RAZim 30.11.-0001, 00:00 Uhr 17 42

Zeitweise Nebel

Später am Abend grübele ich weiter und wundere mich. Über Macken in Raufasertapeten, Telefonate und Jahrzehnte. Und verstorbene Goldhamster.

Fensterblick.

Zweige, die wie alte knochige Hände nach den drei Wolken greifen, die sich am hellblauen Himmel einsam voran schieben.

Eine gute Metapher wäre das. Die Zweige, die Wolken, der Himmel. Aber für was?

Habe ich mich vielleicht zu nah an das Nichts herangewagt? Die Rädchen greifen einfach nicht ineinander. Es war so eindeutig und klar in meinem Kopf, zum Anfassen nah. Ich nippe an meinem schalen Bier und beschließe morgen auszuschlafen.

Beim Balkonrauchen erinnere mich an den Freund eines Kumpels, den ich einige Tage zuvor in einer Kneipe kennen gelernt hatte. Ich war schwer beeindruckt von seiner Konsequenz und seinem Mut für einen großen Traum zu kämpfen und alles zu geben. Nicht zuletzt bewunderte ich auch das Selbstvertrauen, welches trotz mancher Zweifel und Risiken ja zwingend vorhanden sein muss.

Zigarette in der einen, Kinn in der anderen Hand, denke ich über meine Träume und Wünsche nach. Mir fällt als erstes der Affe in Homer Simpsons Kopf ein.

Später am Abend grübele ich weiter und wundere mich. Über Zeit und Raum, Macken in Raufasertapeten und warum ich Hanteln besitze. Über die Liebe. Über verstorbene Goldhamster.

Über gedachte und gesagte Gemeinheiten und Selbstsucht. Über Telefonate und Jahrzehnte. Und darüber, ob Träume und Wünsche vielleicht manchmal überschätzt werden.

Insbesondere wenn es zeitweise nebelig ist.

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17 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 8

    goldhamstergeschichte für zwischendurch:


    eine bekannte hatte als kind einen hamster, der wohl nicht mehr alle nadeln an der tanne hatte. er wollte nie gestreichelt werden (okay, ist einstellungssache) und hat alles was in den käfig gehalten wurde gebissen. seine lieblingsbeschäftigung war gitterstäbe annagen. irgendwann hatte er dann mal einen durch und hat sich prompt an diesem sein auge ausgestochen. der anblick reicht ja für ein kind eigentlich schon. der hamster hat aber noch ne schüppe draufgelegt und das auge gefressen. blutige augenhöhle, blutige schnauze und pfoten. dann bekam er einen hässlichen tumor am aufgefressenen auge, da aber noch nicht einmal der tierarzt seiner habhaft werden konnte, musste sie das tier so sterben lassen. soviel zu goldhamstern.

    ansonsten schöner text.

    04.01.2016, 13:08 von YOLK
    • 6

      goldhamstergeschichte für zwischendurch:

      eine bekannte hatte als kind einen hamster, der auch einen großen freiheitsdrang besaß. damit er nicht dauernd ausbruchversuche startet, durfte er sich stundenlang relativ autonom in ihrem zimmer bewegen und überall hinmachen und kötteln. die mama von der bekannten war aber doch etwas auch reinlichkeit und sauberkeit bedacht, sodass sie die lieblingsstellen regelmäßig mit katzenstreu abdeckte und das sammelsurium an kötteln und absorbiertem hamsterpipi wegsaugte. nun begap es sich zu jener zeit, dass der hamster, fluschi war sein name, morgens nicht wie verabredet in den käfig gepackt wurde, sondern in der zimmerlandschaft seiner laufleidenschaft frönen durfte. eine unvorhersehbare koinzidenz von ereignissen endet damit, dass die mama ebenfalls unter dem bett saugte, mit dem blanken rohr. durchaus gewagt, kamen so doch auch socken und tischtennisbälle in den genuss einer wilden fahrt. fluschi jedenfalls hatte ein wenig schiss und machte sich die imaginären hamsterhosen voll. im hintersten winkel unter dem bett verkroch er sich und starrte mit schreckgeweiteten augen auf das lärmende ende des staubsaugers, das sich unaufhaltsam seinem versteck näherte. es klingelte wohl an der haustür oder auf neon, jedenfalls erstarb mit einem mal der wüste sog und der anstellwinkel des rohres ebnete sich. neugierig, wie fluschi war, begann er umgehend mit der begutachtung der metallenen röhre. warme luft entströmte ihr und ein ihm nihct unbekannter gerucht. vorsichtig steckte er die nase in die dunkle öffnung, als mit einem mal der unwiderstehliche luftstrom einsetzte.
      ein sattes "fump" ließ in den ohren der mama nichts gutes erahnen und ehe sich fluschi versah, steckte er tief im riffeligen teil des staubsaugers, kurz vor beuteleingang. ihm ging es gar nicht gut, auch nicht, als er durch eine rettungsaktion mit teppichmessern aus der falle befreit worden war. nein, nein, er spürte gleich, dass das kein gutes ende nehmen würde. nahm es auch nicht. der tierarzt diagnostizierte schwere innere blutungen und als sich die spritze in den geschundenen leib bohrte, wurde es noch einmal schön warm für fluschi. dann recht kalt, aber vom pappkarton im garten bekam er nicht mehr viel mit. 


      04.01.2016, 14:13 von MaasJan
    • 0

      fluschi, man, fluschi!


      04.01.2016, 14:20 von MaasJan
    • 1

      die hätten ihn mal nicht flutschi nennen sollen.

      04.01.2016, 14:20 von YOLK
    • 1

      ups. mein hirn hat das jetzt automatisch ergänzt. passiert mir in letzter zeit häufiger. auch beim zuhören. aus "ich möchte einen mann, der es ernst meint, ich parshippe jetzt!" ist bei mir "ich möchte melanies erstmann, ich parshippe jetzt!" geworden. ich sollte für ein jahr in urlaub. 

      04.01.2016, 14:33 von YOLK
    • 2

      luschdig auch, dass mein kommentar auf den deinigen vor deinem angezeigt wird..

      04.01.2016, 15:45 von MaasJan
    • 1

      tja. lustig hier. der server hat wahrscheinlich gedacht: oh, gleicher minutenwert. wie sortieren wir das denn jetzt? oh, ich habs! nach alphabet. 

      04.01.2016, 15:52 von YOLK
    • 2

      so ein kluger server.

      04.01.2016, 18:12 von MaasJan
    • 0

      @YOLK: Du hast meine Sicht auf Hamster grundlegend geändert. Nicht unbedingt ins Positive. Dennoch danke für diese Bereicherung.

      18.01.2016, 17:07 von nichtkompatibel.
    • 1

      immer gern, immer gern.

      18.01.2016, 17:42 von YOLK
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  • 1

    Zigarette in der einen, Kinn in der anderen Hand
    -Lebensgefühl. gefällt mir.

    03.01.2016, 18:27 von GirlsWhateverCatsForever
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  • 1

    kannste besser.

    27.12.2015, 20:51 von JackBlack
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  • 1

    Ich mag, wie viel man bei dir zwischen den Zeilen lesen kann.

    27.12.2015, 15:07 von Bender018
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  • 0

    Nachdenklich :)

    27.12.2015, 14:57 von TheCaptainsFiancee
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  • 0

    Balkonrauchen hat beim Lesen geholpert. Schöner Text mit hübschen Worten ist es aber dennoch.

    :)

    Über
    Zeit und Raum, Macken in Raufasertapeten und warum ich Hanteln besitze.
    find ich besonders dufte.

    26.12.2015, 18:12 von smillalotte
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  • 0

    Zigarette in der einen, Kinn in der anderen Hand
    Das hätte jetzt nicht sein müssen, aber ansonsten - schön!



    26.12.2015, 16:11 von yuhi
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