Lotus 22.07.2004, 01:12 Uhr 3 0

Die Leiden des jungen C.

- Beleuchtung von Missständen im deutschen Bildungssystem -

Unruhig rutscht Christian auf seinem Stuhl in der vorletzten Reihe hin und her, reckt den Arm hoch in die Luft und streckt den Zeigefinger aus, so weit es geht. „Nicht schon wieder Christian. Kann nicht jemand anderes von Euch meine Frage beantworten?“. – Gelangweilte Gesichter. Ausweichende Blicke. Comicfiguren am Heftrand. Käsekästchen. – Der vorher noch erwartungsvoll erhobene Arm fällt mit einem vorwurfsvollen Plumps auf die Tischplatte. Christians Miene verzieht sich. Seine Mundwinkel sinken schlagartig nach unten. War der Blick gerade noch interessiert, so weicht er nun einem frustrierten Gesichtsausdruck. Auf eine Antwort vom Rest der Klasse wartet die Lehrerin, nennen wir sie Frau Stein, aber vergebens. Stattdessen erklärt sie nun selber das Kastensystem Indiens, doch auf Interesse stößt sie damit keineswegs – weder bei der Klasse noch bei Christian. Der hat sich inzwischen ganz anderen Dingen zugewandt und macht seine Mathehausaufgaben: quadratische Ergänzung – auch für Frau Stein. Zu Hause wird Christian keine Zeit mehr mit seinen Hausaufgaben verbringen; die sind dann schon längst erledigt, und statt dessen geht er zum Hockey, spielt Klavier oder besucht die Astronomie-Gruppe mit ihren Teleskopen. Aber wenn morgen Frau Stein zum Vorrechnen bittet, wird er auf keinen Fall derjenige sein, der die Tafel ungelenk mit quietschender Kreide malträtiert. – „Nicht schon wieder Christian, bitte! Hat das denn sonst niemand von Euch gerechnet?"

Ein halbes Schuljahr ist vergangen. Christian sitzt noch immer auf seinem Platz in der vorletzten Reihe. Doch er hebt nicht mehr unruhig den Arm und reckt sich, um sein Wissen an Frau Stein zu bringen. Die Kalorien, die er sonst in das motivierte Aufzeigen investiert hat, spart er inzwischen lieber und lümmelt sich statt dessen bequem auf seinen Stuhl. So bleibt auch Frau Stein ihr obligatorischer Satz erspart. Und der Klasse das gnadenlose Vorführen ihrer Unkenntnis und mangelnden Motivation.

– Hier könnten wir die Geschichte eigentlich beenden. Es scheinen doch alle glücklich zu sein, oder? Beobachten wir die Ereignisse aber doch noch ein wenig länger.

„Scheiß Streber“ hieß es sonst nur, wenn Christian in die Klasse kam, und es flogen ihm Radiergummis ins Gesicht. Denn nicht nur Erdkunde und Mathe liegen ihm. Eigentlich alles. Bis auf Sport. Darin hat er eine Zwei. Inzwischen ist es aber ruhig geworden um ihn. Und ruhig im Unterricht. „Christian, möchtest Du nicht Deine Klimadiagramme an die Tafel zeichnen?“. Kopfschütteln. „Aber warum denn nicht? Das konntest Du doch sonst auch immer!“. Wieder stures Kopfschütteln. „Hab' ich nicht gemacht.“, kommt es lustlos aus ihm heraus. „Das ist jetzt schon das zweite Mal in diesem Schuljahr, dass ich Dich ohne Hausaufgaben erwische, Christian! Und in Mathe auch! Wenn das noch einmal vorkommt, werde ich Deine Mutter einladen müssen. Also streng Dich bitte an. Was ist denn bloß los mit Dir? Du warst doch immer so ein guter Schüler!“

