Sophie_Elpel 21.02.2013, 12:05 Uhr 124 17
NEON täglich

10% Alzheimer und ein bisschen Fettleibigkeit

Das Genmaterial jedes Menschen ist analysierbar. Mögliche Krankheiten können erkannt werden. Stellt sich die Frage: wie transparent wollen wir sein?

Ob wir gesund bleiben, darüber entscheiden oft unsere Gene. Wie genau Gene und Gesundheit zueinanderstehen stehen, wissen wir Laien häufig aber nicht. Dafür wissen es Genomforscher umso besser. Unter einem Genom versteht man die Gesamtheit aller Gene, die ein Mensch in sich trägt. Ein Genomforscher nun wiederum versucht, eben diese Gesamtheit zu „lesen, um anschließend den Körper des Menschen besser verstehen zu können. Der Zweck der Forschung: Fehler in den Bauplänen zu finden, die für Krankheiten verantwortlich sind und anschließend Methoden zu entwickeln, die diese Krankheiten heilen können.

1990 wurde das Humangenomprojekt (HGP) ins Leben gerufen. Zentrales Ziel dieses Projekts war: Die Kartierung aller genetischen Informationen des Menschen, um anschließend alle Gene identifizieren zu können. Seit 2003 gilt dieses Projekt als offiziell abgeschlossen, eine Entschlüsselung des eigenen Erbguts ist seitdem möglich.

Wozu dieser kleiner Exkurs in die Biologie? Nun, ich frage mich, wie sehr sich unser zukünftiges Leben durch die Entschlüsselung des menschlichen Genoms ändern wird. Natürlich halte ich das Ziel dieser Forschung für sinnvoll. Wenn man dadurch die Heilung bestimmter Krankheiten erzielen kann, ist das eine gute Sache.

Allerdings lässt sich das Thema auch kritisch beleuchten: Die Genetikerin Marjolan Kriek ließ 2008 als erste Frau öffentlich ihr gesamtes Erbgut entschlüsseln. Sie ist sich sicher: „Umfassende Genomanalysen werden in den nächsten Jahren kommen. Ich bin überzeugt, dass sie bald Teil der alltäglichen ärztlichen Praxis sind. Wie wird es aussehen, wenn wir alle auf einmal „transparent sind? Welche Auswirkungen hat eine solche „Transparenz auf Krankenkassen und Versicherungen? Wenn ein solcher Gen-Scan irgendwann zur Pflicht wird, nimmt uns die Krankenkasse dann nicht mehr auf, weil unser Erbgut eine tödliche Krankheit voraussagt?

Ein weiterer Fall zum Thema „Genom-Entschlüsselung, wurde erst letztens bekannt. Nach dem Schulmassaker an der Sandy-Hook-Schule, bei dem im Dezember unter anderem 20 Kinder starben, wollen Forscher die DNA des Amokläufers analysieren lassen. Die Forscher beteuern zwar, dass man kein „Massenmörder-Gen finden wird, doch scheint die Gefahr einer Stigmatisierung anhand bestimmter Erbinformationen, die man bei einer solchen Untersuchung finden wird, groß. Und was passiert, wenn man plötzlich doch genetische Anlagen für Straftaten findet? Werden dann zukünftig alle Menschen mit einer solchen Veranlagung von Anfang an unter Beobachtung stehen?

Für viele mag die Entschlüsselung des Erbguts noch recht abstrakt wirken. Aber besonders wenn es um das Erbgut eines ungeborenen Kindes geht, ist das Thema mittlerweile schon allgegenwärtig. Amerikanische Forscher haben eine Möglichkeit gefunden, das Genom eines ungeborenen Kindes zu analysieren. Benötigt wird dafür lediglich das mütterliche Blut und der väterliche Speichel. Ein erster Test, der eine Störung am Chromson 21 nachweist, was eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) zur Folge hätte, steht werdenden Müttern in den USA schon zur Verfügung. Weitere Tests für weitere Mutationen sollen folgen. Das Thema ist also bereits sehr konkret. 2003 erarbeitete der deutsche Ethikrat übrigens eine Stellungnahme zum Thema. Ihr könnt sie hier nachlesen. 

