painispleasure 13.11.2010, 15:23 Uhr 2 6

Verschwende deine Zeit

Die Message kündigte sich durch Türglockengebimmel an. Gefällt mir nicht was du da schreibst, schreibst du. Du bist echt ein notgeiler kleiner Loser.

Ich zuckte mit den Schultern. Delete message, erstmal. Und dann kamen viele Fragen auf, und die Idee zu diesem Text.

Wie kann man so leben, hast du geschrieben. Und ein andermal: Ich mache mir Sorgen um dich.

Ich frage mich, warum du glaubst dass meine Texte sich um mich drehen. Natürlich tun sie das, aber nur irgendwie. Es steckt immer viel vom Autor in einem Text, selbst wenn man es selbst nicht glaubt, bezweckt oder will. Manchmal schreibe ich einen, der hundertprozentig widergibt was ich erlebt habe. Aber eben nur manchmal. Du weisst es nicht.
Aber mal so als Tipp: Der hier ist original.
Der Rest, Versatzstücke. Schnappschüsse. Neu zusammengeflickt, in eine andere Situation verpackt, mit anderen Protagonisten. Ist es so schwer für dich, weil ich in der Ich-Form schreibe?
Warum glaubst du, dass ich ein Loser bin? Bist du keiner? Hast du nie etwas verloren, oder falsch gemacht? So ist das Leben, auch wenns flach klingt. Niemand ist immer nur der Winner, und ich schon garnicht. Trotzdem, mein Leben ist aufregend. Ich klage nicht. Ich würde nicht mit dir tauschen, egal wie schön, stark und erfolgreich du vielleicht bist.

Dein Stil ist echt Kacke, schreibst du. Literarisch wertlos. Wer will sowas lesen?

Offensichtlich zum Beispiel du, oder warum bist du sonst bis zum Ende dabeigeblieben? Um dich zu ärgern? Warum glaubst du, dass ich literarische Ambitionen habe? Warum glaubst du, dass ich denke ich könne schreiben?
Glaubst du, ich will die Art wie ich denke ändern, damit sie dir gefällt? Ich schreibe, wie es mir leicht fällt.

Vielleicht verstehst du, wenn ich dir erkläre warum ich schreibe. Nicht weil ich Fans brauche, oder Bestätigung. Nicht weil ich trauere, nicht als Therapie. Weil es mir Spass macht. Weil es hilft, meine Gedanken zu ordnen. Weil es ein Gegengewicht ist, zu den vielen anderen Dingen die ich tue. Weil ich gerne nachdenke, Szenarien erspinne, mich in fremde Köpfe hineinversetze. Echte und ausgedachte. Ich mag einen Text, wenn er etwas in mir auslöst. Mich zum Nachdenken bringt. Menschen wie ich sind meine Zielgruppe.

All das tut dir nicht weh. Und doch versuchst du, mich zu beleidigen. Warum glaubst du, du kannst mich treffen? Glaubst du mich zu kennen, aufgrund meiner Texte? Das wäre falsch, aber schön. Denn dann habe ich alles richtig gemacht.

"Lange Textstelle von mir." Schäbig, einfältig, dumm. So ein pathetischer Müll, schreibst du.

Dreißig Wörter von mir, eine Handvoll von dir. Platzverschwendung in den unendlichen Weiten des Internet. Ja, vielleicht ist es dumm, was ich manchmal schreibe. Aber es ist mir mal durch den Kopf gegangen. Ich halte mich nicht für klug, ich tue oft dumme Dinge. Hast du immer nur kluge Gedanken? Ich wage es nur, das zu teilen. Warum glaubst du, ich sollte alles filtern, damit du es als clever, cool oder philosophisch empfindest?
Manchmal ist es Selbstironie. Das kannst du nicht verstehen, weil du mich nicht kennst. Ich kreide es dir nicht an. Aber ich sehe, dass andere nicht alles glauben was geschrieben steht. Dass andere manchmal fragen, und sich dann freuen wenn sie merken dass sie mich ertappt haben. Oder ins Grübeln kommen, wenn es wahr ist.

Langweilig. Schon tausendmal besser hier geschrieben, schreibst du.

Genauso wie deine Kritik, denke ich. Siehe oben, Entspannung. Warum sollte ich alles hier erstmal durchstöbern, damit ich nicht aus Versehen über etwas schreibe das schonmal da war? Das wäre Arbeit. Ich habe Arbeit, jeden Tag.

Lerne Kritik zu üben. Nicht nur hier, auch im echten Leben. Gewachsene Menschen werden dich sonst nicht ernst nehmen. Lerne auszudrücken, was du gut findest und was nicht. Teile anderen mit, warum. Und was du denkst, was du fühlst, was ein Text bei dir auslöst. Oder nicht.

Es zwingt dich niemand, etwas hier zu lesen. Ich schreibe nicht, um dich zu unterhalten. Suche Literatur im Buchladen, und nicht in den Ergüssen eines Hobbyschreibers auf irgendeiner Webpage. Lies, was dir Spass macht, woran du dich entwickeln kannst.

Lerne, die richtigen Fragen zu stellen, andere Standpunkte zu verstehen. Frage dich: Was würde ich denken wenn ich an seiner Stelle wäre. Wenn ich seine Bildung hätte, seinen Körper, seine Erfahrungen, seine Wunden. Reflektiere, mache Vorschläge. Mach es so, wie ich es mit diesem Text versuche, oder anders. Ganz wie du willst.

Manche Menschen nehmen Kritik gerne an. Manchen macht sie Spass. Sie kann kreativ sein, dann bringt sie uns weiter. Den Kritisierten und den Kritiker.

Oder lass es bleiben. Lies weiter meine Texte und ärgere dich. Schreib weiter Messages und Kommentare, über die ich eine Sekunde nachdenke und sie dann vergesse. Weil sie mich nicht weiterbringen und dich auch nicht.

Go ahead buddy, verschwende deine Zeit.

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2 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Soll ich dir ne Liste mit Usernamen schicken, denen du das bitte als Rundmail schickst ?

    22.12.2010, 19:41 von cosmokatze
    • 0

      @cosmokatze Vermutlich kenne ich die sowieso schon alle, sind eh immer die gleichen :-)

      22.12.2010, 22:22 von painispleasure
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  • 0

    Großartiger Text.

    14.11.2010, 23:52 von nadeshiko
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