stiffi 09.02.2009, 16:14 Uhr 22 8

Stell dir das mal vor

Stell dir mal vor, du bist eine ältere Frau. Du lebst in einer 3-Zimmer-Wohnung, Eigentum, mit Balkon zur Straße hin, im ersten Stockwerk.

Glücklicherweise besitzt das Haus einen Aufzug, den du - trotz der wenigen Treppenstufen - benutzt. Seit 15 Jahren lebst du allein, dein Mann ist eines Tages bei der Gartenarbeit tot umgekippt. Zwei Kinder hast du, Söhne, die dich etwa in einmonatigem Abstand besuchen. Meist bleiben sie über Nacht, weil sie ca. 300 bzw. 600 km von dir entfernt wohnen. Ihr Beruf hat sie in andere Städte verschlagen. Der eine Sohn wohnt in der Nähe vom Schwarzwald und bringt gern Sträuße mit, deren Blumen er meist nicht benennen kann. Du vermutest, dass sie von der Tankstelle kommen. Oder aus Holland. Meistens violette, denn er erinnert sich daran, dass du früher gern violett getragen hast, weil du fandest, dass es dich hübsch machte. Der Blumensohn hat eine Frau und ein Kind, die du beide selten siehst. Das findest du schade, besonders auf das Kind bezogen, weil du noch jede Menge Schokolade im Schrank hast. Der andere Sohn ist Künstler und hat, soweit du weißt, keine Partnerin. Deine Nachbarin fragte einmal, ob er vielleicht schwul sei. So ein Quatsch, hast du damals gesagt. Doch beunruhigt hat es dich seither schon. Jetzt lässt dich der Gedanke irgendwie nicht mehr los. Als du den Künstler-Sohn darauf angesprochen hast, hat er die Augen verdreht und gesagt, du würdest zu viel fernsehen. Das, nebenbei bemerkt, ist nicht zutreffend, denn du liest viel lieber, zusammen mit Radiomusik. Am liebsten Magazine, auch mal eine Zeitung. Neulich hast du dir sogar die Frankfurter gekauft; für die Texte musstest du eine Lupe nehmen. Jetzt hast du erstmal genug von der Frankfurter.

Zuletzt hast du als Sekretärin gearbeitet. Auf den Ruhestand hast du dich sehr gefreut, aber dann ist dein Mann zwei Jahre später gestorben. Das hat dir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Seither hast du hier und da ein paar Bekanntschaften beim Tanzen gemacht. Einer der Herren hat dir manchmal Blumen mitgebracht, wobei er die Blumen immer benennen konnte. Meistens Lilien. Denn Lilien, so hat er gemeint, seien doch das Symbol für Schönheit. Auch für den Tod, aber das hast du dir verkniffen. So recht passten dir die Herren nicht. Gegen die Abwechslung beim Tanzcafé hattest du nichts, du hast dich sogar darauf gefreut. Stolz hast du dich herausgeputzt und beobachtet die Wohnung verlassen. Aber mit der Zeit waren sie dir zu dumm, die Tänze, die Herrendüfte, der dünne Kaffee. Ja, fast zuwider. Außerdem warst du irgendwann müde. Müder als sonst. Müder als in den Jahren zuvor. Und irgendwann hattest du das Gefühl, es sei besser, dass Haus nicht mehr allzu oft zu verlassen.

Das letzte Mal warst du draußen, als eine Bekannte von dir gestorben ist. Von einer anderen Bekannten hast du gehört, dass die im Krankenhaus sei. Bald hattest du dann die Todesanzeige im Briefkasten. Die Beerdigung war seltsam, du hast dich beklommen gefühlt. Nicht unbedingt traurig. Diese Beklommenheit lag weniger am Tod der zu Grabe Getragenen, als vielmehr an der Beerdigung selbst. Am Grab blieb man kurz und wie vor einer Wahlurne stehen und schlich alsbald weiter. Du hattest eine weiße Rose, die weißen waren schneller zur Hand. Beim anschließenden Kaffee besprach man, was man sonst auch besprochen hätte - nur ein wenig leiser. Dein Sitznachbar flüsterte dir zu, dass der Bäcker um die Ecke jetzt ein Reisebüro sei. Ein anderer wisperte, sein Enkel würde jetzt Libero spielen. Wieder zuhause lüftetest du erstmal stoß.

Kürzlich hast du einen Bericht über eine norddeutsche Insel gesehen. Wie die hieß, weißt du nicht mehr. Aber der Bericht hat dir gefallen, die Insel war schön. Viel Wind, aber schön.
Vielleicht, denkst du, mach ich doch noch mal `ne Reise. Vielleicht auf diese Insel da.
Oder zum Schwarzwald. Dann muss ich an die Schokolade denken ...
Das denkst du so, während du einem vorbeifahrenden Auto hinterherschaust.

Stell dir das mal vor.

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Kommentare

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    ich bemitleide eigentlich gar nicht so viel. gegen schwule habe ich nichts, ich habe geschrieben, was mir wahrscheinlich vorkam. mag sein, dass der text klischeehaft ist, allerdings ist es nicht immer leicht, seine vorstellungen als klischees zu enttarnen.
    ein kurzer text, zwar nicht eben dahingekritzelt, aber auch nicht auf langen studien beruhend.

