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Wobbly 25.11.2013, 20:01 Uhr 9 16

Die Kinder Gottes sind amused.

Wenn Gott einer Armee von Satansbraten Rückendeckung gibt,gibt’s eben bei meinem nächsten Kirchenbesuch Abzüge in der Kollekte.

Es knallt. Es wird durchgezogen. Es knallt erneut. Es wird geschrien: ,, Schnell weg“, und ,,Mensch Christoph, das gildet nicht“. So heißt das Kind, das dem anderen Kind die Plastikmunition an die Schläfe gebrettert hat. Auf den Kopf zu zielen und abzudrücken scheint bei Kindern ein Tabu zu sein, ansonsten darf jeder niedergestreckt werden, der sich nicht rechtzeitig hinter dem Kirchenvorsprung oder dem Süßigkeitenstand verschanzt hat.

Die christliche Vorstadt feiert Kirmes. Wie jedes Jahr. Die Pfarrgemeinde St. Joseph hat zum katholischen Miteinander geladen. Kaum haben die ersten “Waffendealer“ ihre Pforten geöffnet, kommen sie in Scharen, um die beste Pumpgun, den geilsten Ladykiller und den krassesten Revolver zu erwerben. Dabei sind diese kleinen Drei-Käse-Hochs noch nicht mal kaufmündig. Dem tätowierten Verkäufer aus der Midlife-Crisis ist diese Tatsache allerdings herzlich egal. Nach einer Stunde steht ein Pappschild mit der Aufschrift ''Ausverkauft'' hinter der Ladentheke.Und dann ist das ganze Wochenende Krieg am St. Josephplatz. Wie jedes Jahr.

Endlich kann ich mich wieder im Spießrutenlauf üben. Ich komme nämlich gerade vom Einkaufen. Habe die Taschen voll. Die Hosen auch. Sehe schon, dass es heute schwierig wird zu meinem Haus zu gelangen. Die stehen nämlich überall. Ich muss nur um die Kurve und den Bürgersteig entlang. Das schwierigste wird sein, den Schlüssel ins Türschloss zu stecken, umzudrehen und das Fahrrad mit einem Ruck ins Treppenhaus zu heben. Aber da bin ich noch lange nicht. Ich muss in Etappen denken, sonst kriegen mich diese Schweine. Ich gehe los, lasse mir nichts anmerken. Bloß Blickkontakt vermeiden. Mist, da kommen drei dieser Blagen auf die Straße gerannt und ballern auf ein allein stehendes, neunjähriges Mädchen. Scheiße. Das hat doch nur ein Plastikmesser in der Hand. Das ist denen egal. Ich bin in einen Bandenkrieg geraten. Schaffe es gerade noch so hinter einer Vespa durchzuschnaufen. Ich muss weiter. Meine Freundin wartet. Sie hat schon das Nudelwasser aufgesetzt. Heute gibt es Spaghetti Aglio e Olio. Ich habe das Öl und den Knoblauch. Es geht also um unser beider Leben. Wenn ich verwundet werde oder getroffen bin, wird sie verhungern. Das darf ich nicht zulassen. Mit diesem Gedanken springe ich hinter der Vespa hervor, mache eine 360 Grad Drehung und ziehe einem zehnjährigen Lockenkopf die Tüte durchs Gesicht. Er schreit. Kein Wunder. Ihm fehlen jetzt die vorderen Schneidezähne.

Ich muss in Sekundenbruchteilen denken. In die Kirche kann ich nicht, die ist umzingelt von Schießwütigen Kleinwüchsigen. Wenn Gott einer Armee von Satansbraten Rückendeckung gibt, gibt’s eben bei meinem nächsten Kirchenbesuch Abzüge in der Kollekte. Da bin ich konsequent.

Verdammt. Ich muss die Tüte loswerden. Die verrät mich noch. Das Blut des Kindes klebt daran. In zackigen Bewegungen, eile ich unter die Ablage des Süßigkeitenstandes und packe die Sachen aus der Tüte in meinen Rucksack. Mich trennen nur noch gefühlte Drei Meter Fünfzig von hier und meiner Haustür. Ich komme unter der Ablage hervorgekrochen. Vor mir steht eine Wand von fünf Kindern. Alle Pumpguns. Alle bis zum Anschlag geladen. Ich reiße mein Fahrrad hoch, so dass es nur noch auf der Hinterachse steht. Wie ein Apokalyptischer Reiter ziehe ich in die Schlacht und durchbreche die Höllenbrut. Ich stehe jetzt direkt vor meiner Haustür. Das Fahrrad dient mir weiterhin als Schutzschild, denn auf der Türschwelle sitzen drei Elfjährige Dealer und tauschen ihre Waffen. Kurz werde ich angesprochen, ob ich ein Jagdgewehr haben möchte. Ich ziehe mein I-Phone, öffne blitzschnell die Maschienengewehr-App und schieße, treffe, schließe die Tür auf und breche erschöpft zusammen. Mit letzter Kraft schlurfe ich die Treppen rauf und drehe den Schlüssel zur Wohnungstür um. Geschafft. Die Nudeln sind schon gar. Meine Freundin kommt mit einem Feuchttuch um die Ecke, um mir den Schweiß aus dem Gesicht zu tupfen. Ich röchel mit letzter Kraft:,, Nicht zuviel...Olivenöl...in die Pfanne...nicht....zuviel...'' Dann wird es schwarz um mich herum.  


Tags: Kinder, essen, Kirche, Gott, Kriegesritter, Kirmes
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9 Antworten

Kommentare

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  • 1

    der ist ja gut!
    welch freude!

    19.04.2014, 12:55 von yuhi
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  • 2

    Hahahaha. Göttlich!

    18.04.2014, 07:35 von Nachdenk-Aroma
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    Danke. Die Kurzgeschichte kenn ich nicht. Klingt aber interessant.

    18.04.2014, 00:06 von Wobbly
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    großartig.

    27.11.2013, 23:23 von mo_chroi
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