rumpelhannes 30.11.-0001, 00:00 Uhr 95 2

Hauptschule abschaffen!

Die Hauptschule - eine staatlich verordnete Zwangs-Ghettoisierung?

Die Reaktion von Medien und Politikern auf die Gewaltprobleme in der Berliner Rütli-Hauptschule sind so einfallslos wie alt bekannt: Alles wird immer schlimmer, gewalttätiger, die Jugendkriminalität ist ein Ausländerproblem, die Integration ist gescheitert; abschieben, Deutsch lernen, setzen – sechs.

Warum auch sollten wir in Deutschland - dem Land der Dichter und Denker – dem Hauptverantwortlichen der PISA-Studie glauben? Warum sollten wir auf den UN-Bildungskommissar oder die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft hören und endlich Schluss machen mit der dreigliedrigen Schule? Lasst uns mit Tempo 100 den Karren endgültig gegen die Wand fahren!

Gerade in Berlin, wo teilweise nur 10% eines Jahrgangs die Hauptschule besuchen und zugleich 20% arbeitslos sind, stellt die Hauptschule eine massive Stigmatisierung dar. Wer dort zur Schule geht hat keine Chance mehr, im Leben weiterzukommen. Aber wir machen immer weiter: ignorieren, selektieren, ausgrenzen.

Skandinavien macht uns vor, dass es auch anderes geht. Eine Schule in der alle zusammen lernen? In der niemand sitzen bleibt? Wo jeder einen ganz individuellen Lernplan hat? Wo über 50% Abitur machen und dies sogar bezogen auf den Arbeitsmarkt noch viel zu wenige sind? Nein dies ist keine spinnerte Heile-Welt-Utopie, sondern Realität in Schweden und Finnland. Nun kommt bestimmt der Einwand: Aber wie soll dass bei einem so großen "Ausländeranteil" wie in Berlin-Neukölln funktionieren? Auch dies funktioniert z.B. in Stockholm. Die Gegner einer Schule nach skandinavischem Vorbild sprechen von Einheitsschule und denken an die vielen gescheiterten Gesamtschulprojekte, über die Gruselmärchen die Runde machen. Sie haben den Sinn von individueller Förderung nicht begriffen. Denn die skandinavische Schule hat fast nichts gemein mit der uns bekannten Gesamtschule.

Wer Menschen ausgrenzt, stigmatisiert und ghettoisiert muss sich nicht wundern, wenn diese kriminell werden und sich nicht in die Gesellschaft integrieren, weder bei uns noch in Frankreich. Nein ich bin auch dafür der Gewalt in den Schulen entschlossen entgegen zu treten, aber wie heißt es so schön: „fordern und fördern“. Oder doch lieber immer weiter ausschließlich fordern?

Warum haben wir so ein veraltetes Bildungssystem, was ist anders in Skandinavien? Ich bin davon überzeugt, es liegt an unserem in Deutschland dominierenden Menschenbild: Der Mensch (also das Kind oder der Jugendliche) sei von Natur aus faul, lerne nur ungern und sei wenig wissbegierig, daher brauche es Disziplin und Druck. Was nachgewiesenermaßen Schwachsinn ist, ein Relikt aus dem vorvorletzten Jahrhundert! Kein Wissenschaftler bestreitet mehr, dass Kinder von Natur aus lernen wollen. Meist wird dieser natürliche Drang erst in der Schule zerstört.
Solange sich an diesem Menschenbild nichts ändert, wirds auch mit der Bildung nicht besser und hat dieses Land keine Zukunft.

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95 Antworten

Kommentare

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    Nur durch die Abschaffung der Hauptschule wird doch das Problem nicht gelöst! Dann sind die "Problemkinder" eben auf einer anderen Schule und mischen da kräftig auf.
    Wo eh alle vom hochgelobten Skandinavien sprechen und von stärkerer Individualförderung: man sollte eher da ansetzen und die Lehrer besser unterstützen bzw ausbilden.
    Ich persönlich halte viel von zwei "Lehrern in der Klasse" - einem der Frontalunterricht macht (damit meine ich, den Stoff für die ganze Klasse erklärt) und einen "Lernhelfer", also eine Person die vom Stoff genausoviel Ahnung hat, jedoch zwischen den Schülern sitzt und ihnen hilft wenn sie nicht weiterkommen. Das nenne ich individuelle Unterstützung beim Lernen!

    Mal abgesehen davon find ich das dreigliedrige Schulsystem garnicht so dumm. Jeder wird im Idealfall nach seinen Möglichkeiten gefördert und kann - was irgendwie zu oft vergessen wird - auf eine höhere Schule kommen, wenn er zeigt, dass er das Zeug und die Motivation dazu hat.
    Keiner muss in Deutschland sein Leben lang an der selben Stelle stehenbleiben; eigentlich kann sich das auch keiner mehr leisten, oder?
    Außerdem braucht das Land nicht nur fachidiotische Akademiker, die nur theoretisieren, sondern auch Menschen, die mit ihren Händen was arbeiten. Was verdammt nochmal auch harte und ehrliche Arbeit ist!!

