Pinzepu 04.09.2009, 18:00 Uhr 0 0

Über den Mut Früchte zu Essen

Ich bin Pessimistin.

Zwar nicht unbedingt überzeugte, aber eine geborene.

Schon mein Vater war ganz großartig darin, möglichst vom schlimmsten auszugehen. Stand mal eine Sache auf der Kippe – also diese typische das Glas ist halbvoll oder halbleer - Geschichte – ging mein Vater grundsätzlich davon aus, dass es zu seinem Nachteil ausgehen würde.

Und somit wuchs ich auf in dem Glauben, dass es grundsätzlich niemand mit mir gut meinen könnte, ohne Hintergedanken zu haben. Und dass ich mich niemals zu sehr auf die Dinge freuen sollte, denn es könnte ja noch ganz anders kommen.

Ich mache meinem Vater daraus keinen Vorwurf. Er ist auch nur Kind seiner Eltern, ebenso wie ich seines bin. Aus unserer Erziehung können wir nun mal nicht ausbrechen. Oder zumindest nie ganz.

Und es ist ja auch nicht immer nur unbedingt negativ vom worst case auszugehen. Eine ganze Weile bin ich mit dieser Strategie ganz gut gefahren.

Es gibt ja auch diese Momente, wo es gut für Dich ausgeht und Du dich freuen darfst, dass etwas funktioniert hat, obwohl Du nicht damit gerechnet hast.

Doch je älter man wird, desto mehr Entscheidungen muss man treffen. Und mit diesen Entscheidungen fängt es wirklich an schwierig zu werden für jemanden, der grundsätzlich davon ausgeht dass alles schief geht.

Es heißt ja immer so nett: Wenn das Leben Dir Zitronen gibt, mach Limonade daraus oder kauf Dir Tequila.

Was ist aber wenn man in seinem Hirn noch Essig und vergorene Milch dazu mischt, um das Ganze dann – unterstützt durch Selbstzweifel und Zukunftsängste – immer wieder durch die mentale Saftpresse zu drücken?

Spontanität und Lebensqualität lassen sich damit nur mit größter Überwindung – sprich mit stundenlanger sprachlicher Überzeugungsarbeit von Freunden und Familie – erreichen.

Es mag ja spaßig für manche Leute klingen, wenn man davon erzählt, dass man Angst hat bei einer Urlaubsreise auf eine europäische Insel nahe Italien mit dem Flugzeug abzustürzen oder vom Hai gefressen zu werden.

Doch ist man selbst diejenige, deren Hirn nicht aufhören kann Horrorszenarien zu entwerfen, fällt es einem schwer den nächsten Schritt zu tun. Ganz besonders dann wenn es nicht um so etwas schnödes wie einen Urlaub, sondern um die weitere Zukunftsgestaltung geht.

Aber Erkenntnis ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Leicht ist es nicht, die Stimmen im Kopf leiser zu drehen – ganz aus bekomm ich sie nie.

Aber der Wunsch etwas wagen zu wollen, ist im Moment stärker als die Stimmen und somit nehme ich in Kauf auch mal auf eine faule Zitrone zu beißen.

Vielleicht bringt der nächste Tag dafür ne Orange, oder Kiwi, oder einen Granatapfel…Wer weiß?

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