MaasJan 31.01.2012, 23:34 Uhr 15 7

Rebecca

Wäre es nicht so ein trauriger Anlass gewesen,

Sie wären nicht alle zu solch einem traurigen Anlass gekommen. Nicht die Tante mit den frechen Aufklebern auf ihrem Twingo, nicht sein Cousin auf Fronturlaub.
Im herkömmlichen Sinne war es auch kein trauriger Anlass, eher ein Ereignis, das Spuren in jedem Gedächtnis hinter- und sich wohl besser in Bilder denn in Worte kleiden ließ. Bis das der Tod euch scheidet. Eine überholte Formel. Im Tode vereint wollte er sein.  Er..und sie sicherlich auch.
Sie, das war Samuels Angetraute, seine Frau.
Kennengelernt hatten sie sich bei einer Partie Boule, die er mit seinem Onkel von einer Klippe hinab gespielt hatte. Hinab in eine gottverlassenen Gegend auf einem menschleeren Strand. Wenn jemand dort trotzdem spazieren ging, musste es Vorsehung sein.
Jedenfalls traf die Kugel direkt ins Schwarze. Bei näherer Betrachtung erwies sich das Haupthaar allerdings nicht eben holzig, mehr blutrot, was auch deutlich besser zu dem zunehmend schneeweißen Teint passte.
Wie der Schlag traf es Samuel damals, sie natürlich auch.
Erholt hatte sich ihre Beziehung von diesem heftigen Aufeinandertreffen zweier Individuen nie.
Die Hochzeit war da nur der nächste, logische Schritt.
Für ihn schien es immer außer Frage zu stehen und für sie war die Frage außer Reichweite des Fassbaren gewesen. Samuel für seinen Teil hatte das Blitzen in ihren Augen als ein eindeutiges „Ja, ich will“ gedeutet, sich den Kniefall gespart und ihr den Ring angesteckt.
Nun waren sie sich versprochen und Einwände schien niemand zu haben. Ihre Familie hatte sich bisher nicht gemeldet, Samuels Verwandtschaft hingegen sie direkt in ihr Herz geschlossen und auch gar nicht mehr herausgelassen. Wie auch.
Die Feierlichkeiten wurden schnell organisiert, frisches Blut war immer ein Anlass zur Freude.
Und sei es nur auf dem Grabstein.
Nun saß sie etwas steif auf dem Stuhl neben ihrem Gemahl und konnte von ihrem Podestplatz die Reaktion der versammelten Gäste auf die Rede Samuels beobachten. Jedenfalls machte es den Anschein.
Es mochte etwas grotesk anmuten, aber ihre Lippen hatten sich unter dem sorgsam aufgetragenen Lippenstift bläulich verfärbt.
Euphorisch erhob Samuel sein Glas und dann seine Stimme. Er schwärmte in den höchsten Tönen von den Vorzügen seiner Frau und sah mit jedem Wort die Farbtöne ihrer Lippen in einem tieferen Violett verschmelzen.
Ein untrügliches Zeichen, dass sich die Feier dem Höhepunkt zuwandte. Er erheiterte noch einmal die Anwesenden mit einer Anekdote aus ihrer kurzen und von Stille geprägten Beziehung, dann setzte er sich, blickte ruhig in die Runde und schluckte. Samuel hatte sich etwas mit Biss besorgt und die Glasphiole in seinem Mund zerkaut. Er hoffte inständig, dass das Gift wirken würde, bevor er die Schäden spürte, die das zerborstene Glas unweigerlich anrichten musste.
Die Flüssigkeit in seinem Rachen verfehlte ihre Wirkung nicht. Er reagierte prompt. Die platzenden Äderchen erzeugten ein Feuerwerk vor seinen Augen. In seinem Bauch rumorte es, dass, hätte man ein Mikrofon davor gehalten, ihm jeder Glauben schenkte, wenn er ein ganz eigenes Süppchen in den Tiefen seines Unterleibs köcheln würde. Mit den Fingern krallte er sich an der Hand seiner frisch vermählten Ehefrau fest, der Brustkorb krampfte und zitternd fasste er sich mit der freien Hand fasste theatralisch an den Hals.
Das mittlerweile geronnene Blut in seinen Adern war feinkörnig und pumpte bei jeder Bewegung wie ein Sandsturm durch ein Wadi. Geübte Blicke hätten sicherlich an seinem Todeskampf mehr Interesse gezeigt. Aber wie bei den Hochzeiten üblich, zog die Braut die Blicke der Gäste auf sich. Während Samuel zuckend in den letzten Zügen das Leben aushauchte, schien sie wie von Geisterhand geführt ihren Körper zu verlassen.
Ein Timing, das dem Beginn ihrer Beziehung sehr nahe kam.
Kurze Zeit später war der dekonstruktive Akt der Schöpfung vollzogen und auch das Festbankett wandelte sich zusehends in einen Leichenschmaus.
Mit einsetzender Dunkelheit zerstreute sich die Gesellschaft und schon bald war nichts mehr von den sonderbaren Geschehnissen des Tages zu sehen.


