desidinha 06.01.2011, 11:28 Uhr 10 9

Goofy

„Na, Goofy, was geht?“, schallte es ihr, gefolgt von Gelächter, entgegen, als sie den Raum betrat.

Wie immer reagierte sie nicht auf die Zurufe ihrer Mitschüler, sondern ging mit gesenktem Blick, aber zielstrebig, zu ihrem Platz, um ihren Rucksack abzustellen. Irgendjemand hatte ihr schon wieder einen Zettel geschrieben und diesen, ein zweifach gefaltetes DinA4-Blatt, auf ihren Platz gelegt. Mittlerweile hatte sie es sich abgewöhnt, die Briefe, die auf ihrem Tisch lagen, zu öffnen, weil deren Inhalt sowieso immer ähnlich war.

Nachdem sie ihr Etui, das Mathebuch und das Heft auf den Tisch gelegt hatte, nahm sie den Zettel, um ihn wegzuschmeißen. „Lies doch erstmal, was drin steht“, wurde sie von Marcel, der über beide Backen grinste, aufgefordert, „meine Mama sagt, dass man Post immer erst öffnen soll, bevor man sie wegschmeißt.“ Zum ersten Mal schaute sie an diesem Morgen auf und ihre Augen funkelten wütend und traurig zugleich durch ihre Brillengläser. Ihre Hand ballte sich zur Faust, den Zettel darin presste sie mit aller Kraft zusammen. „Äh...“, setzte sie an, doch dann verschlug es ihr mal wieder die Sprache, als sie in das Gesicht des Jungen blickte. Was sollte sie auch sagen? Es würde ja doch nichts bringen. Am Papierkorb zögerte sie einen Moment, warf das zerknüllte Papier aber schließlich weg.

Wieder am Platz angekommen, merkte sie, dass ihr Matheheft nicht mehr auf dem Tisch lag. Bevor sie sich der Klasse zuwenden konnte, hatte Herr Schmidt, ihr Klassenlehrer, den Raum betreten. „Guten Morgen zusammen“, grummelte er vor sich hin. Jenny wusste, was jetzt kommen würde. „Ich geh mal eben die Hausaufgabenliste durch.“ Sie guckte sich um und versuchte herauszufinden, wo denn ihr Matheheft sein könnte. „Jenny?!“, hörte sie aus weiter Ferne, „was ist denn jetzt? Ja oder nein?“ „Goofy, biste jetzt auch noch taub, oder was?“ Herr Schmidt reagierte mit einem knappen: „Raus, Lara!“ „Ist doch wahr, Mann.“

„Was ist denn jetzt Jennifer, hast du die Hausaufgaben, oder nicht?“ Stumm schüttelte sie den Kopf. Er würde ihr ja doch nicht glauben. Und zugeben, wo ihr Matheheft war, würden die anderen auch nicht. Wahrscheinlich würde es am Ende des Schultages wieder auftauchen. Dann allerdings war es zu spät, die Aufgaben nachzuzeigen. „Ich muss wohl mal wieder wegen deiner Arbeitshaltung bei euch zu Hause anrufen.“ Sie zuckte mit den Schultern und starrte vor sich hin. Aus den Augenwinkeln heraus sah sie, wie Chris lächelte und Felat ihm auf die Schulter klopfte. „Tobi?“, ging Herr Schmidt die Liste weiter durch.

„Schlagt das Buch bitte auf Seite 65 auf und löst dort die Aufgaben 3 bis 5. Ihr habt zwanzig Minuten Zeit. Dann besprechen wir die Lösungen.“ Jenny überlegte fieberhaft, wie sie an ein Blatt Papier kommen sollte. Das Heft war verschwunden, der Block mal wieder leer. Sie meldete sich und Herr Schmidt gab ihr mit einem Nicken zu verstehen, dass sie sprechen solle. Sie stotterte fast: „Hat jemand ein Blatt für mich?“ Niemand reagierte. „Das kann doch nicht wahr sein,“ polterte der Mathelehrer, „Kati gib ihr ein Blatt.“ Widerwillig riss das Mädchen ein Blatt aus ihrem Block und gab es Jenny, ohne sie dabei anzugucken. „Gibt's jetzt auch kein Danke und Bitte mehr? Nach der Klassenarbeit müssen wir uns mal wieder über so Einiges unterhalten.“

Herr Schmidt stand auf und ging zur Tür. Während er sie öffnete, wandte er sich der Klasse zu und ermahnte zur Ruhe. „Ihr habt ja jetzt zu tun. Ich geh mal eben raus und spreche mit Lara. Die Tür bleibt angelehnt und ich will keinen Mucks hören.“ Er verließ den Klassenraum, lehnte die Tür von außen an.

