nicht alles scharf sieht.

Mein Entschluss war nach einem Jahr Brillenerfahrung gefasst: Wenn das mit den Kontaktlinsen nicht mehr ging, mussten eben andere Maßnahmen ergriffen werden. Lösung: Laser-OP. Nach Recherche über Internet und Co. besorgte ich mir einen Untersuchungs-Termin bei einer angesehenen Laserklinik in Darmstadt.

Lasik, Lasek, epi-Lasik und Linsenchirurgie – mittlerweile gibt es eine Bandbreite an Methoden, um brillenfreies Sehen zu ermöglichen. Am verbreitetsten ist wohl die Lasik-Operation. Hier wird zuerst ein dünnes Häutchen auf der Linse aufgeschnitten und zur Seite geklappt. Danach kann ein fein arbeitender Laser die Hornhaut auf die benötigte Menge weglasern. Eine Hornhaut-Tätowierung sozusagen.

Mehrere Untersuchungsstationen gilt es vor jeder OP abzulaufen: von der Pupillengröße über die Sehschärfe bis hin zur Tränenflüssigkeit. Doch das wichtigste – die Hornhaut. Denn wo nichts ist, kann auch nichts abgefeilt werden. Das war das erste Mal, dass ich mir an einer Stelle meines Körpers eine möglichst dicke Hornhaut wünschte. Das Ergebnis des Checks – geeignet. Damit, dass ich mich wirklich operieren lassen kann, hatte ich nicht so ganz gerechnet. Weiter hatte ich bis dahin noch nicht gedacht.

Tut die OP weh? Was sind die Nebenwirkungen? Kann ich bild werden? Bevor ich einem OP-Termin zustimmte, löcherte ich erstmal den Laser-Chirurgen. Die Risiken sind relativ gering. Bei rund einem Prozent der Behandelten treten Nebenwirkungen wie trockene Augen oder Entzündungen auf, von denen wiederum nur ein minimaler Teil irreparabeler Schäden haben kann. Sind Vor- und Nachuntersuchungen gründlich, kann der „Worst-Case-Fall“, also die Erblindung, quasi ausgeschlossen werden. Natürlich legen sich Ärzte nicht gerne fest – sie sind ja auch keine Wahrsager. Ich fühlte mich gut aufgehoben und schob alle Zweifel beiseite: Es wird alles gut gehen.

Der nächste Knackpunkt waren die Kosten. 3.800 Euro schüttelt man als Studentin nicht gerade aus dem Ärmel. Doch ich hatte gespart und musste mein Konto plündern, denn nur wenige private Krankenversicherungen zahlen komplett oder Teilbeträge, Kassenpatienten gehen vollkommen leer aus.

Einen Monat nach der Voruntersuchung war der langersehnte OP-Tag kommen. Gegen das mulmige Gefühl im Bauch gab es eine Beruhigungstablette. In OP-Kittel und Häubchen gekleidet, nahm ich auf der bequemen Liege platz. Die OP der Augen erfolgt nacheinander. Schmerzen keine – die Augen werden lokal mit Tropfen betäubt. Es bleibt das unangenehme Gefühl der Augenklammer. Jeder Handgriff des Arztes wird kommentiert, seine Worte beruhigend und beunruhigend zugleich. Der Schnitt in die Linse erfolgt mechanisch. Während des Aufklappens der Haut herrscht kurze Blindheit – das tiefste Schwarz, das ich je „gesehen“ habe. Dann der Laser, Tropfen und einmal Zuklappen bitte – fertig. Das Ganze hat zehn Minuten gedauert und war halb so schlimm wie ein Besuch beim Zahnarzt.

Ich bekomme Augenklappen und werde heimgeschickt. Benommen von den Beruhigungstabletten schlafe ich auf der Heimfahrt ein. Zuhause der erste Gang zum Spiegel: Die Augen tränen, das Sichtglas der Augenklappe ist beschlagen: Ich sehe aus wie die „Fliege“. Ein bisschen gruselig, doch zum Glück ist das Verlangen nach Zucker noch nicht vorhanden. Das Beste – ich kann sehen. Sogar gut. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Rein statistisch gesehen werden gelaserte Augen nicht mehr schlechter – außer im Alter. Vor der Lesebrille kann es einen nicht retten. Doch bis dahin ist ja noch Zeit.

Nach 3-monatiger Nachuntersuchungsphase habe ich ein konstantes Sehvermögen von 125 Prozent. Keine Nebenwirkungen. Da sieht man sogar Sachen, die man nicht gerne sehen möchte – zum Beispiel nachts den Wecker, der einem verrät, dass man nur noch eine halbe Stunde schlafen darf. Trotzdem ist es ein herrliches Gefühl, wenn man morgens aufsteht und aus dem Fenster schaut und die Welt mit ganz neuen alten Augen sehen kann. Scharf, klar und strandtauglich.

