JacksonCannery 04.04.2007, 19:06 Uhr 10 5

Noch Fragen?

Die ersten verwirrenden Wochen an der Uni sind geschafft. Jetzt wirds ernst! Der erste Vortrag.

Der erste Tag an der Uni. Ich sehe ihn vor mir, als wäre er erst letzte Woche gewesen. Ich stehe schon zehn Minuten zu früh an der Bushaltestelle und warte auf die Linie 18. Fremde Stadt, fremde Menschen, sogar der fremde Busfahrer scheint aufzufallen. Noch gehts mir gut. Ein letzter Blick in den Campus-Plan. Auditorium Maximum: Hört sich groß an. Allerdings! Da sitze ich nun in einem riesigen Vorlesungssaal und blicke in Hunderte von verwirrten Gesichern. Erleichterung? Äh, nein! Es geht los. Der Universitätsdirektor tritt vor und heißt uns herzlich willkommen. Nett? Vielleicht. Ich mag ihn nicht. Wir werden aufgeklärt, wie dringend die Universität auf Semesterbeiträge und Studiengebühren angewiesen ist, warum man uns auch als Kunden bezeichnen könnte und wie sinnvoll ein Studium heutzutage ist, oder eben nicht. Na, herzlich willkommen.

Das Schlimmste ist jetzt mehr oder weniger überstanden. Man trifft immer öfter bekannte Gesichter auf dem Campus, weiß wo man den Studentenausweis in der Mensa einschieben muss und findet die Vorlesungsräume, ohne einige Minuten in einem fremden Raum zu sitzen und den Zusammenhang zwischen mittelalterlicher Musikgeschichte und Paradigmen im 18. Jahrhundert zu suchen.
Das Schlimmste ist überstanden? Von wegen. Wie konnte ich vergessen, dass man als Student ein wenig mehr tun muss als ausgeschlafen in Vorlesungen zu erscheinen, nett zu lächeln und ein paar Stichpunkte mit zu notieren. Das erste Referat steht an. Thema: Musikethnologie. Interessant. Die Erleichterung ist groß, als mich eine Kommilitonin fragt, ob ich das Referat gemeinsam mit ihr machen wolle. Klar. Gemeinsam schafft man alles, oder nicht?

Nach fünf Wochen Arbeit beziehungsweise Bearbeitungszeit ist es soweit. Donnerstag, 15:45 Uhr. Letzte Vorbereitungen. Handouts kopieren, Overhead-Projektor überprüfen, den Text durchgehen, der letzte Blick in den Spiegel. Der Raum füllt sich langsam. Na super, sonst fehlt der hälfte Kurs und heute sind kaum noch Plätze frei.

Alles ganz cool. Wir führen in das Thema ein. Interessierte Blicke. Gut. Weiter gehts...oder auch nicht: Die Kommilitonin gerät ins Stocken. Soll ich helfen? Nein, lieber nicht. Ich warte brav, bis ich dran bin. Könnte ich überhaupt helfen? Gerade hängts sehr. Vielleicht sollte ich doch. Der Dozent greift endlich ein. Glück gehabt. Verwirrte Blicke. Die Aufregung wird um einiges größer, ebenso wie die Anzahl der Versprecher und die Dauer der Denkpausen. Es wird unverständlich. Verdammt, bin ich jetzt aufgeregt. Wie gut, ich bin dran. Hmm, was passiert nochmal, wenn ich aufgeregt bin? Ach richtig: Ich spreche schnell. Je nervöser, desto schneller. Ich bin sehr nervös.

Und so erzählen wir nun schon seit mehr als einer Stunde von "behinderten Quinten", "gesingten Liedern" und "terzverwandten Familien". Oh nein. Weg hier. Schnell. Irgendwann sind wir endlich fertig. Fehlt nur noch die obligatorische Schlussfrage. "Noch Fragen oder Unklarheiten?" Scheint nicht der Fall zu sein. Einige Minuten Schweigen. Ist das peinlich. Mehr geht mir gerade nicht durch den Kopf. Ich schaue rüber zur Kommilitonin, sie schielt zurück und wir brechen in ein Riesengelächter aus und kaum später der ganze Kurs mit uns. Nur der Prof scheint das nicht ganz so lustig zu finden. Hmm, recht hat er.

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10 Antworten

Kommentare

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    Das Problem mit dem schnellen Sprechen, kenn ich nur zu gut...Naja, aber so lange man hinterher noch früber lachen kann(;

    22.04.2007, 12:56 von Katha90
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    :D ... viel erfolg noch...

    13.04.2007, 15:53 von EROSS
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    Sehr schöner Text!
    Kann ich mich auch nur zu gut wiederfinden... Du machst mir bloß ein bisschen Angst vor meinem mir bevorstehenden Unistart. Aber eins steht fest: Vorträge halt ich lieber zu zweit. Sofern ich es schaffe, jemanden zu fragen...

    12.04.2007, 16:08 von lilting_purple
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    Ohje, schon schrecklich, wenn man bemerkt, dass man die Zügel der Nervosität verloren hat.
    Aber da muss man durch, in der Hoffnung, dass es beim nächsten Mal besser wird. Und das wird es!

    11.04.2007, 15:57 von Mittsommernacht
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    Wie heißt es so schön? Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Macht dich sympathisch. Meiner Meinung nach zumindest.
    Das nächste Mal wird sicher besser...
    Viele Grüße!

    11.04.2007, 00:21 von die-da
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    Hey, wann ist das erste Mal schon richtig klasse *g* Und so lange man über sich selbt lachen kann?
    Alles Gute und viel Erfolg beim zweiten Referat ;)

    10.04.2007, 20:00 von Kuestentini
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