frl_smilla 14.01.2012, 18:20 Uhr 21 26

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Marginalspaltennotiz zur Geisterstunde.

Es kommt ganz plötzlich.
Die ganze Stadt verwandelt sich in Schlünde, Reißzahnmäuler, dunkelste Gestalten.
Abgeschottet, die Musik laut in den Ohren, wie eine Axt teilt der Lärm meine Kopfhälften, ich falle vornüber, der eisige Atem drückt auf mein Brustbein und schlägt mit  beiden Fäusten gegen die Rippen.
Wann hat sich die Ruhe in Sturm verwandelt?
Ich meide alle Blicke, die Augen weit aufgerissen auf den Boden gerichtet, die halbtransparente Welt als Spiegelung im Fenster der Straßenbahn. Meine Finger eiskalt, will sie in den Schoß legen, in meinem Körper rauscht es, plötzlich rieche ich Beton, Glas und den Bezugsstoff meines Sitzes.
Dann Stille, schwer und dick wie Honig, beißend wie Galle, zäh hüllt sie den Eisigen ein und häutet mich. Sanfte Schwermut.
Alles, was ich auf weiten Wegen vergraben hatte, speit es jetzt in meinen Rachen, das Leben, geballt und rücksichtslos, die Luft drückt zu. Ein schwarzer klebriger Teerklumpen auf meiner Zunge, hustend sitze ich in der Bahn, hautlos, niemand bemerkt etwas.
Meine Beine wiegen Tonnen, ich schleppe mich Treppen nach oben, nach unten, blutend, durch die Gedärme der Stadt, möchte liegen, möchte schreien, plötzlich liegt ein weißer Film über meinem Blick. Halluzinationen.
Immer das gleiche Gesicht, die gleichen Augen, die mich nicht ansehen, aber ausnahmslos beobachten, so einfach verfluchbar, die Seele, bitter die Erkenntnis.
Buchstaben ergeben keine Worte mehr, die Welt hat plötzlich keinen Halt, ich warte, dass sie ihre Ellipse verlässt und platzt.
Zitternd jeder Schritt, zu schnell, um unauffällig zu sein, Meterzählen bis nach Hause. Der dunkle Schatten vor der Haustür, vorbeigehend, ein Stocken, der Atem klirrend an der Hauswand. Reißender Bach an Gedanken und Vorstellungen, Wünsche, alles verflüchtigt, die Tage sind zu kurz, die Nächte zu kalt. Ich möchte aufwachen und denken, nur ein ätzender Traum, ich, nur verkrümmt, das Rückgrat doch nicht gebrochen.






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21 Antworten

Kommentare

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  • 1

    mich treibt die frage um, woran da so gelitten wird:
    weltekel in reinkultur? eine panikattacke? die beschreibungen sind mächtig und bedrängend - aber was hat diese person?

    17.01.2012, 14:18 von lavish
    • 1

      nix?
      dann isses zu wuchtig.

      18.01.2012, 17:30 von lavish
    • 0

      es wird grob angeschnitten, was aureichen muss.
      der eigentliche trigger ist irrelevant.

      31.01.2012, 20:50 von frl_smilla
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  • 1

    Wenn's ginge, würde ich das doppelt empfehlen mögen.

    16.01.2012, 23:06 von justanotherpicture
    • 0

      Der Trend geht zum Drittaccount...

      16.01.2012, 23:28 von EliasRafael
    • 0

      Justanotheraccount?

      16.01.2012, 23:29 von justanotherpicture
    • 0

      justanotherpicture ist kein account von surecamp, mensch, das ist doch offensichtlich!

      16.01.2012, 23:35 von frl_smilla
    • 0

      JustAnotherFake gabs mal, hat sich aber wohl wieder gelöscht

      16.01.2012, 23:41 von EliasRafael
    • 0

      wo ist eigentlich auge?

      16.01.2012, 23:42 von frl_smilla
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  • 0

    wuchtige Worte und eine Offenbarung. Respekt!

    16.01.2012, 20:57 von limpstone
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  • 1

    "hustend sitze ich in der Bahn, hautlos, niemand bemerkt etwas."

    Alle Wahrheit in einem Wort, das schrecklich klingt.

    16.01.2012, 12:53 von Jackie_Grey
    • 2

      hautlos - bringt alles auf einen Punkt. Fast erübrigen sich mit diesem einzigen schrecklichen Wort alle anderen Sätze des beklemmenden Textes.


      16.01.2012, 13:04 von Jackie_Grey
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  • 1

    Geschriebene Betonkotze in ihrer feinsten Form – mag ich.

    16.01.2012, 10:10 von Sasali
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  • 2

    Wie wenn Vergangenheit die Lupe wird. Dadurch sind alle Gegenwarten nur jemals und ganz groß.


    Ganz groß. Derbe groß. Besser kann man es nicht machen.

    16.01.2012, 09:18 von Kokomiko
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  • 0

    Schlünder? Schlünde. (Musste selbst kurz nachdenken.) Ist wie mit Stöcke(r)n. Außerdem: der Mut, aber die Schwermut.

    16.01.2012, 04:15 von Moogle
    • 0

      Oh, aber ansonsten: ein guter Text.

      16.01.2012, 04:16 von Moogle
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  • 0

    Wow! Gefühlt, den Text.

    15.01.2012, 22:40 von topfbluemchen
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  • 2

    Und das ist genau das, was ich meine!
    So soll das, so muss das!
    Auf deine Betonkotzer Texte ist Verlass, das hat Bestand und darüber will ich mich öfter freuen!
    5 Sterne! (Wenn wir bei Ebay wären...)

    15.01.2012, 12:02 von Surecamp
    • 0

      Surecamp, ist das wirklich so schwer mit den Komposita?

      16.01.2012, 04:16 von Moogle
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  • 0

    Das ist Poesie...

    14.01.2012, 18:44 von TilmannKleye
    • 0

      Meinste echt?

      16.01.2012, 04:16 von Moogle
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