Farscape 27.09.2006, 12:11 Uhr 29 8

Unterrichtsgarantie garantiert daneben

„Unterrichtsgarantie Plus“ – keine neue Autoversicherung, sondern eine ernste Bedrohung für Deutschlands Schüler

Unterrichtsgarantie Plus - das klingt nach einem Autoversicherungsangebot von der HUK, ist in Wirklichkeit aber ein gutgemeinter und völlig fehlgeleiteter Versuch, Kindern ihr Recht auf Bildung und Unterricht zu sichern: Lehrer, die keine sind, dürfen hessische Schüler unterrichten.

Was nach einem Aprilscherz klingt ist bitterer Ernst für Schulen in Hessen. Die Klutusministerin möchte so ihr lobenswertes Programm „Unterrichtsgarantie Plus“ unters Volk bringen. Die Idee an sich ist gut, schließlich fallen immer wieder Unterrichtsstunden aus.
Um genau dies zu verhindern sollen nun Laienlehrer einspringen. Wobei das Wort „Lehrer“ nach den „Laien“ eigentlich fehl am Platz ist, handelt es sich doch nicht um echte Lehrer – mit dazugehöriger Ausbildung – sondern um Eltern, Studenten, Renter etc., die so ihr Taschengeld und ihr Selbstwertgefühl aufbessern können – auf Kosten der Schüler.
Der Beruf des Lehrers – ja seine Daseinsberechtigung – wird dadurch herabgesetzt. Die sogenannten „Laienlehrer“ werden ohne adäquate Ausbildung auf Schüler losgelassen. Diese mögen vielleicht am Anfang noch ein wenig Spaß mit den unkonventionellen „Lehrern“ haben, jedoch werden auch sie merken, daß die eigentliche Aufgabe der Schule und somit ihre Bildung auf der Strecke bleiben.
Falls die Laienlehrer tatsächlich echte Lehrer sind, aber arbeitslos, dann wäre es bestimmt sinnvoller, diesen eine neue Stelle anzubieten – und sei es nur zeitweise.

Diese Entwicklung scheint typisch zu sein für das heutige Deutschland: nach den ersten PISA Ergebnissen wird der Mißstand erkannt => es wird viel diskutiert und versprochen => neue PISA Ergebnisse => eine schnelle und vor allem kostengünstige Lösung muß endlich her.
Natürlich gäbe es auch genug arbeitslose Lehrer und / oder Uniabsolventen, die man als Lehrer einstellen könnte. Dies würde aber auch hohe zusätzliche Kosten verursachen. Da sind die Möchtegern – Lehrer viel praktischer: die werden nur pro Unterrichtsstunde bezahlt, somit müssen auch keine Abgaben gezahlt werden, kein bezahlter Urlaub etc.
Erstaunlich finde ich, daß sich ausgerechnet in einem Land, welches sich so viel Bürokratie leistet, ganz plötzlich eine unkomplizierte und einfache Lösung durchsetzen soll. Eine Überprüfung der einzelnen Personen findet nicht in angemessener Form statt – normalerweise müßte von jedem Bewerber ein polizeiliches Führungszeugnis verlangt werden (wie zum Beispiel bei Kinderbetreuern). Dabei geht es doch um die Zukunft dieses Landes – um die Kinder. Ausgerechnet hier wird gespart.
Wir wollen lieber erst gar nicht daran denken was passieren könnte, wenn sich ein „schwarzes Schaf“ in eine Schule einschleicht: politisch/religiös Motivierte, Pädophile etc. Die Laienlehrer müssten daher ständig kontrolliert werden, sonst könnten sie den Kindern alles Mögliche „beibringen“.
Wer soll so etwas gewährleisten ? Vielleicht „Laienkontrolleure“?
Ohne eine pädagogische Ausbildung dürften viele Laien außerdem mit einer Schulklasse überfordert sein. Dürfte ein Laienlehrer überhaupt Hausaufgaben aufgeben oder Strafen gegen rebellische Schüler verhängen?
Die Schüler werden aus der gewohnten Lehrsituation herausgerissen, müssen sich für nur ein bis zwei Unterrichtsstunden auf eine neue Person einlassen, die ihnen dann womöglich den Stoff nicht fach- und sachgerecht näherbringen kann.

