NeoZed 11.12.2009, 12:11 Uhr 78 7

Sprachelite

Wie sich hier einige zu Rittern der Sprache erheben

Ich selber zähle mich nun wirklich nicht zur Sprachelite, traue mir aber dennoch zu, Texte zu verfassen und sie hier und da der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob diese dann irgendwelchen schriftstellerischen oder journalistischen Ansprüchen genügen oder nicht. Es ist mir auch ehrlich gesagt egal weil ich kein Autor oder Journalist bin.
Ich erlaube mir aber, die Kommentare zu vielen Artikeln hier - wenn auch nicht objektiv - zu beurteilen. Mir fällt auf, dass es hier unheimlich viel Autorenbashing betrieben wird.
Bevorzugt sind persönliche Texte, besonders Texte zu sehr emotionalen Erlebnissen. Da wird dann der Artikel auf orthographische, grammatische oder stilistische Unzulänglichkeiten geprüft. Ich habe damals (zugegeben nur im Deutsch Grundkurs) gelernt, Texte zu interpretieren. Es ist spannend herauszuarbeiten, welche Intention der Autor beim Schreiben des Textes wohl gehabt haben mag. Nur auf formale Dinge zu achten halte ich für oberflächlich.
Aber anstatt sich damit zu befassen, haben es sich wohl etliche User zur Aufgabe gemacht, alle Texte auf die formalen Dinge zu reduzieren und auf den aufgestöberten Unzulänglichkeiten herum zu reiten.
Sie machen sich vermutlich auch keine Gedanken darüber, was sie mit ihren Kommentaren anrichten. Es mag hier sensible Menschen geben, die sich überwinden und einen Text einstellen. Vielleicht Artikel, in dem sie über Gefühle und Emotionen schrieben, über Dinge, die sie tief in der Seele bewegen.
Und dann kommen so ein paar sprachlich Elitäre daher, denen der Inhalt völlig egal zu sein scheint und lassen kein gutes Haar an dem Text. Formal mögt ihr ja vielleicht im Recht sein. Aber muss man das immer so heraushängen lassen?
Gut, es gibt Artikel, die anstrengend sind wenn man sie liest. Es ist schön, wenn das ein oder andere Satzzeichen an der richtigen Stelle steht oder der Autor die Funktion der Shift-Taste kennt. Aber wenn einem Leser soetwas so sauer aufstößt, kann man nicht trotzdem freundlich dabei bleiben und sich sarkastische Ausbrüche einfach schenken?
Ja, in diesem Text wird vermutlich auch wieder der ein oder andere Fehler versteckt sein. Wer sie findet, kann sie gerne behalten und sich an ihnen erfreuen. Aber nehmt doch in Herrgotts Namen auch den Inhalt der Artikel wahr und überlegt eine Minute, ob ein Fehler-um-die-Ohren-hauen wirklich nötig ist oder ob man darüber auch mal hinwegsehen kann. Wenn man sich denn unbedingt über formale Dinge auslassen muss, warum geht das dann nicht freundlich?
Mein Wunsch zu Weihnachten an Euch: Etwas mehr Verständnis für die Intention des Autors und etwas weniger Bashing, Flaming und ruppige Kommentare. Man kanns auch freundlich sagen! (<--- Da ist auch ein Fehler drin, schon gemerkt?)
Ach und noch etwas zum Schluss: Auch die Rechtschreibprüfung unter Word und/oder Firefox zeigt einem nicht alle Fehler. ;-)

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78 Antworten

Kommentare

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    Ich dachte neulich erst über so jemanden: "Süß. Hält sich für Heidegger, ist aber bloß ein Wühltisch-Bastian-Sick. Damit muss man auch erst leben lernen."

    02.11.2011, 19:00 von MisterGambit
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      Ich mein natürlich Wittgenstein.

      02.11.2011, 19:02 von MisterGambit
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    Ganz ehrlich. Wenn jemand ein paar kleine Fehler hat (wie dein absichtlicher etwa), kann man sich doch, wenn überhaupt, im stillen Kämmerlein ärgern. Oder besser noch, freuen, weil man es gesehen hat und somit der deutschen Sprache anscheinend mächtig ist, sehr gut sogar. Auch wenn das irgendwie arrogant ist.

    Aber wenn sich jemand die Seele aus dem Leib schreibt, achtet derjenige auf Kommas wohl als letztes. Weder der Junge, dessen Mutter gestern gestorben ist, noch die Oma, die von ihrem kleinen Enkel schreibt. Ein netter Hinweis ist manchmal in Ordnung, aber Betonung liegt auf NETT.

