PDK 13.05.2007, 00:00 Uhr 4 8

Schwarzes Eis

Es gibt diese Nächte, die einem wie Splitter schwarzen Eises unter die Haut dringen...

Es gibt diese Nächte, die einem wie Splitter schwarzen Eises unter die Haut dringen, in denen man diese ganze schreckliche Verlorenheit spürt, mit der wir zu leben haben. Schlimmer noch, als solch eine Nacht allein zu durchleben, ist es, die Kälte zu spüren, obwohl ein warmer, duftender, vielleicht sogar geliebter Körper neben einem liegt. Auch diese Nächte gibt es. In der nicht einmal das Fassliche neben uns die Kälte zu vertreiben mag. Und glücklich nenne ich den, der dennoch zu schlafen vermag.
Dringen einem aber zu viele Splitter schwarzen Eises, dringen sie dir Nacht für Nacht unter die Haut, so kann es sein, dass man erstarrt, kalt und hart wird, sich verwandelt, die schwarze Galle – melancholia – einen schwarzen Diamanten aus einem formt.
In der Schönheit der Traurigkeit erstarren.
Ich fürchte mich davor und fliehe das schwarze Eis der Nächte, fliehe das leere Bett, dass keinen Schlaf verspricht, fliehe hinaus und hinunter zwischen das fallende Licht der Laternen, schaue auf seinen vergeblichen Kampf gegen die wüste Dunkelheit der Nacht, laufe, treibe, schwimme mit den Sternen ziellos durch die Straßen in der traurigen Hoffnung, anzukommen, irgendwo, mir zu entkommen und die Splitter schwarzen Eises unter meiner Haut zum Schmelzen zu bringen, an denen ich zu ersticken drohe. Natürlich gibt es keine Rettung. Trotzdem laufe ich immer wieder.

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4 Antworten

Kommentare

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    Gott.

    ich muss mich erstmal sammeln.

    24.02.2008, 23:18 von Wie_ein_Schimmer
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    Du hast mir den Text von der Seele abgepaust. Blaupause meiner Nächte.

    13.05.2007, 20:10 von N0ra
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