zzebra 04.06.2008, 10:37 Uhr 9 7

Übertritt verweigert. Bitte zur Ehrenrunde

Mein Sohn ist in der vierten Klasse Grundschule und fängt bald einen neuen Lebensabschnitt an. Zukunftsaussichten: wohl eher mau.

In der vierten Klasse gibt es drei Zeugnisse: Zwischenzeugnis, Jahreszeugnis und Übertrittszeugnis. Letzteres wird vor Pfingsten ausgehändigt und bescheinigt, welchen weiteren Lehrweg ein junger Mensch von heute beschreiten soll. Wohl dem, dessen Schnitt nicht über 2,33 liegt, denn sonst, so wird ihm eingeimpft, muss er auf die Real- oder Hauptschule. Welch Hohn liegt in dieser versteckten Androhung, als wäre das ein Stigma mit Haltbarkeitsdatum „lebenslang“. Es gibt noch den Gnadenweg „Probeunterricht“, doch Lehrer klären auf, dass diejenigen, die über diese Latte gezerrt werden, kaum nachhaltige Chancen auf dem Gymnasium hätten. Analogie: Wenn ich meinem Sohn souffliere „Poah, SO VIEL hast du heute aufgekriegt?“, sind die Aussichten auf einen stressfreien Nachmittag mit mir als Nachhilfe-, Teilzeit- und Ersatzlehrkraft ebenfalls mager.

Doch ohne elterliche Hilfe haben es Kinder schwer, die erforderlichen Hürden zu schaffen, ohne sich aufzuarbeiten. So will es unsere Bildungsgesellschaft: intellektuelle Werte prägen Charakter, Ansehen und Geldbeutel.

Seit mehr als drei Jahren gehe ich durch die Hölle Hausaufgaben. Nicht, dass dieses Pensum für einen normalen Schüler nicht zu schaffen wäre, mein Sohn hat auch keine Lernschwäche, noch fehlt ihm die Einsicht, dass derjenige, der sich ewig Zeit fürs Überirdische nimmt, im Irdischen kaum einen Schritt vorwärts kommt, nein, er ist ein aufgeweckter Junge, der viel und gerne liest, aber Hausaufgaben schlichtweg doof und lästig findet. Als wären die eine piesackende Krankheit, unter der man leidet. Apropos leiden: Leidtragender bin eher ich. Ich, der Ausputzer für all die ihn begleitenden schulischen Versager: Angefangen bei seinen den Unterricht störenden Mitschülern, die, einer Perspektive beraubt, egal ob aus Gründen der Migrantik, eines zerrütteten Elternhauses oder schlichtem Desinteresse seitens der Erziehungsbeauftragten, hinweg über unzulänglich ausgebildete Lehrkräfte oder solche, die Unterricht als puren Broterwerb betrachten, bis hin zu höheren Stellen, die verkopft und wissenschaftlich auf neuestem Fehlstand gebracht, fragwürdige Lehrpläne erarbeiten, deren Inhalte nur eine ungenügende Inhaltsvermittlung zulassen und im Eiltempo durchgeboxt werden müssen, will man das Problem nicht nach hinten verschieben.

Wenn ich mir etwa das Schriftbild aus der Feder meines Sohnes betrachte, kommt mir das kalte Grauen: Wie soll ein junger Mensch jemals anständig schreiben lernen, wenn ihm eingetrichtet wird, die und nur diese eine girlandige Buchstabenanordnung sei die einzig Wahre und das gelobte Land des gymnasialen Fortschreitens wäre nur auf ihrem Rücken zu erreichen? Früher gab es noch eine Note auf die Schrift, was schon schrecklicher Unsinn war, heute ist sie Heiligtum. Erstaunlich: Egal, wen man fragt, gleich ob Lehrkräfte, Eltern, Grafologen, alle bescheinigen einem, die „Vereinfachte Ausgangsschrift“ sei in etwa so fortschrittlich wie Lehrmaterial kostenlos.

