Bildung zum Selbstkostenpreis
In Deutschland ist der Zugang zur höheren Bildung frei. Ich komme aus einem Bundesland, in dem es keine Studiengebühren gibt.
Ich habe in ein paar Wochen einen Bachelorgrad an einer Uni, in einem Studiengang der deutschlandweit sehr renommiert ist; Hochschulrankings, Veröffentlichungen, super Chancen. Selbst ohne Studiengebühren war dieser Weg schon nicht sehr einfach; BAföG hin oder her, aber es war möglich. Eigentlich kann man hier, wo ich studiere, sehr angenehm vom BAföG Höchstsatz leben, aber ich kenne keinen der den Höchstsatz bekommt.
Ich habe zeitweise drei bis vier Nebenjobs gleichzeitig und trotzdem minimale Regelstudienzeit. Ich habe das aber immer gerne getan, denn das Gefühl, an seinem Lebensunterhalt mitgearbeitet zu haben, ist doch gar nicht schlecht. Aber das wird keine Geschichte über das BAföG.
Bei vier Masterstudiengängen habe ich mich beworben, an meiner Hausuniversität steht noch ein Zulassungsgespräch aus, aber ich bin zuversichtlich. An einer anderen Uni, genauso renommiert und in den Rankings immer direkt vor oder hinter uns, bin ich direkt nach dem Aufnahmetest noch auf dem Flur angenommen worden. Ein tolles Gefühl, man wird gewollt.
Einer von 15-20 auserwählten Studenten, das muss toll sein.
Ich fand weder die Uni dort noch die Stadt sehr ansprechend, aber seit dem ich weiß ich könnte den zweiten Teil meiner Hochschulausbildung genau dort beschreiten, reizt es mich doch ungemein. Ich denke karriereorientiert. Ich schwebe zwischen zwei tollen Unis, ich kann fast nichts wirklich falsch machen, denn egal wer mir hoffentlich in zwei Jahren meinen Mastergrad ausfüllt, er wird von einer Top Adresse kommen.
Ich habe auch bereits eine Pro- und Contraliste geführt. Ich kann das nicht, ich habe das Gefühl mir da etwas zu recht zu lügen. Empfehlungen gibt es keine. Es sind ein paar Lehrplanunterschiede, die ich mir zu Gemüte geführt habe. Einmal, zweimal, dreimal. Ich habe mit meinem besten Freund telefoniert, in der Hoffnung er sagt ich solle da bleiben wo ich bin. Er hat mir den Wunsch nicht erfüllt, es wäre schon sichtbar, dass auch die neue Uni gut zu mir passen würde.
Ich rede über dieses Problem nicht mit meiner Mutter, sie grämt sich sehr wenn wir darüber reden. Ich kann nämlich nicht in die andere Stadt zum studieren, obwohl ich schon die Einladung auf dem Tisch liegen habe. Trotz der drei bis vier Nebenjobs, die Studiengebühren machen es mir schier unmöglich, meinen Wunsch zu erfüllen. Studienkredite sind keine Option, ich habe bereits einige Tausend, wenn nicht Zehntausende Euro Schulden durch mein BAföG und meine Eltern haben es nie geschafft, etwas für mich zurückzulegen.
Ich kämpfe auch nicht und ich schimpfe nicht großartig über das System, ich bin in dieser Schicht so aufgewachsen. Ich habe Kommilitonen mit Aktien und Bildungsfonds, mit Tanten und Onkels und Omas und Opas, die sich bisher nie groß von mir unterschieden haben. Wir haben bisher das Problem wegargumentiert. Sie haben gesagt, das bekommst du schon irgendwie hin, weil sie es nicht besser kannten. Jetzt kapituliere ich vor dem Problem und einige meiner Kommilitonen schimpfen über das System, ein System, das sie bisher so nicht kannten.






Kommentare
Jeder kann selbst entscheiden, ob er oder sie studieren will. Jeder weiß auch welche konsquenzen esfür ihn hat. Ich wollte studieren, aber nichtsosehr das ich deswegen Schulden machen wollte. Ich habe mich deshalb für eine Ausbildung entschieden und versuche dann mit Weiterbilungen voran zu kommen.
05.08.2007, 18:44 von Honigkuchenmondlangweilig zu lesen - ich hab immer mal wieder einen satz übersprungen - schnarch. thema vielleicht anders beschreiben? seite 1 find ich echt witzig
01.08.2007, 12:15 von analogLieber Neoner-Teil...
01.08.2007, 05:50 von mezzanineich verstehs einfach nicht.
So bissig ich auch bin und so wenig ich die Gruende fuer das Posten einiger Titeltexte hier auch verstehe.. - darueber moechte man sich ja noch echauffieren koennen, immer wieder gern, aber was hier in neuster Regelmaessigkeit abgeht ist ja wohl unter aller Sau.
In einer Kontinuitaet wird hier Leuten fuer ihre Subjektivitaeten ungekonnt und vollkommen deplaziert vor die Stirn gekackt, dass es nicht mehr feierlich ist...
Ich bin ja nun weiss Gott auch nicht der groesste Friedensmissionar und auch kein Schlichter, aber mir verlangt es hier nach einem: ist euch das nicht zu bloed?
Wenn hier jemand andere Erfahrungen gemacht hat und meint, dass es eben moeglich ist mit 5 Jobs, 3 Kindern und "armen" Eltern zu studieren, ist es doch schoen, dass er uns daran teilhaben laesst.. oder mich - aber kann man sich nicht im gleichen Atemzug auch einfach sparen die Autorin persoenlich anzugehen (Elite.. Entscheidungsdummheit blablabla) und das auf so selbstprofilierende Weise, dass ich mich frage, ob man denn nichts anderes zu tun hat, als sich im "direkten" (Freizeitinternet-) Vergleich fuer das wertvollerere, weil vermeintlich widerstandsfaehigerere Gesellschaftsmitglied halten zu wollen.
Na dann macht mal schoen weiter,
ganz grosses Tennis.
Bildung ist eine zwei Klassengesellschaft? Die ganze Welt beneidet uns um unser Bildungssystem! Meine roomies lachen über die Höhe unserer Studiengebühren (sind hier 10mal so hoch) und die Professoren teilen mir immer mit, wie sie mich wegen unseres Bildungssystems beneiden!
01.08.2007, 02:45 von milk_manIch glaube, es wir nur mal wieder auf hohem Niveau gejammert...!
P.S. Ich bekomme übrigens auch kein Bafög, hab da irgendwann während meiner Lehr ein paar Groschen zuviel auf meinem Bausparvertrag gespart....!?!
@milk_man Ich glaube, da hast du was missverstanden. Niemand hat behauptet, dass Deutschland das allerschlechteste System hat. Ich glaube, der Punkt geht an die USA. Die, die ein noch ungerechteres System haben, beneiden uns sicher um die relativ gute Erreichbarkeit einer Hochschulausbildung. Trotzdem gibt es Länder, die keine Studiengebühren verlangen, in denen es möglich ist, ein Studium schuldenfrei zu beenden. Die beneiden uns mit Sicherheit nicht um ein Bildungssystem, das schon in der ersten Klasse anfängt, unfair zu sein. Wer Geld hat, kann seinen Kindern Nachhilfelehrer, Musikschule, Sportverein etc. bezahlen, ärmere Eltern können das nicht. In anderen Ländern gibt es solche Sachen als kostenlose Zusatzangebote der Schulen. Bei uns nicht. Andere Länder lassen die Kinder bis zum Ende ihrer Schullaufbahn gemeinsam lernen, so dass auch ein Kind, das am Anfang noch Schwierigkeiten hat, später einen hochschulfähigen Abschluss machen kann. Bei uns werden die Kinder oft schon in der dritten Klasse nach Klugheit auf verschiedene Schulen sortiert, und wenn man einmal niedriger eingestuft wurde, hat man es wegen der unterschiedlichen Anforderungen sehr schwer, in den nächsthöheren Bildungsgang zu gelangen und dort auch zu bestehen. Wer dann überhaupt noch beim Abitur ankommt, hat geringere Chancen, sein Studium zu schaffen, je weniger Geld er mitbringt. Es gibt natürlich die lobenswerten Ausnahmen, die es schaffen, drei Jobs, 30 Wochenstunden Vorlesungen und Seminare plus 3-4 Stunden pro Tag Zuarbeit für die Seminare und Vorlesungen unter einen Hut zu bringen, aber die sind mit Sicherheit nicht die Regel.
01.08.2007, 12:00 von katze69@katze69 hört doch endlich mal auf, euch über "ungerechtigkeit" die augen auszuweinen! es gibt keine gerechtigkeit, menschen SIND unterschiedlich und es KANN nicht das ziel sein, alle gleich zu behandeln und eine mittelmäßigkeit zum neuen standard zu erheben.
01.08.2007, 14:54 von neLLiTheKidbeschwert euch nicht nur beim staat, das bildungssystem IST marode, aber versteht bitte auch, daß kein staat sich leisten kann, um der persönlichen entwicklung und entfaltung einiger völlig realitätsferne und auf dem markt absolut nicht benötigte studiengänge zu subventionieren oder sich langzeitstudenten zu leisten und was nicht alles sonst so in unserer studentenwelt vorgekommen ist und noch vorkommt.
macht das beste aus dem, was ihr habet, nehmt, was ihr kriegen könnt und setzt die energie, die ihr zum jammern verschwendet, mal lieber ein, eure ziele und träume zu erreichen
wenn eine soziale schichtung dein problem ist kommt das aus dem text definitiv nicht raus.
31.07.2007, 23:59 von nutelladas klingt nur so, als ob du es gemein findest, dass du nicht genug geld hast für das, was du gern tun würdest. das geht aber nicht nur dir so.
und es kommt auch nicht raus, was du dagegen getan hast. oder ob du überhaupt was getan hast.
so wie er ist frag ich mich wirklich, was den text auf die startseite gebracht hat.
Ich verstehe dein Problem auch nicht, entweder du bleibst in der Stadt wo du jetzt bist und wo du mit deinem Geld aus kommst oder du gehst in eine andere Stadt, wo das Studienniveau genauso hoch ist, wo die Lebenshaltungskosten aber viel höher sind? Hä? Wo is da das Problem? Wenns dir nur ums Geld geht, weil die Unis gleich gut sind, dann bleib doch wo du bist.
31.07.2007, 19:37 von MofoAber großartige Diskussion geworden, besser als immer dieses "toller Text". :-)
@Mofo Aber eben der Umstand, dass sie nicht zwischen den beiden Städten wählen kann ist doch das Problem!
31.07.2007, 21:51 von carmetaUnd um mich mal dem Tonfall meiner Vorredner anzuschliessen:
Wer von seinen Eltern nicht finanziell unterstützt wird, weil die von ihrem Lohnüberschuss das Haus abbezahlen, dessen Eltern haben immerhin ein Haus...
Ich verstehe leider nicht so ganz genau, worum es eigentlich geht...
31.07.2007, 19:00 von sailorAllerdings habe ich das Gefühl, daß das auch nicht weiter tragisch ist.