    Und zeige mir diese Stock-im-Arsch-Haber - ich finde bestimmt in jedem Text Fehler ;)

    02.11.2011, 18:39 von natece
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    Zustimmung.... durchweg... ich kann nur zustimmen.

    Ich finde ein paar nette Hinweise auf Rechtschreibfehler sind ja ok, aber wenn man zu einem Text nicht mehr sagen kann, als dass da und da und dort sich ein Fehler eingeschlichen hat, dann ist das echt armselig. Es geht vorrangig um Inhalte und wenn den manche hier vor lauter Fehlersuchen nicht verstehen, dann finde ich das echt traurig.

    Texte sollen Emotionen wecken und nicht den Klugscheißer... :P

    04.08.2011, 09:40 von Pinky-1987-
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    Zustimmung!

    11.07.2011, 13:50 von Malsehen
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    Ich kann dich beruhigen, denn du wirst meinen schriftstellischen Anforderungen gerecht. Toller Text!

    03.12.2010, 14:46 von Wald-Apothekerin
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    Also ich persönlich schließe mich vollkommen deinem Text und deiner Meinung an !!

    Finde es auch einfach bloß "lächerlich" wie hier manche auf Kleinigkeiten rumreiten können ...

    18.12.2009, 14:15 von Autofreak
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    Wem es tatsächlich darum geht, Schreiben zu lernen, für den ist jedes Feedback hilfreich. Auch das zugegeben oberflächliche Rumreiten auf Rechtschreibfehlern. Wenn man zu einem Text hauptsächlich solche Kommentar bekommt, gibt es zwei mögliche Schlussfolgerungen: 1) Die Kritiker sind alle anal retentive Pedanten mit bloß mit ihrer Bildung protzen wollen. 2) Mein Text hat es leider verabsäumt inhaltlich ausreichend Spannendes zu bieten, um von diesen Technikalitäten abzulenken. Produktiver ist es oft, zweiteres anzunehmen.

    Bei Texten, die es schaffen, interessante Fragen aufzuwerfen, werden hier erfahrungsgemäß auch hauptsächlich diese diskutiert und die vereinzelten Rechtschreib-Retter verhallen im Stimmgewirr. Gerade bei den hier erwähnten eher emotional orientieren Texte weckt der Inhalt halt bei mir oft überhaupt keine Resonanz, weil ich ihn abgedroschen und die dahinter stehende Pose affektiert finde und ein Hinweis auf Rechtschreibfehler wäre noch das Freundlichste, was ich dazu äußern könnte. Kein Kommentar zum Inhalt ist auch ein Kommentar zum Inhalt. Ich schreibe dann eben gar nichts.

    Wir sollten nämlich mal auf aufhören, so zu tun, als ob man davon ausgehen könnte, dass es allen hier auf Neon vordergründig ums Schreiben geht. Klar kann man Neon als Übungsparcours für schriftstellerisch Ambitionierte sehen, die so erste Erfahrungen mit einer lesenden Öffentlichkeit sammeln können. Muss man aber nicht. Für viele hier hat das hier eher die Funktion einer Selbsthilfgruppe: es geht darum, die eigene Seele auszuschütten, und dann ein paar liebe Worte dafür zu bekommen. Ist doch auch legitim. Ich finde nicht, dass solche Leute auf Neon nix verloren lassen. (Und die Voyeurin in mir liest hin- und wieder auch ganz gern mal nur in anderer Leute Tagebuch).

    Ich finde, es ist meistens relativ leicht ersichtlich, ob es einem beim Schreiben eher um die therapeutische Funktion oder das Erlernen des Handwerks geht und ich halte es für zeit-energie-und nervenschonend und daher allgemein begrüßenswert, wenn die therapeutisch Schreibenden mit Feedback verschont, das sie weder wollen noch brauchen.

    18.12.2009, 09:50 von sohalt
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      @sohalt Eben! Da bin ich ganz deiner Meinung.

      Natürlich sollten Texte einigermaßen gegliedert sein und nicht vor Rechtsschreibfehler triefen. Einfach um das lesen zu erleichtern. Aber ganz ehrlich, nicht jeder nutzt neon, um hier von "Möchtegern-Autoren" kritisiert zu werden. Manchmal möchte man vielleicht auch einfach nur einmal etwas "loswerden", die Gedanken aufschreiben und vielleicht ein paar hilfreiche Tipps zum Thema (!!!) bekommen.

      Wer sind diese ganzen Leute hier eigentlich, dass sie denken, vorschreiben zu können, wofür diese Seite genutzt werden muss?