Drei Wochen später im Nebenraum des Lehrerzimmers. Christians Mutter legt Handtasche und Mantel ab und betrachtet gedankenverloren die Gemälde der Fünftklässler an den Wänden. Rotkäppchen in Wasserfarbe. Schwungvoll wird die Tür geöffnet. „Entschuldigen Sie bitte die Verspätung. Ich bin bei einer Klausuraufsicht aufgehalten worden. Freut mich, dass Sie gekommen sind. Es ist mir doch ein wichtiges Anliegen, mit Ihnen zu sprechen, da ich mir in letzter Zeit ernsthafte Sorgen um Ihren Sohn mache. Er ist überhaupt nicht mehr so motiviert und pflichtbewusst wie vor ein paar Monaten. Ständig erwische ich ihn ohne Hausaufgaben, und selbst dann reagiert er nur vollkommen gleichgültig....“

An dieser Stelle klinken wir uns aus – wir haben genug gehört. Genug, um beurteilen zu können, dass Frau Stein an dem von ihr geschilderten Desaster alles andere als unbeteiligt ist. Doch genau dieses Desaster besteht aus verschiedenen, auf unglückliche Weise miteinander verwobenen Perspektiven.

Beginnen wir mit Christians Sicht der Dinge:
Was geht wohl in diesem Jungen vor, als er von Frau Stein so unsensibel zum Schweigen gebracht wird? Er ist enttäuscht! Weil niemand ihm zuhören möchte. Er fühlt sich unverstanden, darf sein Wissen nicht äußern. Er langweilt sich, der Unterricht stellt für ihn keine Herausforderung dar. Frustration steigt in ihm auf und steigert sich mit jedem weiteren Mal, bei dem ihm der Mund verboten wird. Vielleicht fühlt er sich sogar persönlich angegriffen und verletzt durch Frau Stein. Diese Enttäuschung schlägt nun schleichend um in Trotz und Aggression. Eine Abwehrhaltung baut sich auf, und Christian reißt langsam aber sicher die Brücke zu seiner Lehrerin ab. Wenn sie ihn schon nicht mehr versteht, wer dann noch? Für seine Klasse ist er seit langem nur noch das Opfer und Ziel gehässiger Bemerkungen. Und das nur, weil er mehr zum Unterricht beisteuern kann als seine Mitschüler, die durch ihn auch noch in einem schlechteren Licht dastehen. Weil er sein Wissen mitteilen möchte statt es hinunterzuschlucken. Doch genau das wird ihm jetzt systematisch beigebracht. Stunde für Stunde. Und es wirkt! Sogar so gründlich, dass Frau Stein eines Tages vor den Scherben ihrer erzieherischen Methoden steht und vor lauter Pädagogik die Welt nicht mehr versteht.

Es ist an der Zeit, in die Gedankenwelt von Frau Stein zu driften:
Anfangs freut sie sich, einen so motivierten, intelligenten und aufgeweckten Jungen in der Klasse zu haben. Doch dieser Junge beginnt, den Unterricht zu dominieren mit seinen Antworten, greift dem Stoff voraus und gibt den anderen Schülern keine Chance, sich zu melden. Er muss gebremst werden! Wie soll Frau Stein denn sonst die Halbjahresnoten vergeben, wenn die Unterrichtsbeiträge der anderen nur aus Schweigen und Luftlöchern bestehen? Na bitte, es funktioniert doch! Christian ist schon viel ruhiger geworden, hat sich ein wenig zurückgezogen, und nun kommen auch die anderen zu Wort. Gelegentlich darf er auch seine Hausaufgaben präsentieren. Doch was ist das? Schon zwei Mal ohne Hausaufgaben? Das kann doch nicht sein! Und diese vollkommen gleichgültige Antwort! Hat er etwa private Probleme? Vielleicht Scheidung der Eltern? Da hilft nur eins: die Mutter einladen, um sich langsam vorzutasten. So kann es ja nicht weitergehen!

