Schlafgestört.
"Schlaf ist ein Hineinkriechen des Menschen in sich selbst." (Hebbel)
Schlaf wird total überbewertet. Versuche ich mir seit Monaten einzureden. Zwei Stunden vollgestopft mit fiebrigen Alpträumen sind völlig ausreichend.
Ich fange an Dinge zu sehen. Keine dicken Männer in Hasenkostümen, die den Namen Frank tragen, aber meine Visionen kommen schon sehr nahe an die Materie ran.
Menschen haben Auren. Bunte vibrierende Schatten die sich ausdehnen und zusammenziehen. Meine Mitmenschen halten mich für verstrahlt und wissen gar nicht in welche bunten Gewänder sie sich hüllen. Ich habe angefangen, mit mir selbst zu reden. Was mich fasziniert, sind die Neuigkeiten, die ich mir mitteile.
Wusstest du schon? Das Mädchen mit den Schatten unter den Augen versucht es jetzt mit Meditation. Sie sitzt stundenlang in ihrem abgedunkelten Zimmer, verkrampft sich in einem ganz annehmbaren Lotussitz und versucht in sich selbst zu kriechen. Es funktioniert übrigens nicht. Wie all die Medikamente. Verschreibungspflichtig und irgendwo vom LKW gefallen, die sich zu Gemüt führte, als die Tage sehr schwarz und die Nächte viel zu lang waren.
Nichts hilft und alles pulsiert. Ich versuche es weiter. Ich versuche es mit Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung und Selbsthypnose. Ich bin meine eigene kleine Insel in einem Meer aus bunten, tosenden Lichtern, die mir den Schlaf und den Verstand rauben. Mir den Boden entziehen.
Meine Zeit sitze ich ab. Ohne Lust und ohne Schmerz. Ich existiere einfach nur noch vor mich hin. Tag für Tag und was noch besser ist Nacht um Nacht, immer auf ein Neues.
Meine neuste Idee war der gezielte Einsatz von diversen berauschenden Substanzen. Ich erhoffte mir sehr viel und wurde in keinster Weise enttäuscht. Die Farben wurden greller und breiteten sich auf die umliegenden Gegenstände aus. Die Zeit floss träge dahin. Minuten und Sekunden blieben einfach im Raum hängen und lachten mich aus. Meine wohl verdienten Alpträume wurden intensiver und lebensechter. Ich denke nicht, dass ich es noch einmal probieren werde.
Langsam und bedächtig schlurfe ich Schritt für Schritt gen Küche. Ein Blick in den Spiegel verrät mir, dass ich die Einzige zu sein scheine, die ohne farbige Schatten auskommen muss. Die dunklen Schatten unter meinen Augen reichen völlig aus. Die Kaffeemaschine schaut mich verschwörerisch an und ergießt den heißen Sud in meine Tasse. Ich bedanke mich höflich und vegetiere davon.






Kommentare
story of my life.
25.01.2013, 07:01 von Mathilda00Ich weiss nicht was ich davon halten soll, "Meine wohl verdienten Alpträume" klingt für mich doch reichlich masochistisch.
12.11.2012, 13:09 von CyroDa das ganze Drumherum fehlt, und es nur eine Zustandsbeschreibung ist, fehlt mir der Zugang zum Text. Oder auch nur die Phantasie, mir das Drumherum selber zusammenzureimen.
düstere geschichte .. und doch so originell.
12.11.2012, 10:04 von ilofi"Schlaflos - Stephen King"
11.11.2012, 19:06 von withoutwingsInhalt is haarscharf an der Grenze zum nervigen Selbstwiederkäuen, den Stil, das was der Text vom Charakter des/der Erzählenden andeutet, fand ich aber wundervoll. Herz.
11.11.2012, 17:48 von forstHerrlich! Ich bedanke mich höflich für diesen Text und vegetiere davon.
11.11.2012, 17:43 von JuliieGeil, geil, geil!!!
10.11.2012, 21:54 von TilmannKleyeDer Figur in Deiner Story geht es von außen betrachtet absurd scheiße, hat aber ihren kleinen Privatspaß der exotischen Sorte.
Auch ganz, ganz geiler Humor, der dezent aus so mancher Textritze lachend macht.
Ein virtuoses Stück Beatnickliteratur!!!
Dank Dir für das Amusement!