SusaBa 23.12.2009, 17:07 Uhr 0 0

Weihnachten klein geschrieben

Warum ich dieses Jahr mal alles anders mache...

Dieses Jahr versuche ich, Weihnachten mal keinen sonderlich großen Stellenwert beizumessen.
Warum? - Ist eine Frage, die dazu auftauchen kann...

Der Grund ist ganz simpel: Ich mag dieses Fest nicht. Nicht weil ich die vielen, wunderbar geschmückten Fenster und Wohnungen nicht hübsch anzusehen fände, auch nicht, weil ich den Gedanken des Friedens und der Harmonie unter den Menschen ablehnen würde, nicht weil ich keine Weihnachtslieder mögen würde oder nicht gern auf Weihnachtsmärkte ginge - nein, ich habe andere Gründe.

Ist es nicht frustrierend schon Wochen vor dem Fest zu wissen, dass gerade dann, wenn Friede, Freude, Heiterkeit und vor allem glückliches Beisammensein ganz oben auf der Soll- Liste stehen, gerade diese nicht eintreffen werden. Man steht mal wieder nur unter dem Diktat des perfekten Festes. Alles, ja alles soll ideal ablaufen: Nur lachende Gesichter, genussvolles Essen, Familie, am besten gemeinsam singend unter dem Baum sitzen und sich über dieses wunderbare Zusammenkommen freuen. Der ganze Stress über die letzten unliebsamen, von Stress und Gedränge geplagten Weihnachtseinkäufe sollte vergessen sein, jeder sollte Lächeln, auch wenn ihm absolut nicht dazu zumute ist. Strahlende Augen, leuchtende Kerzen und ein wunderbar geschmückter Tannenbaum.
So viel zur Theorie.

Aber machen wir mal die Augen auf und setze die - zur Weihnachtszeit mal rot - grün gefärbte, mit goldenem Flitter bestreute - rosarote Brille ab:
Es ist doch jedes Jahr das selbe: Erst die ganzen Pflichtbesuche bei allen Omas, Opas, Tanten usw., dann gemeinsames Kaffeetrinken mit jeder Menge Lebkuchen, Stollen und "leckeren" selbst gebackenen Plätzchen (die einem schon seit Wochen aus dem Halse hängen). Aus Anstand isst man zu viel als man eigentlich möchte, sodass man schon mit Grauen das viel zu üppige Abendessen erwartet, in Aussicht auf ebensolche Festmähler der folgenden Tage. Meine Familie ist zum Glück dazu übergegangen die fette Ente am Heiligen Abend durch Lachs zu ersetzen, nachdem der Vogel im letzten Jahr zwar außen schon mehr als knusprig, aber innen noch recht fest und blutig war. (Hoffen wir mal, dass so die schlechte Laune über die mangelnden Kochkünste ausbleibt.) Wenn wir beim Essen bleiben, kommen ja nur noch zwei weitere Tage mit reichlich gedeckten Tafeln, am besten an beiden mit dem selben Menü: Ente, fette Sauce, Rotkohl mit Speck und Klöße. Würg.
Und dann noch die ganzen Süßigkeiten: Plätzchen, Schokoladenhohlfiguren, Nüsse, Spekulatius, Dominosteine, Stollen, und, und, und...
Erst werden die Gänse gestopft, dann die Menschheit. Juhu!
Und dann unterm Tannenbaum das selbe Theater: es wird sich auf leuchtende Augen gefreut. Nur leider ist das ab einem gewisen Alter gar nicht mehr so einfach zu bewerkstelligen: Kinder glauben ja manchmal noch ängstlich an den Weihnachtsmann. Nur ist das schon ab spätestens dem siebenten Lebensjahr auch nicht mehr so. Da sind dann die Wünsche enorm groß geworden und die lieben Kleinen sitzen enttäuscht unterm Tannenbaum, weil dort statt der gewünschten Spielekonsole so ein langweiliges Buch, selbstgestrickte Socken und ein no-name MP3- Player liegen. Damit ist dann der Abend gelaufen. Viel anders ist es doch bei den großen Kindern und Erwachsenen auch nicht. Seien wir mal ehrlich, warum boomt denn das nachweihnachtliche Angebot bei ebay so? Weil einfach die falschen Geschenke gemacht werden! So einfach ist das. Schenkt besser Geld oder am besten gar nichts. Da kann man nichts falsch machen.
Okay, okay, ich muss gestehen, dass ich auch mehr als genug Geschenke rumliegen habe, ebenfalls in der Hoffnung, sie mögen dem Beschenkten gefallen, aber diesbezüglich bleibe ich eben doch naiv und ein bisschen konservativ.
Trotzdem habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr alles anders zu machen:
Ich habe die Wohnung nicht geschmückt, gar nicht, null. Da steht nicht mal eine rote Kerze herum. Nein, und bei mir gibt es auch keinen Weihnachtsbaum. Es gibt zwar Geschenke, aber ich versuche ihnen keinen großen Wert beizumessen. Ich werde ausnahmsweise mal in die Kirche gehen - nicht weil ich gläubig wäre, sondern weil ich für mein Leben gern Orgelmusik höre. Meine Oma werde ich besuchen und hoffen, dass meine Mutter vielleicht doch bei ihr vorbeischaut, damit ich ihr wenigstens ein frohes Fest wünschen kann. Ich bin nämlich offiziell ausgeladen worden. Das nenne ich mal freundlich. Aber egal. Ich rede mir einfach ein, dass ich dieses Fest sowieso nicht mag, und ohne jegliche Deko vergesse ich ja vielleicht, dass überhaupt Weihnachten ist.

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