Es ist mir wirklich schleierhaft wie man überhaupt ernsthaft eine solche Idee in Betracht ziehen kann. Ich kann ja auch nicht einfach als „Laienpolizist“ auf Verbrecherjagd gehen, als „Laienpilot“ Flugzeuge fliegen oder als „Laienchemiker“ Medikamente herstellen. Als hessische Kultusministerin trägt Karin Wolff die Verantwortung für die Lehre an den Schulen – und somit hat sie eine Verantwortung gegenüber Schülern, Lehrern und Eltern.
Die oben genanten Punkte
• Qualität des Unterrichts
• Qualifikation der „Lehrer“
• nichtvorhandene Kontrolle
sprechen alle gegen dieses Modell.
Wenn die einzigen „Pro´s“ dieser Garantie die niedrigen Kosten und kein weiterer Unterrichtsausfall auf „Teufel komm raus“ sein sollen, so wird dies teuer erkauft.

Dieses neue „Unterrichtsmodell“ mag billig und unkompliziert für die Schulen sein, die Quittung bekommen wir alle später, wenn die Schüler aus den Schulen ins Uni- oder Berufsleben entlassen werden. Deutschland bastelt sich ein neues Bildungssystem zusammen, welches die Bildung außen vor läßt. Letztenendes führt man so nur eine neue Form der Kinder- bzw. Schülerbetreuung ein. Garantiert wird bei dieser Auslegung der „Unterrichtsgarantie Plus“ nur eine Garantie auf unterqualifizierte Aushilfskräfte.
Es darf einfach nicht sein, daß bei der Lösung dieses Problems die Kosten im Vordergrund stehen.
Vielleicht sollte die Kulusministerin ersteinmal ihre Hausaufgaben machen. Link entfernt

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29 Antworten

Kommentare

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    Meine Fresse nee... Wieso muss denn eigentlich immer alles total mies gemacht und dann noch bis zur Unkenntlichkeit tot diskutiert werden?

    Natürlich kann man doch jetzt noch nicht sagen, ob es was bringt oder nicht. Sollte nach einigen Jahren der/die betreffende Kultusminister/in beschliessen dieses System abzuschaffen, sehe ich jetzt schon alle schreien "isch hebs doch gleich gesacht, des bringt nix". Und sollten eines Tages die anderen Bundesländer mitziehen, weil sie merken, dass die Frau Wolff da ne ziemlich geniale Idee hatte, wirds wohl den Leuten aus Hessen in die Nasenlöcher regnen!!!

    Naja, was soll ich sagen, es wird nie so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Also haltet doch einfach mal die Luft an und wartet es doch erst mal ab. Ich finde die Idee nämlich gar nicht mal schlecht, solange man jetzt nicht jeden Vollidioten an die Stelle lässt.

    Außerdem finde ich, dass generell Lehrer keine Beamte mehr sein dürften, damit man sie leichter aussetzen kann. Es kann doch nicht sein, dass Deutschland die ältesten Lehrer Europas hat. Das sehe ich als eines der Gründe für das schlechte Abschneiden bei der PISA zu sein. Veraltete, demotivierte Lehrer, die nicht mehr in der Lage sind zeitgemäß den Unterricht rüber zubringen. Apropos PISA jaja, 2006 ein System eingeführt und dann bei der nächste Studie sich wundern, warum nichts besser wird (keine Ahnung von wem dieser Kommentar kam)... Ist klar, ne. Es wird noch Jahre dauern, bis sich an dieser Studie überhaupt was ändern wird.

    21.09.2007, 09:14 von Angela_CA
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      @Angela_CA Ich bin seit dem vergangenen Schuljahr 06/07 selber von dem System der Unterrichtsgarantie betroffen und um ehrlich zu sein bin ich froh, wenn ich diesen "Ersatzunterricht" im nächsten Schuljahr hinter mir habe.

      Das System, dass sich Frau Wolff ausgedacht hat, ist an sich nicht schlecht, aber die Umsetzung wird schwieriger.
      Wir Schüler sitzen immer wieder vor unqualifizierten Kräften, bei denen man das Gefühl hat, dass sie selber nur wegen dem Geld kommen und uns, den Schülern, doch nicht das nahe bringen wollen, was sie eigentlich sollten. Was bringt es mir da, zwei Stunden länger in der Schule zu sitzen, wenn doch nichts dabei herauskommt? Wenn manchmal nicht einmal die "Ersatzlehrer" erscheinen, wieso sollten wir Schüler dann überhaupt an diesem System teilnehmen?