Und was denken die Mitschüler während dieser ganzen Phase?
Vermutlich nicht viel. Sie haben ihr vermeintliches Opfer gefunden, das verantwortlich ist für ihr Unwissen, ihre Faulheit, ihre fehlende Motivation. Verständnis für Christian? Von wegen! Lieber machen sie ihm das Leben noch schwerer und bekämpfen ihn wie einen Feind. Ein Feind, der ihnen die Chance auf einen lässigen und lockeren Unterricht nimmt. Härter als die Radiergummis, die Christian in diesem einseitigen Kampf treffen, sind ihre verbalen Waffen. Denn die treffen genau in sein Herz. Auch die Ignoranz lässt ihn nicht kalt. Doch er schweigt – Der Klügere gibt ja schließlich nach. In den Augen der Mitschüler wird er immer der Streber bleiben, es sei denn, er beginnt, sich Zunge und Augenbrauen piercen zu lassen und coole Sprüche zu reißen. Dann hat er vielleicht noch eine Chance auf „Rehabilitation“. Aber will er das überhaupt?

Die vierte Sichtweise in unserem Szenario ist die von Christians Mutter. Allerdings bekommt sie vom Hauptakt am allerwenigsten mit und wird erst am Ende mit dem unangenehmen Teil konfrontiert. Frau Steins Klagen über Christian überraschen sie. Sie versteht überhaupt nicht, was auf einmal in Christian vorgeht und wodurch sein scheinbar plötzlicher Sinneswandel hervorgerufen worden ist. Auf jeden Fall wird sie am Abend unter vier Augen mit ihm sprechen und ihn auf Frau Steins Beschwerden hin ansprechen. Wer weiß, welche Dummheiten dahinter stecken...

Aber was hilft Christian nun wirklich in dieser ausweglosen Situation? Die Aufforderung zum Schweigen von Frau Stein und die gehässigen Kommentare seiner Mitschüler sicherlich nicht. Ebenso wenig die abendlichen Vorwürfe seiner Mutter. Verständnis ist das wichtigste, was er jetzt braucht. Verständnis für seine Besonderheit im positiven Sinne, die sich in Wissbegierde, Lerneifer, Intelligenz und Motivation äußert. Ich zögere bewusst, an dieser Stelle das Wort „Hochbegabung“ zu gebrauchen, da es mir zu plakativ erscheint. Häufig wird in den Medien von „den Hochbegabten“ gesprochen, aber dabei rückt der Einzelne mit seinen speziellen Begabungen komplett in den Hintergrund. Denn Begabungen gibt es viele: mathematische, sprachliche, sportliche, künstlerische,.... Und in erfreulichen Fällen fallen sogar mehrere dieser verschiedenen Begabungen in einer Person zusammen.

Um besonders begabten Kindern und Jugendlichen zu helfen, ihre Stärken weiter auszubauen, ist eine gezielte Förderung die beste Methode. Sie erfordert aber viel Zeit und eine intensive Beschäftigung mit dem Thema. Diese Zeit wird in den meisten Schulen lieber dazu verwendet, die lernschwachen Schüler zu unterstützen, wobei die Bedürfnisse lernstarker Schüler sehr leicht unterschätzt werden. Oft wird eine besondere Begabung auch gar nicht erkannt, da sehr wissbegierige und lerneifrige Schüler fast schon lästig werden oder es meistens gut verstehen, sich selber zu beschäftigen.

In den erfreulichen Fällen, in denen die Lehrer die Begabung entdecken, wird häufig vorgeschlagen, dass der Schüler eine Klasse überspringen soll. Aus meiner Sicht stellt diese Methode aber nicht immer die ideale Wahl dar. Das Überspringen einer Klasse bedeutet, dass der Schüler aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen wird und sich auf eine neue Klasse einstellen muss. Dadurch, dass er dort als „der Überspringer“ ankommt, hat er von Anfang an nicht den leichtesten Stand, und das obige Szenario kann schlimmstenfalls wieder von vorne beginnen, nur mit anderen Darstellern. Außerdem gibt es auch einige wenige Schulen für Hochbegabte, die ich aber alleine deswegen für fragwürdig halte, weil sie auf künstliche Weise ein Umfeld schaffen, auf das die begabten Schüler in ihrem weiteren Leben in dieser Art nicht treffen werden. Denn später in der Universität, im Beruf etc. treffen sie wieder auf Absolventen „normaler“ Schulen und müssen sich auch dort zurecht finden, was ihnen dann aber zunehmend schwerer fallen wird.

