emosozialprodukt 08.01.2006, 14:40 Uhr 3 1

Einfach ausbluten lassen

Berlin-Lankwitz. Publizistik- und Kommunikationswissenschaften darf man hier studieren, kann man aber kaum.

Lehrkräfte gehen flöten, die Struktur wird nicht saniert, aber der Rasen auf dem Campus wegbetoniert. Das neue Jahr beginnt mit einem weiteren Personalausfall und die Gesichter der Studenten im großen Vorlesungssaal sehen aus wie die Dämmerung am Stadtrand. Aschfahl. Das Institut hat nicht nur eine Erkältung, sondern etwas schwerwiegendes. Die Frage ist, wo man sich angesteckt hat und wer sich nun verantwortlich fühlt.

Die Institutsgeschichte leuchtet hier und da mit ein paar Namen, u.a. auch Emil Dovifat, der zu den Gründern des Institutes für Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Freien Universität Berlin gehört. Heute stolpert sie Stufe für Stufe gen Auflösung, von Leuchten keine Spur mehr, man beachte die vielen Grautöne der Steinplatten, mit denen der Boden des Campus´ gepflastert ist. So fühlt es sich eben an, wenn ständig Lehrkräfte ausfallen und nicht mehr wiederkehren. Wenn die, die noch da sind, entweder verfeindet oder völlig überlastet sind. Es ist kalt und behagt niemandem sonderlich.
Da steckt man den Kopf doch lieber in den Medienwust, anstatt mit der Kommunikationsforschung am eigenen Institut zu beginnen, denn auf diesem Gebiet hat man in Lankwitz arge Probleme. Der eine Professor verschweigt da nicht, dass er den anderen bis auf´s Blut hasst und ihn am liebsten rausschmeißen würde. Und die Frage nach Verantwortung wird auch gerne auf den anderen abgewälzt oder schlicht und einfach nicht beantwortet.

Dazu hat man sich mit dem Bachelor-Studiengang nicht nur ein wenig übernommen. Ein Mono-Bachelor wird mal eben mit einem Kombi-Bachelor verwechselt und nach einem Jahr erst bemerkt. Die Zweitfachplätze werden dann im laufenden Semester an anderen Instituten erbettelt und unerfahrene Erstsemester springen sowieso ins Eiswasser, was Organisation und universitäres Eigenmanagement angeht. Proseminare, die normalerweise für ca. 30 Leute konzipiert sind, müssen die sechsfache Anzahl an Teilnehmern durch die Sitzungen buckeln, Hausarbeiten bekommt man im Schnitt nach einem dreiviertel Jahr zurück und das elektronische Campus-Management, welches an der kompletten Restuniversität eingeführt wurde, wird erstmal abgelehnt. Niemand hat Zeit, sich mit sowas zu beschäftigen. Und im Hof rostet still ein Metallklopps á la Kunstobjekt vor sich hin.

2700 Studenten standen bis vor kurzem fünf arbeitsfähigen Professoren gegenüber. Das neue Jahr hat begonnen, jetzt sind es nur noch vier. Gernot Wersig, geschäftsführender Direktor des PuK-Instituts, ist schwer erkrankt und wird auf unbestimmte Zeit fehlen. Dass er noch im Dezember dem studentischen Internet-Magazin Polar ein Interview gab, in dem er sagte: „Im Moment sind wir nur damit beschäftigt zu überleben“ entbehrt jeglicher Ironie. Wer nun die vielen Aufgaben von Herrn Wersig übernimmt, bleibt ungewiss.
Prof. Dr. Jürgen Weiss überbrachte den Studenten heute diese Nachricht und geriet dabei ins Stocken. Denn niemand weiß, wie lange es noch dauert, bis den Letzten die Arme schwer werden. Studenten vermuten, FU-Präsident Prof. Dr. Lenzen warte auf diesen Moment der Institutsaufgabe. Bis jetzt schweigt er zu diesem Thema beharrlich. Wie gesagt, das mit dem Frage- und Antwortspielchen nimmt man hier nicht so genau."Wichtige Links zu diesem Text"
PuK in Lankwitz

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3 Antworten

Kommentare

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    meinst du die FU berlin....oh nein...wenn ja...scheisse. ich wollte da eigentlich dieses Jahr anfangen.hmmm