      Für die Schüler, die in der Unterstufe oder in der Grundstufe sind und sich in einigen Punkten nicht selbst versorgen können, ist dieses System vielleicht sinnvoll, weil eine gewisse Gewährleistung für die Eltern da ist, dass ihr Kind wirklich erst nach 13Uhr aus der Schule kommt, aber bei Schülern, die die Jahrgangsstufen neun und zehn besuchen, ist doch die Selbstständigkeit zu erwarten, dass sie sich selber versorgen können, oder nicht? Man bedenke dabei, dass andere nach der neunten Klasse die Schule mit Hauptschulabschluss beenden und dann möglicherweise schon in das Arbeitsleben starten - wieso sollten Realschüler und Gymnasiasten nicht auch die Selbstständigkeit haben und alleine mit dem Bus oder auf anderen Wegen nach Hause kommen?

      Aber im Allgemeinen fehlt die Qualifikation bei vielen Lehrern. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es heutzutage genug Schulen gibt, an denen Diplom-Physiker das Fach Physik unterrichten, weil einfach ein Lehrermangel vorhanden ist.
      Manchmal ist auch fraglich, ob diese Lehrer das den Schülern so nahe bringen können, wie jemand, der während seines Studiums bereits Erfahrungen gesammelt hat.
      Manchmal fragt man sich als Schüler, wieso Lehrer oder auch U -Kräfte keinen Test absolvieren müssen, ob sie wirklich für den Beruf, den sie ausüben geeignet sind.

      Mal sehen, wie die Zukunft der Unterrichtsgarantie aussieht. Es wird ja schon gesagt, wenn nächstes Jahr bei den Wahlen hier in Hessen ein Machtwechsel stattfindet, die Unterrichtsgarantie auch der Vergangenheit anhört.
      Man kann nur abwarten und hoffen, dass die Umsetzung wenigstens halbwegs klappt.

      20.10.2007, 22:30 von timeisahealer
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    Ich bin leidtragende des U ! Besziehungsweise war es ein ganzes, hartes Jahr in der 10. Klasse. Vielleicht ist es besser für jüngere schüler stunden zu ersetzen, damit sie nich plötzlich auf neue, sponatne Busfahreiten angewisen sind, oder damit sich Mami mit dem Essen kochen besser auf die Rückkunftszeit des Kindes einstellen kann, aber ich finde es unsinnig einer 9. oder 10. Klasse noch Unterricht zu "ersetzen". 50% von den Schülern hat einen Roller, hat gelernt auch mal den BUs vorher zu nehmen ohne ins straucheln zu kommen und muss eh alleine kochen. Warum also diese Jugendlichen in der Schuloe behalten und mit wirklich minderwertigem Unterricht zulabern. WIr hatten einen "Mathelehrer", der besser Rumänisch als DEutsch konnte, einen Abiturienten, der andauernd irgendwelche waaaaaaaahnsinnig tollen neuen Formeln entdeckt hat und noch so ein paar seltsame Menschen. Gebracht hat es absolut gaaaaar nix!!GAAAAAR NIX!!!Die Lehrer haben nur mit der Wand gesprochen...keiner hat zugehört. Keiner von denen, die überhaupt noch da waren. Soviel geschwänzt, wie in U -Zeiten wurde glaube ich noch nie an der Schule gefehlt. Selbst unsere echte Klassenlehrerin meinte zu uns, dass wir ja nich immer umbedingt da sein müssen. Wir sollen es aber versuchen, aus respekt des Laien gegenüber....jetz bin ich in der 11! U hat ein Ende..

    01.08.2007, 11:40 von ladyinovergine
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    Die Idee fachfremde Leute ohne Lehramtstudium unterrichten zu lassen gibt es in Luxemburg seit mehr als 25 Jahren. Um Geld zu sparen werden zuwenig Lehrer eingestellt und an deren Stelle arbeiten Lehrbeauftragte, die ein passendes Fach studiert haben. Meistens funktioniert es auch relativ gut, die Lehrbeauftragten müssen natürlich den selben Stoff unterrichten wie dir Lehrer und werden regelmässig kontrolliert. Natürlich gibt es Fälle, wo Leute nicht besonders für den Lehrberuf geeignet sind, aber die meisten machen ihr Ding recht gut! Ich bin Theaterwissenschaftlerin und unterrichte Deutsch. Das was ich im Studium gelernt habe (Literaturgeschichte, Textananlyse, Verfassen on Schriftstücken, Übersetzungen) steht auf dem Lehrprogramm und da mein Nebenstudium Erziehungswissenschaft war, hab ich auch eine pädagogische Nebenausbildung.

