drownsoda 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 0

Von der Subjektivität der Kälte

Zwischen heißem Tee und Überleben.

Sie läuft durch die Straßen, die zu ihrem Zuhause führen. Es ist zwar kalt und sie friert. Es ist ein gutes Frieren – ihre Hände sind eisig, doch ihr Oberkörper, ihre Beine, ihre Füße, ihr Kopf – das ist alles von warmer, weicher Kleidung gewärmt. Nur an ihren Händen und an ihrem Gesicht klirrt die Kälte. Sie klirrt wie ein Spiegel, ein Glas, das zu Boden fällt und in hunderte von Teilen zerbricht. Ihre Wangen sind gerötet vom harten Wind, der ihr entgegenfegt.

Es wird dunkel, obwohl der Nachmittag gerade erst begonnen hat. Es nieselt und jeder in den Straßen der Stadt scheint es eilig zu haben: eilig, nach Hause zu kommen. Sich dem Mantel zu entledigen. Sich Schal und Mütze abzustreifen. Die nassen Schuhe vor der Haustür abzustellen und sich unter eine Decke zu legen.

Doch zwischen all diesen eiligen Menschen, da kann man auch Einzelne erblicken, die verharren. Die auf dem kalten Boden sitzen, ja sogar liegen, und ihre Knie an ihre Brust ziehen. Die kein gutes Frieren kennen. Die meisten versuchen, den Frost mit Alkohol oder Drogen zu bekämpfen – meist ohne Erfolg. Auch auf sie trifft die Metapher der klirrenden Kälte, die wie zerbrochenes Glas vor ihnen liegt, zu. Jedoch auf einer ganz anderen Ebene als bei dem Mädchen, das sich auf zu Hause freut. 

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