Wozu studieren?
… um zu denken, was man will
Nirgendwo gibt es mehr Freiheit als im Studium: Kein Professor kann einen feuern, keine Institutssekretärin eine Abmahnung erteilen. Und Geld gibt’s auch nicht. Als Student ist man niemandem etwas schuldig. Es wird einem, zugegeben, auch nicht viel geschenkt. Im Studium fühlt man sich daher bisweilen wie in der Bauecke im Kindergarten: Man kann machen, was man will, ab und zu wird sich geprügelt, und im Notfall darf man alles kaputtmachen und wieder von vorne anfangen. Im Studium kann man daher lernen, was im Berufsleben viel komplizierter ist: sich seine eigenen Urteile zu bilden, diese zu überprüfen und zur Not auch wieder über den Haufen zu werfen. Ohne Risiko, ohne Geschrei. Wie geht das? Jedes Studium vermittelt normalerweise zwei Dinge: seinen eigenen Inhalt – also die Fakten und deren Interpretation. Und die Werkzeuge zur Kritik an diesen Fakten und deren Interpretation. Hat man mit beiden Dingen lang genug gespielt – behauptet, kritisiert, verworfen und dann wieder behauptet – weiß man im besten Falle nicht nur, was man für gut und richtig hält, sondern auch, warum man das tut. Und was hat man davon? Die besten Voraussetzungen für eigene, unabhängige Ansichten.
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