      Ich habe auch einmal einen kleinen Text eingestellt, einfach, weil es mir gut getan hat, meine Gedanken aufzuschreiben und das nicht nur für mich im stillen Kämmerlein, sondern dort, wo es auch andere Leute lesen können. Denn ich lese solche Dinge auch gerne... Ich hätte meinen Text auch an eine Hauswand pinseln können, aber da hielt ich neon dann doch für geeigneter. Dies sollte ich wohl noch einmal überdenken. Auch wenn ich bisher von bösen Kommentaren zu Rechtschreibung, Reimschemata oder ähnlichem verschont geblieben bin... (Nein, das soll kein Aufruf sein dies nachzuholen!)

      Manchen Menschen, wie auch beispielsweise mir, tut es einfach gut, dieses "therapeutische Schreiben" wie sohalt es nennt.

      So macht das doch echt keinen Spaß , wenn alles, was man als Laie hier schreibt, sofort in der Luft zerrissen wird.

      Ich finde konstruktive Kritik wirklich gut. Aber, mal ernsthaft Leute, findet ihr eure Kritik wirklich noch konstruktiv?

      17.11.2010, 14:31 von .miezekatze
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    Es ist wohl eine Charakterfrage, ob man Kritik sachlich überbringen kann, oder ob einen das schon überfordert.
    Ob man einen Artikel überlesen kann, oder ob man ihn mit Kommentaren zumüllt. Manche hier scheinen von dieser Aufgabe chronisch überfordert zu sein.
    Sind aber im Grunde immer die gleichen Gestalten.
    Unkraut vergeht eben nicht.

    15.12.2009, 11:39 von Souljabeatz
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    Wenn schreiben wie backen wäre, dann wäre die Rechtschreibprüfung der Backvorgang im Ofen:

    Möglicherweise wäre ein super Text/ Kuchen rausgekommen. Aber ohne gewisse Basics gehts nun mal nicht.

    14.12.2009, 17:48 von Dunnagh
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      @Dunnagh Aber sollte man gemein werden dürfen und unsachlich? Ist es cool zu sagen, dass alles scheiße ist, sich mit geballter Faust knipsen zu lassen und dann voll drauf abzugehen? Es ist witzig, dass das von mir kommt aber ich schätze Höflichkeit. Immer. Ist auch gar nicht schwer. Du machst es doch auch nicht anders Mäusi.

      14.12.2009, 21:58 von Yeezabel
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      @Yeezabel Leider hat dieser Kommentar mit meinem nix zu tun - mir gehts nicht um die inhaltliche Kritik - und darum gehts ja auch in dem Text oben nicht - sondern um die sprachliche Richtigkeit. Und die sollte dir auch wichtig sein.
      Ja, ich bin höflich.

      Du warst es in diesem Kommentar leider nicht.

      Und es gibt eben hier sehr viele verschiedene Ansichten über die Art und Weise wie man miteinander umgehen sollte - die einen (ich) sagen: "Textkritik sollte adressatenbezogen sein, damit die Kritik auch ankommt" - die andern sagen "Textkritik ist nun mal Kritik von MIR - und damit äußere ich die auch so, wie ich mich sonst äußern würde".

      Einen Mittelweg wird man den Leuten nicht aufzwingen können.

      15.12.2009, 10:04 von Dunnagh
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      @Dunnagh Ähm nein?

      "Es ist spannend herauszuarbeiten, welche Intention der Autor beim Schreiben des Textes wohl gehabt haben mag. Nur auf formale Dinge zu achten halte ich für oberflächlich.
      Aber anstatt sich damit zu befassen, haben es sich wohl etliche User zur Aufgabe gemacht, alle Texte auf die formalen Dinge zu reduzieren und auf den aufgestöberten Unzulänglichkeiten herum zu reiten."

      So steht es geschrieben. Und genau das meine ich doch auch. Den Fokus wieder mehr auf Inhalte setzen. Sich Mühe geben den anderen zu verstehen. Und wenn ich das nicht möchte ist es ok aber es ist unfair jemanden auf falsche Kommasetzung, etc. zu reduzieren. Es ist auch ok, wenn es einer sagt aber wenn sich da 100 andere unsachlich auskotzen nervt es. Fastehste!?

      Ich würde mir mehr Pathos, mehr Interpretation, mehr Geist wünschen. Zuviel? Ach und ich will damit nicht sagen, dass ich immer total geistreiches Zeug zu sagen hätte aber wo anfangen, wenn nicht bei sich selbst.

      @Ludwig Martin: Gott! Das hat ich mich jetzt echt getroffen. Au! Was kann ich tun um wieder in deiner Gunst zu stehen? Die Klappe halten? Deiner Meinung sein? Man weiß es nicht.

      15.12.2009, 17:57 von Yeezabel
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      @Yeezabel
      ;-)

      16.12.2009, 15:11 von LudwigMartin
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