Sie ist eine Empfehlung der Kultusministerkonferenz von 1970, eine optimierte Schreibschrift, die leicht zu erlernen sein soll. Aber es sind keine Lianen mehr, die unser Leben bestimmen, sondern Buchstaben, hart, aber fair aneinandergereiht, trotz sich verändernden Fonts jederzeit leicht zu entziffern, kein Schriftsatz am PC bietet diesen Alptraum an, nur auf den Notebooks der Lehrer gibt es ihn. Warum lässt man die armen Kinder nicht Arial-Buchstaben aneinander reihen und den Weg zu einer schnellen individuellen persönlichen Schreibschrift selbst finden? Antwort eins: Sind wir auf Montessori? Antwort zwei: Damit es die Lehrkräfte einfacher haben. Bitte ankreuzen, Tipp: Mehrfachnennungen erhöhen die Trefferquote.

Abgesehen davon, dass sich diese Schrift ohnehin bald glatt schleifen wird, schnörkelige Fließbögen haben keinen Platz im Tempo des sich anschließenden Lehrstoffs, der auch meinen Sohn bald überfallartig überzeugen wird: Nicht die Schule hat immer Recht, manchmal siegt auch die Vernunft. Nein, es tut mir leid, auch am Gymnasium gibt es keine Note auf die Schrift.

Ginge ich näher auf Religion ein, müsste ich zum Neologisten konvertieren. Ich attestiere mir kein neutrales Urteilsvermögen in dieser Disziplin, ich bin parteiisch, jawohl: Ich bin ein mit einer buddhistischen Basis liebäugelnder Synkretist. Nein, auch dieses Fach wird nie in Bayern unterrichtet werden, man muss sich schon entscheiden: ev., kath. oder Rest. „Rest“ ist nicht die Abkürzung für „Seelenkneipe mit Schnellimbiss“, sondern heißt Ethik und dort sind hauptsächlich Kinder von Ultra-Grünen, Muslimen oder Migranten. In ähnlich strukturierte Wahlfächer kann man sich in der Grundschule nur dann verirren, wenn man dies mit Nachdruck angeraten bekommt, das nennt sich dann Förderunterricht für Lernschwache.

Mathematik war immer mein Lieblingsfach, ich war am Boden zerstört, wenn ich es am Jahresende nicht auf eine Eins gebracht hatte. So hat jeder sein Steckenpferd. Meinem Sohn geht es ähnlich, nur wurde ihm ein blonder Frontalstolperstein in den Weg gelegt, so muss ich mit viel didaktischem Geschick diverse logische Lücken füllen. Denn Geometrie hat etwas mit räumlichen Denken zu tun, genau wie Einparken. Aber ohne gewisse Tricks (zugegeben: aus der Mottenkiste, aber immer noch sehr hilfreich in diesem Fach) geht nichts in Mathe. Also greife ich hier ein wenig den Hauptschul-Dingen und dem Lehrplan voraus (Primzahlen, Mengenlehre, arithmetische Formeln, Rechnen mit Variablen usw.), das vereinfacht das Spielen mit den Zahlen ungemein. Findet im übrigen auch mein Sohn. Leider ist meine Hilfe nicht ganz so oft willkommen, wie ich das gerne sähe, denn „die Lehrerin hat aber gesagt, ich MUSS das so machen...“ Paragraf eins: Leg dich nicht mit einer Lehrkraft an, wenn dir das schulische Wohl deines Kindes lieb und wertvoll ist. „Buddhisten lächeln“, wiederhole ich also gebetsmühlenhaft und geduldig unzählige Male beim Nachunterricht am Küchentisch, „Buddhisten spüren ihre Mitte, Buddhisten bewahren stets ihre Ruhe, Buddhisten sind GLEICHMÜTIG, ZUM DONNER! MACH DAS JETZT DOCH EINFACH SO.“