Tags: Literaturlinie, Hochzeit
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15 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Mit einsetzender Dunkelheit zerstreute sich die Gesellschaft und schon
    bald war nichts mehr von den sonderbaren Geschehnissen des Tages zu
    sehen.


    uiuiui - makabere Egalität :D

    19.02.2012, 17:19 von deluecksartist
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  • 0

    versteh ich nicht.

    05.02.2012, 14:59 von Faraduna
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  • 1

    Da kommt Boule drin vor !!! Cool.

    02.02.2012, 09:55 von cosmokatze
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  • 1

    Uh. Alle irre. Mag ich!

    [Kompliment 2.0]

    01.02.2012, 19:10 von Spielverderberin
    • 0

      2.0 wurde doch abgeschafft.

      01.02.2012, 19:22 von EliasRafael
    • 0

      Hier auf Neon isses doch fiktiv ;)

      01.02.2012, 19:23 von Spielverderberin
    • 0

      Ich befürchte, der Text ist es nicht

      01.02.2012, 19:25 von EliasRafael
    • 1

      Das hat dir der Teufel verraten!

      01.02.2012, 19:26 von Spielverderberin
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  • 0

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe, aber setzt du hier etwa eine Hochzeit mit dem Tod gleich?

    01.02.2012, 16:13 von NeverGrowUp
    • 0

      wenn du das so sehen willst..

      01.02.2012, 18:25 von MaasJan
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  • 0

    ach pluti.
    GEGENLESEN!
    man man man - das is an einigen stellen wirklich unlesbar. das fängt schon beim ersten satz an.
    die idee finsch jut. ideen haste ja immer. wenns doch nurma mim schreiben wieder klappn würd^^

    01.02.2012, 14:09 von Der_Misanthrop
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  • 1

    Bevor Misi was schreibt, stelle ich erstmal fest, dass das toll ist. ;) Ein bisschen literarischer als sonst. Ohne den Waldi hätte ich Zweifel an deiner Urheberschaft. Sehr schön. Hm. Jetzt, wo ich hinseh... der Stil ist wirklich ein bisschen anders. Und wo sind die Schreibfehler? Jan! Ist das von dir!?

    31.01.2012, 23:43 von Trebor-Faust
    • 1

      Also ich entdecke genug Schreibfehler. Und Wortwiederholungen. Und hölzernen Wortklang. Und sogar falsch verwendete Wörter.

      Mh. Idee is nett, aber Umsetzung gefällt mir nich.

      01.02.2012, 01:25 von nyx_nyx
    • 0

      Mal ab von den Fehlern, hölzern soll das schon klingen..

      01.02.2012, 07:19 von MaasJan
    • 0

      Naja, is ja 'n Unterschied, ob es teakhölzern klingt, edelmahagonisch ooooder nach Sperrholzplatten. ;)

      01.02.2012, 17:41 von nyx_nyx
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