1_Squillion_Fragen 13.06.2007, 12:49 Uhr 40 10

Wieso schaff ich’s bloß nicht?

Es ist schon wieder passiert: Seminar abgebrochen. Warum ich mich trotz guter Noten, super Jobs und lieber Freunde wie ein kompletter Versager fühle.

Ich hab’s echt satt. Und ich versteh mich selbst einfach nicht. Was hab’ ich nicht alles versucht: Zeitplan aufgestellt, gut vorbereitet, realistische Ziele gesetzt, in kleinen Schritten geplant. Ich kann dieses ganze Management-Geschwätz nicht mehr hören. Was hat es gebracht? Rein gar nichts. Schon wieder habe ich ein Seminar abgebrochen.

Oh mein Gott, wirst du jetzt denken, was soll’s? Was ist schon ein einziges Seminar? Kommt doch bei jedem mal vor. War halt nicht dein Thema, vielleicht hast du zuviel gearbeitet statt zu studieren. Irgendjemand muss die Miete ja bezahlen. Ja, es kommt mal vor. Aber jedes Semester? Und Aufgaben, die mich interessieren? Die ich, ganz objektiv betrachtet, schaffen könnte? Andere Leute geben manchmal so einen Müll ab, sind aber hundertprozentig von ihrer Idee überzeugt und können auch noch den letzten Schwachsinn ansprechend rüberbringen.

Ich kann das nicht. Bei mir muss immer alles perfekt sein. Wenn ich meine Arbeit nicht absolut genial finde, kann ich sie nicht überzeugend und selbstbewusst präsentieren. Wenn ich auch nur im entferntesten ahne, dass es nicht toll werden wird, fällt mir schon das Anfangen schwer. Ich sitze vor meinem weißen Blatt und in meinem Kopf hämmert es „Du kannst das eh nicht“. Ich bin wie gelähmt. Meine kostbare Zeit rinnt mir wie Sand durch die Finger, aber anstatt einfach anzufangen, bemitleide ich mich selbst. Aus unerklärlichen Gründen werde ich dann immer todmüde, und kann ohne Probleme abends um acht oder mittags um zwölf einschlafen. Von einem erholsamen Schlaf kann man dann allerdings nicht sprechen. Eher von Flucht vor der Realität, Decke über den Kopf ziehen und nix mehr von der Welt da draußen mitkriegen.

Kurz vor der Deadline kommt noch ein letzter verzweifelter Versuch, ein Notfallplan (Benotung ist egal, Hauptsache abgeben), die größenwahnsinnige Idee, das Programm von drei Wochen in drei Tagen zu schaffen. Schlafen? Überbewertet. Wozu gibt’s Kaffee, Cola, Dextroenergen… "Mädchen, du schaffst das! Du hast schon ganz andere Sachen gemeistert!"

Doch all die positiven Motivationsversuche nützen nicht mehr. Ich sitze wie hypnotisiert vor meinem Rechner, draußen wird es langsam dunkel… Mit jeder verlorenen Stunde wachsen Frustration und Wut auf mich selber. „Wie kann man nur so faul sein? Lass dich doch nicht so hängen! Das kannst du dir auch nur als Student leisten. Langsam wird es aber wirklich knapp. Das Diplom im nächsten Semester zu machen, kannst du dir abschminken!“ Keine gute Ausgangs-Situation, um konzentriert einen wissenschaftlichen Text zu verfassen. Irgendwann, wenn die Sonne schon bald wieder aufgeht, kommt dann die Erkenntnis: ich werde es auf keinen Fall mehr rechtzeitig schaffen. Schon wieder versagt. Naja, dann werde ich halt ein Semester länger studieren. Das nächste Mal wird es besser, da werde ich alles ganz anders machen.

Hach, wie viel nächste Male ich schon hatte. Manchmal funktioniert es ja sogar. Beim letzten Projekt zum Beispiel, da hat alles wie am Schnürchen geklappt: viel Arbeit reingesteckt, tolle Idee, gute Ausarbeitung, immer im Zeitplan, gute Präsentation. Warum kann das nicht immer so sein? Und vor allem: warum motiviert mich das nicht für meine nächsten Arbeiten? Jedes Mal fühle ich mich, als würde ich bei Null anfangen. Gibt es nicht irgendwo einen Schalter „Perfektionismus on/off“? Es muss doch auch irgendwie anders gehen…"Wichtige Links zu diesem Text"
http://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/03/Aufschieberitis.xml
Aufschieben/Prokrastination bei wikipedia

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40 Antworten

Kommentare

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    Ist das irgendwie Trend, wenn man was nicht hinkriegt das auf irgendeinen "perfektionismus" zu schieben?
    echt unsympathisch.