Für mich scheint es der ideale Weg zu sein, dass Hochbegabte neben dem normalen Schulbesuch ihre speziellen Fähigkeiten ausbauen und dabei aber auch von den Lehrern unterstützt werden. Warum soll man einem Schüler verbieten, während des Unterrichts seine Hausaufgaben zu machen, wenn er dennoch gleichzeitig mehr als aktiv am Geschehen teilnimmt? Neben dem Schulunterricht bieten sich auch Veranstaltungen, wie z.B. die verschiedenen Olympiaden für Fremdsprachen und Naturwissenschaften, freiwillige Praktika, Schülerakademien oder Bundeswettbewerbe wie Jugend musiziert und Jugend forscht an, um das Interesse speziell begabter Schüler zu wecken und sie vor neue Herausforderungen zu stellen, die sie sicherlich gerne annehmen werden. Wenn sie auf diese Weise und durch zusätzliche Hobbies außerhalb der Schule ihren Lerneifer ausleben können, bleiben sie dabei in ihrer gewohnten Umgebung und bekommen trotzdem das Gefühl, nicht geistig zu verdursten. Diese zusätzlichen Lernangebote und Wettbewerbe bauen aber auch auf das Verständnis der Lehrer. Viel zu oft kommt es vor, dass Lehrer nicht einsehen, warum ein Schüler längere Zeit im Unterricht fehlen soll, nur um an einem speziellen Sommerkurs teilzunehmen, der leider nicht in die Ferien fällt. In den meisten Fällen sind die Lehrer auch gar nicht über die Vielzahl an außerschulischen Aktivitäten informiert, da die Flyer für Kurse und Wettbewerbe einfach im Ablagekorb verschwinden.

Wie die Mitschüler darauf reagieren, dass ein lernstarker Schüler neben dem Unterricht noch zahlreiche andere Veranstaltungen wahrnimmt, lässt sich schwer einschätzen. Es wird immer gehässige Gegner geben, aber teilweise helfen das zusätzliche Lernangebot und das Gefühl des Ausgelastet-Seins den begabten Schülern auch, selbstbewusster mit der Situation umzugehen. Sie können bei ihren außerschulischen Aktivitäten auch neue Freunde finden, die vielleicht ähnlich frustrierende Erfahrungen in der Schule gemacht haben. Es bleibt zu hoffen, dass einige Mitschüler erkennen, dass es keineswegs eine Schwäche ist, besondere Stärken zu besitzen.

An den Zuständen in Deutschlands Schulen sollte sich meiner Meinung nach einiges ändern. Statt die Förderung Lernschwacher in den Vordergrund zu stellen, der ich ihre Bedeutung keineswegs absprechen möchte, sollte das Augenmerk auch zu einem nicht unerheblichen Teil auf die besonders Begabten gerichtet werden. Denn ansonsten braucht Deutschland sich auch keine Gedanken über die eventuelle Entstehung von Elite-Universitäten machen, da die zukünftige Elite schon im Anfangsstadium verkümmern wird.

3 Antworten

Kommentare

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    Eine ziemlich gute Eröterung des Themas, vielleicht etwas zu lang... Aber der Inhalt ist das was zählt! Hochbegabte Kinder und ihre Familien haben es oft besonders schwer, da unerkannte und damit ungeförderte Fähigkeiten die Kinder entmutigen und echte psychische Probleme verursachen können.
    Dein Artikel bespricht gleich zwei wichtige Themen auf einmal - das Mobbing in der Schule. Auch ich musste darunter leiden. Meine sehr guten Leistungen wurden als Affaire mit dem Leher ausgelegt...

