stereoG 19.06.2012, 06:55 Uhr 17 13

Neulich auf der Piste

Wird doch eh wieder umgeschrieben.

Ich hatte mich von meiner aktuellen Ficke breitschlagen lassen, mit ihr in einen Club zu gehen. Sie hatte sich wie blöde aufgetakelt und ich bin normal in meinen Standardklamotten los, weswegen die Türsteherlachse gleich rumzickten, dass ich mit kurzer Hose nicht reinkomme, woraufhin die Alte ebenfalls loszeterte, dass sie es ja gleich gesagt hätte und der schöne Abend dahin wäre. Welcher schöne Abend bitte? Bloß weil sie unserer Bettgeschichte irgendeinen sozialen Anstrich verleihen möchte, indem sie mich nötigte, in diese beschissene Diskothek mitzukommen und das jetzt schief zu gehen drohte? Das wüsste ich aber.

Ich nuschelte ihr aus dem Mundwinkel zu, ob sie nicht die Güte hätte, mal für ein paar Augenblicke den Mund zu halten und fragte gleichzeitig den Redenschwinger der Türstehergilde, ob sie den und den kennen, was sie bejahten. Also äußerte ich mein weiteres Vorgehen nur kurz gegenüber der Muskelrunde, unseren gemeinsamen Bekannten anzurufen, eine dufte Atze von mir und zugleich deren Arbeitgeber, nur weil sie ihre Kompetenzen völlig falsch einschätzten. Immerhin blickten sie recht schnell, dass ich einer von den Guten war und gewährten der Alten und mir nicht nur kostenlos Eintritt, sondern stopften mir die Taschen mit Gutscheinen für Freidrinks voll.

Die Alte war dann wieder zufrieden gestellt und da ich die Spendierhosen anhatte und mich vor der Tür in ihren Augen als irgendwie krass geoutet hatte, gingen natürlich die Fragen los, warum und wieso ich so bin. Ich legte ihr nahe, einfach mal nicht groß darüber nachzudenken und nicht zu hinterfragen, woher die Drinks kommen, wenn sie umsonst sind. Und garnierte das Ganze mit einem Zitat von Franco aka Begbie: Was du nicht weißt, kann man nicht aus dir herausprügeln. Stimmt eigentlich auch nicht; man kann eine Menge aus jemandem herausprügeln, wenn man will.

Fiel ihr natürlich schwer, still zu sein, aber ich wimmelte sie ab und verzog mich zu den Türstehern, um ein bisschen Namedropping und Storytelling zu betreiben. Nebenbei half ich ihnen noch dabei, Tourigrüppchen auszusieben, die stilistisch eindeutig von „Berlin Tag und Nacht“ inspiriert waren und meinten, nach zwei Pullen Billigwodka die übelsten Helden zu sein, bis sie zum ersten Mal in ihrem Leben mit der nonchalanten Art der Berliner Tür Bekanntschaft schlossen. Was da in der Club stromerte, fügte mir, da ich noch nüchtern war, tiefe Depressionen bezüglich dem Ausgang des Kampfes der Geschlechter zu, also drehte ich eine Runde durch den Club und wunderte mich weiter, wann die Männerwelt in den letzten Jahren beschlossen hatte, nur noch aus Schwuchteln zu bestehen. Deren Insignien: Franzosenschnurrbart, Mia-Stern am Ellenbogen, Tunnel in den Ohren, zu enge und kurze Skinnyjeans, sowie affektiert tuntige Mimik und Gestik, dazu eine mit Anglizismen verseuchte Sprache und vielleicht noch eine klug machende, aber stylische Brille.

Um das zu ertragen, gönnte ich mir einige Cuba Libre und versuchte die Alte zu einem Quickie auf dem Klo zu bequatschen, aber dafür war die sich zu fein. Also gammelte ich mich im Chillout auf eine Couch und kam mit einer Perle ins Gespräch, die irgendwas mit sozialer Arbeit an der Hellersdorfhochschule studierte, was aber nur Zeitvertreib war, denn eigentlich hoffte sie, mit ihren selbstdesignten Shirts, den Sprung in ein besseres Lebenslevel zu schaffen. Ich log, dass das die innovativste Idee seit langem sei, die ich gehört hatte und wünschte ihr viel Glück. Bloß schnell weg hier.