Wie steht ihr zur Genomforschung? Würdet ihr euer Genmaterial untersuchen lassen, um zu wissen, wie es zukünftig um eure Gesundheit steht? Beschäftigt euch das Thema auch oder ist das alles bloß Zukunftsmusik? Wie schätzt ihr die Entwicklung der Genomforschung ein? Und: Muss der Mensch wirklich immer alles wissen? 


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124 Antworten

Kommentare

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  • 0

    ist nicht das interessante am Leben, dass man nicht weiß was auf einen zukommt? 

    Was passiert denn wenn ich erfahre das ich das "Brustkrebs-Gen" oder ähnlich blödes habe? Was mache ich denn dann? Brustamputation? Mein Leben mehr genießen? Kopf in den Sand stecken? Es kann doch trotzdem sein, dass mein ganzes Leben nichts passiert!

    Und was mache ich wenn ich vollkommen "perfekte" Voraussetzungen habe? -dann kann ich trotzdem noch morgen vom LKW überfahren werden.

    Also ich persönlich würde mein Genmaterial nicht untersuchen lassen. Das sind doch alles nur Wahrscheinlichkeiten und ich weiß, dass wenn ich negative Nachrichten kriegen würde, ich nicht wüsste was ich machen soll. -und im Leben wird man doch so oft davon überrascht das Wahrscheinlichkeiten nun mal Wahrscheinlichkeiten sind und keine sicheren Aussagen. 

    21.02.2013, 22:08 von Chouette-
    • 0

      Naja - am Ende muss diese Frage doch jeder ür sich klären.

      21.02.2013, 22:10 von Chouette-
    • 0

      Aber vielleicht gibt es dann zukünftig die Verpflichtung, diesen Test machen zu lassen, und das Ergebnis auf Verlangen dem Arbeitgeber, der Krankenkasse etc vorzuzeigen...

      22.02.2013, 09:44 von griwo
    • 1

      Was ja mal der größte Scheiß ist! Wo leben wir denn? "Meine Gene" gehen ja wohl nur mich was an.

      Ich finde das wirklich unglaublich und krass wenn ich irgendwann gezwungen werden kann mich untersuchen zu lassen und dies dann meinem Arbeitgeber vorzulegen. Ich glaube dann wandere ich auch. Da würde ich dann das erste Mal den Linken bei ihrer Meinung "Überwachungsstaat Deutschland" zu 100% zustimmen.

      Ich weiß nicht ob ich das zu krass sehe oder da übertreibe, aber ich finde das wäre ein Eingriff in meine Privatsphäre den ich nicht mitmachen würde.

       

      22.02.2013, 11:06 von Chouette-
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    • 0

      Ich mache auch bei jeder Demonstration mit, deren Meinung ich unterstütze und bei der es mir möglich ist. Also kann man bei mir nicht von ignorieren sprechen. 

      Die Sache mit dem "Überwachungsstaat" ist nichts was ich gut heiße, mit dem ich aber teilweise zumindestens leben kann. Es gibt aber Grenzen und diese Grenze ist auch teilweise schon überschritten. Aber aufgezwungene Genomanalyse und aufgezwungene "Abgabe" der Ergebnisse ist für mich ein Schritt mit dem ich eindeutig nicht leben kann.

      22.02.2013, 15:37 von Chouette-
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    • 0

      hmm.

      da muss ich jetzt erstmal drüber nachdenken :) 
      ich meine die überprüfen ja "nur" die Übereinstimmung der DNA und nicht mehr - obwohl von dahin der Schritt natürlich nicht mehr so groß ist. 
      Aber mir gehts ja auch nicht unbedingt darum, dass die meine DNA haben .. sondern, dass mein Leben dadurch beeinträchtigt werden kann (wenn die Daten an Arbeitgeber und Krankenkasse weitergegeben werden)

      22.02.2013, 19:23 von Chouette-
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  • 0

    Die Frage ist: Müssen wir was wir können?
    Die andere Frage ist: Habe ich einen Nachteil davon es nicht wissen zu wollen?
    Nächste Frage: Habe ich einen Nachteil es nicht untersuchen zu lassen, wenn meine Verwandtschaft erkrankt war?
    Nächste Frage: Bin ich verpflichtet mich untersuchen zu lassen, wenn ich schwanger bin?
    Nächste Frage: Bin ich für die Behinderung meines Kindes verantwortlich?
    Nächste Frage: War die denn nicht vermeidbar?

    Letzte Frage: Was ist lebens(un)wertes Leben?