    14.09.2004, 09:52 von sorglos
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      @sorglos Hab's vielleicht etwas spät gesehen und schreibe nun mit mir selbst, aber gut... ich würd' mich selbst als einen leidenden C. bezeichnen - naja, zumindest weiß ich, wie's ist, wenn ich andauernd von den Lehrern aufgefordert werde, "den Finger 'runter zu nehmen". Ich habe seit der Grundschule einen Schnitt von 1,x und bin mir sicher, dass ich kein Streber im eigentlichen Sinne bin - ich lerne keine Stunden für die Schule, ich lerne eigentlich gar nichts und kann es halt trotzdem einfach. Nun ja, kein Wunder also, dass ich anfangs mit dem Streber-Vorurteil und Neid anderer zu kämpfen hatte - irgendwann war es aber abgebaut. Dann wurde die Klasse nach Latein und Französisch aufgeteilt, und wieder musste ich an meinem Image arbeiten. Jetzt bin ich in der Jahrgangsstufe Elf, hab' Kurse mit unserer Partnerschule zusammen und steht wieder vor dem Dilemma, dass erneut meine erste 1 in Deutsch laut vor dem gesamten Kurs vorgelesen wird. "Streber-Schlampe" oder "krank" stören mich mittlerweile nicht mehr so sehr wie früher, aber sie tun dennoch weh. Und machen traurig, weil ich es nicht verstehe.

      Ich sollte auch mehrfach überspringen, hab's aber nicht gemacht, weil ich einige gute Freunde in meiner Stufe habe und eigentlich nicht unter dem Außenseiter-Syndrom leide - außer zu Klausurzeiten gegenüber ganz gewissen Leuten. Dafür geh' ich zweimal in der Woche zur Uni und sudier' schonmal ein paar Semester vor; leider ist auch das auf keinerlei Verständnis seitens der Schulleitung gestoßen - anstatt dass ich eine Italienisch- und eine Sportstunde ausfallen lassen konnte, weil ich ja eh Eins oder Zwei stehe, musste ich den Kurs wechseln und jetzt an einem anderen Tag nahmittags 'ran. Organisieren musste ich das alles alleine, es hat keinen interessiert. Meine Beratungslehrerin hat mich dreimal gefragt, als ich sie um Hilfe gebeten habe, ob ich überhaupt auf ihrer Schule sei. Und der Kommentar meiner Mitschüler war "Das ist ja auch nur was für Intelligente, dafür sind wir zu dumm" mit verächtlichem Lachen oder "Bist du so scharf auf Lernen?"

      Ich bin nicht eine, welche die Rolle der Streberin jemals akzeptieren würde, ich bin kein Opfer - aber wär ich's, wäre ich mittlerweile psychisch fertig. Auch so langweilt und frustriert die Schule mich. Aber mittlerweile beschäftige ich mich im Unterricht mit Hausaufgaben machen, wie C., schreibe Geschichten oder analysiere das Verhalten meiner Lehrer im Rahmen der sie umgebenden Situationsfaktoren und ihre verzweifelten Versuche, als Fachidioten pädagogisch zu scheinen.

      10.11.2004, 20:26 von Narrenspiel
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      @Narrenspiel Hallo narrenspiel!
      Vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag zu meinem Text. Hat mich sehr gefreut, und ich konnte so einiges daraus gut nachvollziehen. - Leider muß man ja sagen.
      Hoffe, die Oberstufe wird für Dich erträglich - eigentlich ist das Kurssystem ganz gut, weil man dann eben nicht immer dieselben Gesichter sieht und alles unverbindlicher wird - so meine Erfahrung.
      Viele Grüße,
      Lotus

      11.11.2004, 00:30 von Lotus
    • 0

      @Lotus Naja, das mit dem Kurssystem ist so nicht viel anders als die Klasse - wir wurden nach Anfangsbuchstaben sortiert; und wenn man mit S beginnt, ist man zwangsläufig meist mit anderen R- bis Z-lern zusammen. *g*
      Wie gesagt, ist aber auch nicht soo~oo tragisch bei mir, weil ich relativ viele Freudne hab' und nicht allzu schnell verletzt bin. ;-)