    Der Gegensatz von unserem Schulsystem zu eurem besteht aber darin, dass bei uns nur Laienlehrer eingestellt werden mit fertigen Studium... Das heisst, die fachspezifische Ausbildung ist da, und jetzt kämpfen wir dafür um eine staatlich anerkannte Pädagogik-Fortbildung absolvieren zu dürfen. Es gibt in Deutschland so viele arbeitslose Akademiker, warum die nicht rekrutieren?

    mit freundlichen Grüsse, Nathalie

    03.06.2007, 20:50 von monchichi22
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    super artikel! ich bin zur zeit im referendariat und bekomme das problem u (an meiner schule zynisch als "unterrichts-weichspüler" benannt...) haunah mit!
    unterrichtsgarantie plus stellt die rolle der lehrer in frage,... könnte nach diesem modell nicht jeder unterrichten, wozu brauchen wir noch lehrer... und im widerspruch dazu, die diskussion, dass/ob lehrer nach leistung bezahlt werden sollen... (und wie messen wir diese???),um ein möglichst hohes unterrichtsniveau zu gewährleisten und die bildung der kinder zu sichern! das zeigt dich nur wieder, dass "die von oben" keine ahnung haben, wie es an den schulen wirklich zu geht, was wichtig für unsere schüler ist, was und wen sie brauchen!
    das macht mich wütend und traurig, verraten und irgendwo machtlos... kämpfen werde ich aber dennoch! nicht für mich, für die kinder!

    11.04.2007, 09:57 von Kraeuterhex
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    Wieso versucht jeder die "U " schlechter zu reden als sie ist?!
    Der Grundgedanke war: Kein Unterrichtsausfall mehr. Sinnvoll. Absolut. Ja. Denn eine Mutter kann sich nun darauf verlassen, dass ihr Kind bis 13.00 Uhr in der Schule ist und kann beruhigter im Büro sitzen. Wollen wir das nciht alle? Die Chance für Mütter berufstätig zu sein?
    Soweit so gut. Der Ersatzunterricht soll nicht einfach Beschäftigungstherapie sein sondern es soll unterrichtet werden.
    Warum nicht von Lehramtsstudenten, pensionierten Lehrern und Konsorten?
    Hast du jemals Vertretungsunterricht in einer Mittelstufe mitgemacht?! Da gibt es - von qualifizierten, ausgebildeten, beruferfahrenen, gutbezahlten - Lehrern 45 min Mandalamalen.
    Ich bin davon überzeugt dass jeder Schreinermeister mehr Ahnung von Mathematik hat als meine Bio-, Geschi- und Deutschlehrerin aus der 10. Klasse.
    Es fehlt an Lehrern. Ja! Aber es fehlt eben überall ein wenig. Und meist an Physik- und Mathelehrern. Denn wer kann schon Physik und Mathe? Deutsch- und Geschilehrer sind keien Mangelware.
    Wenn man also die Wahl hat zwischen Halb-, Alt- oder Laienlehrern die nur wenig kosten und ggf. Mandalas malen lassen und voll angestellten Lehrern mit hohem Gehalt, die auch nichts anderes machen, dann entschiedet man sich doch für das erste.
    Ich verteidige die U !
    Karin Wolff hat einige schwachsinnige Reformen eingeleitet (siehe "nachträglich nicht zum Abitur zugelassen"). Aber die U gehört nicht dazu.
    Vertretungsunterricht hat IMMER den Nachteil dass man sich auf eine neue Person bzw. neue Schüler einstellen muss.
    Wenn du dieses Problem lösen willst dann musst du jeder Klasse 2 Stammlehrer geben die sich gegenseitig vertreten. Ach, übrigens für jedes Fach. Oder ist fachfremdes Unterrichten plötzlich gut solange man nur voll bezahlt wird?!
    Seht doch bitte mal ein dass die U nicht supertollen, informativen, effektiven, wertvollen Unterricht ersetzt sonder schlicht und einfach Freistunden.
    Das kann ich guten Gewissens unterstützen.