    28.03.2007, 17:55 von juhulia
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    EIgentlich nicht falsch. Das dumme ist nur, dass nicht nur die Duetschen ein falsches Bild von jungen Menschen haben, sondern diese auch von sich selbst.
    Denn Gewalt dominiert nicht nur an Hauptschulen den Tag. Nein nein, das ist bereits in der Grundschule oftmals so. Das Problem mit der Gewalt wird nicht davon gelöst dass man Hauptschulen abschafft.
    Wenn sich sonst nichts ändert am deutschen Schulsystem dann halte ich das sogar für gefährlich. Denn es existiert praktisch keien individuelle Förderung. Keine persönlichen Lehrpläne und kein integriertes Lernen. Ich sehe daher zur Zeit die Gefahr, dass die besseren Schüler auf der Strecke bleiben könnten. Und die müssten schließlich auch gefördert werden. Und gefordert.

    12.03.2007, 13:35 von ZoZe
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    ist es sinnvoll hier einen schuldigen zu suchen? die gibt es zu hauf. heute wird kindern nicht mehr beigebracht dass es für sie sinn macht, wenn sie in die schule gehen und einen entsprechenden abschluss machen. heute wird nur noch von der zukunft gesprochen, wenn es darum geht, dass der landesweite mathetest am anfang der 10. klasse is oder dass die schulaufgabe in drei wochen ist.
    aber es stimmt schon, wer auf der hauptschule ist, landet in vielen fällen in einem gewissen ghetto, bedient sich eines slangs, der für jemanden der hochdeutsch spricht schon gar nicht mehr verständlich ist. ich finde die idee einer schule für alle allerdings nicht gut (liegt das daran dass ich aufm gymnasium bin?). ich fände es eher besser die grundschule zu verlängern und nach dieser grundschule eine deutlich größere vielfalt an weiterführenden schulen und deren themen (zB medizin, kunst, musik etc.) auszurichten. schüler scheitern heute daran, dass sie dinge bis ins kleinste detail verstehen und anwenden können müssen, die sie für sich selbst abgehakt haben, weil sie die einfach nicht brauchen. deutschland hat probleme, auf die man nicht einfach die skandinavischen lösungen legen kann. wie wärs mal mit ner reform? einer wo alle mitreden können.

    19.01.2007, 09:16 von jeli13
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    Da kann ich dir nur zustimmen !
    Guter Kommentar!

    13.08.2006, 17:55 von murphyxl
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    das lustige daran ist, dass finnland und schweden das schulsystem der ddr übernommen hat und westdeutschland alles umgetellt hat ohne mal zu überlegen, ob das sooo schlecht war... das westsystem war gut, 3 schularten mussten her und jetzt haben wir den salat!!!!!!!!!!!1

    01.06.2006, 10:05 von freakykathi
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    Hauptschule muss nicht abgeschafft werden es reicht wenn die Gesellschaft ihre Meinung zu dieser Schulform ändert. Und die Lehrer sich mehr für die Probleme interesieren

    28.05.2006, 20:40 von kimmet
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    Du hast mit deinem Artikel schon Recht gesprochen, jedoch solltest du weniger intelektuell Begabte auch miteinbeziehen, oder sollen die ebenfalls in einer pseudo-produktiven Schule, in die dann ja alle eingegliedert werden, lernen.

    Ich denke (wie auch du), dass es ein grosses Problem in der deutschen Bildungspolitik gibt, welches sich nicht rational begründen lässt. Ausländer - ein Begriff, der bereits die Feindlichkeit miteinbezieht.

    21.05.2006, 15:34 von Bernard.Bruck
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    tut mir leid aber ich kann zu deinem text nur eins sagen: schwachsinn
    a) wir sindnicht skandinavien und haben gänlichst andere vorraussetzungen und hintergründe wie kürzlich erst eine kommission aus lehrern welche aus gründen der verbesserung in eben jene skandinavische länder reiste um sich anregungen zu holen: dort wird eine schuel von stellenwqeise gerade mal 120 schülern besucht wohlbemerkt eien komplette schule. hier in der brd werden dies zahlen in 3 klassen eine ajhrgangs erreicht! womit wir schon beim nächsten unterschied wären- der klassenstärke: bei unsern nördlichen nachbaren durchschnittlioch kanpp 15 schüler pro klass ebei uns mit mehr als 30 das doppelte.
    b) in bayern wurden mit dem 3gliedrigen bildungssystem deutlich größere erfolge- und das schon seit langem- erziehlt ls in allen andern bundesländern mit gesamtschulsystem ( und ich gehe jetzt mal nicht davon aus das die bayern einfach schlauer sind...)
    c) die hauptschule sollte nix zum ghetto werden wird dies aber auf grund von gravierenden intergrationsfehlern tortzdem und so ist es schülern die in reinen ausländenr klassen unterrichtet werden in denen die lehrer mehr respekt von ihren schülern haben als umgekehrt uns wie scheibenwischer vor kurzem so trefflich karikierte die lehrer von den schülern lehren um sich durchsetzen zu können und nicht umgekehrt -nämlich türkisch oder russisch. an solchen schulen an denen die integration deutlichst versagt hat ist es schwerlichst möglich die hauptschule als das durchzusetzen was sie eigentlich sein sollte-
    eine schule für eher praktisch begabte die eine lehre belegenmöchten und dann praktisch-handwerklich und später als handwerksmeister erfolg haben können

    desweegn pro hauptschule! aber es bedarf einigen reformen,a ber gewiss keiner änderung des3gliedrigen systems

    01.05.2006, 18:00 von da.nagl
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