    21.02.2013, 21:28 von Sultanine
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    • 2

      Jau. Genau.
      Was ist der Mensch?
      Was ist ein behinderter Mensch?
      Wann ist ein schwerstbehinderter Mensch, kein Mensch mehr?
      Mal an die Personalitätsdebatte von Peter Singer angelehnt.  Da sind wir dann nämlich ganz schnell, wenn wir uns mit solchen Möglichkeiten beschäftigen.
      Himmel, da kommt man vom 100. ins 1000!

      21.02.2013, 21:47 von Sultanine
    • 1

      Ups, Quelle vergessen das wollen wir uns nicht angewöhnen:
      vgl.Antor/Bleidick 2000,10,23.

      21.02.2013, 21:49 von Sultanine
    • 0

      Andere Frage:
      Macht man sich strafbar(ethisch, moralisch, gesetzlich), wenn man einem schwerkranken Neugeborenen medizinische Hilfe versagt? Wenn man erlaubt, das ein sterbenskrankes Menschlein sterben darf?

      23.02.2013, 12:54 von Tanea
    • 0

      ja.

      23.02.2013, 22:19 von Sultanine
    • 0

      also ja, im sinne von: stimme deinen fragen zu, Tanea, ich frage mich das auch!

      23.02.2013, 22:20 von Sultanine
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  • 5

    Mein Ex- Mistgynäkologe wollte mich mehrmals zu Tests zwingen, weil ich
    -OMG- schon mit Anfang dreissig zur Risikogruppe gehörte.
    Als ich ihm
    sagte, dass ich lange für die Lebenshilfe gearbeitet habe und es mir
    daher niemals in den Sinn käme, ein behindertes Kind abzutreiben, hat er
    auch nur geguckt, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank.
    Danach hat er die weitere Betreuung mehr oder minder verweigert.
    Wie soll das denn dann in der Zukunft sein ? Nur der perfekte Mensch darf überleben ? Und wer entscheidet das ? Werden alle nach der Geburt automatisch zwangsuntersucht und registriert ?

    21.02.2013, 18:21 von cosmokatze
    • 0

      das ist auch eine sache, die mir sorgen macht.

      21.02.2013, 19:34 von YOLK
    • 2

      So ist meine Haltung auch. Zum Glück habe ich einen Gyn der das so stehen lässt und nicht bewertet.
      Ich wünsche mir, das in Zukunft die persönliche HAltung der angehenden Eltern weiterhin respektiert werden muss in dieser Hinsicht und wir nicht dahin gelangen das alle werdenden Babys zwangsanalysiert werden.
      Ebenso wünsche ich mir eine deutlichere Präsenz der Interessenverbände für Behinderte in der Öffentlichkeit, Aufklärung und Nähe zu diesem Thema.
      Inklusion kann ein Schritt in diese Richtung sein, wenn sie vernünftig umgesetzt wird.
      Leider vermute ich reine Kostenersparniss als Beweggrund.

      21.02.2013, 19:48 von Igel75
    • 1

      mir wollte man den test verweigern, komm auch aus der behindertenarbeit und das thema ist seit den anfängen der perinataldiagnostik ein sehr wichtiges und bedrohliches.
      ich glaube nicht dass man so schnell zwangsuntersuchungen einführt, aber schon allein eine streichung der unterstützung für menschen die sich wohlwissend für ein behindertes kind entscheiden, ist für mich extrem bedrohlich. und das wird wohl kommen.

      21.02.2013, 21:05 von pocket
    • 0

      verweigern, weil ich mein kind ja auf jedenfall behalten wollt, aber mich drauf einstellen wollt.

      21.02.2013, 21:06 von pocket
    • 2

      Die Sache ist doch die, dass eine Schwangerschaft und Geburt unberechenbar ist. Bis zur Geburt  läuft alles super und dann geht die Geburt schief, Sauerstoffmangel etc und dann ist das Kind doch behindert. Es wird immer behinderte Menschen geben und das ist vollkommen in Ordnung.

      22.02.2013, 09:07 von cosmokatze
    • 2

      Ganz zu schweigen von Unfällen.
      Ist es nicht so, dass wir viel mehr davon hätten, der Vielfalt der Menschen in all ihren Facetten mit Hochachtung zu begegnen? Aus dem "Anderen" zu lernen und zu erkennen, dass es mehr Sinn eines Lebens gibt als seine Wirtschaftlichkeit?
      Ich bin absolut für jedes Leben was lebensfähig ist und gegen jede Aufrechterhaltung von Leben gegen die eigenen Fähigkeiten. (Kurzfristige Notfallsituationen schließe ich hier natürlich aus)
      Es ist doch paradox das in unserer Gesellschaft zum Teil Leben aufrechterhalten wird auf Teufel komm raus, egal wie die die Zukunft wohl aussehen wird und andererseits Leben beendet wird was zwar selbständig lebensfähig wäre, aber einen vorrauszusehenden Makel hat.
      Die einzige plausibele Erklärung die ich für mich gefunden habe ist mal wieder die Wirtschaftlichkeit..so lässt sich entweder Geld oder "Ruhm" damit verdienen winzigste Frühchen oder zertrümmerte, fast tote Körper ins Leben zu zwingen und sie dazu zu bringen ein Leben mit schweren Beeinträchtigungen fortzusetzen.

      22.02.2013, 09:35 von Igel75
    • 0

      hab ich auch in meinem kommentar schon geschrieben die perinatal bedingte behinderungen sind prozentuell viel höher als genetisch bedingte störungsbilder.

      aufgrund der perinataldiagnostik und ihrer selektierung hat sich sicher die anzahl der menschen mit trisomie verringert (das möchte ich auch gar nciht wertn hier) aber ja behinderung und die angst davor wirds immer geben.

      igel: wenn du davon sprichst dass jedes leben lebenswert ist, wo ist dann die grenze was frühchen betrifft? ich versteh schon was du meinst und aber wenn man von der untastbarkeit des lebens spricht, dann gilt dies eben auch für frühgeborene. und sobals es eine lebensfunktion gibt, wird versucht diese zu erhalten.

      22.02.2013, 11:37 von pocket
    • 1

      Es gibt für mein Dafürhalten einen Unterschied ob ein Kind 3-4 Wochen zu früh auf die Welt kommt und dann kurzfristige Starthilfen braucht, oder ob es fast nur die Hälfte der SS im Mutterleib verbracht hat, monatelang  danach noch nicht selbständig überlebensfähig gewesen wäre und "Dank" der medizinischen Möglichkeiten es mit vielen großen Handicaps im Leben gehalten wird.
      Meist klopfen sich dann die Mediziner auf die eigenen Schultern, die Presse berichtet eventuell und die ganze Nation staunt.
      ABER ich habe gesehen und erlebt wie das Leben danach weiter aussehen kann für diese Babys und ihre Familien (die Presse berichtet hier nicht mehr).
      Ich habe geschrieben das ich für jedes Leben bin was lebensfähig ist, ob mit oder ohne Makel.
      Aber ich bin auch dafür, Leben gehen zu lassen, so es auf Dauer nicht selbständig, aufgrund vorhandener eigener Vitalfunktionen überleben kann und so am Leben gezwungen wird.
      Ich hoffe ich konnte so etwas besser beschreiben was ich genau meinte.

      22.02.2013, 14:13 von Igel75
    • 1


      Bin voll deiner Meinung und finde es gut beschrieben.

      Ich habe geschrieben das ich für jedes Leben bin was lebensfähig ist, ob mit oder ohne Makel.
      Aber
      ich bin auch dafür, Leben gehen zu lassen, so es auf Dauer nicht
      selbständig, aufgrund vorhandener eigener Vitalfunktionen überleben kann
      und so am Leben gezwungen wird.

      23.02.2013, 13:01 von Tanea
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  • 0

    Vielen Dank für diesen wirklich bereichernden Artikel!
    Mir stellt sich nach dem Lesen die Frage, wie bereichernd allerdings die Entschlüsselung des Genoms für mich als Mensch und uns als Gesellschaft ist.

    Ich bin eine große Befürworterin von Forschung, aber ich finde, dass man die Gewinnung von Kenntnissen oder Möglichkeiten nicht über alles stellen sollte. Man sollte nicht alles um jeden Preis erforschen! Und auch wenn die Genforschung sicherlich viele positive Resultate liefert, so muss ich - ganz persönlich und ganz individuell - sagen: Mir geht die Entschlüsselung des Genoms zu weit.

    Ich fühle mich gar nicht wohl bei dem Gedanken.