    17.01.2007, 03:35 von BarfussTanzend
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    guckt euch doch nicht nur die schwindenden lehrmittel an sondern auch den versuch die studneten verdummen und verarschen zu wollen. die "internationalisierung" holt uns ein. warum unbedingt bachelor einführen?? ist der dipl. ing. nichts wert?? wenn man sich so in den firmen umhört, wollen die lieber einen dipl. ing. als einen bachelor und sond die profs wirklich so fleißig und stellen alle ihre vorlesungen jetzt auf das neue system, das nebenbei NUR noch 7 anstatt 8 sem läuft, um??ich glaube weniger. man versucht nur den stoff in kürzerer zeit durchzudrücken.
    denke aber auch dass diese streitunlust an den studierenden selbst liegt. kenne das hier aus unserem wohnheim. feiern?? was ist das?? man ist nicht student um zu feiern, das ist klar, aber auch nicht um den ganzen tag vor dem schreibtisch zu hängen und zu lernen. heut zu tage geht man den weg des geringsten widerstandes. deshalb schert sich keiner mehr um das was andere betreffen. streiken?? wozu?? ich?? nee ich lern lieber! stura (AStA)?? Fachbereiche?? das ist doch arbeit und hält mich vom lernen ab!! warum?? will keiner mehr was bewegen und nachher stolz auf das sein, was er/sie für sich und andere kommilitonen herausgeschlagen hat?? nun mal ehrlich hand aufs herz ... wer will sich heut zu tage noch mit den profs anlegen, nur weil ein anderer ein problem mit demjenigen hat?? wie war das früher. da müssen wir uns aber alle selber an die eigene nase fassen.
    studenten sind heut zu tage keine studenten anch dem alten sinne mehr. es sind keine personen die alles revolutionieren und verändern wollen. die auf die straße gehen um gegen akw's zu streiken oder versuchen ihr position zu verbessern. studieren ist zum reinen lernen geworden und das was eigentlich da studium ausmacht, bleibt auf der strecke.

    17.01.2006, 18:48 von LCO
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      @LCO hi lco,
      ich kann dir nur zustimmen - ein student ist heute nicht mehr der student der 60er oder 70er jahre. revolutionär? nein - das ist heute keiner mehr - wenn dann nur noch vereinzelte.
      die gesellschaft weiß einfach zu gut mit den auflehnenden und streikenden umzugehen - Ignoranz und Veräpplung - heutzutage heißt es nciht mehr: He, schaut her die Jugend geht auf die Straße, die wollen was bewegen - sondern, he, schaut mal wieder die Studenten, was wollen die denn hier, die sollten lieber was arbeiten gehen.

      so siehts aus.

      05.05.2006, 08:11 von sunkist
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    Okay – und ich dachte hier in Köln sei’s schlimm :o)
    Was bei all dem Bildungsabbau aber nicht in den Kopf will (zumindest ist das hier so), ist dass die Protestbereitschaft derart gering ist …
    Ich meine wir sind doch nicht dümmer als frühere Generationen – warum aber lassen wir uns den ganzen Quatsch (denn das ist es ja, was da gerade abgeht) gefallen? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht!

    16.01.2006, 19:05 von madmachine
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      @madmachine Ich versteh hab so langsam das gefühl zu verstehen, warum keiner mehr protestiert...
      es ist ja nicht so, dass die Studierenden der FU nicht gestreikt hätten. Zumindest hat der AStA den Streik ausgerufen. Das dieser Streik vom Zaun gebrochen, zur falschen Zeit und weder koordiniert noch organisiert wurde und eben nur einen winzigen Teil der Studenten motivieren konnte sind vielleicht Fehler, die sich die Studierenden ankreiden lassen müssen. Das die Öffentlichkeit davon nichts mitbekommt - selbst in Berliner Tageszeitungen musste man schon explizit danach suchen - ist sicherlich auch Zeichen der Organisation. Das aber auch abseits dieses "Streiks" in Gespräche mit Institutsinternen die Studierenden und ihre Probleme kaum ernstgenommen werden, geschweige denn Lösungen gefunden oder über Lösungsvorschläge diskutiert werden, macht einfach müde. Ich für meinen Teil bin mit den neuen Bachlorordnung besonders in den Naturwissenschaften total überlastet. Da einen Kampf zu führen, in dem man scheinbar ziemlich alleine steht, in dem viele Formen des höflichen Umgangs vergessen werden und absolut keine Ergebnisse sichtbar werden, dazu fehlt mir mittlerweile die Einsicht. Reden, diskutieren und Lösungen suchen funktioniert nur, wenn beide Seiten sich daran beteiligen. Um die Unileitung davon zu überzeigen, dass WIR die Uni sind, dass die Uni für uns und nicht wir für die Uni da sind, dass zu "Uni" nun mal auch und zum größten Teil die Studenten gehören, dazu braucht es mehr als die drei Männeken, die auf die Barrikaden gehen.

      Für kreative Ideen bin ich aber immer noch zu haben.

      16.01.2006, 21:50 von suparena
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