Deutsch ist eine nette Sprache. Zumindest, wenn man mit ihr dialektfrei aufwächst. Findet Unterricht mit verbalen regionalen Ligaturen statt, finde ich das eher grenzwertig für den Bildungsweg, da ist Bildung schnell weg. Aber diskutieren Sie mal am Elternabend mit einer eingesessenen, dem hiesigen Verbalakrobatismus verhaftete Lehrkraft darüber, ob kultusministerielle Vorgaben (Dialekt ist in Bayern an Grundschulen durchaus willkommen) diskutabel sind. Es heißt, man erlerne Fremdsprachen leichter, wenn man auch Dialekt spräche. Die Betonung liegt hier auf „auch“ und der Feststellung: besonders dann sind Fremdsprachen zur Verständigung hilfreich, besucht man das an Regionen reiche Anders-Deutschland. Allerdings verstehe ich auch so manches Elternhaus nicht, das sich standhaft weigert, die deutsche Sprache auch im familiären Alltag anzuwenden. Förderlich ist das nicht, aber: siehe Förderunterricht.

Es gibt da so ein Fach, das heißt HSU. Die Heimat- und Sachkunde ist die Vorstufe des gymnasialen „Natur und Technik“, wiederum eine Vorstufe zu Physik, Chemie, Biologie. Kindgerecht wird dort erklärt, wie eine Kläranlage funktioniert, wie der Landkreis strukturiert ist, wie man sich im Straßenverkehr verhält, wie der Bürger Hilfe erfährt. Noch viele andere interessante Themen gäbe es zu vermitteln, ein schönes Fach, verstünden die Schüler nur, warum sie so viel schreiben und auswendig lernen müssen. Dabei gern bemühtes Argument: wo es doch Kopierer und das Internet gibt. Dass diese Hinterfragung auf dem kompletten schulischen Lebensweg kontraproduktiv ist, non scholae sed vitae discimus wird einem mit Nachdruck infiltriert, werden Lehrer nicht müde zu betonen. Da fragt man sich allerdings, warum man den Kindern nicht effektvoller das Lernen lehrt, damit sie nicht stupide Lerninhalte wiederkäuen, sondern... Verzeihung, ach ja, das will man nicht. Seneca, dem der obige lateinische Spruch nachgesagt wird, hat ihn allerdings anders formuliert: non vitae sed scholae discimus. Er übte schon damals Kritik am einstigen Schulsystem.

Dann wird noch Musik, Sport und Kunst unterrichtet, die gelten auch schon bei Zehnjährigen eher als kaum beachtenswertes und eher zu belächelndes Neben- oder Neigungsfach, aber weder schützt diese Art Leibesertüchtigung vor Übergewicht noch macht Musik aus einem unmusikalischen Kind einen deutschlandweit gesuchten Superstar, wie Statistiken belegen. Die Lerninhalte in „Kunst“ entziehen sich so mancher kindlichen Leidenschaft, aber wer fragt schon Kinder, was sie gerne malen oder bildhauern würden? Wollen wir später ein Volk hungertuchnagender Künstler oder verlässlicher Einkommensteuerzahler sein?

In WTG wird gewerkt und textil gestaltet, wie der Name schon sagt, das ist an Mutter-, Vater- und Weihnachtstag immer für einen schmeichelhaften Staubfänger gut. Mein Sohn kann nun Häkeln und weiß, dass man aus lasiertem und gebranntem Ton einen funktionsunfähigen Kerzenständer basteln kann. Das Vogelhaus, das wir zusammen bauten, kann da nicht mithalten.

Englisch hasst mein Sohn, aber nur wegen seiner Lehrerin. Denn er hat hier eine akzentfreie Aussprache (Dank Dialektfreiheit?, s.o.) und ist sich der Wichtigkeit der Aneignung fremder Idiome durchaus bewusst. Er hätte lieber Spanisch gelernt, weil wir da regelmäßig Urlaub machen, aber bitte, es gibt ja noch das Gymnasium, wo dies auch nicht angeboten sein wird. Da kann er später zwischen Latein und Französisch wählen. Beides entlockt ihm nur ein müdes Augenverdrehen, diese Sprachen sind allenfalls Durchgangsstationen seines Interesses. Mein Hinweis, es läge an ihm, in Eigenregie Spanisch einzupauken, kontert er mit dem nachvollziehbaren Argument, dass dies dann ja seine freie Zeit noch mehr einschränke. Und vier Mal die Woche Taekwon-Do müsse einfach sein, das gäbe er auf keinen Fall auf.

