Jakob_Schrenk 29.06.2012, 12:45 Uhr 152 9
NEON täglich

Wird schon schiefgehen

Seid ihr Zweckpessimisten?

Weil sich schauby in den Kommentaren über das NEON Täglich "Arbeiten in der Hölle" von Jakob Schrenk beschwert hat, muss er heute ausnahmsweise selbst ran. Er macht sich Gedanken über selbsterfüllende Prophezeiungen und fordert: Optimismus!


Wie oft passiert es, dass Leute eine Befürchtung oder Sorge, allgemein eine negative Prognose voranstellen, die sich dann - oh Überraschung – anscheinend erfüllt? Ob es um die Zuverlässigkeit eines Partners geht, um die gegnerische Mannschaft, die bisher stets triumphierte, um eine unvorstellbare Geschäftsidee oder so wüstensonnenverbrannte Schwarzmalerei biblisch apokalyptischer Prophezeiungen der Johannesoffenbarung. 

Wievielen Menschen begegnet man, die sich in ihren Grundannahmen über die Zukunft in griffigen Formeln zuversichtlich, aber nach dem 6 Bier hinter zynischen, pseudoabgeklärten Statements verschanzen, um bloß nicht in Verdacht zu geraten, man wäre „so naiv“. Fatalistisch die Hände in den Schoss zu legen, sich einem vermeintlichen Schicksal auszuliefern, weil wir glauben es bereits zu kennen, ist leicht. gottverflucht leicht. Aber was kennen wir? Die Vergangenheit, nicht die Zukunft. Das sollte man sich immer vergegenwärtigen.Es ist allerdings viel bequemer vertrauten Schablonen einfach ihren Lauf zu lassen. Aus dem Bauch heraus zu handeln. Der Instinkt ist schnell und kraftvoll, aber selten up to date.

Ist es nicht einfacher an etwas Misslingendes zu glauben und es in selbsterfüllender Prophezeiung „zu bestätigen“, (ach hab ich’s doch gewusst) als Mut zu entwickeln, das Risiko zu wagen, Neuland zu betreten, ungegangene Wege zu suchen, für die keiner Fährpläne ausstellt, außer der feste Wille dem sogenannten Schicksal zu trotzen? 

Woran glaubt ihr? Mal abgesehen von Christkind und Bausparvertrag. Wieviel Einfluss hat die geäußerte und wieviel die verinnerlichte Erwartung auf ein Ergebnis? Wie kann man sie nicht nur gedacht, sondern handlungswirksam umsetzen? Wann habt ihr das letzte Mal aberwitzige Hoffnung über leidige Erfahrung gesetzt und seid dafür belohnt worden?

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152 Antworten

Kommentare

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  • 0

    17 Jahre Hertha BSC und der Zerfall diverser Wertesysteme und moralischer Normen, die als allgemeingültig im Umfeld deklariert wurden, haben mich zum Worst-Case-Denker werden lassen. Schätze, der Punkt trifft zu, dass es der einfachere Weg ist, immer vom Schlechtesten auszugehen und es dem inneren Weltenanalytiker gut tut, wenn er sagen konnte: War doch zu erwarten oder: Hab ick doch jesagt. Ich glaube an MDMA, die Jungpionierregeln und an gute Gelegenheiten, die nicht ungenutzt bleiben sollten. Als Zweckpessimist sehe ich mich nicht.

    01.07.2012, 02:24 von stereoG
    • 0

      »immer vom Schlechtesten auszugehen«

      Solche Menschen meide ich inzwischen wie der Teufel das Weihwasser, bitte um Verzeihung. Aber nach 17 Jahren Härter BSC ist diese einstellung natürlich auf ganzen Linie nachvollziehbar...

      01.07.2012, 11:24 von sailor
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  • 0

    Ich bin noch hin und hergerissen. Manchmal bin ich mit geschlossenen Augen in ein Risikotümpel hineingesprungen, und wurde mit Schlamm bespritzt, andere Male ist irgendwie doch alles gut gegangen. 


    Gerade jetzt, zu diesem Zeitpunkt, mache ich mir vielerlei Gedanken. Waren meine Entscheidungen bisher produktiv? Einige. Was will ich in der Zukunft haben? Eine Art innerlicher Zufriedenheit und Ruhe. Abschliessen können, auch. Trägheit in Aktivität verwandeln. Hoffen, dass die Steine die einem immer mal im Weg liegen, immer leichter weggeräumt werden können, weil man durch Erfahrungen nun mal wächst und stärker wird. Bin ich stark? Eigentlich schon. Kann ich über meinen Schatten springen, und es mit zwischenmenschlichen Beziehungen nochmal versuchen, nach vielen Jahren ohne? Vielleicht, irgendwann. Es wäre das, was einige Steine leichter machen würde, zum Teil. 

