Stelldichein
Die 4 Jahreszeiten mögen sich wiederholen, genau wie die 12 Monate und die 7 Wochentage. Aber ein einzelner Tag an sich ist und bleibt — einzigartig.
Es war noch nicht Sommer, aber kalt war es auch nicht mehr. Draußen, vor den Fenstern, vor den Türen, da schwebte – gleich dem diesigen Nebel in London – das beharrlich verweilende Restdunkel einer frühlingshaften Nacht durch die Gassen. Fortan war es nicht Amor, sondern der rituelle Lauf der Zeit, welcher für das allmorgendliche Stelldichein der Dunkelheit mit dem Zwielicht verantwortlich war. Lieblich wanden sie sich umeinander, verschmolzen miteinander, tauchten die Welt in ein Antlitz, welches nicht ausnahmslos Dunkelheit und ebenso wenig ausnahmslos Zwielicht war. Das Kind jenes amorösen Techtel-mechtel würde der noch in Kinderschuhen steckende Tag sein. Dämmerung in der Stunde der Geburt, Sonnenaufgang in der Jugend, gegen Mittag in bester Blüte stehend und zugleich schon Bergfest feiernd, würde es ab zwölf nur noch abwärts gehen – dies jedoch voller Reife mit dem würdigen Abgang eines Sonnenunterganges, der sich vom vorherigen und vom folgenden in jeder Nuance unterscheiden würde. Bis es jedoch so weit sein würde, müsse noch etwas Zeit ins Land ziehen. Und die Nacht, so dachte der Tag, hat ihre Zeit gehabt — und so gaben die beiden sich die Klinke in die Hand und leuteten die Geburt eines neuen Tages ein.
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Kommentare
Dein Text hat mir die heutige Nacht gerettet, danke dir.
03.09.2012, 01:06 von KayahOha. Frei von Intentionen glatt etwas Gutes bewirkt.
03.09.2012, 01:13 von Blackendstimme "zehnmomente" zu .
25.07.2012, 19:51 von Sultaninejeden morgen erlebe ich die geburt eines neues tages mit. ich mag das. und deinen text.
05.06.2012, 00:44 von zehnmomentedanke.
Ich danke! Für's lesen, kommentieren und mögen ;)
05.06.2012, 02:31 von Blackend