Warum es kein Arbeitsgebiet „Computer“ gibt, wo doch die meisten leidenschaftlich und wie blöde kostbarste Zeit mit Elektronikspielereien verdaddeln, ist ebenso seltsam wie die Tatsache, dass es kein Pflichtfach „Spielen“ gibt. Bei der wenigen Zeit, die einem Grundschulpennäler bei dem Hausaufgabenpensum bleibt, wäre ein bisschen nachdrücklich vermittelte Spielkultur durchaus angebracht. Aber auch dafür sieht sich die Institution Schule nicht zuständig, außerdem, genau, ist da noch das Hauslehrerpaar.

Mein Sohn hat den Übertritt übrigens locker geschafft, seinen stets engagierten elterlichen Privatpädagogen sei Dank, die mit Zuckerbrot und Peitsche sorgsam, unnachgiebig und unablässig, aber durchaus liebevoll darauf bedacht waren, dass ihm ein „Stigma“, gleich welcher Art, erspart blieb. Eltern sind willkommene Ausputzer unseres viel durchdachten, aber wenig zeitgemäßen Schulsystems. Sie sind billig, immer da und wenn mal was nicht klappt, kann man sie zur Verantwortung ziehen. Ein Lehrer ist da fein raus, der kann nicht mehr als so-und-soviel-zwanzig Klapsbacken den starren Lehrplan wiederkäuend vorsetzen. Ach ja: Wiederholung ist die Mutter aller Erziehung; aber das Stiefkind der Schulausbildung.

Eine Lehrerin gestand mir einmal nach zwei Viertel Rotwein: „Beim Übertrittszeugnis erkennt man oft sehr genau, welchen Kindern zu Hause Aufmerksamkeit wiederfuhr, wer es also wahrscheinlich packt und wer nicht.“ Wie das als Alleinerziehende(r) bedarfsgerecht zu schaffen sein soll, vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist kein Vorurteil, sondern eine traurige Tatsache, dass finanziell schwache Familien schwer benachteiligt sind. Eine chronische Baustelle und Sauerei ohnegleichen.

Dem Kultusministerium und der gezierten und unflexiblen hierarchischen Struktur unseres Bildungssystems erteile ich hiermit, es ist für mich nun ihr Übertrittszeugnistag, eine glatte Vier und verpasse allen Verantwortlichen eine Extrarunde im Arbeitskreisnachsitzen und -denken darüber, was Kindern, Jugendlichen und (fast) erwachsenen Menschen in unseren Schulen und Universitäten angetan wird, wenn man sie auf Dinge drillt, die einer vernunftorientierten Hinterfragung nicht standhalten. Eine ganze Notenstufe bei der Pisastudie geht auf deren Kosten, möchte man als täglich betroffener Insider vor Ort meinen. Die Schulkinder müssen dies mit noch mehr Leistung ausbaden.

Kann man nur immer wieder hilferufend schreien: Gebt uns endlich mehr, bessere und vor allem engagiertere Lehrer und, with sugar on top, viel kleinere Klassen. Kinder sind unsere Zukunft. Falls das kein Argument ist, dann vielleicht diese Mahnung hier: Ihr verliert sonst eure Wähler der Zukunft."Wichtige Links zu diesem Text"
Vereinfachte Ausgangsschrift
Bayrischer Elternverband e.V.
Bayrisches Kultusministerium
Antolin mit Lesen punkten - Lesemotivation

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    Genau.

    12.06.2008, 02:20 von chessige
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    und es GIBT Gymnasien, an denen auch spanisch angeboten wird. Informier Dich halt - die Schulgrenzen sind aufgehoben und Du kannst Dein Kind anmelden, wo du möchtest. Aber extra nur für deinen Sohn einen Spanischlehrer einstellen ist doch etwas viel gefordert, oder?

