Pustekuchen 03.04.2012, 19:48 Uhr 3 0

Angst

Hautkribbeln, Atemnot, Gänsehaut - und plötzlich hat die Panik dich im Griff.

Ich liege rum. Starre die Decke an. Ich denke und denke nicht. Ich kreise in Gedanken um Bilder, Menschen und Gesprächsfetzen.
Die Mottowoche..meine letzte Woche Schulzeit. Was kommt noch? Nur noch eins: Abiturprüfungen.
Dieses Wort hat sich in meinem Kopf schon jetzt zu einem Monster mit 3 Köpfen entwickelt. Warum? Tja...was wenn es schief geht?

Ich stehe auf, laufe ziellos durch eine leere Wohnung. Ich denke im Kreis. Was passiert mit mir nach dem Abi? Was studiere ich? Wo studiere ich? Von überall her murmeln Menschen  "Du hast noch so viel Zeit!" und "Abwarten und Tee trinken". Sie tätscheln mir den Kopf oder klopfen mir auf die Schulter, wenn ich sie mit angstgeweiteten Augen anstarre. Sie sprechen diese Plattituden aus wie Mantras, als würde alles irgendwie besser solange man einen Satz hat, den man immer und immer wieder herunterbeten kann. Niemand scheint sich daran zu erinnern, dass die Wahl der Zukunft keine eben-so-Entscheidung ist.
Es ist die erste wirklich große Entscheidung, die man als junger Erwachsener treffen muss. Auch das klingt komisch.. 'Junger Erwachsener'. Plötzlich muss ich Veranwortung übernehmen, ich muss Dinge entscheiden, Anrufe machen, bewerben, einschreiben, wählen, Menschen treffen. Ohne jemanden, der Händchen hält. Kein Sicherheitsnetz, denn ich bin ja "alt genug das alles allein hin zu bekommen".
Und mir fällt wieder auf, dass Menschen echt beängstigend sind. Dass ich es hasse zu telefonieren. Dass ich keine Ahnung habe wie die Uni funktioniert. Und dass ich bald, wenn irgendetwas schief geht in meinem Leben, nur mir die Schuld geben kann und niemandem sonst.

Ich sitze im Schneidersitz auf dem Balkon. Ich rauche, um die Nervösität loszuwerden. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich habe tausend Fragen, nur Antworten gibt mir niemand, will mir vielleicht niemand geben, weil es vielleicht eine der großen Reifeprüfungen ist.
So weit hatte ich nie vorausgeplant. Ich hatte immer nur gedacht..bis zum Abitur musst du durchhalten und alles danach wird sich ergeben. Jetzt stellt sich auf einmal heraus, dass das echte Leben erst danach auf mich wartet. Und dass die wichtigen Hürden NACH dem Abi kommen.

Ich begrabe meine naiven Kindheitsträume. Es ist nicht alles immer rosarot und Pustekuchen. Meine Haut kribbelt, mein Atem stockt und meine Gänsehaut streicht den Rücken herunter. Die Panik hat mich, die Angst zu versagen, zu verlieren, eine falsche Entscheidung zu treffen. Ich rauche, um die Angst zu bekämpfen.

Die Sonne geht langsam unter. Es wird früh dunkel, schließlich ist es noch Frühjahr. Ich denke nach, über die Vergangenheit und wie einfach früher alles war. Und plötzlich fällt mir ein, dass ich furchtbare Angst hatte aufs Gymnasium zu kommen. Genauso große Angst hatte ich vor meinem Führerschein. Und davor arbeiten zu gehen. Was ist passiert?

Der erste Tag, schlimme Panik...irgendwo eine Hand, die zwar hält, aber plötzlich steh ich allein. Etwas Großes, Neues vor mir. Ich habe Angst. Und dann..atme ich ein und versuche es. Versuche es bis es klappt. Arbeite und lerne es kenne und fühle mich ein und fühle mich wohl. Die Gewohnheit schleicht sich ein und das Neue wird alt. Es war viel weniger schlimm als gedacht.

Ich drehe nicht durch. Ich atme ein. Und hoffe. Dass die große Panik wie bis jetzt jedes Mal vorübergeht. Ich atme und fange an mich zu freuen. Auf neue Menschen, neue Gedanken und neue Herausforderungen. Und die Angst... tja, die wird noch eine Weile bleiben. Das ist kein Weltuntergang.


Tags: Studium, Panik
3 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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    dein text erinnert mich sehr stark an mich...bis zum abitur dachte ich immer, wenn es dann so weit ist werde ich schon wissen was ich machen will...aber so war es nicht, ich habe erst einmal gejobbt und war dann im ausland, eine tolle zeit, die ich auf keinen fall missen möchte! allerdings war mir auch dann nicht klar was ich denn machen möchte...naja ich habe mich an verschiedenen unis beworben und studiere jetzt...ob es das ist was ich immer machen wollte? keine ahnung! aber irgendwann muss das leben auch weiter gehen und es ist nie zu spät einen anderen weg zu gehen, egal für was du dich entscheidest! also mach dir nicht zu viel druck, das leben hält irgendwas für dich (und auch für mich) bereit und irgendwann wissen wir auch was! :) ganz viel mut dafür wünsche ich dir!

    04.04.2012, 21:06 von FloorSound
    • 0

      Vielen vielen Dank...irgendwie beruhigt mich das jetzt gerade sehr. Mal sehen wohin ich nach dem Abi erstmal gehe.. :)

      13.04.2012, 10:06 von Pustekuchen
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