elixa 30.11.2007, 12:33 Uhr 41 3

Bachelor oder andere Stolperfallen

Ich bin mit dem Gedanken an die Universität gegangen, dass ich jetzt endlich das studieren kann, was mich wirklich interessiert.

Ich sitze auf einem harten Holzklappstuhl und bin schon froh nicht auf dem Gang sitzen zu müssen. Meine Gedanken drehen sich schon seit Tagen im Kreis.
Was mach ich hier eigentlich? Will ich wirklich Realschullehramt studieren und später an einer Staatsschule unterrichten? Nein, will ich nicht, mich macht der Gedanke sehr unglücklich, ich fühle mich schlecht.

In der Mathematikvorlesung verstehe ich schon seit 2 Wochen nur noch Bahnhof, dabei hatte ich doch mal so viel Spaß an der verdrehten Welt der Zahlen.
Das Bachelor-System ist noch so frisch, dass keiner weiß, worum es geht. Das neue Creditpoint-System lässt einem keinerlei Freiheiten mehr. Man muss bestimmte Kurse besuchen, die man vielleicht erst später im Studium belegen wollte.

Und wenn man gerne mehr belegen würde, geht das nicht, weil nicht genug Kurse angeboten werden, in denen die erforderlichen ECTS Punkte erworben werden können.

„Ich brauche unbedingt in Allgemeiner Pädagogik noch 2 ECTS Punkte!“
„Dieser Bereich bietet dieses Semester nur die eine Vorlesung mit 3 ECTS an.“
Vielen Dank auch.

„Nein in Mathe können sie nicht mehr belegen, als diese Vorlesung mit dazugehöriger Übung.“
Wie soll ich denn bitte auf meine 30 Punkte kommen?
„Machen sie sich mal keine Sorgen, das machen wir schon irgendwie.“
Na wunderbar. Einfach mal machen – nicht wissen wie, aber einfach mal machen.

Man ist den ganzen Tag in der Universität, hat Wartezeiten von 3 oder 4 Stunden und hat Freitags frei, weil da scheinbar keiner der Dozenten seine Lehre an den Mann bringen will.

Ich bin mit dem Gedanken an die Universität gegangen, dass ich jetzt endlich das studieren kann, was mich wirklich interessiert. Ich hab mich richtig gefreut, auf das Studentendasein. Jetzt bin ich in einem schlimmeren Schulsystem als ich es vorher war.
Man hat seinen festen Stundenplan und mehr ist nicht möglich, fertig aus, wir müssen europäischen Standard erreichen. Nach 6 Semestern Bachelor, nach 7 Semestern erstes Staatsexamen. Verlängerung nicht möglich, „es sei denn sie werden Schwanger oder machen ein Auslandssemester.“ Wenn man die Prüfung nicht besteht, hat man die Möglichkeit sie einmal zu wiederholen, wenn man sie dann nicht schafft – ja Pech gehabt, dann muss man sich für einen anderen Studiengang entscheiden.

Schön und gut, dann nehme ich statt Mathe eben Geschichte, aber wer gibt mir dann meine erforderlichen Credits? Ok, muss ich im Sommersemester eben statt 30 Punkte einfach mal 45 machen, ist ja gar kein Problem, nur wieso wird dann die Hälfte der Kurse die ich brauche im Sommersemester gar nicht angeboten? Und wie soll ich dann Geschichte, wofür ebenfalls 6 Semester vorgesehen sind in 5 Semestern machen?

„Ach sie haben ihr Orientierungspraktikum noch nicht? Dann müssen sie das Blockpraktikum eben im Herbst machen!“ Gut mach ich es im Herbst, wenn die Universität netter weiße dafür sorgen würde, dass der begleitende Intensivkurs auch im Sommersemester angeboten wird.
„Geht nicht, da wird uns betreffender Dozent leider verlassen, dann melden sie sich doch einfach trotz des fehlenden Orientierungspraktikums an."
Oh super Idee, einfach mal machen, wir sehen dann schon was passiert!

Dieses System ist so wenig durchdacht, dass man es eigentlich noch lang nicht anwenden dürfte, und die neue Prüfungsordnung ist noch nicht in Kraft.

Aber das ist wieder Vater Staat. Wir reformieren das Bildungssystem und heraus kommt nur wieder eine total verknotetes Wollknäuel, dass auch der klügste Student nicht mehr entwirren kann. Lieber Staat hiermit hast du wieder eine fähige Fachkraft weniger.