      11.11.2004, 17:54 von Narrenspiel
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      @Narrenspiel Ein dickes Fell kann nicht schaden, ne?
      Und Freunde ausserhalb der Schule, wo man sich ueber Interessen und nicht ueber Anfangsbuchstaben *g* kennenlernt, ohnehin nicht.
      Viele Gruesse,
      Lotus

      12.11.2004, 13:33 von Lotus
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      @Lotus @ narrenspiel:
      eigentlich sollte das mobbing in der oberstufe nachlassen, weil
      - die lieben mitschüler anfangen sich für ihre noten zu interessieren
      - sie doch reifer werden und damit hoffentlich auch fähig sind, vorurteile abzubauen...
      viel glück noch, ist ja nicht mehr allzu lange

      12.11.2004, 13:54 von nutella
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      @nutella Schwachsinn... es gibt eigentlich zwei Typen Oberstufenschüler - imo. Die, die sich interessieren, es aber partout nicht auf die Reihe bekommen, weil sie zu mental amputiert sind, um sich auch nur die einfache Schrittfolge abbaabba zu merken und deswegen Stunden am Tag lernen, wobei sie immer noch schlecht sind - und die "Coolen", die nichts lernen bzw. wissen wollen, weil's ja uncool ist.
      Erstaunlicherweise komm' ich mit letzteren besser zu recht, weil ich ihnen einfach meinen Terminplan zeigen und erklären kann, dass ich gar keine große Zeit fürs Streberlernen habe. Gegen Neid von Gruppe a) komm' ich - leider - nicht an... deswegen meine "Probleme" zu Klausurzeiten, Mobbing isses Gott sei Dank nicht.

      Eine Freundin von mir wurd' allerdings 'ne zeitlang derart gemobbt, dass sie mit Bällen beworfen wurde, etc. - nicht auf meiner Schule. Naja, sie hat übersprungen und seitdem geht's ihr besser, Freunde hat sie in der neuen Stufe aber damals auch nicht gefunden.

      12.11.2004, 17:21 von Narrenspiel
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      @Narrenspiel provokante frage: zu welcher gruppe gehörst du??? (bitte nicht ernst nehmen, ich hab nur was gegen stereotypen. nebenbei bemerkt klingst du ziemlich arrogant,auch wenn du recht haben magst)

      ich hab halt gemerkt, dass die alten gruppen aus der mittelstufe sich aufgelöst haben und dass erstaunliche neue konstellationen rausgekommen sind. passierte aber auch erst zwischen 2. und 3. semester. kann aber auch an der schule und den leuten gelegen haben.
      ich kam auch ganz gut mit den leuten der zweiten gruppe aus, kannte aber kaum leute, die der gruppe 1 zuzuordnen waren. waren einfach zu wenige an der schule als dass sie etwas hätten ausrichten können.
      und tatsächlich, es gab leute, die nicht allzu viel getan haben, aber trotzdem anständige bis sehr gute noten eingefahren haben, u.a. ich. und andere, die behauptet haben, dass sie nichts täten, aber dafür eigentlich zu viel WUSSTEN.

      aber nur zwei gruppen, das wären bei mir an der schule zu wenige gewesen.

      Mobbing muss ja nicht mit taten geschehen, das geht auch über worte, sogar eigentlich viel effektiver. Wenns aber nur nur zeitweise neidattacken sind, geht das ja noch.