    Im Endeffekt...bin ich gerne eckig und stosse an am Leben. Je schwieriger das Ganze ist, desto besser fühlt es sich an, wenn man den Kopf leicht dreht. Daran glaube ich.

    30.06.2012, 13:22 von LeyluraLegbreaker
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  • 3

    Ich glaube an mich. Das hilft mir daran, an andere zu glauben. Und an die Welt. Ist aber ein Kampf.


    Was ich wichtig finde ist: Andere nicht dafür zu bestrafen, dass man mit einzelnen Menschen schlechte Erfahrungen gemacht hat. 

    Wie man Dinge umsetzen kann: Mit Geduld. Weitermachen, weitermachen, und wenn man nicht total scheiße in dem ist, was man tut, kriegt man auch Ergebnisse.

    30.06.2012, 11:11 von MisterGambit
    • 0

      Was ich wichtig finde ist: Andere nicht dafür zu bestrafen, dass man mit einzelnen Menschen schlechte Erfahrungen gemacht hat.

      Ja. Ist halt erhöhter Schwierigkeitsgrad, weil man das ja selten bewusst tut. Es sich bewusst machen ist anstrengend und bisweilen sogar schmerzhaft, aber es lohnt sich.

      30.06.2012, 13:06 von kirschgruen
    • 1

      @ Gambo

      "andere nich für schlechte Erfahrungen bestrafen."

      sehr wichtiger Punkt. Voraussetzung ist ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn Erfahrungen nich verdaut sind, kann Selbsterkenntnis wie eine Bedrohung erscheinen, die möglichst zu vermeiden ist.  einer der Gründe, warum manche viel länger als nötig in Teufelskreisen rotieren.   

      02.07.2012, 15:25 von schauby
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  • 1

    @schauby, meine eigenen Gedanken zum Thema sind eher naiv, das weiß
    ich, aber sag mal: Hast Du die untenstehenden Reaktionen erwartet? Ich
    finde es interessant zu sehen, dass viele anfangen zu philosophieren,
    wenn DU das NeonTäglich schreibst :)

    Ich bin noch auf der Suche nach dem, woran ich glauben sollte und glaube daher in Ermangelung daran einfach an mich selbst und an das Motto "Es wird schon". Will sagen, ich gebe die Hoffnung nicht auf, und moment... ich GLAUBE (also doch) daran, dass alles schon einen Sinn hat, den ich viellecht nicht sofort, aber vielleicht später verstehen kann. Bei manchen Schicksalschlägen fällt dies wahnsinnig schwer, aber daran kann man rückwirkend ja oft nichts ändern. Wenn Zweifel aufkommen wurschtel ich die irgendwie weg und versuche sie zwar zur Kenntnis zur nehmen, aber mich nicht zu sehr davon beeinflussen zu lassen. Die Uhr tickt eben immer weiter und ich finde man muss die Dinge dann einfach MACHEN, anstatt sie zu zerdenken oder zu zerreden. Guten Morgen, Welt! Die Sonne scheint, wird wohl ein schöner Tag!

    30.06.2012, 08:30 von Mrs.McH
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  • 0

    Zum Thema, Deutschland ist weder Dunkelland noch Sonneninsel. Dementsprechend wechselhaft sind die Stimmungslagen und -bilder. Man sieht das jetzt auch wieder deutlich, beim Ausscheiden der Fußballmannschaft. Absolut dieselben Leute, die in den Gruppenspielen jede Kritik am liebsten verbieten wollten, sind jetzt die, die über die Mannschaft generalisierend herfallen. Das macht das Land so lächerlich berechenbar.

    Und man wird infiziert. Obwohl man es besser weiß, fährt man im Ansatz vergleichbare Reflexe. Ich muss selbst täglich daran arbeiten, den Abstand zu wahren und das Gesamte zu sehen. An guten wie an schlechten Tagen. Das ist tatsächlich auch eine Frage des Glaubens und der bezieht sich bei mir erstmal auf das Leben selbst. Darauf, dass die Moral der Geschichte immer eine simple, jedoch die Geschichte selbst eine hochkomplexe ist. Der Code ändert sich beständig.

    30.06.2012, 03:11 von Boahmaschine
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  • 0

    Gestern der Text war viel witziger.