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41 Antworten

Kommentare

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    junggeselle rocks

    15.12.2007, 16:15 von MrKartoffelkopf
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    ja in wien ist es nicht anders

    politikwissenschaft wurde dieses semester auf bachelor umgestellt und wir studenten sind eben die versuchskaninchen an denen die unterrichtsmethoden probiert werden....blöde sache

    11.12.2007, 12:37 von Fabian.
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    DU HAST JA SOOO RECHT!!
    hier in österreich ists nicht anders, bisher sieht man noch keine vorteile von bakk. bzw. master- studium, die punkteberechnung ist sowieso für keinen durchschaubar, bzw. ist alles so wahnsinnig ungeplant, dass es eh schon an eine "frechheit" grenzt!!

    was ich auch komisch find ist die "neue titelbezeichnung", wie zB: ich studieren informationsdesign - hab dann abschluss bakk./master of arts, eine freundin von mir studiert pädagogik und hat dann auch "Master of arts" als titel. halllooo??? was haben den design und pädagogik gemeinsam??? was hat pädagogik mit "art" zu tun?? nicht dass ich jetzt den titel als so wichtig und auschlaggebend empflinde, aber ich find das beispiel zeigt einfach gut wie wenig durchdacht das alles noch ist ... aber einfach mal machen, eine art losverfahren entscheidet über die titelbezeichnung.

    aber wie du schon so schön beschrieben hast ...
    "einfach mal machen" ...

    10.12.2007, 13:51 von milchmitschaum
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    Du sprichst mir echt aus der Seele !
    ich studiere seid diesem Semester Grundschullehramt, das auch auf Bachelor umgestelllt wurde und habe genau die selben Probleme.

    09.12.2007, 16:22 von Anel
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      @Anel Auch ich habe mit dem Bachelorsystem meine Probleme. Zwar studiere ich genau was ich wollte(politik), doch halte ich die gedrängte zeit für wirklich ungeignet um ein geisteswissenschaftlichesb Studium zu absolvieren. Meine Kommolitonen kommen nicht mehr vor ihren Computern hervor und trotzdem beklagen sich alle darüber, nicht vorwärts zu kommen.
      Wie will deutschland neue große Denker hervorbringen, wenn man es als engagierter Student nicht mal schafft, etwas außerhalb der vorgegeben Literatur zu lesen oder überhaupt selbstständiges Denken vorran zu bringen?

      09.12.2007, 23:55 von PaperBird
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    "Education in our times must try to find whatever there is in students that might yearn for completion, and to reconstruct the learning that would enable them autonomously to seek that completion." (Allan Bloom)
    Eine Vision. Es ist doch traurig, dass Bildung und Frust heute unausweichlich zusammen zu hängen scheinen. Und wenn sich das jetzt automatisch auch auf angehende Lehrer überträgt, wird sich wohl noch lange nix ändern...

    09.12.2007, 13:53 von trinie
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    haha. ich brauch die kommentare gar nicht zu lesen, diesen artikel kann ich vollkommen unterschreiben. ich studiere chemie auf bachelor und werds wohl abbrechen. ("was passiert wenn ich diese prüfung nicht bestehe?" - "och, dann verlieren sie ein ganzes jahr")

    06.12.2007, 00:12 von BonbonAusWurst
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    Hallöchen erstmal!

    Auch auf die Gefahr hin, als Besserwisser anzukommen...deine Beschwerde müsste nicht an Vater Staat gehen, sondern an Vater Bundesland und an deine Uni. Das Problem in Deutschland ist ja eben, dass so vieles in der Bildung eben nicht zentral für das ganze Land geregelt wird, sondern jedes Bundesland sein eigenes Ding machen kann und diese Situation wollen die Bundesländer leider auch nicht aufgeben, wo kämen wir da hin, wer die meisten Kompetenzen hat, hat gewonnen!

    Dass die Umstellung auf Bachelor und Master oft so chaotisch vonstatten geht, hat mehr mit "Nicht-Wollen" zu tun als mit "Nicht können", den Eindruck bekomme ich zumindest. Es ist natürlich nicht Sinn der ganzen Idee, dass jeder Professor unterschiedliche CP-Zahlen für seine Studenten festlegt! Das hat was mit allgemeinem Misstrauen gegenüber Veränderungen zu tun und mit der Überzeugung, dass die eigenen Lehrveranstaltungen immer die wichtigsten sind und überhaupt will man ja nicht dasselbe machen wie die Konkurrenz der anderen Fakultäten und Institute!

    Ich denke schon, wenn man wöllte (gewollt hätte), hätte man es sehr viel besser hinkriegen können. Das liegt aber nicht am "Schwarzen Peter Bachelor", sondern eben an individuellen Entscheidungen.

    Ich werde auch immer ganz verwundert angeguckt, wenn ich nicht begeistert in die Bachelorschimpfe mit einstimme, aber ich hatte auch einen Bachelor (European Studies) und ich fand´s gut! Ich hatte nie das Gefühl, nur ausführende Marionette zu sein, es gab mehr als genug Entscheidungen zu treffen und es gab auch ausreichend Gelegenheiten, seinen persönlichen Interessen zu folgen. Es kann also auch im Bachelor funktionieren....wenn alle WOLLEN, dass es funktioniert :) (bei diesem Wollen bin ich mir sehr unsicher, nicht weniger wünschen sich vielleicht ein grandioses Scheitern und dann die Rückkehr zur geliebten Vergangenheit...)

    Viel Glück und Erfolg noch weiterhin für dein Studium!

