Sascha_Chaimowicz 29.01.2013, 11:46 Uhr 175 0
NEON täglich

Sprich nicht über Sex!

Wie sexuell darf es im Berufsleben zugehen?

In diesen Tagen wird viel darüber gesprochen, wo genau die Grenze zwischen einem Flirt und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz verläuft. Um Eindeutigkeit herzustellen, könnte man die komplette Entsexualisierung des Berufslebens fordern. Das macht zum Beispiel der Blogger Gerhard Winkler und entwirft einen „Leitfaden für Männer“ im Umgang mit Kolleginnen. Die meisten seiner Forderungen, die ich hier nicht alle aufliste, klingen selbstverständlich. Beispiel: Fasse deine Kollegin nicht (unnötig) an.

Weitere Punkte:

- Thematisiere nicht ihre körperlichen Vorzüge und Eigenschaften.
- Kommentiere nicht die Wirkung ihres Verhaltens, ihres Dress, ihres Körpers auf Dich.
- Rede nicht witzig oder geistreich oder auskennerisch über Sex.
- Rede gar nicht über Sex.
- Fordere keine Stellungnahme zu sexuellen, intimen, privaten Themen ein.
- Mach sie nicht an. Flirte nicht mit ihr.

Und da wird es schon schwieriger. Nehmen wir Punkte wie „Rede nicht witzig über Sex“ oder „Fordere keine Stellungnahme zu sexuellen Themen.“ Aus eigener Berufserfahrung weiß ich: Dagegen wird oft verstoßen. Ohne Wertung: Ich erinnere mich an viele Mittagessen mit Kollegen, bei denen es um Sex ging.

Und klar: Dieses Reden über Sex mit einer Kollegin zum Beispiel ist oft auch eine Art Flirt. Der Versuch einer Grenzüberschreitung also, die Flirten ja immer bedeutet. Die Frage ist: Macht diese Grenzüberschreitung das Berufsleben nicht auch spannend? Oder wäre die Entsexualisierung des Arbeitslebens der bessere Weg? Es wird ja immer leicht gesagt: Jeder Mensch bei klarem Verstand weiß genau, wie weit er gehen darf. Sicher bin ich mir da nicht: Im NEON täglich von gestern bekannte sich keiner dazu, sich mal sexistisch verhalten zu haben. Sprechen 60.000 Aufschrei-Tweets aber nicht dagegen, dass wir die Wirkung unseres Verhaltens immer richtig einschätzen?

Deshalb: Was sollte eurer Auffassung nach auf eine „Tu das nicht am Arbeitsplatz“-Liste?

175 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich schätze, ohne genauer nachzuhaken, dass der Autor der Liste sich in einem bestimmten beruflichen Umfeld aufhält, und daraus seine Schlüsse zieht, die mit Sicherheit für seinen und viele andere Fälle wichtig und richtig sind. Aber es gibt auch andere Arbeitsverhältnisse, in denen eine andere, vielleicht familiärere, Atmosphäre herrscht. Ich weiß nicht ob ein völliger Ausschluss des Themas Sex dann immernoch eine derart hohe Priorität genießen sollte. Und wenn ich mich nicht irre, gibt es auch (erfolgreiche) Liebesbeziehungen, die am Arbeitsplatz entstanden sind, weil beide einvernehmlich einem Flirt nicht abgeneigt waren. Also. Wie immer: alles relativ.

    30.01.2013, 11:57 von Gerardi
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  • 2

    Wer eine gute Erziehung genossen hat, beobachtet erst einmal und sammelt seine Erfahrungen. Man bekommt sehr schnell ein Gefühl dafür, was man sich an seinem Arbeitsplatz rausnehmen darf und was man besser lässt. Und von vernünftigen Leuten, als Kollegen umgeben, dürfte es kein Problem sein, zwischen Necken, Flirten und Grenzüberschreitung zu unterscheiden.

    30.01.2013, 09:58 von Tora
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  • 0

    wer hat eigentlich dieses beschissene wort "grenzüberschreitung" in die flirtwaagschale geworfen?

    was hat denn flirt mit grenzüberschreitung zu tun? welche verdammte grenze? was ist dann bitteschön der "nullzustand"?

    ein stein, der auf allen vier schulzvonthunschen ebenen sendet: ich bin ein stein (ohne loch) / ich habe meine menopause hinter mir / ich bin peter altmaier? hä? chaimowicz, bei welcher flachpfeife hast du das abgeschrieben und bei welchem presseklaus ebendiese wiederum?


    meine vermutung ist, dass sich in dieser debatte vor allem leute profilieren (wollen), die keine ahnung, nur sehr wenige erfahrung und persönliches standing in dieser thematik haben. endlich mal darüber schreiben, wovon man keinen blassen hat. endlich mal dort gülle hinkippen, wo man nicht sicher unterwegs ist - hier gehts primär um neid und missgunst denen gegenüber, die dieses parkett sicher beherrschen.

    60.000 "frauen", die zwar mit twitter, aber nicht mit männern umgehen können. was für ein armutszeugnis für die deutschen frauen - die halbe welt lacht schon über uns.

    30.01.2013, 00:46 von libido
    • 1

      Gehts beim Flirten nicht darum, die eigene Grenzen und die des anderen kontrolliert zu überschreiten? Wenn man seine Interessen offenlegt, riskiert man doch Gesichtsverlust. Daher sollte es möglichst spielerisch und in kleinen Schritten passieren, damit dieser nur gering ausfällt. Das heißt im Gegenzug, dass eine zu plumpe, direkte sexuelle Anmache a la Brüderle nur dazu dient, die Angst vor der Nichtbeherrschung oder den Nichterfolgsaussichten des unverfänglichen Flirts.

