estrella_fugaz 19.11.2011, 12:17 Uhr 1 2

Die Phantasie der Schönheitschirurgie

Eines muss man ihnen lassen – wenn es um die Erweiterung der potentiellen Einkommen von Schönheitschirurgen geht, ist der Industriezweig kreativ.

Der Wunsch nach grösseren Brüsten ist im Ansatz noch nachvollziehbar. Immerhin handelt es sich dabei um offensichtliche körperliche Attribute. Dennoch käme das für mich, Trägerin von zwei Exemplaren, welche in A- oder kleinen B-Körbchen genügend Platz zur Entfaltung finden, nicht in Frage. Im übrigen hat mich die Grösse (oder die „Kleine“?) meiner Brüste nie gestört, denn irgendwie passen die ja so ganz gut zu mir. Im Weiteren habe ich beim Sport kaum je Beschwerden und meine Brüste werden auch den Regeln der Schwerkraft länger trotzen als irgendwelche D-Modelle.

 

Aber zurück zu der Erweiterung des Schönheitschirurgie-Marktes. Anscheinend reicht den Damen und Herren, welche sich an unserer Eitelkeit eine goldene Nase verdienen, das Absaugen von Fett, das Einbauen von Po-Implantaten und die Vergrösserung von Brüsten (oder sind derzeit Brustverkleinerungen im Trend?) nicht mehr zur Deckung ihres Lebensunterhaltes. Schwuppdiwupp wird den Frauen ein neues körperliches Manko auferlegt und wir können eine Woche unseres Lebens mit OP und Erholung in sozialer Isolation verbringen, anstatt beim Skifahren oder bei einem Sprachkurs. Ist die Investition ins Äussere in unserer Gesellschaft höher gewertet als in die Bildung? Lieber eine schöne Verpackung als ein qualitativ hochstehender Inhalt?

 

Zurück aber zu dem neuen Manko. Die inneren Schamlippen. Sie sind zu gross. Bei fast allen Frauen, versteht sich. Denn umso mehr davon betroffen sind, desto zahlreicher die potentielle Kundschaft. Das war vor zwei Generationen natürlich noch nicht so und man fragt sich, ob all unsere weiblichen Vorfahren einfach das Glück hatten, zwischen den Beinen perfekt auszusehen. Oder ob das aufgrund der Schambehaarung, welche erst seit kurzer Zeit in unseren Breitengraden quer durch die demografischen Schichten entfernt oder wenigstens im Zaum gehalten wird, einfach nicht erkannt wurde. Oder ob es einfach niemanden interessierte. Dank den neuen Frisurentrends und den Anstrengungen der Schönheitsindustrie aber sind wir uns heute dieses Problems Gottseidank bewusst. Ohne diese Informationsflüsse wäre mir nie im Leben eingefallen, das was mit meinen Schamlippen nicht stimmen könnte. Habe ich mich doch bisher nach sportlicher Betätigung mit einem natürlichen Mass an Scham nackt mit andern Frauen unter die Dusche gestellt, bin ich mir nun nicht mehr sicher, ob ich aufgrund meiner Schamlippengrösse das auch weiterhin machen soll. Vielleicht sollte ich mich beraten lassen? Bevor ich verstossen und sozial geächtet werde? Bevor ich auf dem Partnermarkt vollkommen chancenlos bin?

 

Nicht ganz klar ist mir in dem Zusammenhang, weshalb sich bisher noch keiner meiner Bettgefährten aufgrund meiner grossen Schamlippen – und das erst noch in Kombination mit kleinen Brüsten!! - fluchtartig nach der Entkleidung aus dem Staub gemacht hat... Hatte ich einfach Glück oder gibt es doch noch Attribute, welche höher zu Gewichten sind als das, was uns dubiose Quellen als perfekte Schamlippen inkl. Weg zum persönlichen Lebensglück zu verkaufen suchen?


Tags: Schönheit, Schönheitsideal
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Kommentare

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    Prof. Mang würde sicher gerne antworten, aber im Augenblick muss er sich mit der für ihn zuständigen Staatsanwaltschaft beschäftigen (oder sie beschäftigt ihn).

    29.02.2012, 03:06 von Amira
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