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    125? .. krass.. sollte ich mir das doch mal machen lassen .. gerade stelle ich mir diese Blindheit beim Aufklappen vor.. uf.. ich glaube ich habe Angst davor

    03.07.2008, 11:39 von amuser
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    ich würde mich auch so gern operieren lassen ... aber ich kan's mir nicht leisten und in der augenklinik in köln war ich vor ein paar jahren schon zu fehlsichtig, als dass sie sich da ran trauen *seufz* mittlerweile bin ich bei um die acht dioptrien auf beiden augen und da übernehmen sie keine garantie auf ein brillen- oder contactlinsenfreies leben ... abgesehen davon, dass sich meine rechte hornhaut mehrfach krümmt, was selbst das tragen weicher linsen unmöglich macht.

    aber ich gebe die hoffnung nicht auf, dass
    1.) die wissenschaft weiter dran arbeitet, auch maulwürfen wie mir ein sehhilfefreies leben zu bescheren
    2.) die kosten niedriger werden (denn auf unterstützung durch die krankenkasse kann man wohl nicht setzen)
    3.) ich dannmutig genug bin, diesen schritt auch zu wagen

    11.01.2007, 10:51 von sunny_smile
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    Vielen lieben Dank für deinen tollen Artikel. Irgendwie hab ich mich darin ein wenig wiedergefunden. Mit dem Unterschied, ich vertrage Kontaktlinsen noch. Aber auf Dauer habe ich auch nicht vor, diese zu tragen... du hast mir irgendwie Mut gemacht zum Lasern. Ich werde mir im neuen Jahr einen Termin geben lassen zu einem Beratungsgespräch. Drück mir die Daumen das ich "geeignet" bin! :O)

    19.12.2006, 10:11 von sabrina1980
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    Habe es mir auch machen lassen und bin rundum zufrieden damit (ist jetzt schon so um die 5 Jahre her). In manchem vorherigen Beiträgen wurde da übrigens was verwechselt zwischen Nebenwirkungen und Komplikationen. Nebenwirkungen gibt es: eher etwas trockenere Augen und angebliche Nachtblindheit (ist schlicht der Umstand, dass in der Nacht die Pupillen grösser sein können als die Narben vom Lasik-Verfahren). Was aber bislang nicht erwähnt worden ist: auch Linsen haben Nebenwirkungen und sind auch nicht so dolle für die Glubscher. Als ich noch welche trug, bekam ich vor allem im Sommer (Pollenflug) sicher täglich was ins Auge und sah hinterher aus wie Dracula mit blutunterlaufenen Augen. Ganz allgemein ist es grundsätzlich kritisch, sich einen Gegenstand auf die Pupille zu donnern.
    Fazit: kann's jedem empfehlen, der nicht wirklich klarkommt mit Linsen/Brille

    18.12.2006, 22:15 von runner_ch
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    Hey, sehr cooler Artikel. Bin nämlich selber von ziemlicher Blindheit geschlagen (auf beiden Augen -7,5) und da sind solche Berichte mal richtig interessant. Vertrage zwar Kontaktlinsen, aber trotzdem überlege ich schon lange mich lasern zu lassen. Kannst Du mir vielleicht mal die Adresse von der Klinik schreiben?? Wär sehr nett. Lieben Gruß und weitehin klares sehen:-) Rike

    18.12.2006, 20:02 von Kruemelchen9581
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    Ich hatte vor einem halben Jahr auch eine Laser-OP. Das war die beste Idee, die ich jemals hatte. Ich hatte
    -9! Dioptrien und habe plötzlich keine Kontaktlinsen mehr vertragen. Habe mich mit meiner fetten Brille kaum noch irgendwo hingetraut (sah wirklich hässlich aus...)
    Und nun nach der OP habe ich 160% Sehvermögen und bin Mega-glücklich.
    Klar darf man die Risiken nicht komplett außer Acht lassen, aber es ist nicht so gefährlich, wie es hier teilweise dargestellt wird.

    18.12.2006, 19:11 von mockingbird
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    Bei mir sind es eigentlich weniger die (geringen) Nebenwirkungen oder der Vorgang selbst, die mich von so einer Operation abhalten, sondern viel mehr die Kosten. Außerdem bin ich mit meiner Brille ganz zufrieden - ich glaube, ohne würde mir sogar richtig was fehlen! ;) Das kann aber auch daran liegen, dass ich diese Form der Sehhilfe schon von Kind an gewohnt bin.
    Aber herzlichen Glückwunsch zum neuen Superdurchblick!

    18.12.2006, 05:12 von Individualistin
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