      12.11.2004, 18:03 von nutella
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      @nutella Narrenspiels Kommentar und die Reaktion darauf ("Du klingst ziemlich arrogant") verdeutlicht sehr gut, was an deutschen Schulen falsch läuft:

      Wer überdurchschnittlich intelligent ist und überdurchschnittliche Leistungen bringt, wird nicht gefördert, sondern ausgeschlossen, beschimpft, unterfordert und selbst von den Lehrern argwöhnisch beäugt. Ich bin absolut für Hochbegabtenschulen! Diese Leute müssen in ein Umfeld, daß ihre Fähigkeiten als etwas postives honoriert. Stattdessen dümpeln sie in den Klassenzimmern vor sich hin, schämen sich für Intelligenz und versuchen sie zu verstecken, um dazu zu gehören. Das ist einfach nur unglaublich traurig!
      Ich stimme auch nicht mit Lotus überein, daß es für diese Leute später schwieriger sein würde, sich in die "normale" Gesellschaft einzugliedern, wenn sie jahrelang nur von anderen Hochbegabten umgeben sind. Was ist denn die normale Gesellschaft? Jeder umgibt sich doch sowieso mit Menschen, die ihn verstehen und deren Interessen ähnlich gelagert sind. Diese Leute werden vermutlich sowieso Berufe haben in denen sie von anderen Hochbegabten umgeben sind und werden wohl kaum bei Mercedes am Fließband arbeiten.

      Ich finde man sollte diesen Leuten jahrelange Langeweile, Einsamkeit, Demütigung und Scham ersparen und sie mit ähnlich intelligenten, mit denen sie sich austauschen können, zusammentun.

      14.11.2004, 16:09 von Klute
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      @Klute Noch was: Warum werden Menschen in diesem Land für überdurchschnittliche Intelligenz ausgestossen und verlacht? Es werden doch auch keine überdurchschnittlich schönen oder sportlichen Menschen ausgestoßen? Haben wir eine solche Angst vor Intelligenz oder was ist unser Problem???
      Wir sollten heilfroh sein, daß es diese Menschen gibt, denn ohne sie würde die Gesellschaft komplett stagnieren! Mein Gott, armes Deutschland, wie kannst Du Dein Potential nur so vergeuden!

      14.11.2004, 16:23 von Klute
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      @Klute Ich glaube, es ist nicht die Intelligenz an sich, sondern vielmehr die Tatsache, "anders" zu sein. Und "anders" kann sich ja in verschiedenen Phänomenen äußern: "falsche" Klamotten, andere Religion oder eben "zu viel" Intelligenz.

      14.11.2004, 23:50 von Lotus
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      @Lotus Ein Großteil des Problems liegt meines Erachtens in der völlig unzureichenden Qualität und Quantität der Lehrer.
      Kleinere Klassen und Lehrer die bessser darin geschult sind mit Menschen umzugehen würden schon sehr helfen.
      Was spricht übrigens dagegen, wenn die Lehrerin nach der Stunde alleine mit Christian spricht, sich für seine Beiträge bedankt und darum bittet sich ein bischen zurückzuhalten um auch die anderen Schüler fördern zu können?
      Warum können nicht mal Schüler eine Stunde vorbereiten und gestalten?
      Warum engagieren sich Lehrer nicht in Bio, Mathe, Kunst AGs nach dem regulären Untericht?

      Mit dem Begriff Elite tue ich mich schwer, viele sogenannte Hochbegabte sind Fachidioten, die in der Praxis scheitern. Sie können nur in ihrer abgeschirmten wissenschaftlichen Umgebung überleben. Noch schlimmer als wissenschaftliche Eliten sind Kunst-, Kultur-, Moral- und Politeliten.

      Da denke ich an W. Bush:
      "Here are the have and have more. Others call you the elite. I call you my basis!"

      Man muß übrigens nicht Hochbegabt sein um sich im Unterricht zu langweilen. Auf dem Gymnasium hatte ich z.B. eine Vorleselehrer in Chemie. Die Stunde war so strukturiert das in alphabetischer Reihenfolge, ein Schüler eine Zusammenfassung des Inhalt der letzten Stunde vorlesen mußte.
      Die Zusammenfassung fing regelmäßig an mit.
      Zuerst wiederholte Schüler xy den Inhalt der letzten Stunde. Dann wurde abwechselnd von verschiedenen Schülern aus dem Chemiebuch vorgelesen. Dann malte die Lehrerin den Inhalt des Zusammenfassungskästchens an die Tafel. Ab und zu gab es ein Experiment. Der Indikatorstreifen färbte sich lila. Die Legrerin sagte im Buch steht blau, schreibt bei eurer Projektbeobachtung blau...




