Bausparvertrag 30.11.-0001, 00:00 Uhr 3 0

Lehrereignung & der sprechende Hut

oder: - „You’ll never be an architect“ (Professor Vinick) -

Ein Kommentar zum aktuellen Bildungsreport (vom 28. März 2015).


„Kommt man als geborener Lehrer auf die Welt und muss nur herausfinden, ob es so ist?“

Diese hochwissenschaftlich anmutende Leitfrage zeugt schon von der herausragenden inhaltlichen Qualität des aktuellen Bildungsreports. Vorweg eine gute Nachricht für alle Lehramtskandidaten an der Uni Hamburg: Dort setze man nämlich eher auf die zweite Möglichkeit, nämlich, dass es sich um etwas handele, „was man lernen kann und lernen muss“.

Da haben wir ja nochmal Glück gehabt. Wir dürfen unseren zukünftigen Beruf ERLERNEN! Damit unsere Ausbildung auch Früchte trägt, wurde die Uni Hamburg (und 18 weitere Unis) für die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ ausgewählt. Und das obwohl der Name des Konzepts der Uni Hamburg „alles andere als sexy“ klinge („Professionelles Lehrerhandeln zur Förderung fachlichen Lernens unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen“ - das überfordert den NDR und den durchschnittlichen Rezipienten) UND obwohl die höchstens mittelklassige Universität in der Vergangenheit ja eher durch „markige Sprüche ihres Präsidenten“ und nicht durch herausragende Leistungen aufgefallen sei! Liebe Mitarbeiter, Lehrende, Studenten und Kommilitonen: Wir sollten uns wirklich schämen: Wo wir doch eine solch großzügige finanzielle Unterstützung erhalten, haben wir es immer noch zu nichts gebracht!

Die Uni Passau hingegen hat die Förderung trotz ihres genialen „Parcours für angehende Lehrer“ noch nicht erhalten. Welche Bodenlosigkeit! 

Bei dem Parcours handelt es sich um ein 8-stündiges Assessment-Center, das vor dem Studium auf freiwilliger Basis besucht werden kann. Das Assessment-Center beinhaltet vier praktische Übungen und drei theoretische Übungen, unter anderem einen IQ-Test. Der leitende Professor, Herr Seibert, ist ein sehr weiser Mann, denn er kann am Ende des Tages beurteilen, wer für den Lehrerberuf geeignet ist und wer nicht. Also weg mit den Hattie-Studien und den ewigen Diskussionen um Lehrerpersönlichkeit! Es ist nämlich ganz einfach: „Ein guter Lehramtskandidat ist neugierig, aufgeschlossen, wissbegierig, offen, schülerorientiert, kritikfähig, gewissenhaft.“

Doch es gibt immer wieder Studenten (ca. 20 Prozent), die den Anforderungen nicht entsprechen. „Und die erkennen wir am Ende eines Tages.“ Auch Aufgaben zur ultimativsten Herausforderungen des Lehrerberufs (Inklusion) werden gestellt, so dass man direkt erkennen kann, wer später damit umgehen kann oder nicht! Wie praktisch! Ein sprechender Hut für die Lehrereignung!

Umso bedauernswerter ist es, dass sich das Kulturministerium gegen eine Verpflichtung dieses Assessment-Centers ausgesprochen hat. Herr Seibert missbilligt diese Entscheidung. Es müsse schließlich im Sinne des Ministeriums sein, dass die Schüler die richtigen Lehrer bekommen, denn „die, die nicht geeignet sind, sind irgendwann dem Burnout verfallen“ und kosteten den Staat viel Geld.

Was den Studenten häufig fehle, sei eine klare Berufswahlmotivation. Das könnte man unter der Voraussetzung, dass dies sicherlich nicht nur auf den Berufswunsch Lehrer zutrifft, so stehen lassen. Für die nachfolgende Botschaft sollte man sich lieber hinsetzen. Viele würden sich für das Studium entscheiden „weil vielleicht alles andere zu schwierig oder zu kompliziert war.“

Erwischt. Ich gebe zu, so ein grundständiges Biologiestudium, oder Erziehungswissenschaftsstudium, oder Romanistikstudium…. das wäre viel zu anspruchsvoll für mich geistig minderbemittelte Lehramtsstudentin. Der IQ-Test würde das sicherlich bestätigen, deswegen mache ich so einen lieber nicht…sonst bekomme ich noch Minderwertigkeitsgefühle und werde depressiv und das wollen wir ja alle nicht, da ich zur ernsthaften Gefahr für die ganze Bevölkerung werden könnte.

Stattdessen habe ich mich für dieses tiefenentspannte, von jeglichen Begleiterscheinungen der modernen Leistungsgesellschaft abgeschirmte und anforderungsfreie Lehramtsstudium entschieden, das alle oben genannten Fachrichtungen umfasst. Ganz easy. Man guckt sich ein paar Filmchen über guten Unterricht an und probiert dann am Ende des Studiums vielleicht mal aus, einen solchen zu halten. Und wenn’s dann nicht klappt - tja, hätte man lieber mal das Assessment-Center besucht!

Ich bin zumindest tiefst beeindruckt von Herrn Seibert und werde mir jetzt einen Einzeltermin bei ihm machen, damit ich weiß, ob ich später an Burnout erkranke oder nicht. Der sprechende Hut und Professor Vinick haben sich ja auch niemals geirrt... stimmts? ;-)

 

Den Podcast gibt’s zum Nachzuhören auf:

https://www.ndr.de/info/podcast2984.html

 

 


Tags: Lehramtsstudium, Lehrerausbildung, Uni Hamburg, Uni Passau, Lehrereignung
3 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    Die deutschen
    Universitäten in den meisten Bundesländern sind traditionell frei für
    deutsche Staatsbürger sowie viele Ausländer, darunter viele
    amerikanische, chinesische und britische Studenten.
    Ein Grund, warum die deutschen Steuerzahler die Rechnung tragen, ist, dass sie mehr Fachkräfte für das Land gewinnen.
    Writer at
    https://thetermpapers.net/, Saul D. Anderson.

    25.06.2018, 12:33 von SaulAnderson
    • 0

      Unsinn! nicht jeder Staatsbürger wird zu Uni zugelassen. Es wird vorher sozial selektiert. 

      25.06.2018, 13:27 von green_tea
    • Kommentar schreiben
  • 0

    die eingangsfrage zielt darauf ab, dass der deutsche staat möchte, dass sich eine lehrergeneration in die nächste fortpflanzt. hauptaufgabe ist die selektion unerwünschter proletarischer elemente im gymnasialen umfeld (unter der schülerschaft, später dann nochmal bei den referendaren). soziale selektion, nicht bildung, als hauptaufgabe. 

    24.06.2018, 16:23 von green_tea
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare