Wowi 09.12.2008, 21:46 Uhr 52 17

Was machst'n Silvester?

Wieso gibt es das ganze Jahr über viele tolle unverkrampfte Feiern, während man sich zu Sylvester jedes Jahr aufs Neue schwer tut?

Was machst’n Silvester? Diese Frage wird in diesen Tagen immer häufiger zu hören sein und kurz vor Jahresende wird es fast zur Existenzfrage. Es scheint als ob eine kollektive Übersiedlung zu einem anderen Planeten anstünde und man sich noch schnell durch Rumfragen seinen Platz im Raumschiff sichern muss. Wenn man dann am Stichtag für soziale Integration noch keinen Platz in einer rettenden Raumfähre gefunden hat, bleibt man alleine zurück auf dem Planeten der Isolation.
Wieso gibt es das ganze Jahr über viele tolle unverkrampfte Feiern, während zu Sylvester jedes Jahr aufs Neue die Panik ausbricht?

Während Weihnachten alle Jahre von Verwandtschaftsbesuchen, Familienstreit und fettem Essen dominiert wird, steht man aus unbekannten Gründen immer wieder vor der Versuchung, dieses Jahr an Silvester etwas ganz Besonderes zu machen.
Tief sitzt die Erinnerung des Neujahrswechsels aus Kindertagen, in denen Mutti versprach einen aufzuwecken und dieses vermeintliche Highlight dann aber mit dem Argument „Du hast so schön geschlafen“, verpassen ließ. Die späteren Familienfeiern mit tanzenden Tanten, „Erste Allgemeine Verunsicherung“ im Fernsehen und Eltern mit roten Pappnasen wollten einem während des Älterwerdens komischerweise nicht mehr so recht gefallen. Also sprach man auf der Suche nach Alternativen das erste mal den magischen Satz „Was machst‘n Silvester?“

Diese Frage sollte einen während der nächsten Jahre nicht mehr verlassen. In den frühen Jahren fand man sich noch schnell zusammen. Doch die ersten Partys mit betrunkenen Teenagern, die ihren besonderen Humor durch das Hinterherwerfen von extragroßen Polenböllern bewiesen, lehrten, sich nicht allzu schnell festzulegen.
Also fragt man erst einmal rum ohne selbst zu agieren, denn es gilt, zwei wesentlichen Risiken aus dem Weg zu gehen. Sagt man einem Angebot zu schnell zu, ohne zu wissen, wer wirklich kommt, läuft man Gefahr mit bewusst lang nicht mehr gesehenen Grundschullieben und dem sichtlich deprimierten Gastgeber, luftschlangenumhangen, allein vor dem Fernseher zu sitzen. Auch der sonst oft rettende Spruch „ich muss dann mal los“, zieht vor Mitternacht leider nicht.
Organisiert man selbst etwas, kann man schnell selbst der deprimierte Gastgeber sein, der froh ist, dass immerhin der Fernseher läuft und die Grundschullieben erschienen sind.

Also hört man sich um und fragt selbst die schrägsten Leute nach ihrer Silvesterplanung. Denn es könnte ja sein, dass ausgerechnet Tom, der einem sonst immer ein Ohr mit seinen Autogeschichten abkaut, plötzlich sagt: „Gut, dass du fragst, wir fahren mit allen deinen Leuten an die Ostsee, wohnen kostenlos in einem schönen, warmen Haus am Strand, werden mit dem Champagner aus der erlesenen Sammlung meines Vaters bewirtet und sehen uns das Feuerwerk am Strand an, wann sollen wir dich abholen?“ Wenn man dann schon woanders fest eingeplant ist, hat man ein Problem. Denn von einer Silvesterfeier wieder absagen, ist fast so als würde man seinen besten Freund kurz vor dem Start aus dem Raumschiff werfen. Aber natürlich hat auch Tom aus bekannten Gründen nichts festgelegt, außer auf jeden Fall mit dem Auto zu fahren. Doch selbstverständlich stellt Tom die Gegenfrage, bei der man kleinlaut zugeben muss, selbst noch nichts geplant zu haben. So fragt man bis kurz vor Schluss rum, aber da sich niemand festlegen will, legt man sich selbst auch nicht fest.
Dieser sich dynamisch verstärkende Effekt, führt dann dazu, dass man kurz vor Neujahr immer noch keine Idee hat, was man macht und auf den erlösenden Anruf wartet, es muss ja gar nicht mehr Ostsee sein! Dieser Anruf kommt, und man zieht mit entfernt Bekannten durch unmotivierte, unbekannte Partys, um dann kurz vor Mitternacht in der Innenstadt mit Polenböllern beworfen zu werden und mit Tom aufs neue Jahr anzustoßen. Dann fragt man sich, ob dieser mäßige Abend so viel Mühe wert war.

Das Schlimme an Silvester ist, dass alle es so wichtig nehmen und niemand wirklich weiß, warum.

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52 Antworten

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    Also ich finde, dass Silvester im Allgemeinen überbewertet wird.
    Weiß nicht, warum sich alle immer schon Anfang Dezember deswegen so anstressen.
    Viel wichtiger ist mir, dass ich meine persönlichen Ziele im neuen Jahr verfolge und dass ich Dinge verändere.

    09.03.2009, 17:14 von MadameHolle
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    ich hab tolle freunde!!

    10.01.2009, 14:25 von MeltingPhoenix
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    voll gewesen! (wie immer) - toll gewesen? (vergessen)

    05.01.2009, 20:55 von tronixx
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    Zum Glück ist diese Fragerei vorbei!

    Silvester wird eine viel zu große Aufmerksamkeit geschenkt. Natürlich ist es ein Jahreswechsel, doch was ändert sich? Die ersten Wochen wird man noch immer die falsche Jahreszahl am Datum schreiben. Viele erhoffen sich ein besseres Jahr und nehmen sich die unsinnigsten Dinge vor, diese dann nach kurzer Zeit wieder vergessen sind.
    Den Jahreswechsel sollte jeder so feiern, wie er möchte. Wichtig ist nur, keine Stress!!! Jeder erzwungene Party ist nix und wenn einem nach SChlafen ist, warum nicht. Wäre nicht solch ein Lärm gewesen, hätte ich Silvester verschlafen.

    04.01.2009, 20:25 von Minimie
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    "Du hast so schön geschlafen"
    -> Ich wusste gar nicht, dass andere Eltern sowas Unverzeihliches auch sagen..! Eine Offenbarung!

    02.01.2009, 17:04 von Puck.
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    dieser Text könnte von mir sein, du hast ja sooo Recht! ;)

    31.12.2008, 01:01 von Miss_London
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    Mir geht's genauso. Schon allein der Gedanke an Silvester stresst mich total.

    29.12.2008, 21:08 von AliciaMorgenstern
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    Ein absolut genialer Artikel. Ich kann nur bei allem zustimmen! Silvester ist ein Tag wie jeder andere...aber man braucht so einige Anläufe um das zu kapieren. Prosit Neujahr! Haste nicht noch eine nette Weihnachtsgeschichte auf Lager? Deine Art zu schreiben: genial!

    29.12.2008, 16:33 von sabrina1980
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