Ich orderte weitere Drinks und wollte der Alten einen Versöhnungsdrink bringen, um die Verhandlungen von vorhin wieder aufzunehmen, da sah ich, wie sie von zwei Flachwichsern angetanzt und bedrängt wurde, doch konnte ich kaum Widerstand ihrerseits feststellen und das missfiel mir. Ich drückte ihr den Drink in die Hand und bedachte sie mit einem finsteren Blick, der noch böser werdend über die beiden Typen wanderte und signalisierte: Nicht euer Futtertrog, ihr Pisser! Jedenfalls dampften die Beiden gleich ab und die Alte fühlte sich nun wieder ausreichend von mir gewürdigt.

Die nächste Zeit stand ich hinter ihr und versuchte, die miese Musik nicht als zu sehr zu beachten, was sich aber als schwierig herausstellte. Jedes Mal, wenn sie zu mir schaute, um mein spaßbefreites Gesicht zu analysieren, bettelte ich via Hundeblick, dass wir uns auf die Socken machen sollten, aber die ignorierte mich einfach, also verdrückte ich mich aufs Klo, um eine Zigarette zu rauchen, wobei das auch nicht meine klügste Idee an dem Tag war, denn da kam ich nicht nur in den Genuss sämtlicher Dialekte dieses Landes und dieser Welt. Nein, ich bekam zusätzlich geboten, wie die beiden Feierabendschwuchteln, die eben die Alte angegraben hatten, in der Nachbarkabine etwas Speed wegmachten und danach große Reden schwangen. Oha, die wollten es mir noch richtig besorgen und sie danach im Dreier wegmachen. Das wüsste ich aber.

Ich wieder zurück zu der Alten, die immer noch an der gleichen Stelle am Zappeln war, bereitete mich auf das Kommende vor (Uhr abnehmen, Schuhe festschnüren und Hosentaschen leeren) und drückte ihr mein Zeug in die Hand. Wenig später kamen die beiden Kecks an und simulierten starken Mundkasper, um krasser zu wirken, aber dabei nicht ahnten, dass ihre Discoschals und die dünnen Oberarme mir schon längst verdeutlichten, dass ihre härteste Schlägerei im Leben nur ein bisschen Rumgeschubse in der Hofpause in der Grundschule war. Wir haben da noch was zu klären, schwäbelte mich der eine voll und piekte mir mit dem Finger gegen die Brust, wie er das wohl in einem Van Damme-Film mal gesehen hatte. Ich wischte seine Wichsgriffel beiseite und ging voran aus dem Club zum Parkplatz.

Zögernd kamen mir die Beiden hinterher, aber nachdem sie gesehen hatten, dass ich immer noch alleine auf sie wartete, wurden sie lauter und pöbelten fies daher, dass sie mich, meine Mutter und mein Leben ficken würden. Schwabenkeck Nummer Eins ging sogar so weit, sich das Hemd vom Oberkörper zu reißen, einen auf harten Fighter zu machen und sprang mir entgegen, um noch irgendwas zu rappen und mir mit einem Hollywoodschwinger auf die Fresse zu hauen. Müßig zu erwähnen, dass ich seinen Schlag umgehend blockte und ihn mit meiner patentierten fiese-Gerade-auf-Solarplexus-und-Knie-gegen-Kopf-Kombination zu Boden schickte. Danach starrte ich den anderen Wicht genüsslich lange an und bewegte mich total entspannt in seine Richtung und ließ dabei noch meinen Nacken knacken. War wohl zuviel für ihn und er drehte ab, um stiften zu gehen, stolperte aber über irgendetwas und klatschte hart aufs Pflaster.

Bei ihm angekommen, drehte ich ihn mit meinem Fuß um und platzierte diesen auf seiner Brust. Ich beugte mich näher ran. Die Zeit war gekommen für einen großen Spruch: Habt wohl nach ausgiebigen RTL2-Konsum gedacht, dass Berlin auf gastfreundliche Nutte getrimmt worden ist, ihr Schmocks! Kommt und bedient euch, genießt das Flair, macht euch breit, hier ist alles voll easy, peacy und relaxt und nach dem ihr euren billigen Spaß hattet, macht uns schlecht. Aber das wahre Leben spielt nicht nur innerhalb des Rings, Fotze. Und ich bin nicht der Einzige, der Euch satt hat. Auf jede Aktion erfolgt eine Reaktion, merkt euch das. Jede Selbstüberschätzung bestraft Nemesis sofort. Wisst ihr was "Nemesis" bedeutet? Die gerechte Strafe in Form einer Vergeltung, effizient ausgeführt von einem Rache-Engel, in diesem Fall dargestellt von einem ehrenwerten Dreckskerl: Mir! Oder der Bordsteinkante, die ihn zu Fall brachte.

Ich hätte Brick Top auch auf Englisch zum Besten geben können, aber das wäre hier Perlen vor die Säue, denn der hat mir vor lauter Schiss eh nicht zugehört. Wie ich so wieder aufrecht in der Siegerpose thronte, sah ich meine Türsteherfreunde feixend um die Ecke lugen und sie machten mich dadurch auf etwas aufmerksam, das mir entgangen war; der Kollege hatte eingepisst. Ich rümpfte die Nase und wollte in den Club, die Alte einsacken und ab zu ihr, da kam sie mir schon entgegen gestapft und schmiss mir mein Zeug vor die Füße und verschwand mit den Worten „Ich will dich nie wieder sehen!“ die Straße hinunter. Ich rief ihr theatralisch hinterher: „Aber ich hab es doch nur für dich getan!“, wobei die letzten Silben in dem lauten Gelächter der Türsteher untergingen, in das ich mit einstimmte. War es ja doch noch ein schöner Abend geworden: die Alte los und noch einige Freidrinks auf Tasche, außerdem lief mir die Shirtdesignerin gerade wieder ins Blickfeld.

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17 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ich schwanke zwischen "find ich richtig gut!" und dem Nichtmögen von "Mein Berlin, mein Ghetto, alle anderen Mist!" Kann es vielleicht schon ein bißchen verstehen, aber in diesem Text war mir zu viel überzogene Coolness! ennoch musste ich schmunzeln und hab ich trotzdem gern gelesen. Ambivalenz lässt grüßen!

    22.08.2012, 22:09 von topfbluemchen
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  • 0

    Also echt mal... das kannste besser. Klingt viel zu gewollt. Das ist das erste Mal, dass ich enttäuscht bin nach dem Lesen.

    22.06.2012, 14:25 von Daner
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  • 1

    Um das zu ertragen, gönnte ich mir einige Cuba Libre


    Das Gleiche hab ich beim Lesen auch gerade gedacht

    21.06.2012, 21:48 von Sambre
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  • 0

    seit wann kann man auf speed gut bumsen?

    20.06.2012, 23:04 von libido
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      wollt isch grad sagen.


      wobei das unverständliche gestammel von mickey auch witzig gewesen wär.

      20.06.2012, 13:25 von IceIceFriedhelm
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Für mich ist dieser Text eine gute Übung... den unsympathischen Protagonisten nicht die Macht einzuräumen, den ganzen Text nicht mögen zu können... ist mir gelungen :)

    20.06.2012, 05:33 von Mrs.McH
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  • 0

    Hört sich für mich eher an wie Ali G als stereo G ;)
    Is aber witzig.

    20.06.2012, 04:35 von themecki
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  • 2

    Irgendwie das lahmste Geprolle, das man vermutlich je zu lesen bekommt. Kürz es doch mal um 80%.

    20.06.2012, 03:27 von Boahmaschine
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  • 0

    Schön geschrieben, stilistisch gut, nette Pointe, aber leider finde ich den Protagonisten als Menschen zutiefst unsympathisch. Schon beim ersten Satz musste ich überlegen, weiterzulesen. ;)

    19.06.2012, 15:22 von wordmage
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  • 0

    beschwerst dich über "mit anglizismen verseuchte sprache", klingst selber aber wie vom wörterbuch der deutschen jugendsprache inspiriert. jedenfalls in diesem artikel.

    is irgendwie anstrendend zu lesen, bei diesen endlosen schachtelsätzen.

    19.06.2012, 14:41 von .RehLein.
    • 0

      Ich bin das Wörterbuch der deutschen Jugendsprache, Rehlein. Doch vielen Dank, dass du den Text trotz der anstrengenden Hypotaxe gelesen hast.

      19.06.2012, 14:54 von stereoG
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      achso...na dann ist das ja schon fast wieder ein kompliment gewesen! ;)

      jo, naja, bei manchen usernamen kämpft man sich eben durch die texte in der hoffnung auf belohnung...aber mir muss ja auch nicht alles gefallen!

      19.06.2012, 14:58 von .RehLein.
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