Rembo 18.12.2003, 01:49 Uhr 6 0

Sie sind noch überall.

Die kleinen bunten Rechtecke und Quadrate. Neben Dir, vor Dir, über Dir an der Hauswand.

Geh' ich durch Köln, dann sehe ich sie überall: geflieste und gekachelte Fassaden.
Nicht nur hier, auch andernorts. Denn als vor vielen Jahren hier und überall alles kaputt war, war das kleinteilige bunte Steingut hier und überall offensichtlich groß im Kommen.

Viele Menschen sagen heute, die sind hässlich und sehen aus wie Badezimmer, kalt und schmutzig. Dabei kann man kaum eine Fassade so gut saubermachen...

Dazu kommt noch, dass es viele verschiedene, ja scheinbar unbegrenzte Möglichkeiten gibt, aus Fliesen und Kacheln, Muster oder Strukturen zu erzeugen. Brandwände zu den Nachbarhäusern werden farblich abgesetzt, Bänder in anderen Fliesenformaten ziehen sich um Fensterlaibungen, bilden Vriese oder gliedern die Fläche. Wieder andere sind vollkommen homogen und legen ein gleichförmiges Fugennetz über den Baukörper. Genaues Hingucken lohnt sich! Immer wieder habe ich neues entdeckt und irgendwann wusste ich: die sind nicht hässlich, sondern wunderschön. So habe ich meine Liebe zur Fliese entdeckt. Jede Kachel ist irgendwie anders, in Farbe, Oberfläche oder Format.

Eine Renaissance der Kachel an der Fassade ist zwar da, doch scheinen gerade ältere Hausfassaden aus den fünfziger Jahren gefährdet. Ist die Fassade schadhaft, wird sie selten saniert, sondern häufig gegen eine moderne "Thermohaut" aus Wärmedämmung und Kratzputz ausgetauscht. Die haben die Eigenschaft, absolut identisch auszusehen.

Ein übles Beispiel in meiner Umgebung ist die Aachener Hauptmensa. Als ich zu studieren begann, leuchtete der kubische Kasten an der Turmstrasse noch stolz in sattem Gelb; rechteckige Fliesen, glasiert und in der Sonne leicht glänzend, wenn ich mich recht erinnere. Heute schmückt eine blass zitronig-gelbe, mit mintfarbenen Streifen poppig durchsetzte Kunststoff- oder Metallfassade (durch bloßes Betrachten ist das Material nicht wirklich zu ergründen) den Bau. Der hat allen Stolz nun endgültig verloren und sieht ziemlich erbärmlich aus...

Hoffentlich wird das nicht zur Norm im Umgang mit gefliesten Fassaden. Sonst haben wir den bescheidenen Schatz der Wirtschaftswunderzeit bald an ökologisch wertvolle, weil super-wärmedämmende Hässlich-Fassaden verloren. Ähnlich den Gründerzeitfassaden, die in den 60ern einer zweifelhaften "Modernität" gewichen sind.

Also: nicht nur nach vorne, sondern auch nach links, rechts, oben und unten gucken. Oft ist Schönheit da zu Hause, wo man sie kaum vermutet.

6 Antworten

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    Also ich kenne die Hauptmensa der RWTH in Aachen nur in seiner jetzigen Form, und stimme zu, daß sie erbärmlich und charakterlos aussieht. Ob sie mit der gefliesten Fassade schöner war wage ich aber auch zu bezweifeln...
    Ich bin persönlich aber auch kein Freund der gefliesten Fassaden, da ich bisher noch kein schönes Beispiel dieser keramischen Verkleidungen gesehen habe. Allerdings wohne ich in einem...

    Des weiteren meine ich mich daran zu erinnern, daß mir von einem Prof. in einer Vorlesung zur Bauphysik mal nahe gebracht wurde, daß es bauphysikalisch eher ungünstig ist, ein Haus wie ein Badezimmer zu verkleiden, da es sich negativ bis katastrophal auf die Dampfdurchlässigkeit des Bauteils Wand auswirkt.

    07.04.2006, 15:08 von Volkaracho
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    über baustil aus vergangenden tagen darf man wohl berechtigt streiten jedoch denke ich - nicht schön aber selten! wer weiß vl stehen wir in 30 jahren vor einem gefließten kulturdenkmal!

    16.01.2006, 10:22 von guterdiktator
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    über vergangenden baustil darf man wohl berechtigt streiten nicht schön aber selten und irgendwann wird es noch kulturdenkmal - wer weiß?

    16.01.2006, 10:20 von guterdiktator
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    Ich bin ausserdem für Glasbausteine. Warum wurden diese genialen Lichtspendenden Teile vergessen?

    25.03.2004, 23:15 von surflehrer
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      @surflehrer oh oh. unbedingt. meine oma hatte früher zwischen wohnzimmer und hof eine grosse wand aus glasbausteinen, die waren weiss und dazwischen gab es einige farbige. sehr schön. neulich habe ich eine glasbausteinwand gesehen in die in der mitte ein kleines fenster eingesetzt war. das hat den effekt der glasbausteine irgendwie noch verstärkt, das was dahinter lag konnte man nur schemenhaft erkennen, das fenster dazwischen hat wie ein focus gewirkt, da man hier einen kleinen ausschnitt scharf durch klares glas sehen konnte.

      01.04.2004, 21:29 von Rembo
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    Ohne dir zu Nahe treten zu wollen; aber gefließte Häuser sind für mich unerträglich & häßlich. Was vielleicht nichts mit den Fließen an sich zu tun hat, wohl eher mit der Zeit und dem damals wohl angesagten Baustil. Die daraus entstandenen Blüten sind schuld daran, dass ich die Uni geschmissen habe. Ok, auf irgendwas muss man es ja schieben...

    07.01.2004, 17:21 von popbitch
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      @[Benutzer gelöscht] Ne, hab ja gar nicht Architektur studiert. Aber in Bauten, die mit Fließen, Kacheln, oder was auch immer dir korrekte Bezeichnung dafür ist. Und das war sehr, naja, fast schon depressiv. Also war dann irgendwann schluß.

      09.01.2004, 11:24 von popbitch
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