    05.12.2007, 12:52 von Fatiha
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      @Fatiha erm... also der Bologna Prozess wurde durch die KMK schon verbindlich für alle Hochschuleinrichtungen akzeptiert, DAS ist dann doch Bundessache. Und so manche Profs wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Einführung solcher Studienabschlüsse, weil sie im Gegensatz zu Kultusministern auch regelmäßig und langjährig Lehrerfahrung haben.
      Ich sags gern noch mal: schön, daß auch du einen guten und entspannten BA gemacht hast, das finde ich nicht schlecht. Aber der großen Mehrheit von BA- oder MA Studierenden gehts nicht so.
      Und als Beispiel für die Qualität dieses Abschlusses: Während meine Uni mit der Sciences Po in Frankreich einen Doppeldiplomaustauschprogramm hatte (also kein Problem mit dem angeblich antiquerten Diplom, genau wie mehr als 70 ausländische Netzwerkpartnerunis), wurde die Idee eines Französich-Deutschen Doppel-Masters abgelehnt - weil denen unsere Ansprüche und Chancen auf dem Arbeitsmarkt hinterher nicht genug sind.

      05.12.2007, 13:44 von Ghandi
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    Ach wie schön, ich studiere noch diplom aber was chaotische zustände, miese betreungsverhältnisse und viel zu viel arbeit angeht scheint ihr bachelorstudenten nicht das monopol zu haben. Das kommt viel eher auf die uni und den studiengang an. Ich studiere maschinenbau und ich erinner mich nur vage an das wort ferien. Meine letzte Klausur habe ich 4 tage vor semesterbeginn geschrieben, ich habe wöchentliche Abgaben von aufwendigen technischen zeichnungen und höre meine Vorlesung im schnitt mit 800 leuten. Es gibt keine Übungsgruppen für Thermodynamik wo mehr als die üblichen 50% durchfallen und das obwohl wir immerhin 500 euro für die gute betreung und natürlich die verbesserung der lehre blechen.
    Tatsache ist es macht mir seltsamerweise trotzdem spaß und ich denke das ist letzendlich auch die hauptsache. Studieren war nie problemlos und einfach aber wenn du vor hast den Beruf den du erlernst den rest deines lebens auszufüllen und glücklich damit zu werden muss man vielleicht auch kleine opfer dafür in kauf nehmen :) In dem Sinne Kopf hoch und viel Spaß beim Studieren!

    04.12.2007, 22:38 von Dorothee
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    Den Müll hab ich auch jahrelang mitgemacht. 2002 habe ich in einen neuen Bachelor Studiengang belegt, in dem wir (O-Ton) "Red-Carpet-Treatment" bekommen sollten. Davon gesehen habe ich nichts. Der Studiengang war damals noch nicht mal akkreditiert, so wie ich ihn studiert habe, ist er auch nie akkreditiert worden. Ich habe nach einer Prüfungsordnung studiert, die nie in Kraft getreten ist und mir nie hätte ausgehändigt werden dürfen. Im ersten Semester wusste noch niemand, was wir in einem der Nebenfächer belegen sollten. Die Kurse gab es nicht. Nach 5 Semestern wussten die Dozenten teilweise noch nicht, dass es uns überhaupt an der Uni gibt. Ich war die Erste, die mit dem Studiengang fertig geworden ist, das Versuchskaninchen also. Und ich durfte mir meine Prüfungen auch noch selbst organisieren. Der Hammer war dann, als mir die zuständige Professorin eine Mail mit einem Zeugnis-Template schickte und meinte: "Sie können doch sowieso viel besser mit dem Computer umgehen als ich. Schreiben Sie sich Ihr Zeugnis doch am besten selbst." Ich hab gedacht, ich spinne! Die Sekretärin hat sich dann Gott sei Dank dazu Bereit erklärt, dass Zeugnis zu erstellen. Es wurde dann auf dem billigen Institutsdrucker ausgerduckt. Vorher habe ich mir noch selbst im Copyshop edleres Papier gekauft, damit das Zeugnis wenigstens nicht ganz so billig aussieht. Kurz nach meinem Abschluss ist der Studiengang dann auch eingestampft worden. Es hat sich niemand darum kümmern wollen und die Organisation war mehr als bescheiden. Ich würds auch nie wieder machen, weil ich für mein Studium sehr viel Aufwand hatte und nur einen popeligen Bachelor bekommen habe. Aber wie heißt es doch so schön: Im Nachhinein ist man immer schlauer.

    04.12.2007, 20:37 von Aelgkalv
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    liebe elixa,
    ich kann dir nur zustimmen.
    ich bin zum glück an einer kleineren hochschule mit etwas kleinerem chaos, weil die wege zum beschweren etwas kürzer sind. ;)

    die erhoffte transparenz und wechselmöglichkeit ist dem bachelor-system leider nicht gekommen...

    deswegen sollten wir andauernd den zuständigen stellen auf die nerven gehen und verbesserungsvorschläge einbringen. ok, das frisst zeit und nerven.

    die alternative wäre, das system zu boykottieren und erst dann wieder zu studieren, wenn es wieder das gute alte diplom, staatsexamen, etc. gibt.

    04.12.2007, 17:46 von lila-hexe
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