      15.11.2004, 13:09 von ulf
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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      @[Benutzer gelöscht] Auf jeden Fall ein guter Text. Ich denke, viele Schüler verlieren irgendwie die Lust an ihren Fähigkeiten, weil sie ihre Motivation zu früh verlieren. Außerdem halte ich auch nicht viel davon, die Begabung überdurchschnittlich intelligenter Kinder nur dadurch zu fördern, indem man ihre Ausbildung beschleunigt, sprich sie ein oder mehrere Jahre überspringen zu lassen. Vielmehr Sinn macht da der im Artikel erwähnte Ansatz.

      Was das Mobbing in der Schule angeht, das ist auch eine Sache der Persönlichkeit der Betroffenen. In meiner STufe z.B. waren 7 Übersrpinger und dazu noch einige Shcüler, die ziemlich gut in der Schule waren und auch auffällig gut und viel mitgearbeitet haben, und die sind auch unterschiedlich gemobbt worden, die meisten eigentlich gar nicht, nur die, die auch von der Persönlichkeit her nicht gut mit den anderen klar kamen, musst sich mal einen Spruch anhören.

      02.08.2004, 16:40 von hape
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    Hi Dorothea,

    sehr richtiger und guter Text, auch die Schlüsse scheinen logisch und natürlich muss an den deutschen Schulen etwas geändert werden, aber viel wichtiger scheint mir eine Änderung der grundsätzlichen Einstellung gegenüber Eliten hierzulande wichtiger.
    Natürlich kann man mit geschicktem Verhalten ohne Anfeindungen gut in der Schule sein, aber wozu denn? Bis zur Uni denken in der zehnten Klasse nur wenige und den meisten Lehrern sind die Leistungen der Schüler egal, so lange diese nicht in Gefahr sind, sitzen zu bleiben.
    Wenn es zum Beispiel von Seiten der Schule eine Belohnung für gute Leistungen geben würde, wäre das ein Anreiz, sich in der Schule anzustrengen. Würden dann auch innerhalb eines Jahrgangs Kurse geteilt, so dass die stärkeren und schwächeren Schüler jeweils unter sich wären, würde das die Situation etwas entschärfen.
    Auch würde meiner Meinung nach ein Zentralabitur helfen, da die Lehrer dann an den Lesitungen der Schüler gemessen werden könnten und so vielleicht selber wieder etwas mehr Motivation mitbringen würden.
    Naja, nur so ein paar Gedanken,
    schöne Grüße,
    Emanuel

    29.07.2004, 22:38 von Emanuel
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      @Emanuel Hallo Emanuel!
      Was die Einstellung gegenüber Eliten angeht, muß sich allerdings einiges ändern. Oder eher "müßte"? Denn wie realistisch ist es, daß das Mobbing eingeschränkt werden kann? Irgendein Mitschüler wird immer auf die Idee kommen zu lästern und zu hetzen. Und leider ist es viel einfacher, mitzuhetzen als sich dagegenzustellen, so daß der Hetzer bestimmt nicht lange alleine bleibt.
      Es ist in der Tat noch ein langer Weg von der 10. Klasse bis zur Uni, und diese Zeit läßt sich nicht immer einfach überstehen, wenn man zum Außenseiter gemacht wird. Auch wenn man in dem Moment weiß, daß es ab der Uni (hoffentlich) alles anders wird.
      Daher finde ich ja gerade die außerschulischen Aktivitäten so wichtig, weil man sich dort aufgrund von Interessen mit Leuten anfreunden kann und nicht, weil man zufällig zusammen in ein und dieselbe Klasse gewürfelt wurde.
      Viele Grüße,
      Lotus

      30.07.2004, 13:22 von Lotus
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