    10.02.2008, 14:28 von FightFireWithHigher
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    "Perfektionismus ist nicht Suche nach dem Besten. Er ist eine Beschäftigung mit dem Schlechtesten in uns, dem Teil, der uns sagt, daß nichts von dem, was wir tun, je gut genug sein wird- und dass wir es noch einmal versuchen sollten" - Julia Cameron
    Kenne Deine Problematik genau. Es gibt nur zwei Alternativen, mit denen sich Erfolg messen lässt: 100% oder schlecht.
    Hab es dadurch (und nicht dadurch) im Prokrastinieren zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Ich versuche es mit der Ansicht zu überwinden, auch mal den Mut haben zu müssen, "nur" Zweiter zu sein. Und auch mit dem allg. bekannten Tricks: Zeitpläne, kleine Abschnitte, realistische Ziele etc. Ist nur sehr schwer eine Gewohnheit, die man so lange hat, zu ändern. Geht nicht von heute auf morgen. Das dauert eine Zeitlang. Aber langsam aber stetig ist es möglich!

    10.02.2008, 14:17 von Braeburn
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      @[Benutzer gelöscht] Och, ich mach das auch so (tendenziell zumindest), und mein Studium liebe ich heiß und innig. Ich schreib sogar gern Hausarbeiten - wenn ich es denn erstmal soweit geschafft habe, dass ich weiß, wo ich hinmöchte und das Gefühl habe, dass es nicht nur unzusammenhängender Blödsinn ist, was ich da verzapft habe.
      Aber bis ich dort bin, schiebe ich meine hochfliegenden Pläne wochen- und monatelang vor mir her, verbringe Ewigkeiten mit Literatursuche, lesen muss man das Zeug dann ja auch noch, und ob der Prof mir den Termin nochmal verlängern würde...?
      Den Anfang zu finden und so lange durchzuhalten, bis es anfängt, Spaß zu machen, das ist es, was mir richtig schwerfällt.
      Und weil ich damit warte bis, öööh 10 Stunden vor Ultimo, werde ich mich wieder drüber ärgern, dass ich nur eine mittelmäßige, unter Zeitdruck hingehauene Arbeit abgeliefert habe (ich hoffe doch sehr, dass ich sie heute nacht noch fertigbekomme!) anstelle der endlich mal richtig guten, von der ich sicher bin, dass ich dazu fähig wäre.

      24.10.2007, 02:42 von Asphaltblume
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    kommt mir irgendwie bekannt vor.. nur bei mir hat es meistens in 3 tagen dann doch geklappt ;-)

    29.09.2007, 15:54 von optimisticpessimist
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    ach du scheiße, genau SO ist das bei mir. hab ich ebenfalls schon tausend mal erlebt!
    manchmal schaff ich den drei-tage-notfall-plan im sinne von hauptsache abgeben, aber nur wenn ich es schaffe in mir ein riesengroßes MUSS zu erzeugen, mit ordentlich Druck funktioniert das noch irgendwie. Hab aber eben zum dritten Mal meine Zwischenprüfung verschoben. Werde nächstes Semester mal den Berater aufsuchen, weiß nämlich auch nicht weiter.
    Und dabei gehts mir genau wie dir: den ganzen Management-Zeitplan-Theorie-Kram kenn ich auch. Ist irgendwie wie mit dem Abnehmen und gesund leben - theoretisch weiß man wies geht, aber es klappt eben nicht...
    viel glück

    28.09.2007, 20:03 von howl
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    darf ich mal fragen, ohne fies zu klingen, ob du dich mal in ne art Gruppenstunde oder Therapie setzen willst? Ich glaub, die können einem da n bisschen helfen, wenn man sich so selbst unter Druck setzt und so... hilft dir vielleicht aus der blockade!

    27.09.2007, 20:08 von BlondBlauBloed
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    Also, mir geht's genauso - leider viel zu oft. Hilfreich ist es, wenn man sich mit jemandem zusammentut, dem es genauso geht - wir treten uns quasi mittlerweile gegenseitig in den Arsch, wenn einer oder eine droht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen.

    26.09.2007, 15:13 von noodle1981
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    Kenn ich selber ganz gut das Gefühl... Man will alles perfekt haben, lässt sich zeit, und dann huch, die zeit ist knapp ... da kann man nix dagegen tun...

    26.09.2007, 11:39 von May_Mogel
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