    04.06.2008, 16:58 von Dunnagh
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      @Dunnagh
      Es GIBT mit Sicherheit Gymnasien, aber deswegen gleich einen Umzug andenken? Stichwort Schulweg. Die drei Gymnasien hier bieten weder als erste noch als zweite Fremdsprache Spanisch, zudem kommt nur eines der drei für seine Neigung in Frage. Aber kein Thema. Auch Spanisch ist spielerisch und spielend als Hauslehrer zu vermitteln. Zumindest Basis-Vokabular und Umgangssprache.

      Habe ich einen Schullehrer extra für ihn eingefordert? Das ist mir aber neu.
      :)
      zz.

      04.06.2008, 21:05 von zzebra
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    Hach... ich find immer wieder was:

    Musik, Kunst und Sport:
    Die Schule ist eine Schule für ALLE Kinder - und da geht es nicht nur um die Förderung sprachlicher und logisch-mathematischer Kompetenzen und Intelligenzen. Alle Kinder können etwas - aber nicht alle können Deutsch oder Mathe. Wir hatten bei uns eine, die UNSÄGLICH schlecht in Mathe war, egal, wie viel Zeit und individuelle Förderung man investierte - in meiner Tanz-AG war sie Göttin.
    Und so ist sie am Ende des Tages mit den Gefühl nach Hause gegangen: Hey, ich kann was!

    Und scheiß drauf - die wird sicher nie Verwaltungsangestellte - aber wenn sie in 10 Jahren bei DJ-Bobo tanzt, dann hat sie was erreicht.
    Kompetenzen erkennen - und fördern. Den Kindern Mut machen - Selbsteinschätzung fördern und auch ein vielfältiges Angebot machen, das sie in dem reizüberfluteten - und gleichermaßen tristen Zu Hause - oft nicht haben.

    04.06.2008, 16:54 von Dunnagh
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    bravo.

    04.06.2008, 15:25 von Morgenrot
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    Bei uns am Gym gibt es Spanisch ab der 7. Klasse.

    Guter Text und ich kann auch viele Lieder singen was Kinder Eltern Schule und dann noch LEBEN betrifft!

    04.06.2008, 12:51 von freddie
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    Den Text konnte ich jetzt leider nicht zuende lesen, weil mich schon die erste Hälfte maßlos aufregt. Schön, dass es die guten alten Lehrerklischees jetzt auch bis nach NEON geschafft haben.

    Vorab: Zum Dialekt in der Grundschule kann ich nix sagen, da weder in Gelsenkichen ( wo ich zur Grundschule ging) noch am Niederrhein (wo ich Kinder unterrichtete) Dialekt in der Schule eine Rolle spielte.

    Abgesehen davon ist der größte Teil des hier dargestellten Sachverhaltes gröbster Unfug, der klassisch wieder gibt, womit sich Lehrer (!!) heutzutage rumschlagen müssen: Mit Eltern, die auch ohne Studium, auch ohne intensive Ausbildung meinen, nicht nur über Erziehung, sondern auch über Bildung alles zu wissen. Das alles sind wahrscheinlich auch gleichzeitig noch Psychologen, Philosophen und Soziologen. Alles Wunderkinder… ähh… Wundereltern. Das erste (Erziehung) wird leider nur zu häufig vernachlässigt: Weder erlernen die Kinder oft Pünktlichkeit, weil schon Mama ihren Arsch morgens nicht aus dem Bett bekommt, noch lernen sie, dass man gewisse Dinge eben erledigen MUSS, egal, ob sie einem Spaß machen oder nicht. Ansonsten landet man später auf dem Scheiterhaufen der Arbeitslosigkeit, auf dem man sich so lange alles erlauben kann, bis Zahlungen gestrichen werden und man von Lebensmittelgutscheinen einkaufen geht, weil man noch nicht mal den 1-Euro-Job angetreten ist (warum auch? Keine Lust).
    Schön, dass hier noch mal prima dokumentiert wird, dass einige Eltern zu Hause also genau DAS boykottieren, was die Kinder erzieherisch wenigstens im Ansatz auf eine spätere berufliche Zukunft vorbereitet. Hausaufgaben? Wozu auch?