„Ey, Kati“, zischte Felat, leise genug, so dass draußen nichts zu hören sein würde, „biste jetzt schon auf Goofys Seite?“ „Was soll ich denn machen? Ich kann mir nicht erlauben, dass der Schmidt wütend auf mich ist.“ „Dass das nicht noch mal passiert! Das gilt auch für dich Goofy.“ Marcel setzte an: „Du kannst doch...“, wurde aber von Herrn Schmidt unterbrochen. „Ich hab gesagt, ihr sollt arbeiten! Nutzt die letzte Stunde vor der Arbeit“, rief Herr Schmidt, der den Kopf zur Tür herein steckte und einen grimmigen Blick Richtung Marcel abfeuerte. Mit der Erinnerung an die nächste Mathearbeit ging ein Raunen durch den Raum, bis alle still waren und über den Übungsaufgaben brüteten.

Die Tür öffnete sich und Lara betrat den Raum, den Kopf erhoben mit einem Lächeln im Gesicht. Marcel guckte auf, nickte ihr zu. Das Mädchen zeigte ihm den hoch gestreckten Daumen, so dass Herr Schmidt es nicht sehen konnte. Das war das Zeichen dafür, dass seine Ansage wahrscheinlich ohne größere Folgen bleiben würde. „Ihr habt noch fünf Minuten.“ Er setzte sich ans Pult, schlug das Klassenbuch auf und schaute kurz auf, um sich zu vergewissern, dass niemand Kontakt zu Lara aufnahm. Jenny konnte aber sehen, dass Felat ihr einen Zettel zugesteckt hatte. Unauffällig entknüddelte sie das Papier und las. Sie sah aus, als würde sie jeden Moment lauthals loslachen, riss sich aber zusammen und stopfte den Zettel in ihr Etui. Wahrscheinlich hatte Felat wieder eins seiner so beliebten Jenny-Goofy-Bilder gemalt. Wenn Jenny doch nur mal an einen dieser Zettel kommen würde. Sie wusste zwar nicht, was das ändern sollte, aber vielleicht würde Felat endlich einen Tadel bekommen.

„So, wir besprechen die Aufgaben“, unterbrach Herr Schmidt die noch konzentriert arbeitende Klasse. Für den Moment waren die letzten Minuten in Vergessenheit geraten. Herr Schmidt schrieb die Tafel mit den Ergebnissen voll, die ihm die Klasse nannte. Alle waren, vor der für angekündigten Klassenarbeit, eifrig drauf bedacht mitzukommen, um ja nichts zu verpassen. „Ich habe euch noch ein Übungsblatt mitgebracht. Wenn ihr das heute Nachmittag bearbeitet, solltet ihr gut auf die Arbeit vorbereitet sein. Die Lösungen stehen unten auf dem Kopf. Veräppelt euch beim Lösen also nicht selbst.“ Es gongte. Herr Schmidt packte seine Tasche und verließ ohne Gruß den Raum.

Jenny räumte ihre Sachen zusammen, beugte sich dabei über ihren Rucksack. Im Vorbeigehen drückte ihr Marcel einen Schokokuss auf den Kopf. „Alles Gute zum elften Geburtstag, Goofy.“ Währenddessen ließ Lara Felats Zettel neben ihr auf den Boden fallen und fing an, laut zu lachen. Jenny sah eine Karikatur ihrer selbst mit einem zermatschten Etwas auf ihrem Kopf.

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10 Antworten

Kommentare

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    Kinder sind das grausamste Volk under den Völkern

    12.01.2011, 20:46 von missbutterfly400
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      @[Benutzer gelöscht] Das Volk der Kinder stammt von der Polly-Pocket-Insel. Wenn sie das geschlechtsfähige Alter erreichen, fangen sie an, was mit Grafik zu machen, basteln sich aus schönem Pappkarton eine digitale Spiegelreflexkamera und schießen schwarz-weiß-Aufnahmen von sich und ihren Freunden, den sogenannten Herzmenschen, die sie dann als Postkarten an die Touristen verkaufen.

      12.01.2011, 21:36 von MisterGambit
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      @MisterGambit Sind ürigens nichtarischer Abstammung, wie der Name schon sagt: Ka-Inder.

      12.01.2011, 21:41 von quatzat
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      @quatzat Die sind garkeiner Abstammung, die reifen Kinderüberraschungseier fallen zum Kirschblütenfest vom Wunderbaum, daraus schlüpfen die jungen Kinder. Weil Sex ist igitt.

      12.01.2011, 21:43 von MisterGambit
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      @MisterGambit igitte.de

      12.01.2011, 21:54 von quatzat
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      @quatzat das ist doch mal ein link, wo ich vorher weiß, was mich erwartet. nicht immer diese tiny-url-kacke ohne erklärung

      12.01.2011, 21:59 von MisterGambit
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      @MisterGambit http://tinyurl.com/3akobb3

      12.01.2011, 22:05 von quatzat
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      @quatzat http://tinyurl.com/2u9xuog

      (Ein Foto von Darth Vader. Darunter steht: Epic Fail. Absicht: Du sollst lachen)

      12.01.2011, 22:08 von MisterGambit
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      @[Benutzer gelöscht] Weil du wie ein alter Opa stehen bleibst und nicht merkst, wenn der Zug mit dem Zusammenhang abgefahren ist! So!