    30.06.2012, 03:02 von Boahmaschine
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  • 1

    Also das Herz ist aber für schauby, dass das klar ist, ja? Und zwar für die Auswahl des interessanten Themas und dass er so geschrieben hat, dass es massentauglich ist :-) JETZT muss ich aber erst mal darüber nachdenken...

    29.06.2012, 20:18 von Mrs.McH
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  • 0

    Also ich bin zu allererst Realist. Ob meine Gedanken dann in einer bestimmten Situation eher Richtung Optimismus oder Pessimismus tendieren, hängt vor allem von der Beeinflussbarkeit des Ereignisses ab.

    Bin ich selbst aktiv beteiligt und habe Einwirkungsmöglichkeiten (z.B. bei Unikams, Bewerbungen), bin ich grundsätzlich optimistisch. Dann stärke ich mich selbst mit positiven Affirmationen à la "Du schaffst das. Du bist gut." Stärkt die Selbstwirksamkeitserwartung und ist somit produktiv.

    Habe ich aber selbst keinerlei Einfluss auf das Ergebnis (z.B. nachdem eine Klausur dann geschrieben ist oder eine Bewerbung raus ist), bin ich eher Pessimist. Das hat aber dann aber auch etwas damit zu tun, dass ich Erwartungen in solchen Fällen vermeiden will, um Enttäuschungen vorzubeugen.

    Meine tatsächlich (soweit das eben möglich ist) realistische Einschätzung des Ergebnisses schwebt aber dabei immer im Hintergrund und verschwindet nie. Der jeweils vorhandene "Nicht-Wissens-Spielraum" und die (geringe) Verdrängungsfähigkeit bieten ein wenig Raum, um meine Gedanken und Gefühle eben je nach Situation zu modifizieren.

    Aber ich bleibe eben Realist. ;)

    29.06.2012, 19:49 von Juliie
    • 0

      »Also ich bin zu allererst Realist.«

      Das glaubst Du. Aber die Wahrheit... sieht ganz anders aus.

      29.06.2012, 23:45 von sailor
    • 0

      Mh. Also ich setze Selbstreflexion dabei jetzt mal grundsätzlich voraus. Was "ich weiß, dass ich nicht alles weiß" beinhaltet.

      Deshalb habe ich es ja auch mit "(soweit das eben möglich ist)" relativiert und den "Nicht-Wissens-Spielraum" angebracht, der sich genau darauf bezieht.

      29.06.2012, 23:53 von Juliie
    • 0

      Außerdem lernt manch einer ja dann doch aus Erfahrungen (ungleich Realität, aber Wahrscheinlichkeits-steigernd), im Gegenteils-Sinne von Naivität.

      29.06.2012, 23:56 von Juliie
    • 2

      Man lernt NUR aus Erfahrungen.

      'Realität' ist deine Interpretation der Umwelt. So gesehen ist jeder 'Realist'...

      :)

      30.06.2012, 00:05 von sailor
    • 0

      aha ein Konstruktivismus-Anhänger :P.
      Klar, ich dachte aber, das mit der Interpretation (--> subjektiver Eindruck) hätte ich jetzt endgültig.. klar gemacht.

      TROTZDEM! In Sachen Selbstverantwortlichkeit sehen, anerkennen und nutzen unterscheiden sich Menschen meiner Meinung / jaaa Erfahrung nach.

      Und je ehrlicher man zu sich selbst ist, desto mehr ist man zu einer "realistischen Einschätzung" fähig. Bzw. stellt sich mir viel mehr immer wieder auch die Frage, inwiefern Menschen Dinge tatsächlich "realistisch" betrachten wollen.

      30.06.2012, 00:13 von Juliie
    • 0

      Ich bin neben dem WOLLEN vor allem beim KÖNNEN.

      Haste klar gemacht. Keine Frage.
      Natürlich unterscheiden sich die Menschen. Einer wie der Andere...

      Ich bleibe aber dabei zu behaupten, daß eine 'realistische' Betrachtung immer nur ein subjektive ist.

      Selbst, das 'die Sonne im Osten aufgeht', ist das Ergebnis einer gesellschaftlichen Verabredung.

      30.06.2012, 00:17 von sailor
    • 0

      Wenn ich jetzt aber darüber nachdenke, muss ich zugeben, dass die "Realismus"-Annahme trotz Relativierung wohl verständlicherweise erstmal überheblich daherkommt. "JA MAN! ich weiß halt Bescheid." :)

      30.06.2012, 00:18 von Juliie
    • 0

      ENDLICH mal jemand...

      :D



      30.06.2012, 00:23 von sailor
    • 0

      ...mal jemand der einlenkt?^^ Leider muss ich deine Euphorie jetzt wohl ein wenig beschneiden, da Neon wohl manchmal bissi.... lahm is ;), mein letzter Kommentar war noch ein Zusatz zu dem davor, keine Antwort.


      Aber! Hey, ich bleibe dabei, Realismus existiert (in relativiertem
      Sinne), ja! Theoretisch für mich jetzt schwierig zu belegen, vllt ist es
      auch einfach das, doch mehr "Kopfmensch" als "Impulsiv affektiv
      unreflektiert urteilender" Mensch zu sein.

      Gegenbeispiel wären z.B. (kenne ich einige) Menschen, die immeeeer sehr konkrete Erwartungen an andere Menschen haben und deshalb (hallo! Ich bins wieder, die Realität! Nänänänänäääää) enttäuscht werden und frustriert sind. Voll unnötig meiner Meinung nach. Meeensch.

      30.06.2012, 00:30 von Juliie
    • 0

      Warum issn eigentlich mein einer Absatz jetzt so komisch formatiert? :D

      Hey, das stört meinen ästhetischen Anspruch!

      Jetzt will ich eine Konfetti-Kanone. JETZT!

      30.06.2012, 00:36 von Juliie
    • 0

      Das endlich mal jemand ist eine direkt Reaktion auf ein "JA MAN! ich weiß halt Bescheid."

      Natürlich existiert 'Realismus'. Genauso wie 'Naivität' oder was weiß ich was existiert. Und jeder wählt aus diesem Füllhorn von Möglichkeiten je nach individueller Neigung, Veranlagung und Kompetenz das aus, was ihn am besten (nach außen und nach innen) kleidet. Und dann sagt man »HEY, ich bin 'Realist'.«

      :D

      'Erwartung' ist eine sehr gute Voraussetzung für 'Enttäuschung'.
      Diese Menschen werden aber nicht von 'der Realität' enttäuscht, sondern von dem Vorhandensein einer anderen Sichtweise als der eigenen.
      DAS ist für manche in  der Tat ein gewisser Affront...

      30.06.2012, 00:37 von sailor
    • 0

      Was die Erwartung angeht, ja! Das ist ja eben genau meine Rede. Erwartung ist eine individuelle Konstruktion, die einfach, da subjektiv, nie nieee niemals eine 100%ige Erfüllungs-Wahrscheinlichkeit beinhaltet.

      Und was den Realismus angeht, ich denke, ich wollte diesen v.a. von der Optimismus vs. Pessimusmus- Debatte abgrenzen. Das sind für mich, wie beschrieben, eher (wenn auch bewusst herbei geführte) gefühlsmäßig gelenkte Tendenzen.

      30.06.2012, 00:48 von Juliie
    • 0

      Eine 'Erwartung' ist auch immer eine Unterstellung und damit potenziell anmaßend.
      Wenn ich mit einer 'Erwartung' an einen anderen Menschen herangehe, projeziere ich mich in ihn hinein und damit dieser andere mir 'genügt', muss er dieser Projekttion entsprechen.
      Damit stehe ich selbst im Vordergrund und setze den anderen unter Druck.
      Das ist anmaßend.

      Wie hieß es bei Extrabreit einst so schön:
      »Du kannst alles sagen, man wird sehen, ob es passt.«

      Weder 'Optimismus' noch 'Pessimismus' haben einen realitätsausschluss zur Folge.
      Ich gelte auch als eher analytischer Mensch, trotzdem sind mir diese beiden Richtungen ja nicht fremd...

      Ich denke, auch wenn man keine Chance hat, ist es eine 'edle' Verpflichtung, sie zu nutzen...
      So eine Art konstruktiver Pessimismus.

      Langfristig gesehen sind wir alle tot.

      30.06.2012, 12:13 von sailor
    • 0

      "Konstruktiver Pessismismus" find ich gut.^^

      Und Erwartungen an andere Menschen sind (auch wenn ungewollt/unbewusst) im Grunde immer narzisstische Besetzungen.

      Bevor jetzt aber der Knochenkarle bei mir klopft, geh ich mir lieber schnell ein Eis holen. :)



      30.06.2012, 18:07 von Juliie
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  • 1

    Oh...ich merk gerade, dass ich mir viel zu wenig Gedanken über mein Leben mache ;)
    Wenn das mal gut geht...

    29.06.2012, 19:01 von themecki
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