      30.01.2013, 08:17 von EliasRafael
    • 0

      ... zu verschleiern (Edith)

      30.01.2013, 08:17 von EliasRafael
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  • 1

    Jeder besitzt doch ein sogenanntes Taktgefühl.
    Es gibt Dinge über die redet man einfach nicht. Mich interessiert es eher weniger wo und wann und wie es mein Kollege getrieben hat.
    Schon allein auf der Reaktion anderer kann man doch sein Verhalten bemessen. Man erfährt bspw. eine positive Reaktion auf einen Sex-Witz. Weshalb sollte man diese dann in Zukunft unterlassen, wenn sie dem einen oder anderen etwas Spaß auf dem Arbeitsplatz bereiten?

    30.01.2013, 00:02 von Egokind_
    • 1

      An der Reaktion messen.

      30.01.2013, 04:13 von Dalek
    • 0

      ah.. hehe stimmt :D

      30.01.2013, 21:58 von Egokind_
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  • 0

    Immer dieses 'Harry und Sally' - Ding: Die Behauptung zwischen Männern und Frauen steht/lauert immer der Sex.
    Wenn ich jetzt folgendes schreibe:
    Ich muss gestehen, ich brauch immer eine Weile bis ich eine Kollegin als Kollege ansehe (bis das Weibliche hinter der Arbeit verschwindet)
    Bin ich dann ein Sexist?

    29.01.2013, 23:36 von SteveStitches
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    • 0

      würd ich nicht sagen. ich empfind das als ganz natürlich. nicht unbedingt fair, aber natürlich.

      30.01.2013, 10:38 von Schmalzstulle
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    • 0

      mja... naja. also sexistisch ist es ja nicht eine Libido zu haben. Das ist unterschiedlich stark ausgeprägt aber eher ungewöhnlich wenn garnicht vorhanden. ich denek schon dass zwischen Mann und Frau immer Sex lauert. das nimmt dann ab mit der Zeit aber zu anfang... Sexistisch wärs nur dann wenn ich der Frau weniger Fähigkeiten zuschreiben würd

      30.01.2013, 10:49 von Schmalzstulle
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    • 0

      so "brave new world" mäßig mit festgelegten Paarungstagen und -partnern?

      30.01.2013, 11:17 von Schmalzstulle
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    • 0

      ok, ich verstehe deinen Standpunkt, und dass du ihn bewusst überziehst :)

      30.01.2013, 12:35 von Schmalzstulle
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  • 1

    Macht diese Grenzüberschreitung das Berufsleben nicht auch spannend?


    Ich gehe ja nicht arbeiten weil ich dort von meinen Kollegen als attraktiv wahrgenommen werden will.

    Ich gehe ja nicht arbeiten weil es mir anders nicht mögliche ist sozialen Kontakt zu anderen Menschen zu haben.

    Ich gehe arbeiten weil ich Geld verdienen muss/will und weil ich meine Arbeit/ meinen Job mag. 

    Ich bin zwar ein Mensch der niemanden deswegen kritisieren will, aber was die "tue das nicht am Arbeitsplatz- Liste" angeht: Man muss als Frau am Arbeitsplatz  auch nicht so nackig rumlaufen das keiner einen mehr ernst nimmt als Arbeitskraft. Den Gefallen sollte man sich selbst tun. Und zwar nicht deswegen weil irgendjemand darin eine Aufforderung zur sexuellen Belästigung sehen könnte.

    Bei diesem "grenzwertigen Flirt", solange er dies noch ist, ist glaube ich nicht mal das das Problem, das sich jemand durch ein Kommentar wie dieses von Brüderle nicht mal sexuell belästigt fühlt, sondern das der/die Belästigte sich als Mensch nicht angemessen behandelt fühlt, nicht mit dem nötigen Respekt behandelt fühlt.  

    29.01.2013, 23:10 von tracy.d
    • 2

      Warum der Link zu irgendjemand?

      30.01.2013, 04:19 von Dalek
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  • 0

    Der Chef darf sich, auf Grund seiner Machtposition, geistig einen runter holen auf deine Kosten, darüber redet man sowieso nicht, nennt man glaub ich, Mobbing, oder Hochbumsen falls man mitmacht...

    29.01.2013, 22:39 von RazthePutin
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  • 2

    sex abschaffen. für immer.

    29.01.2013, 20:49 von magnus
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  • 0

    Geht es hier jetzt um "Wie sexuell darf es im Berufsleben zugehen?" oder um "Was sollte eurer Auffassung nach auf eine Tu das nicht am Arbeitsplatz-Liste?" ?

    Und vor allem - warum denn ausgerechnet Tu-das-NICHT? Effektiver wäre eher ein "Ich vermeide sexuelle Themen in sämtlichen Gesprächen am Arbeitsplatz" o.ä.. Als Erzieherin habe ich gelernt, dass man sich Nicht-regeln schlechter merken kann.

    Aye, und das Thema Sex ist kein Gulasch. Nene.

    29.01.2013, 20:14 von Mueckenschnitzel
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  • 0

    Ich habe ein starkes Dejavu bei dem Thema...

    29.01.2013, 17:52 von Dalek
    • 0

      Du auch? Verdammt, ich auch.

      Ich glaube, die Aliens haben diese Folge schonmal gezeigt!

      29.01.2013, 20:09 von Mueckenschnitzel
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