    Die Menschheit, die - wie forst zitiert - "das Atom spaltet und über Satelliten kommuniziert" mag "die dafür notwendige intellektuelle Reife besitzen" - ich persönlich (trotz Einser-Abi und Prädikatsexamen) allerdings nicht!

    Ja: Das Schaffen von Möglichkeiten ist toll, wie Fieseise sagt. Aber aus Möglichkeiten werden in manchen Fällen sehr schnell Pflichten. Man nehme nur die Erfindung von Handys, insbesondere internetfähigen Handys. Das hat doch auch einen großen Nutzen für uns alle - für den ich auch sehr dankbar bin und den ich nicht mehr missen möchte. Aber was ist die Kehrseite? Es wird im privaten und insbesondere im beruflichen Leben von Dir erwartet, rund um die Uhr erreichbar (und arbeitswillig) zu sein!

    Wie also die Erfindung und Etablierung von Handys bewirkt hat, dass permanente Erreichbarkeit nicht nur Normalität, sondern schon Pflicht ist, so könnte es doch unter Druck von Versicherungen und bei Fortschritt der medizinischen Technik (insb. bei Senkung der Kosten für eine  Genomentschlüsselung) alltäglich werden, dass wir unsere Gene entschlüsseln lassen. Ich würde mich also, so wie ich mich jeden Herbst frage, ob ich mich gegen Grippe impfen lassen sollte, fragen, ob ich es wagen soll, mir "die Karten legen zu lassen". Ich stelle mir allein diese Wahlmöglichkeit schon nervenaufreibend vor - zumal mir dann vielleicht die Versicherungen im Nacken sitzen, die besonders günstige Konditionen für "Befund: 100% gesund"-Kunden anbieten (um mal ein eher "positives" Anreiz-Szenario von Seiten der Versicherungen zu nennen und nicht etwa den faktischen Entschlüsselungs-Zwang, den diese einem aufbürden könnten).

    Und dann auf der anderen Seite die Vorstellung, wie förderlich es für mein Seelenwohl wäre, wenn ich nach Durchführung der Entschlüsselung mit wissenschaftlicher Sicherheit weiß, dass ich an einer bestimmten Krankheit erkranken und sterben werde. Klar: Jeder stirbt irgendwann. Aber das Bewusstsein um die Sicherheit, dass man in absehbarer Zeit an einer ggf. sehr schmerzvollen Krankheit sterben wird, ist doch ein anderes als das allgemeine Bewusstsein, dass das Leben endlich ist.

    Klar: Wenn ich den "Jackpot" gewinne, wenn ich nach der Entschlüsselung weiß, dass ich kerngesund bin, dann mag ich mich danach glücklicher fühlen als hinterher. Aber will ich mit meinem inneren Frieden zocken?

    Mir persönlich ist einfach nicht wohl bei diesem Gedanken. Und ich frage mich, ob ich damit ggf. nicht die einzige bin - ob die komplette genetische Transparenz für das friedliche Leben in der Gesellschaft tatsächlich eine Bereicherung darstellt - genauso wie die Handys und Smartphones doch so bereichernd sind; wenn auch nicht ganz unschuldig an den gesellschaftlichen Symptomen unserer Zeit sind: Volkskrankheit Depression/Burn-Out und Massen-Angepasstheit...

    21.02.2013, 18:17 von laptiteblanche
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    • 0

      Und die Frage ist doch auch, ob es den "Jackpot", also das Perfekte überhaupt geben wird und kann.
      Vielleicht reißt uns auch das Wissen über die eigenen Makel mehr und mehr in eine depressive Grundstimmung

      21.02.2013, 19:53 von Igel75
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      Schießt man den Pfeil ab, landet man im Paradies und muss sich die Frage erlauben, warum wollte Gott, das der Mensch keine Erkenntniss erlangt?
      Ist der Mensch überhaupt dazu gemacht mit größerem Wissen umgehen zu können? Stößt er an seine Grenzen in den Verarbeitungs und Umgehensprozessen und schafft sich dadurch seine eigene Hölle?
      Nur mal so...als Gedankenspiel, nicht das es meine wirklich angenommene Überzeugung wäre ;0)
      Welche stärkeren Mythen meint Fromm denn?

      21.02.2013, 20:46 von Igel75
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  • 0

    Ob der Mensch immer alles wissen muss? Er weiß so wenig und er kann sich auch verrückt machen.

