Buchliebhaberwichtel 10.10.2012, 17:33 Uhr 2 5

ein Bekannter. der Krieg. mein Normalfall.

ich mag nämlich die Morgen, die wie immer sind.

meine Mitfremdmenschen verbinden mit einem Anfall Begriffe wie:
Hinfallen.
Unfall.
Ernstfall.
Ausfall.
Rückfall.
Notfall.
Zufall.
Problemfall.
Schockfall.

und ich.
ich, als eigentlicher Anfallsexperte weiß es besser.
ja, so ein Anfall wirkt manchmal unberechenbar.
wie eben ein "Zufall".
aber es ist eben gar kein "hinfallen". "Ernstfall", "Unfall", "Notfall", "Ausfall", oder "Rückfall".

sondern für mich der "Normalfall".
ein Kommen und Gehen.
ein alter Bekannter. kein Freund, kein Feind.
kein Konkurrent. nur jemand, den man kennt.

da ist Krieg in mir.
Krieg, den ich nicht gewinnen kann.
nicht mal mit einer Armee vom Willen.
und es nützt auch nichts, ob es allein geschieht, oder
unter Menschen -
schließlich ist das Danach immer unangenehm.
der Krieg verwüstet. er macht nicht nur müde.
oder kopfkrank. und er macht auch nicht zwingend einsam.

störend ist, der Krieg endet nie.
er wartet vielleicht nicht. er ist nicht auf der Lauer.
er greift bloß an. er ist immer gegenwärtig.

und ich kämpfe ihn wie eine Löwin. und nur, weil ich ihn
nicht gewinne, heißt das nicht, dass ich nicht
brüllen kann.
der Krieg ist ein Normalfall.



aber an jedem Tag leere ich meinen Tank.
schlürfe zum Fenster wie immer.
ich mag nämlich die Morgen, die wie immer sind.

auch mit Anfall. auch als Stammgast im Wartezimmer.
so siehts aus. das bin ich.
kein Wunder, das mich der Arzt auch heute wieder interviewt.

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2 Antworten

Kommentare

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    sehr nett.

    27.03.2018, 23:53 von Matze1926
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  • 2

    Es gibt die Schönheit der Dinge, selbst im Krieg. War wunderschön zu lesen :)

    16.01.2013, 17:10 von RickyWinehouse
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