    10.02.2009, 18:06 von stiffi
    • 0

      @stiffi isja auch okay.
      hast'n text geschrieben...manche finden ihn toll...manche nicht. wenn hier jeder nur durchgestylte literarische vollwertkost absondern würde, müsste ich mir wohl dringend eine andere "5min-fast-food-lese(miss)vergnügen-mit-gelegentlichen-"hui"-effekten"-plattform für meine lernpausen suchen.

      alles wie gehabt.

      10.02.2009, 18:16 von derHerrMitDemPixel
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    wasn da los? warum auf einmal keine startseitengeschichte mehr?

    10.02.2009, 17:59 von wanky_monkey
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    Finde den Text stilistisch unansprechend.
    Grundiee gut, aber schlecht verarbeitet.
    klisché olé.

    10.02.2009, 17:13 von Morgenrot
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    Ja, stelle ich mir vor. Wäre wahrscheinlich traurig für mich, so ein Leben. Vielleicht aber auch nicht. Wahrscheinlich kann ich mir halb so alt gar nicht vorstellen, was mich als Renter glücklich macht.

    Und ich stelle mir dann vor, wie trostlos ich auch das Leben mancher 20-, 30-, 40-, 50-, 60- und gar 15- jähriger finde, wenn sie ihr Leben nicht selbst in die Hand nehmen. Und wie trostlos manche von denen mein Leben wohl finden. Und wie toll ich mein Leben mit 16 fand, und wie trostlos ich es in der Rückbetrachtung finde. Und wie ich mein jetziges Leben wohl mit 16 gefunden hätte.

    Und dann fällt mir meine Großmutter ein, die mein Leben ohne 5 Kinder, ohne 6 Haustiere, ohne Landlebenso jetzt trostlos findet.

    Und dann stelle ich mir vor, dass es wohl ziemlich trostlos ist, mir klischeehaft ein Leben anderer vorzustellen, um dann Mitleid mit ihnen zu haben.

    Stell´ Dir das mal vor.

    10.02.2009, 16:59 von Tim123
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    @ surecamp

    du bringst es tatsächlich auf den punkt, mein gott. es ist wohl allen Leser sofort klar, dass es sich in der Geschichte, um eine homophobe Schachtel handelt. Richtig erkannt. Ich glaub, dafür gibts nen Preis. Was für einen steht aber noch nicht fest...was würde eine homophobe Schachtel wohl dazu sagen?

    10.02.2009, 15:22 von BernhardOem
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      @BernhardOem halte deine maul, du opferin

      11.02.2009, 10:59 von Surecamp
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      @Surecamp Du machen deutsche Kurs! - Du halte-maul-sagerin!

      12.02.2009, 22:04 von Honigmond
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    Ja, das würde mich auch total "beunruhigen" wenn mein Sohn schwul sein würde...wäre ja ein Skandal. Da würde es mich auch nicht wundern, wenn meine Söhne keinen Bock auf so ne homophobe Schachtel haben.

    10.02.2009, 15:05 von Surecamp
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      @[Benutzer gelöscht] ich finde den text ausgesprochen schlecht.

      man führe sich zu dem thema "the ballade of lucy jordan" von marianne faithful zu gemüte, dann weiß man, wie so ein thema gut und nachvollziehbar aufbereitet werden kann.

      hier allerdings ist kein einziger origineller gedanke dabei. nur klischees, wie sich ein junger mensch das einsame älterwerden vorstellt.

      10.02.2009, 16:02 von RedSonja
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      @[Benutzer gelöscht] hallo paul
      zu 1.: 5 euro fürs phrasenschwein
      zu 2. und 3.: alt sein ist eine subjektive empfindung. was ist "älter"? und als marianne das gesungen hat, da war 37 schon auch "älter"

      nachvollziehbar sind alle klischees, das ist kein qualitatives kriterium.
      willst du jetzt wirklich in eine detailierte kritik einsteigen?

      ok, habs noch mal gelesen, welche details fandest du jetzt so toll beobachtet?

      unserer ansprüche sind augenscheinlich unterschiedlich.

      10.02.2009, 17:26 von RedSonja
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      @[Benutzer gelöscht] Sorry, wenn ich mich da kurz einschalte.
      "Der Vorwurf auf der anderen Seite" entstand als Reaktion auf eine Reihe von Texten dieser Art. Diese Texte leben vom Klischee, darum gings in Ihnen. Daher find ich es nicht fair, wenn du dies Sonja hier zum Vorwurf machst.

      11.02.2009, 10:01 von Tanea
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    Eine Vorstellung bei der ich Lebensfreude aus meinem Wortschatz streichen müsste. Ich sehe es mal als Warnung... ;)

    10.02.2009, 14:55 von Max_Mulatz
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      @[Benutzer gelöscht] Ich stimme dir zu. NEON verkommt zusehens zu einem Ort, wo alle so ihren Seelenmüll, das Unverarbeitete und Belastende oder einfach exibitionistische Motivierte in ihrem Leben öffentlich zur Schau stellen. Es nimmt zusehens bizarre Züge an und wirkt auf mich auch überwiegend befremlich. - Manchmal bin ich beim Lesen der Texte auch einfach nur peinlich berührt.

      10.02.2009, 15:56 von Honigmond
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