    21.02.2013, 17:36 von Tora
    • 0

      der mensch ist verrückt.

      21.02.2013, 17:53 von lavish
    • 1

      Mach kein Fass auf, Lavish !!!

      21.02.2013, 18:09 von cosmokatze
    • 1

      sollich ma den dschinn ausser flasche lassen? sollich? sollich?!

      21.02.2013, 18:10 von lavish
    • 0

      Ist er erst mal draussen, dann ist es zu spät...

      21.02.2013, 18:14 von cosmokatze
    • 1

      und dann will es wieder niemand gewesen sein!

      21.02.2013, 18:17 von lavish
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  • 0

    Ich halte es für extrem wichtig zu wissen welche Krankheiten ich vielleicht irgendwann mal bekommen könnte wenn ich unfallfrei durchs Leben kommen und dadurch alt genug werden sollte. Ganz wichtig sind auch die Krankheiten die ich dann natürlich auf keinen Fall bekommen kann weil mein Gendoktor gesagt hat Krankheit xy wäre nicht in meinen Genen.

    Kurz und ernsthaft: Solange es keine ernstzunehmende Mathematik ist, halte ich so eine Analyse im privaten Bereich für absolut sinnfrei - im schlimmsten fall sogar unnötig beängstigend.

    21.02.2013, 17:30 von Snifferz
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    ich denke grundsätzlich weiß man noch viel zu wenig über die tasächlichen Funktionen unserer Gene als dass wir jetzt schon wirklich informierte Meingunen dazu formen könnten.
    Hypothetisch gesehen: Ich bin mir ziemlich sicher, dass eine Gattaca-Welt (oder Brave New World) unabwendbar ist. Das mag unromantisch klingen aber das ist es meiner Meinung nach nicht. UNsere Weltbevölkgerung hat sich in 100 Jahren fast vervierfacht und wie es aussieht ist kein Bremsen in Sicht. Großangelegt organisierte Geburtenregelung (mit Kategorisierung und Filter nach Genom) ist in so einem Szenario durchaus sinnvoll, wenn man es auf die Gesamtheit der Menschen anwendet. Das muss nicht schlecht sein, denn als Menschheit zu überleben ist letztlich doch wichtiger, als die individuelle Freude ein Kind zu zeugen. Freiheit wird dann auch gegen Sicherheit eingetauscht und so weiter.
    Das sind natürlich recht unpopuläre Ansichten aber ich halte es eben für unwahrscheinlich (sprich: traue es dem menschlichen Intellekt nicht zu), dass wir uns freiheitlich regulieren werden. Ich sehe keinen Grund meine Gene nicht auslesen zu lassen, außer dem einen: sinnlos, denn wir verstehen doch die Ergebnisse sowieso nicht.

    21.02.2013, 16:32 von Schmalzstulle
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    • 0

      ich meinte auch eher bremsen des Wachstums. in weniger als 20 Jahren von 5.5 auf über 7 milliarden Menschlein, das wird halt exponentiell mehr, wenn icht eine 2-Kinder-Regel allgegenwärtig eingeführt wird. Gerade die mangelnden Rohstoffe sind es ja die so eine Regelung zwangläufig herbeiführen werden. Gerecht wird das nicht...

      21.02.2013, 18:08 von Schmalzstulle
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    • 0

      interessant

      21.02.2013, 19:00 von Schmalzstulle
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    Wenn mich nicht alles täuscht, hat man heute fast noch keinen Zusammenhang zwischen einer Gensequenz und ihrer Funktion in Hinsicht auf ihre Wirkung herstellen können. Sondern mehr oder weniger nur geschaut, welche statistischen Gemeinsamkeiten bestimmter Gensequenzen mit welchen statistisch signifikanten Merkmalen/Krankheiten korrelieren.

    Allein diese Korrelation bringt aber wenig Erkenntnis (außer der, wie man am schnellsten Sortieren kann).

    Auch das Versprechen, aufgrund einer Genanalyse Medikamente entwickeln zu können, halte ich meinem Verständnis nach für falsch, wenn man diesen funktionellen Zusammenhang nicht herstellt. Im Grunde ist das so wie beim Genmais: ich blockiere irgendwas und sehe, dass sich ein Merkmal ändert. Warum das so ist, und welche weiteren Folgen das hat, weiß ich nicht. Aber ich nenne es Hochtechnologie.