    Das Thema Ver. Ausgangsschrift… tja, ich bin Mathe/Sachunterrichtsmann – mir hat sich das auch nie erschlossen – ehrlich gesagt, find ich die lateinische eh besser. Wenn ich aber in meiner jetzigen Tätigkeit als Berater für Jugendliche (Beruf, Schule) oft sehe, mit welchen Schwierigkeiten einige hier in gemalten Druckbuchstaben ihre Kontaktdaten auf nem Formular eintragen, schreit alles in mir: „Ab, zurück in die 3. Klasse! Schreibschriftlehrgang auf. 1. Seite: das „l““

    Und da sind wir auch schon beim schulischen Werdegang: Vielleicht ist das in Bayern anders – aber hier in NRW entscheidet nicht der Notenschnitt über die schulische Zukunft. Hier entscheidet zu 90% das Lernverhalten. Und DAS schlägt sich natürlich auch in den Noten nieder. Jemand, der nicht selbständig lernen kann, hat auf einem Gymnasium nix verloren, weil da eben nun mal keiner mehr neben einem steht und einem zeigt, wie man das rechnen muss. Friss oder Stirb. Vielen dank, Gymnasium. Die praktisch orientierte Hauptschule ist für viele Kinder die einzige Möglichkeit, auch noch spät zünden zu können! Lieber den Weg über Haupt/ Realschule gehen und später Abi machen (Der Weg steht jedem offen) als anders herum auf dem Gym zu versagen und den Stempel „ich kann nix“ GANZ tief zu schlucken.

    Und: „MACH DAS JETZT DOCH EINFACH SO“ Vielen dank, dass das Kind JETZT schon in der Grundschule das großartige Formeldenken beigebracht bekommt. Klar gibt’s Abkürzungen – die gibt es ja immer – aber der WEG dahin ist das in der Mathematik entscheidende. Wenn man den Weg jederzeit allein wieder finden kann, DANN sollte man auch die Abkürzung nehmen.

    Dir, liebe Themenerstellerin, hätte ich eine Grundschullehrerin für Dein Kind gewünscht, die dir das alles (weniger erzürnt) verständig hätte erklären können.

    04.06.2008, 12:22 von Dunnagh
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      @Dunnagh Das Fazit hab ich jetzt doch gelesen:

      Ich unterschreibe 100%ig.
      MEHR Lehrer - eine BESSERE Ausbildung (viel praxisorientierter bitte) und KLEINERE Klassen.
      Dass finanziell benachteiligte Eltern (oder allein erziehende) auch hier benachteiligt sind - ist leider nur allzu klar. Schulen tun bereits SEHR viel (nachmittagsprogramme etc.), um das so gut es geht auszugleichen. Leider wird von Elternseite immer mehr gefordert, von Frau Sommer (NRW-Barbie) aber immer mehr gekürzt.

      04.06.2008, 12:26 von Dunnagh
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      @[Benutzer gelöscht] Das Fachliche? Was genau? Meine Deutschkurse über Hermann Hesse hab ich in der Grundschule nicht gebraucht. ICh hätt mir an der Uni locker 6 (von 6) Semester sparen können. Dafür lieber noch 4 Jahre Referendariat MIT Seminar, aber OHNE 10 goldene Regeln des Grundschulunterrichts und OHNE Prüfungstag (der gar nix aussagt, wenn man 2 Jahre gut gearbeitet hat).

      04.06.2008, 13:28 von Dunnagh
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      @[Benutzer gelöscht] Ich denke, dass es sich bei zzebras Beschreibung absolut nicht um eine Überzeichnung handelt!

      Danke für diesen Einblick, der meine Eindrücke, die auf bitteren Erzählungen diverser LeherInnen im Freundes- und Bekanntenkreis und auf etlichen Hausaufgabenbetreuungshöllen im Rahmen meiner früheren Arbeit in der stationären Kinder- und Jugendhilfe beruhen, wunderbar grausig auf den Punkt bringt.

      Und: toll geschrieben!

      04.06.2008, 11:52 von AnnaEcke
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      @[Benutzer gelöscht] hab ich nicht angezweifelt. ^^

      04.06.2008, 13:23 von AnnaEcke
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