    08.03.2007, 10:29 von ZoZe
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      @ZoZe Tut mir Leid, das Plus-Zeichen erscheint irgenwie nicht mit. Hinter jedes einsame U gehört ein Plus!

      08.03.2007, 10:36 von ZoZe
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    Unterrichtsgarantie Plus: Grundsätzlich sinnvoll!

    Die Unterrichtsgarantie ist im Grundsatz eine sinnvolle Einrichtung. Bisher wären -wie auch in anderen Bundesländern- die meisten durch U-Plus Kräfte gehaltenen Stunden ersatzlos ausgefallen. So hingegen konnte dies zumindest verhindert werden. Es ist also in der Summe ein Gewinn und kein Verlust.

    Auch die fachliche Nähe des Vertreters zum Unterrichtsfach ist mit Hilfe des Systems zumeist gegeben. Früher kam es weitaus häufiger vor, dass ein Lateinlehrer auf einmal eine Biologiestunde vertreten sollte. Dank U-Plus finden sich zumeist fachlich qualifizierte Kräfte.

    Dass es jedoch bei der Umsetzung dieses Konzeptes einiges gibt, was sich verbessern lassen würde, soll nicht verschwiegen werden.

    Qualifikation der Kräfte:
    Auch Personen ohne (abgeschlossene Ausbildung) als U-Plus Kräfte tätig werden. Diese Regelung, die auch Lehramtsstudenten den Weg ebnen sollte, bietet -zumindest theoretisch- jeglichen anderen Personen eine Lücke. Diese Lücke gilt es zu schließen.

    Hinsichtlich der pädagogischen Fähigkeiten muss es Mindestqualifikationen geben. Denkbar wäre zumindest der Nachweis einer Ausbildung zum Jugendgruppenleiter (in Hessen 35 Stunden Ausbildungsdauer) oder einer vergleichbaren bzw. höherwertigen Qualifikation.


    Unterrichtsgestaltung:
    Die Schulen sollten einen Materialpool anlegen, welcher fertig vorbereitete Stunden vorhält. Werden diese durch die jeweilige Fachschaft erstellt und lehrplankonform gepflegt, dürfte daraus kein allzu großer Aufwand entstehen. Ein Vorteil dieses Systems wäre die Tatsache, dass den Vertretungskräften -sofern keine anderweitigen Vorgaben des zu vertretenden Lehrers vorliegen- lehrplankonforme und der Lernentwicklung angepasste Materialien als Leitfaden zur Verfügung stehen.
    Dieses System käme natürlich nicht nur den im Rahmen der U-Plus durchgeführten Vertretungsstunden zugute. Auch eine gewisse Qualitätssicherung innerhalb der jeweiligen Schule kann erreicht werden.


    Personalauswahl:
    Die Personalauswahl (Einstellungsverfahren) sollte durch die staatlichen Schulämter durchgeführt werden, sofern die Schule dies nicht ausdrücklich selbst machen will. So wären die Schulen zumindest von einem Teil des notwendigen Verwaltungsaufwandes befreit.

    Personaleinsatz/Personalverwaltung:
    Der Einsatz der U-Plus Kräfte sollte sich auf eine Schule beschränken. Derzeit werden allmorgendlich in vielen Schulen endlose Telefonlisten abgearbeitet, nur um zu erfahren, dass die angefragte Vertretungskraft an diesem Tag in einer anderen Schule Tätig wird.

    Durch ein entsprechendes Onlinesystem könnte erreicht werden, dass die U-Plus Kräfte eventuelle Nichtverfügbarkeitszeiten online einpflegen können. Daneben sollten auch die Qualifikationen der Kräfte hinterlegt sein (durch das Schulamt/Schule). Somit kann die Suche nach dem jeweils benötigten Vertretungspersonal vereinfacht werden und somit die Schulleitungen entlasten. Auch kann die, für die Abrechnung notwendige, Datenübermittlung zu den Schulämtern und der Hessischen Bezügestelle über das System erfolgen, was den gesamten Ablauf beschleunigen und verwaltungsärmer gestalten dürfte.

    Abschließend ist anzumerken, dass die öffentliche Hetzjagd des Konzepts und der U-Plus Kräfte durch die GEW nicht dazu beiträgt dieser eine Chance zu geben, da sie die Position der Vertretungskräfte schwächt.