    Das ist ungefähr so, wie wenn man Sommerreifen an ein Auto schmeißt, um die Winterreifen zu wechseln.

    21.02.2013, 14:50 von quatzat
    • 0

      Ah, äh, wenns doch schon bekannte funktionelle Zusammenhänge gäbe, würd ich mich für ne Quelle interessieren!

      21.02.2013, 14:51 von quatzat
    • 0

      Wenn ich gene, wars ein langweiliger Text.

      21.02.2013, 14:56 von EliasRafael
    • 0

      Stop spreading you genetic material.

      21.02.2013, 15:02 von quatzat
    • 1

      +r (fürs cellchen)

      21.02.2013, 15:02 von quatzat
    • 0

      Kannst du ruhig schlucken, ist garantiert genfrei.

      21.02.2013, 15:04 von EliasRafael
    • 0

      Du Genmanipulator!

      21.02.2013, 15:08 von quatzat
    • 0

      Leidest du unter dem sick cell syndrome?

      21.02.2013, 15:11 von EliasRafael
    • 0

      quatzat, du hast Recht bezüglich der Funktionen in Hinsicht auf ihre Wirkung. In dem Interview, das ich im Text verlinkt habe, sagt Marjolan Kriek auch, dass die Funktionen der Genome noch relativ unerforscht sind. Aber da sitzen die Forscher natürlich dran.

      21.02.2013, 15:12 von Sophie_Elpel
    • 0

      Da sitzen die Forscher aber schon dran, seitdem nach der Jahrtausendwende im Rahmen des HGP die Börsenkurse von Firmen, die irgendwie an der Entschlüsselung beteiligt waren, in astronomische Höhen getrieben wurden, ohne dass konkret Nutzen gestiftet wurde. Echte Funktionsanalysen und darauf basierende Therapien sind noch Zukunftsmusik so wie das Beamen auf der Enterprise.

      21.02.2013, 15:21 von EliasRafael
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    • 0

      Das sind aber dann höchstens Dysfunktionsanalysen

      21.02.2013, 19:06 von EliasRafael
    • 0

      Hätt ich gerne mal ne Quelle, n Paper, irgendwas.

      21.02.2013, 20:13 von quatzat
    • 0

      sowas ?

      21.02.2013, 20:17 von EliasRafael
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Ja danke mit sowas kann ich schon eher was anfangen.

      21.02.2013, 20:22 von quatzat
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    • 0

      Und inwieweit bringt dich das weiter, dass du vor der Geburt weißt das dein Kind Skoliose bekommen könnte. Das kannst du doch auch nach der Geburt gut feststellen lassen?!

      22.02.2013, 09:36 von Chouette-
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    • 0

      Natürlich ist das Scheiße, aber du wärst doch nicht Schuld daran, dass ein krankes Kind auf die Welt gekommen ist (wenn es sie dann im Endeffekt überhaupt hat). Sondern hättest einem Menschen das Leben geschenkt (oh gott, das klingt ziemlich nach Kirchenblabla). Aber ich meine das so, dass mit aller scheiße die man erlebt diese ganzen Kleinigkeiten, seinem Kind doch trotzdem ein schönes Leben machen kann. Man kann doch auch mit Krankheit glückliche Stunden erleben! Wobei auch Skoliose (ich weiß, dass das  ziemlich scheiße sein kann) nicht das Ende der Welt ist.

      Oder?

      (ps: das soll durchaus kein "Angriff" an deine Meinung sein, ich will nur versuchen sie nachvollziehen zu können)

      22.02.2013, 11:31 von Chouette-
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    • 0

      Anscheinend (und ich will dir da nicht zu Nahe treten) hattest du ja so eine schwere Kindheit?! Da stellst sich mir die Frage war oder ist das für dich so eine schwere Zeit, dass du sagst das Negative überwiegt und du wärst (jetzt mal ganz sachlich betrachtet) lieber nicht auf der Welt oder hättest dir gewünscht, dass deine Eltern (wenn sie von so einer Wahrscheinlichkeit gewusst hätten) sich gegen ein Kind (also gegen dich) entschieden hätten?

       (Is ne krasse Frage iwie, ich hoffe ich trete dir damit nicht zu Naha, wenn ja musst du sie nicht beantworten oder vielleicht einfach als eine private Nachricht?)

      22.02.2013, 11:58 von Chouette-
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