      12.01.2011, 22:17 von MisterGambit
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      @[Benutzer gelöscht] Was haste da gemacht? Fotos geschossen von den Soldaten?

      12.01.2011, 22:20 von MisterGambit
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      @[Benutzer gelöscht] du hörst mir überhaupt nie zu!

      12.01.2011, 22:26 von MisterGambit
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    So ist das leider immer häufiger anSchulen. Und auch außerhalb und keiner tut etwas dagegen.
    Und bevor irgendwer sagt, man muss isch dagegen wehren, hab erstmal das selbstbewusstsein, aufzustehen und zu sprechen.
    Die machen dich kaputt, danach kannst du nicht mehr aufstehen...

    08.01.2011, 17:40 von Chuckie
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    mein kleiner ist zwar erst 8 monate, aber ich hoffe, daß ihm so etwas niemals passiert :(

    06.01.2011, 21:37 von nonsenscat
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      @blackdaisy Eltern, die einfach weg sehen... oumann.
      Tja, da ist man als Kind ziemlich hilflos. Amoklaufen, Drogen nehmen, oder Rucksack packen und ab gehts.

      Am besten Kinder gar nicht mehr in die Schule geben. Ist für mich die logische Konsequenz aus solchen Geschichten...

      07.01.2011, 10:16 von Aalaaleh
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      @Aalaaleh .. nicht mehr zur schule schicken? .. und dann? .. willst du sie selbst unterrichten .. ?!

      07.01.2011, 10:18 von ilofi
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      @ilofi Ja. Nein. Einen guten Lehrer finden, der selbstständig arbeiten will. Vielleicht mit Freunden oder Nachbarn zusammen tun und den Kindern Hausunterricht geben. Ja. Da muss man sich mit selben Zielen vereinen. Ist ne Überlegung wert, finde ich.

      07.01.2011, 10:27 von Aalaaleh
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      @Aalaaleh das kind nicht mehr in die schule zu schicken, ist defintiv keine gute alternative. dann bleibt die erfahrung als trauma zurück, das vom alltag abgekoppelt wurde. negative erfahrungen müssen bestenfalls durch positive erfahrungen ersetzt werden, damit die waagschale sich neu ausrichten kann. einen schulwechsel - vielleicht sogar zu einer schule in einer nachbarstadt - halte ich für "gesünder". Als hausunterrichtetes Kind muss sich der/die Jugendliche doch automatisch als Sondernummer - also als Nicht-Normalo - wahrnehmen...und Jugendliche wollen meistens (Ausnahmen bestätigen...bla) vor allem eins: nicht negativ auffallen.

      07.01.2011, 11:42 von AnnaEcke
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      @CiloCalucci Stimmt aber bei einem Zusammenschluß von Nachbarn oder Freunden wäre es ja eine kleine Gruppe in der man auch soziale Kompetenz entwicklen kann. Zudem kann man sich darin auch außerhalb der Schule üben.

      09.01.2011, 16:58 von Aalaaleh
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    ärgern ist nicht gleich mobbing.. früher haben wir uns auch gegenseitig in der klasse geärgert, (auch ich habs abbekommen), aber am ende haben wir uns immer wieder zusammen gerauft.. warum? vielleicht hatten die lehrer und die eltern damals noch den mumm, einzugreifen..? ich weiß nicht woran es liegt, aber heute werden viel mehr kinder gemobbt, kann das sein?? oder fällt es erst jetzt mehr auf und keiner achtet mehr drauf und fühlt sich verantwortlich..??

    06.01.2011, 20:32 von abbs
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    In dem Alter haben Kinder noch nicht das Bewusstsein (denke ich), was sie damit anrichten. Und wenn sich dann die gehänselten Kinder nicht mehr zu wehren wissen, gibt es am Ende Amoklauf oder Selbstmord. Und dann will es dann keiner gewesen sein und die Lehrer haben nichts bemerkt.

    06.01.2011, 19:25 von T_P
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      @T_P Jedes Kind weiß wie scheiße ein Negerkuss am Kopf ist.

      06.01.2011, 20:08 von frolleinmueller
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    kinder können grausam sein...

    06.01.2011, 18:27 von SmitherMcOwn
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    Arschgeigen...

    06.01.2011, 13:17 von sailor
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    doch doch. der schokokuss.

    06.01.2011, 11:56 von Icke_un_du_ooch
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    den kenn ich doch, gabs denn schonmal??

    06.01.2011, 11:39 von Icke_un_du_ooch
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      @Icke_un_du_ooch Es gab doch alles schonmal...

      06.01.2011, 13:17 von sailor
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