    24.02.2007, 17:51 von silri
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      @silri "Die Unterrichtsgarantie ist im Grundsatz eine sinnvolle Einrichtung. Bisher wären -wie auch in anderen Bundesländern- die meisten durch U-Plus Kräfte gehaltenen Stunden ersatzlos ausgefallen. So hingegen konnte dies zumindest verhindert werden. Es ist also in der Summe ein Gewinn und kein Verlust."

      Die Frage ist, was für bis 16-Jährige Schüler sinnvoller ist: In einem lauten Klassenraum zu sitzen und zu versuchen, unter Aufsicht des U Lehrers Hausaufgaben zu erledigen oder unterrichtsfremden Stoff beigebracht zu bekommen oder in einem leeren Aufenthaltsraum zu sitzen und dort zu arbeiten.
      Ich selbst schwänze ab und zu U Stunden um meine Hausaufgaben in Ruhe statt unter rumschreienden Mitschülern erledigen zu können.

      24.02.2007, 19:12 von lilirocksthecasbah
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    ich bin auch ein opfer dieses hirngespinsts, was man mit sehr sehr gutem willen höchstens als "betreuungsgarantie" bezeichnen kann.
    wäre es nur betreuung wäre es noch nicht einmal so furchtbar, obwohl es das letzte ist staatliche gelder dafür rauszuwerfen. nein, solange wir karten spielen, bücher lesen und hausaufgaben erledigen dürfen ist das ganze ja noch zu ertragen.
    schlimm wird es, wenn der ug lehrer versucht zu unterrichten indem er uns anhand eines beispiels zu erklären versucht, wieso mädchen dümmer sind als jungen, bildzeitung liest und "dem lehrer sein unterricht" sagt. (alles schon passiert!)
    Ein weiterer Proplempunkt ist, wie du schon sehr gut beschrieben hast, die unausreichende überprüfung. jeder kann sich hinsetzen und zehn jährigen z. b. seine sekten ideale prädigen. fünftklässler haben respekt vor erwachsenen! ich finde das unglaublich.
    naja, jetzt habe ich wieder zu viel geschrieben, hatte nämlich eigentlich elbst vor, einen artikel über das thema zu schreiben.
    sehr guter text jedenfalls, bin vollkommen deiner meinung.

    22.02.2007, 21:06 von lilirocksthecasbah
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    ich kann dir da nur voll zustimmen... ich darf dieses tolle konzept selbst erleben und es ist totaler schwachsinn... deshalb versucht unser direktor, möglichst wenige der "laienlehrer" einzusetzen und lässt klassen, die selbstständig arbeiten können, auch mal ohne lehrer, da er selbst nichts davon hält.

    was auch noch von der unfähigkeit von frau wolff zeugt ist, dass den schulleitern und lehrer verboten wurde, über irgendwelche pannen bei der umsetzung von u-plus zu reden...

    11.02.2007, 16:27 von kaddaly
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    naja nu kackt euch doch nich gleich ein!
    es ist doch nur ein versuch, der lage herr zu werden, und mal ehrlich: ein pädagogikstudium braucht man nicht, um mit menschen- und das sind unsere kids nun mal in erster linie!- umzugehen. irgendwie tun immer alle, als wäre man als lehrer so was wien tierpfleger! ich bin auch lehrerin, ich weiß wovon ich rede. aber dieses jammern gleich wieder, von wegen die kids würden doof, wenn in der schule nicht-pädagogen stünden ist doch völlig überzogen, da hör ich doch schon den akademiker empört quietschen in deinem artikel. die kids werden in allererster linie doof, wenn sien scheiß elternhaus haben.und wenn sie scheißlehrer haben, haben sie doppelt pech. aber dieses ding, von wegen, nur mit ausbildung ist man gut genug, um kinder zu lehren ist doch käse.

    a propos simpsons: das war die folge, in der sich lisa in ihren aushilfslehrer verliebt, von dem sie mit ihrer klasse tausendmal mehr lernt als bei mrs. hoover. dfie passt zum thema, die episode

    so, und jetzt mal´s akademiker-stöckchen ausm arsch jezogen und weiter nachgedacht, statt sich nur zu empören!

    28.09.2006, 23:10 von anuschka
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