bepippinotannika 17.11.2017, 15:25 Uhr 14 0

Warten

Die Antwort auf eine blöde Frage

Es gibt eine Frage, die ich immer schon gehasst habe. Sie kann so unterschiedlich formuliert sein, und meint doch immer dasselbe. Meist ist es eine Floskel. Manchmal wird sie aber auch von Menschen gestellt, die sie ernst meinen, die wahrhaftig an deren Antwort interessiert sind, die so versuchen einen Menschen besser kennen zu lernen. In dem Fall, landet die fragende Person bei mir ruck zuck in einer Schublade mit der Aufschrift „langweilig“. Wer errät, welche Frage ich damit meine? Vielleicht niemand, vielleicht finde nur ich diese Frage blöde. Ohne hier jemanden auf die Folter spannen zu wollen: Es handelt sich um die Frage: „Was sind deine Hobbies?“, oder anders formuliert: „Was machst du so in deiner Freizeit?“

Mir kommt gerade der Gedanke in den Kopf, dass die Ablehnung, die ich gegenüber dieser Frage empfinde, mehr über mich aussagt, als über andere. Heißt das nicht implizit, dass ich keine Hobbies habe, oder unzufrieden mit meiner Freizeitgestaltung bin. Was ist Freizeit überhaupt? Jene Zeit, in der ich keine Lohnarbeit verrichte? Was, wenn ich überhaupt keiner Lohnarbeit nachgehe? Oder geht es vielmehr um jene Zeit, in der ich…nicht produktiv bin? Produktivität, noch so ein lustiges Wort.

Gut, dann versuche ich einmal jegliche Schuld von mir zu weisen, indem ich argumentativ darlege, welche Hobbies ich habe, möchte aber hervorheben, dass ich den Plural dieses Wortes ebenso als Anmaßung empfinde, wie schon die Frage an sich. Reicht ein Hobby nicht aus? Ich denke schon, deshalb mehr zu meinem Hobby, dem Warten.

Ich kann nicht behaupten, dass ich mein momentanes Hobby liebe, aber ich gehe dieser Beschäftigung dennoch regelmäßig nach. Bis zu einem gewissen Grad bin ich auch ganz gut darin. Zum besseren Verständnis, werde ich diese Freizeitaktivität näher erläutern:

Im Gegensatz zu anderen Menschen, nehme ich mir keine konkrete Zeitspanne vor, in der ich meinem Hobby nachgehe. Vielmehr passiert mein Hobby immer wieder zwischendurch, ist mal mehr, mal weniger präsent in meinem Tagesablauf. Heute zum Beispiel habe ich mich gleich nach dem Aufwachen damit beschäftigt.

Der Wecker hat geläutet, ich habe ihn in die Schlummerfunktion verbannt und darauf gewartet, dass er erneut klingelt, damit ich endlich in die Küche gehen und Kaffee kochen konnte. Auch auf den Kaffee habe ich gewartet. Es war eine wirklich schöne Zeit. Der Tag hatte gerade erst begonnen und während des Wartens war einfach noch alles möglich. Heute ist übrigens Freitag, ein Tag auf den ich die ganze Woche warte. Als der Kaffee fertig war, habe ich erstmal pausiert und bin meinem Hobby erst wieder nachgegangen, als ich auf die Straßenbahn gewartet habe, leider nur sehr kurz und schwupps, schon wieder keine Zeit für mein Hobby. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mich nicht immer volle Kanone auf das Warten konzentrieren kann, ist der Vorteil meines Hobbys, dass ich es auch nebenbei praktizieren kann.

Während ich gerade in der Bibliothek sitze und schreibe, kann ich dennoch warten. Ich warte darauf, dass mein Lernpartner kommt, ich warte darauf, dass es wieder Zeit für die nächste Zigarettenpause wird, dass ich wieder Hunger bekomme oder aufs Klo muss. Außerdem warte ich darauf, dass die Sonne untergeht und ich mich nicht mehr danach sehne, meine Zeit draußen, anstatt in einem stickigen kleinen Raum zu verbringen. Ich warte darauf, dass alte Wunden heilen und neue entstehen. Darauf, dass sich eine Person, in die ich glaubte verliebt zu sein, meldet oder mir sagt was Sache ist. Ich warte auch darauf, dass ich endlich erfahre, was mir der eine Freund so dringend sagen möchte und auf meine Reaktion und auch auf seine. Darauf, dass meine Diplomarbeit endlich fertig ist und ich weg kann. 

