Quex 27.07.2006, 21:51 Uhr 2 0

Tank und gut!

Von Rastplätzen und Bewerbungsgesprächen.

„Hier war ich aber glaube ich auch schon mal. Irgendwie kommt mir das hier doch bekannt vor.“
Wir befinden uns auf einem Autobahnrastplatz nahe Bochum auf dem Rückweg von unserer London-Studienfahrt und diesen Spruch habe ich in den letzten fünf Minuten bestimmt schon sechs Mal und über den gesamten Tag verteilt unzählige Male gehört. Mein Freund Matthias ist der festen Überzeugung, dass er in seinem Leben mindestens einmal hier gewesen sein muss und er scheint mit diesem Gefühl nicht alleine dazustehen. Jan, Torben und Bernd sind sich ebenfalls sicher, genau hier schon einmal getankt oder sich wenigstens ein Thunfisch-Sandwich gekauft zu haben.
„Hier? Bist du dir da auch wirklich ganz sicher?“ frage ich Matthias, und muss bei dieser eher ironisch gemeinten Frage ein wenig schmunzeln, denn um ehrlich zu sein unterscheidet sich dieser Rastplatz nahe Bochum in meinen Augen in keinster Weise von den fünf anderen die wir heute schon angesteuert haben - drei Reihen Zapfsäulen, ein kleiner Supermarkt mit mittelschichtunkompatiblen Bierpreisen und die üblichen Ralf-, Manni- und Horst- Namenschilder, die einen aus unzähligen LKWs anstarren. Mir fällt gerade auf, dass ungewöhnlich viele Ralfs, Mannis und Horsts in Lastwagen auf deutschen Autobahnen unterwegs sind. Ein Bewerbungsgespräch zum Fernfahrer läuft wahrscheinlich folgender Maßen ab:

Im folgenden Dialog steht das L für Lasttransport-Firmenboss und das E für Evtl. angehender Fernfahrer.

L: Guten Tag Herr...?
E: Höhing. Karl Willhelm Maria Höhing.
L: Wie meinen?
E: Mein Name! Mein Name lautet Karl Willhelm Maria Höhing.
L: Oh... Na das ist jetzt natürlich nicht so gut.
E: Wie? Was ist nicht so gut?
L: Na ja, ihr Name ist nicht so gut. Ich meine, der könnte ein Problem werden.
E: Wieso sollte mein Name ein Problem werden?
L: Legen sie viel Wert auf ihren Namen?
E: Ja natürlich lege ich viel Wert auf meinen Namen. Ich meine, es ist immerhin mein Name.
L: Na sehn Sie? Da haben wir doch schon das Problem. Wir haben leider kein Namensschild für sie. Ich könnte ihnen noch Ralf, Manni oder Horst anbieten, aber Karl Willhelm Maria ist ganz schlecht. Vielleicht versuchen sie es ja einfach noch einmal bei einer anderen Firma. Aber unter uns gesprochen, viel Hoffnung besteht da nicht in meinen Augen.
Ich bedanke mich aber auf jeden Fall bei ihnen für ihren Besuch und vielleicht sieht man sich ja mal wieder.

Ja, so oder so ähnlich muss es wohl sein - aber zurück zum Rastplatz. Während Matthias weiterhin krampfhaft überlegt, wann er denn nun schon einmal hier gewesen ist, haben sich Jan, Torben und Bernd tatsächlich ein Thunfisch-Sandwich gekauft. Man kann sich an dieser Stelle überlegen, ob die Entscheidung zum Thunfisch-Sandwich-Kauf allein durch ein leichtes Hungergefühl inspiriert wurde, oder ob die kleine Mahlzeit zwischendurch doch eher als Mittel zum Zweck dienen soll, von wegen: „Jetzt haben wir uns auf jeden Fall was auf diesem Rastplatz gekauft und können nächstes Mal Anderen damit auf die Nerven gehen.“
In Anbetracht der horrenden Preise ist letzteres wohl eher der Grund. Man sagt ja auch: „Der Spaß war’s uns wert!“ Und außerdem weiß doch jeder, dass gegen den kleinen Hunger zwischendurch nur "Obstgarten" die richtige Entscheidung sein kann.
Während ich mich wundere, wieso der Boden unter Jan, Torben und Bernd nicht gleich nachdem sie in ihre Sandwichs gebissen haben einstürzt und die Drei direkt im unterirdisch angelegten Benzinbassin der Tankstelle landen um dann in die Luft zu fliegen, weil Jan nämlich immer beim Essen rauchen muss, hat Matthias endlich ausgegrübelt. Strahlend kommt er auf mich zu und sagt: „Ich hab’s, Mann! Autobahnfahrt inner Fahrschule. Da ham wa hier gehalten. Da staunste, was?“
Ja, ich staune. Allerdings nicht über die wahnsinnig interessanten Neuigkeiten die mir Matthias gerade mitteilt. Ich staune über den im Morgengrauen leuchtenden Namen der Rastplatzgaststätte. Der Spruch „Tank und gut!“ strahlt mir in Neonschrift entgegen und ich frage mich ernsthaft, wieso sich manche Menschen nicht einfach daran halten können.

2 Antworten

Kommentare

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    na ja gut, will ich den kommentar von deiner freundin..oder so ähnlich mal was dazufügen....öh..hübscher text! jepp
    =)

    03.08.2006, 23:27 von Fiona_kb
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    Deine Perspektive gefällt mir hier in diesem Text ausgepsprochen gut. Ein echter Querdenker, der die Dinge endlich einmal aus einem besseren Blickwinkel betrachtet und nicht diese Mainstream-Sichtweise an den Tag legt.

    Als wäre man live dabei gewesen...


    Viele Grüße an dieser Stelle
    Frederik

    31.07.2006, 14:21 von SummerTree
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