Lexy87 06.03.2010, 13:51 Uhr 0 0

Vermessung der Welt!?

vom Leben und Tun eines Geographen...

*"Was ist das für ein dickes Buch?", sagte der kleine Prinz. "Was machen Sie da?"
"Ich bin Geograph", sagte der alte Herr.
"Was ist das, 'ein Geograph'?"
"Das ist ein Gelehrter, der weiß, wo sich die Meere, die Ströme, die Städte, die Berge und die Wüsten befinden."
"Das ist sehr interessant", sagte der kleine Prinz. "Endlich ein richtiger Beruf!"
Und er warf einen Blick um sich auf den Planeten des Geographen. Er hatte noch nie einen so majestätischen Planeten gesehen.
"Er ist sehr schön, Euer Planet. Gibt es da auch Ozeane?"
"Das kann ich nicht wissen", sagte der Geograph.
"Ach!" Der kleine Prinz war enttäuscht. "Und Berge?"
"Das kann ich auch nicht wissen", sagte der Geograph.
"Aber Ihr seid doch Geograph! - Und Städte und Flüsse und Wüsten?"
"Auch das kann ich nicht wissen."
"Aber Ihr seid doch Geograph!"
"Richtig", sagte der Geograph, "aber ich bin nicht Forscher. Es fehlt uns gänzlich an Forschern. Nicht der Geograph geht die Städte, die Ströme, die Berge, die Meere, die Ozeane und die Wüsten zählen. Der Geograph ist zu wichtig um herumzustreunen. Er verlässt seinen Schreibtisch nicht. Aber er empfängt die Forscher.
Er befragt sie auch und schreibt sich ihre Eindrücke auf. Und wenn ihm die Notizen des Forschers beachtenswert erscheinen, lässt der Geograph über desselben Moralität eine amtiliche Untersuchung anstellen."
"Warum das?"
"Weil ein Forscher, der lügt, in den Geographiebüchern Katstrophen herbeiführen führe. Und auch ein Forscher, der zu viel trinkt."
"Wie das?" fragte der kleine Prinz.
"Weil die Säufer doppelt sehen. Der Geograph würde dann zwei Berge einzeichnen, wo nur ein einziger vorhanden ist."
"Ich kenne einen", sagte der kleine Prinz, "der wäre ein schlechter Forscher."
"Das ist möglich. Doch wenn die Moralität des Forschers gut zu sein scheint, mach man eine Untersuchung über seine Entwicklung."
"Geht man nachsehen?"
"Nein. Das ist zu umständlich. Aber man verlangt vom Forscher, dass er Beweise liefert. Wess es sich zum Beispiel um die Entdeckung eines großen Berges handelt, verlangt man, dass er große Steine mitbrignt."

[Antoine de Saint-Exupéry "Der kleine Prinz"]

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
14. Mai 2012

NEON-Apps für iOS und Android

Neueste Artikel-Kommentare

  • Organspende

    „Bitte <br /><br />alle Toten ausnehmen, ...“

    25.05.2012 von DietmarRakete
  • Organspende

    „Ganz eindeutig pro Widerspruchsklausel. Die Vorrauss...“

    25.05.2012 von Dahumm
  • Organspende

    „Wenn man doch tot ist, braucht man sein Organe eh ni...“

    25.05.2012 von rramona
  • Ding dong

    „Es ist auch schwer vernünftige Kleider zu finden. Di...“

    25.05.2012 von B.tina
  • 36 Grad

    „dachte voll sie bringt sich gleich um, was langweili...“

    25.05.2012 von Loo