Ich warte also auf Ablenkung und die Zukunft.  Ersteres kommt nicht immer ganz von allein Letzteres schon. Welch Beruhigung, ich muss ja nur darauf warten.

Erkennt ihr die Vorzüge meines Hobbys? Wenn ja, gebt mir doch Bescheid. Ich werde darauf warten. 

14 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 1

    Warten beinhaltet ja immer Erwartungen. Erwartungen bedeuten zumeist Enttäuschung, jedenfalls geht es uns doch mit den meisten so, oder?

    Versuch's doch einfach mal mit Sein statt Warten. Dann passieren Überraschungen, anstatt erfüllten Erwartungen oder schlimmer noch Enttäuschungen. :)

    23.11.2017, 12:13 von Tora
    • Kommentar schreiben
  • 0


    23.11.2017, 11:31 von sailor
    • Kommentar schreiben
  • 0

    was sind deine hobbits?

    21.11.2017, 16:41 von ga
    • 1

      Ga-stige kleine hobbitse 

      22.11.2017, 07:14 von sailor
    • 0

      foll wi di haubbitsen

      23.11.2017, 11:30 von ga
    • Kommentar schreiben
  • 3

    Ich frage mich neuerdings immer, ob mein Kommentar wirklich raugegangen ist, oder überhaupt bei irgendwem ankommt...vielleicht kann man da auch eine neue Theorie für entwickeln, Schrödingers Katze kommt ja auch so langsam in die Jahre.

    21.11.2017, 09:18 von chiral
    • 0

      Mit Glück, kann man manchmal die Kommentare lesen. :D

      21.11.2017, 11:46 von Fin_Fang_Foom
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Oh, Verzeihung, verbugte Situation.

    20.11.2017, 17:43 von Feodor
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Dass hier gelöscht wird, habe ich nicht erWartet, zumal ich doch nix Beses schrub.

    20.11.2017, 17:42 von Feodor
    • 1

      bistu schreses bub?

      21.11.2017, 16:40 von ga
    • 1

      Nein, sein Lesterschwein.

      21.11.2017, 17:01 von Feodor
    • 1

      fein,die lester werden die erzter sein. 

      21.11.2017, 23:22 von ga
    • 0

      Ärzte sindas Letzte.

      22.11.2017, 09:13 von Feodor
    • 0

      die läschten ärschte

      23.11.2017, 11:29 von ga
    • 0

      Arscht rein!

      23.11.2017, 16:50 von Feodor
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Wenn man nicht das Gefühl hat, man müsse die Zeit mit einem Zeitvertreib vertreiben, weil sie eh schon rennt, ist doch alles im Lack.

    Eine Leidenschaft ist da oder nicht. Ist sie nicht da, fehlt sie auch nicht. Das einzige, was quält, ist die Frage danach.

    19.11.2017, 08:38 von Feodor
    • 1

      Was, wenn man Leidenschaft von sich kennt, sie aber momentan nicht leben kann, man nicht aus seiner Haut kann, sich innerlich gefangen fühlt, aber die Erinnerung hat? Dann fehlt sie einem doch offensichtlich. Oder meinst du es anders?

      19.11.2017, 11:00 von Tora
    • 0

      Aus dem Text kommt nicht raus, ob eine Leidenschaft vermisst wird. Hört sich für mich eher nicht danach an. Sie wird höchstens vermeintlich vermisst, weil ständig nach ihr gefragt wird.

      20.11.2017, 11:23 von Feodor
    • Kommentar schreiben
  • 0


    19.11.2017, 00:29 von picassu
    • Kommentar schreiben
  • 0

    cooler Titel, mich hat Titel und Kurzüberschrift gecatcht :)

    19.11.2017, 00:29 von picassu
    • Kommentar schreiben
    • Kommentar schreiben
Seite: 1 2

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare